Mit ‘John Singleton’ getaggte Beiträge

Der Ex-Cop Brian O’Conner (Paul Walker) wird nach einem illegalen Straßenrennen in Miami verhaftet und dazu gezwungen, bei den Ermittlungen gegen den Drogendealer Verone (Cole Hauser) mitzuhelfen. Gemeinsam mit seinem ehemaligen Kumpel, dem Häftling Roman Pearce (Tyrese), ergattert Brian eine Fahrerstelle bei dem Gangster, bei dem auch die FBI-Agentin Monica Fuentes (Eva Mendes) eingeschleust worden ist. Natürlich schöpft Verone irgendwann Verdacht …

Der Soundtrack, der legasthenisch formulierte Titel, die ausgedehnte Nebenrolle des Südstaaten-Rappers Ludacris als Rennveranstalter, Garagenbesitzer und Tausendsassa Tej und die sonnige Kulisse der Partystadt Miami deuten es schon an: Die Copfilm-Einflüsse, die den Vorgänger noch weitestgehend bestimmten, sind bis auf den Plot getilgt, 2 FAST 2 FURIOUS (von einem wahren Kenner in einem deutschen Kino einst als „Zwei Fast Zwei Furious“ betitelt) kommt als bunter Partyfilm im Hip-Hop-Gewand daher, überschreitet mehr als einmal die Grenze zur Buddy-Komödie. Die Autos sind noch bunter, die verschiedenen Fahrer noch comichafter, die Optik sonniger und irgendwie flächiger. Der Ex-Cop Brian, im ersten Teil noch zerrissen zwischen seinem Job und der Freundschaft zum honorigen Gangster Dominic, ist hier der strahlende Sonnyboy, der seinen Auftrag als großen Abenteuerurlaub begreift und es mit seinem Kumpel krachen lässt. Das ist durchaus kurzweilig, aber eben auch unendlich flach und leer: Es steht nichts auf dem Spiel, die Figuren bleiben zweidimensionale Pappaufsteller und die einzige Gefühlsregung, die sie bei mir hervorkitzelten, war eine Mischung aus kopfschüttelndem Unverständnis für so viel hohlen Hedonismus und Genervtheit angesichts der rhetorischen Limitiertheit. Ich weiß nicht, wie oft sich Brian und Pearce als „Bro“ oder „Bruh“ titulieren, aber es reichte dafür, dass ich zwischendurch vergaß, einem Film beizuwohnen und mich stattdessen in einer besonders schmerzhaften Episode von „Jersey Shore“ oder ähnlicher Prolo-Unterhaltung wähnte. Ist es tatsächlich cool, wenn man sich nur noch in hohlen Exklamationen und stussigen Halbsätzen artikulieren kann? Das anvisierte Publikum scheint das tatsächlich so gesehen zu haben, denn sie machte auch diesen Film zum Hit, dem zwangsläufig auch noch ein dritter Teil folgen musste. Wenn man akzeptiert, dass 2 FAST 2 FURIOUS niemals mehr sein will als ein bunter, überlanger Videoclip, geht das Ding schon in Ordnung, aber mal ehrlich: Muss man sich wirklich so limitieren? Gerade von Singleton, der einst mit BOYZ N THE HOOD wenn auch nicht als großer Künstler, so aber doch wenigstens mit einem politischen Gewissen ausgestattet auf die Bildfläche trat, hätte man vor 20 Jahren sicherlich mehr erwartet, als kantenloses Eventkino ohne jegliche Ambition. Was hat dich bloß so ruiniert, Bruh?

boyz n the hood (john singleton, usa 1991)

Veröffentlicht: August 11, 2008 in Film
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South Central L. A. in den frühen Neunzigern: Auf den Straßen tobt das Verbrechen, dem vor allem die männlichen schwarzen Jugendlichen zum Opfer fallen. In diesem Chaos lebt Tre (Cuba Gooding jr.) bei seinem Vater Furious (Laurence Fishburne), der versucht, seinem Sohn Werte und Verantwortung beizubringen. Mit Erfolg – bis Tres bester Freund Ricky (Morris Chestnut) erschossen wird. Nun bringt ihn die Freundschaft zu Rickys kriminellem Bruder Doughboy (ice Cube) in Gefahr …

In einer Zeit, in der die Rassenproblematik in den USA auf einen neuen, späten Höhepunkt zusteuerte – die L. A. Riots im darauffolgenden Jahr -, traf der gerade 23-jährige Regisseur John Singleton mit seinem aufrüttelnden Blick auf die US-amerikanische Ghettowirklichkeit genau ins Schwarze – und löste heftige Tumulte in den Kinos aus. Tatsächlich ist sein Film von einem gerechten Zorn erfüllt, der von dem treffend benannten Furious Styles verkörpert wird, der Tre und Ricky im Stile eines schwarzen Bürgerrechtlers über die Zustände in den Ghettos aufklärt, ihnen Fakten und Perspektiven bietet. Der geniale Schachzug von Singleton ist jedoch ohne jeden Zweifel die Besetzung des jungen Doughboy mit Ice Cube, der als populärster Rapper dieser Zeit als wichtiges und lautes Sprachrohr der unterprivilegierten Jugend fungierte und hier den Grundstein seiner heute erfolgreichen Karriere als Schauspieler und Produzent legte. Er bringt Authentizität, Autorität und – das ist mir erst jetzt, bei der xten Sichtung in 16 Jahren aufgefallen – eine ebenso verstörende wie mitleiderregende Mischung aus kaltblütigem Killer und traurigem Kind mit, die der zentralen Frage des Films nur zugute kommt: Was ist das für ein Land, das seiner Zukunft beim gegenseitigen Abschlachten zusieht?  Was N.W.A. im selben Jahr auf ihrem kongenialen Album „Efil4zaggin“ mit brachialer Ehrlichkeit zum Ausdruck brachten, nämlich, dass eine ganze Generation vor lauter Langeweile, Hoffnungs- und Perspektivlosigkeit zu brutalen Mördern degeneriert, das „übersetzt“ Singleton gewissermaßen für die breite Masse und liefert damit einen Film ab, der sich auf dem Papier liest wie eine müde Sozialpädagogikstunde. Ein Schicksal, vor dem ihn allerdings die famos aufgelegten Schauspieler retten, die ihren folienhaften Charakteren ein Höchstmaß an Leben einflößen. Das macht BOYZ N THE HOOD auch heute, in einer Zeit, in der er nicht mehr die Aktualität besitzen mag, die er damals hatte (um das genau zu beurteilen, müsste man allerdings die Verbrechensstatistiken der USA studieren), zu einem immens packenden, erschütternden und bewegenden Film, der in seiner Humanität einfordernden Haltung absolut unmissverständlich und kompromisslos bleibt.