Mit ‘John Rhys-Davies’ getaggte Beiträge

the-living-daylights-1-1024x768Es liegen nur zwei Jahre zwischen A VIEW TO A KILL und THE LIVING DAYLIGHTS, aber beide Filme trennen Welten. Sie sind so verschieden, dass man kaum glauben mag, dass der Regiestuhl bei beiden mit John Glen besetzt war. Die wichtigste Veränderung war natürlich die Besetzung der Hauptrolle. Mit Timothy Dalton stand ein neuer Darsteller zur Verfügung, der nicht nur 15 Jahre jünger, sondern auch wieder ein physischerer Typ war als Moore, jemand, dem man es abnahm, wenn er als Bond mit dem Fallschirm aus einem Flugzeug sprang, sich erbitterte Faustkämpfe oder wilde Verfolgungsjagden lieferte. Gleichzeitig schien Dalton aber auch introvertierter, kultivierter und verwundbarer als der aus jeder Pore Selbstsicherheit verströmende Connery: Etwas, was ihm Kritiker als mangelndes Charisma ankreideten, meines Erachtens aber Bonds seit den Anfangstagen der Reihe in Vergessenheit geratenen Status als austauschbarer Staatsdiener hervorhob. Daltons Bond ist zudem nahbarer und menschlicher als es sowohl Connery als auch Moore waren. Das verändert die Zuschauerperspektive total, weil man plötzlich wieder Angst um die Doppelnull haben kann. Keine hochgezogene Augenbraue mehr, in der sich die souveräne Enthobenheit vom Geschehen spiegeln würde. Auch das Verhältnis zu den Frauen ist ein anderes: Viel wurde damals daraus gemacht, welchen Einfluss AIDS auf die Behandlung dieses Aspekts hatte. Bond bleibt einer Frau, der Cellistin Kara Milovy (Maryam D’Abo), den ganzen Film über treu, erst zum Schluss gibt es eine augenscheinliche Sexszene, bei der die Kamera allerdings größte Diskretion walten lässt. Diese Entwicklung hatte sich zwar auch zuvor schon angedeutet, doch war das dort wahrscheinlich eher dem Alter Moores geschuldet als einer echten Neukonzeption der Figur.

Dalton interpretiert den Geheimagenten nicht mehr als abgebrühten Womanizer und öligen Charmeur der alten Schule, sondern als galanten Ritter. THE LIVING DAYLIGHTS lässt sich durchaus auch als romantischer Abenteuerfilm betrachten, bei dem es in erster Linie darum geht, die Angebetete in Sicherheit zu bringen. (Kollege Jochen Werner kritisierte einmal das Errolflynneske von Daltons Bond: Ich finde diese Anlage der Figur zwar überhaupt nicht verwerflich, aber der Vergleich hat nicht nur deshalb etwas, weil Dalton in Joe Johnstons THE ROCKETEER tatsächlich einen unverkennbar Flynn nachempfundenen Hollywood-Beau spielt.) Auch wenn Bond zu Beginn ein anderes Motiv hat, als er sie aufsucht, ist ihm ihre Unversehrtheitbald  mindestens genauso wichtig wie die Festsetzung des Bösewichts. Das bringt mich zum nächsten Punkt. Die Story stellt eine Rückkehr zur Ernsthaftigkeit eines FOR YOUR EYES ONLY dar, ist aber wesentlich wendungsreicher und komplexer. Zum allerersten Mal basiert ein Bondfilm auf mehr als nur einer kurzen, griffigen Prämisse. Die Schurkenfiguren sind vielschichtiger als jemals zuvor, die Geschichte um Waffen- und Drogenhandel mit Russen und Afghanen ist mehr als nur über das Stichwort „Kalter Krieg“ in den damaligen politischen Vorgängen verankert. Das kommerzielle Scheitern von Stallones RAMBO III ein Jahr später schob man in erster Linie darauf, dass er mit seinem Sujet einige Monate zu spät kam. Vielleicht hatte aber auch THE LIVING DAYLIGHTS etwas damit zu tun, dem es gelingt, den Konflikt zwischen Russen und afghanischen Mudschaheddin auf eine Art und Weise zu thematisieren, die kaum weniger spektakulär, aber eben auch etwas intelligenter ist (womit ich natürlich nix gegen RAMBO III gesagt haben will).

Konnte man spätestens ab MOONRAKER das Gefühl haben, dass die Bondfilme den Trends eher hinterher rannten als sie – wie noch in den Sechzigerjahren – selbst zu setzen, wirkten sie aus der Zeit gefallen, statt ihr voraus, so ist THE LIVING DAYLIGHTS ohne Frage durch und durch modern und voll und ganz Kind seiner Zeit. Visuell wird hier ein neues Kapitel aufgeschlagen, der einfallslose A VIEW TO A KILL weit zurückgelassen. Alles wirkt größer, echter, realistischer, physischer, aber ohne den Pomp und Camp-Appeal, der die Reihe bis dahin ausgezeichnet hatte. Die Wurzeln im Pulp werden recht rücksichtslos gekappt. Es lässt sich kaum verleugnen, dass die Serie mit diesem Beitrag auch einen Teil ihrer Identität eingebüßt hat: Die Bondfilme spielten bis zu diesem Zeitpunkt in ihrem eigenen Universum, selbst wenn sie sich hier und da von der sie umgebenden Popkultur inspirieren ließen, bildeten ihr eigenes Genre, das man zwar als Konglomerat verschiedener Einflüsse verstehen konnte, das aber im Endeffekt mehr war als die Summe dieser einzelnen Teile. THE LIVING DAYLIGHTS ist nicht mehr so goofy und campy, dafür härter, cooler und zeitgemäßer, aber eben auch ein Stück austauschbarer. Ich finde den ersten Timothy Dalton sehr stark, halte ihn sogar für einen der letzten großen, handgemachten Actioner der Achtzigerjahre – die Sequenz in dem Flugzeug mit offener Ladafläche ist einfach unglaublich –, dennoch leuchtet unmittelbar ein, dass der neu eingeschlagene Weg nach 25-jähriger Vorgeschichte in eine Sackgasse münden musste. LICENCE TO KILL, der kommende Bond, sollte eine konsequente Weiterentwicklung des Dalton-Debüts sein, die Grenze zum harten Selbstjustiz-Actioner endgültig übertreten – und dem Franchise damit den ersten Flop überhaupt und eine sechsjährige Schaffenspause bescheren. Ich finde es schade, dass es mit Dalton nicht weiterging, weil er als Darsteller am vielseitigsten war. Aber vielleicht war gerade das das Problem: Die Bondserie bewegt sich innerhalb recht fest gefügter Parameter und wenn man zu sehr an ihnen dreht, hört ein Bondfilm auf, ein Bondfilm zu sein. Es sei denn, man nennt ihn CASINO ROYALE und bezeichnet das Ganze als Reboot.

https://i0.wp.com/adamantiumbullet.com/wp-content/uploads/2011/06/firewalker_poster_01.jpgDie Abenteurer und Schatzsucher Max Donigan (Chuck Norris) und Leo Porter (Louis Gossett jr.) werden von der attraktiven Patricia Goodwin (Melody Anderson) beauftragt, mit ihr gemeinsam einen geheimen Schatz zu bergen. Doch auf der Suche werden sie von El Coyote (Sonny Landham), einem unfreundlichen Indianer, der selbst großes Interesse an dem Schatz hat, und diversen südamerikanischen Milizen immer wieder in Bedrängnis gebracht …

FIREWALKER, Traum meiner Jugend. Naja, irgendwie war mir wohl damals schon insgeheim klar, dass dieser Abenteuerfilm der Cannon  – mit dem diese nach den beiden QUATERMAINFilmen zum zweiten Mal jenes Terrain beackerten, das Spielberg mit seinem INDIANA JONES so erfolgreich bestellt hatte – nicht wirklich „gut“ ist. Er dürfte wohl einer jener Filme sein, die ich zwar etliche Male mit großen Enthusiasmus angefangen, dann aber doch immer wieder vorzeitig abgebrochen habe. Warum das so ist, wird schnell klar: Der Film lässt ab der Mitte merklich nach. Die erste halbe Stunde ist nicht weniger als fulminant – zumindest in der deutschen Synchronfassung: In bester Rainer-Brandt-Manier wird hier gekalauert, dass sich die Balken biegen, und den Protagonisten immer wieder ein dummer Spruch in den eigentlich geschlossenen Mund gelegt. Zitierwürdige Zeilen finden sich zu Hauf und mehrfach haben meine Gattin und ich uns den Lachanfall nicht verkneifen können: Da wird sich darüber beschwert, dass der Sand zu sandig sei, und die Hautfarbe Leos („Von Beruf Neger“) immer wieder auf eine Art und Weise ins Zentrum des Humors gerückt, die heute gar nicht mehr denkbar wäre. Ein spanischer Gehilfe verabschiedet sich mit „Au weia con dios“, der altehrwürdige Indianer (Will Sampson) überreicht als Talisman „Gepresste Krümelkacke aus dem Medizinmann-Discount“ und beim Kartenspiel quittiert Leo den Siegesausruf – „66!“ – der quirligen Patricia mit einem genervten Stöhnen und der unsterblichen Zeile „Wir spielen doch Mau-Mau!“. Humorig dürfte FIREWALKER auch in der Originalfassung gewesen sein, aber erst die deutsche Synchronisation erhebt ihn zum Gaga-Schauspiel. Und sie wertet ihn mit ihren Charakterisierungen massiv auf: Die Chemie zwischen Norris und Gossett jr. (brillant vertont von Manfred Lehmann) stimmt, ihre gegenseitigen Neckereien und Streitigkeiten tragen viel zur Dynamik in diesem Anfangsdrittel des Films bei – mehr als etwaige Actionszenen. Norris ist als gutmütiger, aber etwas tumber Kumpeltyp geradezu kongenial besetzt bzw. synchronisiert: Von seiner stoischen Ruhe, der schon an Autismus grenzenden Ausdrucks- und Emotionslosigkeit, die seine sonstigen Darbietungen auszeichnet, ist hier nichts zu spüren. Er kommt eher als schnauzbärtige Variante der latent treudoofen Haudegen rüber, auf die sonst etwa Kurt Russell abonniert war und lässt einen fast bedauern, dass er sich nicht häufiger in komödiantischen Rollen versucht hat.

Aber auch besagter Niedergang des Films ist nicht zuletzt auf ihn zurückzuführen. Irgendwann tritt die Freundschaft von Max und Leo in den Hintergrund und macht der aufkeimenden Liebe zwischen Max und Patricia Platz. Das Sprüchefeuerwerk versiegt und stattdessen wird Plotabwicklung betrieben. Hier treten dann die Defizite des Films deutlich zu Tage: Die Geschichte um den Schatz ist haarsträubend unterentwickelt und auch nicht wirklich interessant, die Production Values sind zwar recht ordentlich, können aber selbstredend zu keiner Sekunde mit dem Vorbild oder auch größeren Rip-offs wie ROMANCING THE STONE mithalten und die Liebesgeschichte kommt direkt aus dem „Grundkurs Drebuchschreiben“. Nur noch einmal kommt wirklich Stimmung auf: Als Max seinem alten Kumpel Corky (John Rhys-Davies) wiederbegegnet, einem Weggefährten, der sich nun im Stile eines gut gelaunten Colonel Kurtz zum General einer Horde von Rebellen aufgeschwungen hat, wird der Film für einige Minuten plötzlich sehr ernst und geradezu nachdenklich. Die Schattenseiten des Abenteuerdaseins werden beleuchtet und suggeriert, dass die Suche nach Schätzen und Artefakten möglicherweise nur eine Flucht ist. Das geht natürlich einher mit dem Liebes-Subplot und Max‘ Überlegungen, endlich sesshaft zu werden, wirkt aber ungleich stärker. In nur wenigen Minuten lässt Rhys-Davies diesen Charakter entstehen, der in dieser kurzen Zeit echter, vollständiger und lebendiger wirkt als alle anderen Figuren des Films. Sein Blick, wenn Max ihn wieder verlässt, enthält ganze Welten an Gefühlen und Erinnerungen. Die Turbulenzen um den Schatz, die danach noch folgen, erreichen nicht annähernd die Durchschlagskraft dieser Sequenz. Der Film rast zwar mit großer Aufregung seinem Ende entgegen, doch wirkt das Tamtam wie ein laues Plätschern. Da merkt man dann wieder, was gut gescriptete Charaktere und die Spontaneität der Dialoge ausmachen.

Nach den Ereignissen des ersten Teils begibt sich Randolph Carter (Mark Kinsey Stephenson) gemeinsam mit dem Wissenschaftler Professor Warren (John Rhys-Davies) in das Tunnelsystem unter dem Winthrop-Haus, um dort das Monster aufzuspüren, das sich als die von einem Dämon besessene Tochter des alten Winthrop herausgestellt hat. Mit einer Dosis Insulin (!!!) schaffen die beiden es, Tochter und Dämon zu trennen, wofür sie mit der wunderschönen, nackten und leicht begriffsstutzigen Alyda Winthrop (Maria Ford) und einem amoklaufenden Monster (Pin-Up-Girl und Andy-Sidaris-Muse Julie Strain, leider in zentnerdickem Monster-Make-up) belohnt werden, das es in der Folge unschädlich zu machen gilt.

Sequels, die unmittelbar an den Vorgänger anschließen, haben bei mir ein Stein im Brett. So punktet auch THE UNNAMABLE RETURNS zunächst, weil er sich jedes lange einleitende Geplänkel klemmt und ohne Umschweife zur Sache kommt. Alles sieht ein kleines bisschen besser aus als im ersten Teil, die wiederkehrenden Hauptdarsteller haben in der Zwischenzeit etwas dazugelernt und die beiden Veteranen Rhys-Davies und David Warner (als Universitätsdekan), die auch den Karl-May-Festspielen von Reit-im-Winkel noch shakespearianische Gravitas verleihen würden, werten das Geschehen gehörig auf. Es ist einfach eine Wonne, mitanzusehen, wie Rhys-Davies diesen Schwachsinn mit größtmöglichem Einsatz und ohne mit der Wimper zu zucken absolviert, seine Meinung zur Empirie mit den Worten „I am a scholar, not a field man“ auf den Punkt bringt und mit der Dialogzeile „Scholarly vanity triumphs over common sense!“ hinabsteigt in das Pappmaché-Höhlensystem, was man durchaus auch als Metapher für den Zustand seiner Filmkarriere verstehen darf. Ouellette legt sein Sequel deutlich als Horrorkomödie an und fährt damit zunächst ganz gut: Wenn sich die unbedarfte Alyda, die die letzten Jahrhunderte im Körper eines Monsters eingesperrt war und demzufolge nicht ganz auf der Höhe des Geschehens ist, sich splitterfasernackt mit gerecktem Popo auf dem Bett von Randolphs Studentenbude räkelt, ohne etwas daran zu finden, Randolph angesichts dieser schweren Prüfung seinerseits ganz dem Körperlichen abholder Geistesmensch bleibt, die Situation also mit der Souveränität eines wahren Asketen meistert, ist das ein früher Höhepunkt (ähem …) des Films. Über die gesamte Spieldauer von knapp 100 Minuten nutzt sich der Witz allerdings etwas ab und weil der Horroranteil bis dahin sträflich vernachlässigt wurde, hat THE UNNAMABLE RETURNS ein echtes Problem. Das Monster sieht immer noch gut aus, wird aber sowohl seiner Tragik als auch seiner Bedrohlichkeit beraubt. Man sieht es zu früh, zu oft und zu gut und weil sich der Film gegenüber dem Vorgänger in deutlich besiedelteren Gefilden abspielt, will einfach keine echte Stimmung aufkommen. Lovecraft ist bis auf das Plot-Device des Necronomicon und ein paar Wortbrocken in Cthulhuanisch logischerweise ebenfalls denkbar weit entfernt und so plätschert THE UNNAMABLE RETURNS nach herrlichem Auftakt wie ein versickerndes Bächlein seinem Finale entgegen, bevor er sich wie die adrette Alyda zur ew’gen Ruhe bettet. 

Wirklich schade: Der erste Teil ist atmosphärisch dichter und eben ein echter Horrorfilm, dafür aber über weite Strecken recht zäh und unaufregend, das Sequel zwar deutlich unterhaltsamer, aber eben kaum noch als Horrorfilm zu bezeichnen. Amateurregisseure und -Editoren seien hiermit aufgefordert, sich an einem Remix zu versuchen, das Beste aus beiden Filmen zu kombinieren, den Tinnef über Bord zu werfen und so einen halbwegs zufriedenstellenden UNNAMABLE-Film zu kreieren, der dann via Youtube seiner wahren Bestimmung zugeführt werden kann. Nur Julie Strain bekommt man auch dann noch nicht in voller Pracht zu Gesicht. Ein Jammer aber auch …