Mit ‘John Vernon’ getaggte Beiträge

BRANNIGAN war erst der zweite Film (nach dem unmittelbar vorangegangenen MC Q), in dem der „Duke“ einen Kriminalbeamten spielte – und wie dieser ein Flop an den Kinokassen. Wayne gab später zu Protokoll, dass er BRANNIGAN nicht gedreht hätte, wenn er vorher gewusst hätte, wie bescheiden MC Q abschneiden würde. So traf er die Entscheidung noch bevor MC Q auf allgemeines Desinteresse traf und lieferte den Kinogängern mehr von dem, was sie schon vorher nicht zum Lösen einer Karte bewogen hatte. Vielleicht steckte hinter der Copfilm-Offensive des 68-Jährigen auch das Gefühl, eine Chance versäumt und einen schwerwiegenden Fehler gemacht zu haben. Kurz zuvor war Clint Eastwood in der ikonischen Rolle des Dirty Harry Callahan zum Superstar aufgestiegen, die Wayne abgelehnt hatte. Der Gedanke, einen Konservativen wie Wayne in der Rolle des Law-and-Order-Cops zu sehen (der sich einige Jahre zuvor die Blöße gegeben hatte, mit THE GREEN BERETS den wohl einzigen studiofinanzierten Pro-Vietnam-Film zu drehen), ist eminent reizvoll, aber die Geschichte wollte es anders und es darf durchaus bezweifelt werden, ob DIRTY HARRY mit John Wayne in der Hauptrolle zu dem Phänomen geworden wäre, zu dem es der Jungspund Eastwood machen sollte. Aber auch wenn tatsächlich Wiedergutmachung das Ziel Waynes gewesen sein sollte: dass er mit einem Werk wie BRANNIGAN auf der neuen Welle harter, realistischer Polizeifilme mitreiten zu können glaubte, lässt auf ein beeinträchtigtes Urteilsvermögen schließen. Was nicht heißt, dass Hickox‘ Film schlecht ist: Aber er ist trotz einiger Härten vor allem harmlos und ganz offenkundig noch in einer Zeit verhaftet, in der Authentizität und Realismus nicht unbedingt das oberste Gebot waren. Die inhaltliche Nähe zu einem anderen Eastwood-Film, COOGAN’S BLUFF, brachte ihm zusätzliche Kritik ein.

Der Chicagoer Kriminalbeamte Jim Brannigan (John Wayne) reist nach London, um dort den Verbrecher Larkin (John Vernon) festzunehmen und in die USA zu überführen. Doch kurz nach Brannigans Ankunft in der britischen Hauptstadt wird Larkin entführt. Sein Anwalt Mel Fields (Mel Ferrer) bespricht mit Brannigan und seinem Londoner Partner Commander Swann (Richard Attenborough), einem waschechten Lord, die Lösegeldübergabe, doch diese schlägt fehl. Gleichzeitig begibt sich ein Auftragskiller auf die Fersen des Amerikaners …

BRANNIGAN erzählt eine typische Fish-out-of-Water-Geschichte, die ihren Witz wesentlich aus der Konfrontation des etwas groben, konservativen Amerikaners Brannigan mit den „zivilisierten“ Briten bezieht. Es ist ein bekanntes Konzept, das hier aber nicht so recht aufgehen will. Sowohl Wayne als auch Attenborough sind viel zu souverän, aber auch zu versöhnlich, um sich von ihrem Gegenüber wirklich aus der Ruhe bringen zu lassen. Der einzige zart angedeutete Konflikt besteht in Brannigans Weigerung, sich auf Geheiß von Swann von seiner geliebten Schusswaffe zu trennen, aber auch hier lässt Swann fünf gerade sein, er weiß schließlich, dass er es mit einem Yankee zu tun hat, der sich eher von einem Arm trennen würde als von seinem Schießeisen. Tatsächlich ist Christopher Trumbos – Sohn von Dalton Trumbo, der als Kommunist auf die schwarze Lite gesetzt worden war – Drehbuch so wenig am Ausspielen gängiger Nationalklischees interessiert, dass man sich wundert, warum man Waynes Brannigan überhaupt nach London schickte, anstatt ihn einfach zu Hause ermitteln zu lassen. Abgesehen von etwas Lokalkolorit bringt der Schauplatzwechsel kaum etwas von Substanz. Im Gedächtnis bleibt eine schöne Pub-Schlägerei, die Brannigan initiiert und die Hickox als Hommage an klassische Saloon-Keilereien inszeniert, der Rest ist durchaus unterhaltsam, kann aber den Eindruck von routinierter Inspirationslosigkeit nicht recht zerstreuen. BRANNIGAN ist aber immerhin recht sympathisch mit seiner bodenständigen, unprätentiösen Art. Und das lag sicher nicht zuletzt daran, dass Wayne niemandem mehr etwas beweisen musste – und dass er auch gar nicht so recht wusste, wie er das hätte tun sollen.

Unter dem fürchterlich nichtssagenden Titel SPACE INVADERS erschien er hierzulande einst auf Video: Die Rede ist von KILLER KLOWNS FROM OUTER SPACE, einem quietschbunten, einfallsreichen Horror- und Science-Fiction-Film, der seine putzige Prämisse konsequent ausreizt – und den Anstand hat, zu Ende zu sein, bevor es langweilig wird. Der erste und einzige Film der Chiodo Bros. genießt zu Recht einen kleinen Kultstatus und vielleiht wird es ja wirklich mal was mit der seit geraumer Zeit angekündigten Fortsetzung. Wenn nicht ist es aber auch nicht schlimm, denn mit dem wirklich spitzenmäßig aussehenden Mediabook aus dem Hause Koch Media gibt es ja jetzt das adäquate Liebhaberprodukt zum immer wieder aus dem Schrank ziehen und Anhimmeln. Neben vielen Extras findet sich auch ein Booklet, das Yours Truly mit viel Liebe und Clownsnase verfasst hat. Erhältlich in allen bekannten Vorverkaufsstellen und der Bahnhofsbuchhandlung. Ach so, wer vorab noch etwas über die KILLER KLOWNS FROM OUTER SPACE lesen will, kann dies hier tun.

Warum dieser Film BLUE MONKEY heißt, ist leider auch nach dem Studium diverser Online-Artikel nicht klar. Der deutsche Verleihtitel INSECT, der das schicke Videocover zierte, macht definitiv mehr Sinn. Als Steppke hielt ich die Kassettenhülle zahllose Male in der Hand, ohne allerdings Nägel mit Köpfen zu machen und das Teil auszuleihen. Warum, weiß ich nicht mehr, denn die Szenenfotos versprachen ein effektreiches Spektakel, das 30 Jahre später  erwartungsgemäß nicht mehr ganz so beeindruckend daherkommt.

Fruets Film beginnt mit einem alten Opa, der von einem Insekt gestochen wird und daraufhin kollabiert. Im Krankenhaus erbricht er eine Larve, die sich in ein Insekt verwandelt, das nach der Unachtsamkeit einiger Kinder gigantische Ausmaße annimmt. Neben dem Mörderinsekt, das sich im Krankenhauskeller mit seiner Braut einnistet, haben die Insassen auch noch damit zu kämpfen, dass der Stich eine Epidemie ausgelöst hat. Die Regierung riegelt das Krankenhaus ab, um die Gefahr zu bannen, und so ist es an dem Polizisten Jim Bishop (Steve Railsback), der Ärztin Rachel Carlson (Gwynyth Walsh) und dem Insektenforscher Elliott Jacobs (Don Lake), den Kampf gegen das Insekt aufzunehmen, bevor es zu spät ist.

BLUE MONKEY zeigt ein buntes Potpourri von Einflüssen, von denen James Camerons ALIENS sicherlich der wichtigste ist. Die Hatz durch die blau ausgeleuchteten Kellergänge erinnert ebenso an den Klassiker wie die Szenen mit den in Kokons eingeschlossenen Opfern und das Monster selbst, eine Art riesiger schwarzer Gottesanbeterin, die ziemlich angepisst ist. Ein bisschen Katastrophenfilm spielt auch noch mit hinein, vor allem der Vergleich mit dem kürzlich erst gesehenen THE CASSANDRA CROSSING drängte sich auf. Auch das Zusammentreffen ganz unterschiedlicher Figuren lässt an die effektintensiven, starbesetzten Vehikel der Siebzigerjahre denken: Neben den Protagonisten gibt es da noch zwei Omas, die sich ordentlich volllaufen lassen, während um sie herum ums Überleben gekämpft wird, eine Gruppe niedlicher Kiddies, die die Gänge unsicher macht und am Ende natürlich wichtige Unterstützung liefert, sowie ein Ehepaar, das gerade sein erstes Kind zur Welt bringt. Fruet versieht seinen Film mit viel auflockerndem Humor und besetzt diverse Rollen mit bekannten kanadischen Komikern. Trotzdem kippt BLUE MONKEY nicht in Richtung Genreparodie, sondern hält ein gesundes Gleichgewicht. Ein paar Einfälle sind hübsch bescheuert, aber das gehört ja auch irgendwie dazu. Jedenfalls erweist es sich als überaus praktisch, dass in dem Krankenhaus auch ein Labor zur Laserforschung untergebracht ist. Nachdem dieses nach seiner ausführlichen Einführung zu Beginn überhaupt keine Rolle mehr spielt, ist klar, wo das Insekt sein Ende finden wird. Und die Sexszene im Labor darf natürlich auch nicht fehlen. Fazit: Nicht so geil, wie ich mir das mit 15 ausgemalt habe, aber schon ganz nett, der blaue Affe.

curtainsAuf der Bühne eines kleinen, menschenleeren Theaters gibt Samantha Sherwood (Samantha Eggar) ihrem Regisseur Jonathan Stryker (John Vernon) eine Darbietung als rachsüchtige, betrogene Frau. Als sie die Waffe zieht, um ihren Liebhaber umzubringen, lacht Stryker nur: Er nimmt ihr die Rolle nicht ab. Um ihm zu beweisen, wie weit sie für die Rolle der in den Wahn abdriftenden Audra, der Protagonistin seines nächsten Films, bereit ist zu gehen, lässt sie sich gar in eine Nervenheilanstalt einweisen. Umgeben von manischen Patientinnen scheint ihr ein echter Horrortrip bevorzustehen. Wird sie ihre geistige Gesundheit bewahren?

CURTAINS geht dieser Frage aber nicht weiter nach, fängt nach einem fallenden Vorhang lieber noch einmal neu an: Stryker hat die Idee, Sherwood zu besetzen, verworfen und stattdessen sechs andere Darstellerinnen zum Casting in ein einsames Landhaus geladen. Die geschasste Aktrice ist wütend und kündigt einen Vergeltungsschlag an, der sich schon bald in einer Mordserie zu entladen scheint. Nacheinander fallen die Bewerberinnen um „ihren“ Part einem maskierten Mörder zum Opfer.

CURTAINS ist eine Slasher-Film-Kuriosität, ein Werk, das erst kürzlich wieder ausgegraben und als vergessene Perle beworben wurde. Dem Schema seines Subgenres mag er sich nicht wirklich fügen, das Stalk’n’Slash, das sonst im Zentrum des Interesses steht, nimmt hier einen vergleichsweise kleinen Spielraum ein. Viel eher ist CURTAINS ein Sammelsurium von Ideen, die in ihrer Kombination ein höchst seltsames Ganzes ergeben. Irgendwie hat mich das an Robert Aldrichs THE LEGEND OF LYLAH CLARE erinnert, mit dem CURTAINS vordergründig eigentlich kaum etwas gemeinsam hat. Aber neben seinem Horrorplot handelt Ciupkas Film eben auch vom unbarmherzigen Filmbusiness, von den komplizierten Beziehungen zwischen Regisseuren und ihren Musen, von unerreichbaren Träumen, geplatzten Hoffnungen und gescheiterten Karrieren. Zu allem Überfluss inszenierte Ciupka seinen Film auch noch unter dem Namen seines Film-Alter-egos Stryker, was CURTAINS endgültig auf die selbstreflexive Metaebene hebt und es schwer macht, den Film at face value zu nehmen. Der Film hat eine melodramatische Qualität, die von den bisweilen kitschigen, in Pastelltönen gehaltenen  Bildern gestützt wird, wirkt wie der Albtraum einer im Alkohol- und Tablettenrausch darniederliegenden Diva. Eine mörderische Puppe taucht auch auf, ohne dass man wirklich weiß warum, und ein junger Michael Wincott hat eine Sexszene. Ein wahrlich merkwürdiges Teil.

Eine Gruppe von Models – unter ihnen auch der Produzent Larry (Marjoe Gortner) und die Fotografin Joanna (Nina Van Pallandt) – wird auf dem Weg zu einem Fotoshooting über dem Amazonas von der Armee des Drogenbarons Cesar Santiago (Paul L. Smith) abgeschossen und schließlich in dessen Kerker geworfen. Als sich der Gangsterboss Vito Mastranga (John Vernon), der mit Santiago ins Geschäft kommen will, mit seinem Gefolge einfindet, gelingt den Frauen die Flucht. Ein wilder Kampf entbrennt …

Filme wie dieser treiben mir regelmäßig die Tränen in die Augen: Was waren das für goldene Zeiten, als so etwas noch produziert wurd? In Deutschland! Und dann auch noch im Kino lief! Aufwändiges, buntes, bescheuertes, aber eben auch durchweg knalliges Exploitationkino mit einer Besetzung, die jedem Filmfreund das Klappmesser in der Hose aufgehen lässt. Feiste Action, ohne Anspruch auf Relevanz, aber mit der heiligen Motivation gedreht, den Zuschauern 90 Minuten lang Feuer unter dem Arsch zu machen. Filme, in denen wirklich ein Flugzeug über den Amazonas fliegt, wenn ein Flugzeug über den Amazonas fliegen soll. Filme, in denen wirlich ein Haus in die Luft gejagt wird, wenn ein Haus in die Luft fliegen soll. Filme, in denen einem Mann Holzpflöcke am Körper festgeklebt werden, wenn er von solchen durchbohrt worden sein soll. Filme, in denen ein Pappkopf durchs Bild rollt, wenn jemand enthauptet wurde. Filme, in denen alles das, was man sieht, tatsächlich vor der Kamera umgesetzt und nicht nachträglich per Rechner reingemogelt wurde. Filme, die ihr Herz gewissermaßen am Revers tragen, bei denen man zu jeder Zeit weiß, woran man ist, was man erwarten kann und das dann auch bekommt. Filme, in denen Models Models sind, Drogendealer Drogendealer, und Söldner eben Söldner. Filme, die damit enden, dass die Guten überleben und die Bösen für ihre Untaten ins Gras beißen, und denen das genug ist.

EUER WEG FÜHRT DURCH DIE HÖLLE passt nur bedingt ins WiP-Subgenre, die Kerkereinlagen sind nur kurz, aber im Geiste schließt er an CHAINED HEAT und RED HEAT: UNSCHULDIG HINTER GITTERN perfekt an. Alle drei Filme aus einer Zeit, die ich schmerzhaft vermisse, als Exploitation und Pulp wie dieser sich nicht nur eine genau abgesteckte „Zielgruppe“ von Nerds, sondern an alle Kinogänger richteten und von diesen genauso wenig in eine voretikettierte Schublade gesteckt wurden. Als Filmemacher noch keinen Hehl daraus machten, dass es ihnen nicht um diesen oder jenen moralisch hehren Zweck ging, sondern darum, Geld zu verdienen, aber dann trotzdem kompromisslosere Filme ablieferten als diese rückgratlosen Windeier heute. EUER WEG FÜHRT DURCH DIE HÖLLE ist die volle Breitseite und lebendige Nostalgie für Menschen, die sich noch an jene Tage erinnern, als Filmplakate von GEHEIMCODE WILDGÄNSE die Litfasssäulen zierten. Hier stimmt alles. Sogar der scheußliche Titelsong, dessen kehlkopfkrebskranke Sängerin die Fistelstimme vom damaligen Popsternchen Stefanie von Monaco wie das Organ von Anna Netrebko klingen lässt. Und jetzt: Lasset uns beten.

Carol Henderson (Linda Blair) wird zu 18 Monaten Haft verurteilt, weil sie einen Mann überfahren hat. Doch in dem Gefängnis, in dem sie ihre Strafe absitzen soll, tobt ein Machtkampf zwischen dem Gefängnisdirektor Bacman (John Vernon), der einen regen Drogenhandel betreibt und seine Sexspielchen mit den Häftlingen auf Video festhält, und der Wärterin Taylor (Stella Stevens), die das Drogengeschäft im Knast gemeinsam mit ihrem Partner Lester (Henry Silva) unter ihre Kontrolle bringen will. Derweil muss sich Carol gegen das Alphatier Ericka (Sybil Danning) behaupten, die als Bacmans langer Arm und Drogendealer fungiert. Zum Glück schlägt sich Duchess (Tamara Dobson), die Anführerin der schwarzen Häftlinge, auf ihre Seite. Die Situation spitzt sich zu …

Das Women-in-Prison-Subgenre mag man vor allem mit europäischem Schmuddelkino und den Siebzigerjahren in Verbindung bringen, dennoch stimme ich nach meinem ausgedehnten Ausflug hinter schwedische Rüschengardinen den Stimmen zu, die CHAINED HEAT als die Gottwerdung des Genres bezeichnen. Das hat natürlich unmittelbar etwas mit meinen filmischen Vorlieben zu tun: So fein der so genannte Eurotrash auch ist, seine produktionstechnischen Unzulänglichkeiten stehen einer vollen Durchschlagskraft oft etwas im Wege. Anders verhält sich das für mich mit dem kleinen, aber feinen Korpus US-amerikanischer Exploitationreißer der Achtzigerjahre, die ihren europäischen Pendants in Sachen Rotzigkeit, Härte und Düsternis meist in nichts nachstanden, aber dafür mit ordentlichen Production Values und natürlich dem unvergleichlichen Großstadt-Neonlook ausgestattet waren. CHAINED HEAT steht für mich auf einer Stufe mit solchen Masterpieces wie VICE SQUAD, WALKING THE EDGE, SAVAGE STREETS oder DEATH WISH 2 und 3, beinhaltet alles, was man von einem WiP-Film erwarten darf und durchbricht dann die Schallmauer, weil einem die Überdosis Sleaze hier in Hochglanzverpackung verabreicht wird.

Linda Blair ist eine ideale Besetzung für das brave Mittelklasse-Weibchen, dessen Welt plötzlich heftig ins Wanken gerät, und sie bindet die Sympathien des Zuschauers mühelos an sich. Werden WiP-Filme sonst meist von toughen Bitches angeführt, denen keine Demütigung etwas anhaben kann, brechen bei ihr schon beim Eintritt in den Knast alle Dämme. Das verankert den Film in der Realität und schafft emotionale Resonanz, die ein solides Fundament für die folgenden Exzesse bildet, ihrem Triumph am Ende eine durchaus auch tragische Note verleiht: Sie kommt mit dem Leben davon, aber um welchen Preis? Sybil Danning und Tamara Dobson sind natürlich die Ahninnen von Pam Grier und Konsorten und wenn die beiden aufeinanderprallen, möchte man auch als Mann das Weite suchen. Mit solchen Besetzungscoups geht es weiter: Die zarte Stella Stevens gewinnt schon dadurch an ungeahnter Autorität, dass sie Betonfresse Henry Silva – in einer unerwartet gesprächigen Rolle – befehligt, und der seit NATIONAL LAMPOON’S ANIMAL HOUSE stets auf humorlose und cholerische Schreibtischtäter abonnierte John Vernon liefert die Definition für den Begriff „slumming“: Seine Rolle lässt keinen anderen Schluss zu, als dass ihm damals bereits alles scheißegal war. In einem Büro, dass einem Edelpuff alle Ehre machen würde, verführt er die weiblichen Häftlinge zu Schäferstündchen in seinem Jacuzzi, markiert ihnen gegenüber den verständnisvollen Großonkel mit dem Raubtiergebiss und verliert dabei nie die stählerne Autorität, die man an ihm zu schätzen gelernt hat.

Aber das sind ja nur die Zutaten, die Paul Nicholas dann zu einem würzigen Eintopf verrührt, den er mit saftigen Gewalt- und Fleischeinlagen abschmeckt. Der Score peitsch mit seinen Synthies schön nach vorn, die Story spitzt sich immer mehr zu, bis am Schluss jeder sein Fett wegbekommen hat und Pausbäckchen Carol sich vom Mauerblümchen in die Phalanx der Amazonen vorgekämpft hat, die Männern erst das Rückgrat brechen und sie dann mit Haut und Haaren verspeisen. Es erübrigt sich für mich zumindest nach dieser ersten Sichtung, lange Exegese zu betreiben, CHAINED HEAT zu intellektualisieren: Er ist ein rohes, aber gut abgehangenes Stück Fleisch, ein heftiger Tritt in den Arsch, ein gewonnener Faustkampf, eine Motorradfahrt mit runtergelassenem Visier, ein einziger Adrenalinrausch, animalisch, primitiv, dreckig, geil. Hat mich einfach nur gekickt, das Teil.

In der Nähe einer amerikanischen Kleinsstadt landet ein UFO in der Form eines Zirkuszelts. Die Aliens, die diesem Zelt entsteigen, sehen zwar aus wie Clowns und treiben auch allerlei Schabernack mit Popcornpistolen, Luftballons und Schattenspielen, führen aber trotzdem Böses im Schilde. Erst als die halbe Stadtbevölkerung in Zuckerwatte-Kokons verpuppt im UFO hängt, blasen die Verbliebenen zum Gegenangriff …

KILLER KLOWNS FROM OUTER SPACE, ein Familenprojekt der Chiodo-Brüder, die sich vor allem als Special-Effects-Spezialisten einen Namen gemacht haben (u. a. CRITTERS, CRITTERS 2, ELF oder TEAM AMERICA), ist vor allem wegen seines liebevollen Dekors und seiner verschrobenen Prämisse erwähnenswert: Handelt es sich bei der Clownkostümierung um eine absichtliche Tarnung, um die Menschen in die Irre zu führen, oder existiert wirklich eine Alienrasse, die wie irdische Clowns aussieht? Und wenn letzteres der Fall ist:  Ist das bloß Zufall oder gehen unsere Clowns vielleicht gar auf einen früheren Besuch der Außerirdischen zurück. Fragen, für deren Beantwortung sich der Film nicht interessiert, die er auch gar nicht explizit stellt, die aber trotzdem mitschwingen und das Geschehen aufwerten. Hauptgrund, sich den Film anzuschauen, ist aber ohne Frage das Design: Die Clowns sehen mit ihren aufgeblasenen Gummischädeln und den quietschbunten Anzügen einfach herrlich aus, das Innere des UFOs ist eine surreale Kreuzung aus den Raumschiff-Interieurs vergleichbarer Science-Fiction-Stoffe und der farbenfrohen Zirkuswelt, an der man sich kaum sattsehen kann, und die Tricks, mit denen die clownesken Aliens die Menschen unschädlich machen, reizen die herrlich überdrehte Grundidee des Films genauso weit aus, wie man das von einem offensichtlichen Herzensprojekt erwarten darf. Da werden Menschen mithilfe von Strahlenkanonen in pinkfarbene Zuckerwatte-Kokons eingesponnen, von elaborierten Schattenspielen aufgefressen oder – in einer der wenigen makabren Szenen – zu Handpuppen umfunktioniert. Ein aus Luftballons geknoteter Hund nimmt die Fährte auf, lebendiges Popcorn verwandelt sich in gefräßige Clownpflanzen und die Knöpfe im Inneren des UFOs geben alberne Hupgeräusche von sich. Es ist zu verschmerzen, dass KILLER KLOWNS FROM OUTER SPACE leider nicht gerade ein Ausbund an nervenzerrender Spannung ist: Den Plotverlauf kennt man aus Dutzenden von Fünfzigerjahre-Alien-Invasion-Filmen, die in den Achtzigerjahren ja nur wenig überraschenderweise ein kleines Revival erlebten (man denke etwa an THE BLOB, den genannten CRITTERS oder aber NIGHT OF THE CREEPS), und da die Chiodos nicht im Sinn haben, die von ihnen verwendete Blaupause zu revolutionieren, der Reiz des Designs aber nicht über die volle Laufzeit trägt, wird es zum Ende hin schon ein bisschen langweilig. Das Finale entschädigt dann aber ebenso für die kleineren Längen, die bei einer Laufzeit von kanpp 80 Minuten ja eh zu verschmerzen sind.