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step up 3 (jon m. chu, usa 2010)

Veröffentlicht: Mai 30, 2014 in Film
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STEP UP 3 ist brillant.

Jon M. Chu geht den im auch schon grandiosen zweiten Teil eingeschlagenen Weg konsequent weiter, was bedeutet, dass das Surrogat einer Handlung und die sie austragenden Charaktere noch absurder, tangentieller und sketchier sind, die zentralen Tanzszenen noch spektakulärer, artistischer und raumgreifender, die Cinematografie noch musikalischer, der gesamte Film noch poppiger, noch bunter, noch affektiver, noch spaßiger.

„We’re all tapped into one song“, sagt Tänzer und Filmemacher Luke (Rick Malambri), der Seelenverwandte aufspürt, ihnen im „Vault“, einem ausladenden New Yorker Lagerhaus mit eigenem Club im Erdgeschoss, eine neue Heimat gibt, und sie in seine Tanzcrew, die Familienwerte predigenden „Pirates“ eingemeindet. Sie sind alle „B.F.A.B.s“ – Born from a Boom Box –, Menschen, denen das Tanzen gewissermaßen in die DNA einprogrammiert wurde, Menschen für die Tanz die natürlichste Ausdrucksform ist, ein Mittel der spirituellen und körperlichen Befreiung. Dass die Geschichte kaum mehr als ein beliebte und erprobte Klischees aneinanderreihender Faden ist, an der Jon M. Chu seine atemberaubenden Tanzchoreografien auffädelt, bestätigt gewissermaßen die Message des Films, nach der man seinem Körpergefühl folgen und sich nicht mit dem Mittelmaß zufrieden geben soll. Alles, was in STEP UP 3 nicht Tanz ist, wirkt dann auch ein bisschen hölzern, ist nur ein notwendiger, aber unbeholfener Schritt auf dem Weg zur nächsten Tanzszene. Es fällt nicht negativ ins Gewicht, weil in STEP UP 3 sowieso alles größer, lauter und farbenfroher ist als in Wirklichkeit. Das zeigt sich am schönsten in einer an klassische Musicals angelehnten Szene, in der zwei Figuren zu „ihrem Lied“, das aus den Lautsprechern eines Eiswagens dringt, über eine New Yorker Straße tanzen und wie zufällig herumstehende Requisiten in ihre Nummer einbauen. Das ist vielleicht das einzige, das man an den STEP UP-Filmen noch vermisst: das Handlung und Tanz konsequenter ineinander aufgehen, anstatt etwas ungelenk nebeneinander zu stehen. Aber vielleicht widerspricht das auch der auf Coolness bedachten Hip-Hop Culture, der die Reihe entspringt und deren Machismo für einige Komik sorgt.

In dieser Hinsicht erinnerte mich STEP UP 3 zwischenzeitlich etwas an Ben Stillers ZOOLANDER oder auch an Adam McKays wunderbaren ANCHORMAN. So wie diese beiden Titel einen beträchtlichen Teil ihrer Komik daraus beziehen, die Eigenheiten eines bestimmten Berufs auf das ganze Leben der Ausübenden auszudehnen, eine Art Model- bzw. News-Reporter-Szene zu zeichnen, in der der Job der Protagonisten auch nach Feierabend weitergeht, ist hier alles Tanz. Nicht nur, dass die Charaktere kaum etwas anderes im Kopf haben, sie leben auch in einer Welt, in der sich alles ausschließlich um Tanz dreht. Im „Vault“ sind alle Räume auf ihre Danceability hin optimiert, das Schaffen der Crew wird mit heiligem Ernst betrieben. Als Motivation dient den Mitgliedern der „Pirates“ vor dem entbehrungsreichen Training der Blick auf eine Wand, an der Hunderte von Sneakers in allen Regenbogenfarben aufgereiht sind. Gewissermaßen die „Rüstung“ für die Tänzer, die statt Kettenhemd und Helm eben „the most beautiful shoes in the world“ tragen und deren bloßer Anblick ihre Augen überlaufen lässt. Aber: „You gotta earn your kicks“. Ein Pirat bekommt nichts geschenkt, es herrscht das Leistungsprinzip. Die „Battles“, turnierartige Auseinandersetzungen der verschiedenen Crews, inszeniert Chu als sublimierte Schlägereien, die die Tänzer als harte Typen zeigen, mit denen man sich besser nicht anlegt. Über den ersten Kampf wacht ein Statist aus MAD MAX: BEYOND THUNDERDOME mit seinem Totenkopfstab, während des zweiten tauschen grimmige Asiaten, wahrscheinlich mit Yakuza- oder Triadenhintergrund, dicke Geldbündel als Wetteinsätze aus. Und der Grundkonflikt, der den Film antreibt, fußt auf einer Eifersuchtsgeschichte zwischen Luke und Julien, dem Anführer der konkurrienden „Samurais“: Weil der einst von Luke rausgeschmissen wurde, hegt er nun einen unstillbaren Hass und schmiedet superschurkenartige Rachepläne.

Wie schon im Vorgänger begeistert die Verbindung der atemberaubenden Choreografien, von Chu mit viel Sinn für Bewegung, Bildaufbau und Dynmaik eingefangen, mit diesem durch und durch naiven Storytelling. Man mag STEP UP 3 eine gewisse Einfalt vorwerfen – der Technik-Wizard der Pirates etwa kommt nicht auf den selbst für Nicht-Genies überaus naheliegenden Gedanken, zwei Gegenstände, die er kombinieren will, einfach mithilfe von Klebeband zusammenzubringen –, aber sie verstärkt eigentlich nur die Ausgelassenheit und Freude, die der Film verströmt. Es ist ihm egal, dass er kein intellektueller Überflieger ist, er weiß, dass seine Stärken woanders liegen. Chu zieht seine Kraft aus dem Herzen, und die Ehrlichkeit, mit der sein Film operiert, ist streckenweise entwaffnend. Noch in der frappierendsten Banalität findet er den Funken Romantk, etwa wenn sich Luke und sein Love Interest Natalie (Shari Vinson) auf einen Luftschacht stellen und ihren neonfarbenen Bubble Tea in liquiden Spiralen nach oben treiben lassen. Umso seltsamer, dass der Film dann doch mit einem laueb Kompromiss schließt. Moose, der auf Drängen seines Vaters ein Ingenieursstudium aufgenommen hat, obwohl er ein echter „B.F.A.B.“ ist, schmeißt am Ende mitnichten sein Studium, auch wenn der Film zu keiner Sekunde einen Zweifel daran hat aufkommen lassen, dass er das für langweilige Zeitverschwendung hält. Stattdessen nimmt Moose Tanz einfach als zweiten Studiengang hinzu. Wahrscheinlich traute man sich dann doch nicht, Millionen von US-Kids unverblümt zu sagen, dass sie ihr Studium schmeißen sollen, um Tänzer zu werden. Vielleicht wusste Chu aber auch, dass seine Bilder eh mehr Kraft haben, als jeder schnöde Drehbucheinfall.

 

 

 

 

Ließ sich STEP UP noch recht viel Zeit mit seiner Geschichte, würzte diese bis zu seinem großen Tanzprüfungs-Finale nur gelegentlich mit eher zurückgenommen inszenierten Tanzszenen und legte den Fokus stattdessen auf die zwischenmenschlichen Konflikte, die mit einer Geduld ausgebreitet wurden, welche in eklatantem, aber sympathischem Missverhältnis zu deren Klischeehaftigkeit stand, so wird der Fokus mit dem Wechsel auf dem Regiestuhl nun eindeutig auf die tänzerische Bewegung gelegt. Je spektakulärer und länger diese Tänze werden, umso formelhafter und damit auch absurder wird notgedrungen die Geschichte – sehr zur Freude des Betrachters, der hier einige Belege für die These von der strukturellen Verwandtschaft von Tanz- und Actionfilm an die Hand bekommt.

Schon die Eröffnungsszene allein ist aufregender und visuell kreativer als der gesamte inszenatorisch und visuell eher biedere erste Teil: Ein zwielichtiger junger Mann steigt in einen U-Bahn-Waggon und zeigt sich den Passagieren nach kurzer Geheimniskrämerei mit einer furchteinflößenden Maske. Statt nun eine Waffe zu zücken, holt er jedoch zwei Drumsticks aus seiner Tasche und beginnt einen Beat gegen die Zugwand zu trommeln. Das ist das Signal für seine Kumpane: Mehrere der vermeintlichen Fahrgäste tragen plötzlich ebenfalls Masken und beginnen unter Zuhilfenahme von Sitzen und Haltestangen eine aufwändige artistische Choreografie zu tanzen. Immer mehr steigen in die Nummer ein, bis der Zug hält und die Tänzer den Ort des Geschehens, verfolgt von Ordnungskräften, fluchtartig verlassen. Bei den Tanzaktivisten handelt es sich um die Crew „410“, die angeführt von Tuck (Black Thomas) die Vorherrschaft in der Street-Dance-Szene Baltimores innehaben. Ihr Können zeigen diese Crews bei einem geheimen, illegalen Wettkampf namens „The Streets“, wo sich entscheidet, wer heiß und wer scheiß ist.

Eines der Mitglieder ist das Waisenkind Andie (Briana Evigan). Seit ihre Mutter an Krebs starb, lebt sie bei deren bester Freundin, die das Hobby der Pflegetochter mit Argwohn betrachtet. Auf ihren Druck hin bewirbt sich Andie am renommierten Tanzcollege MSA, das von dem ehemaligen Ballettstar Blake Collins (Will Kemp) geleitet wird, und wird schließlich aufgenommen. Das Engagement am College entzweit sie schließlich von ihrer Crew, aus der sie mitleidlos rausgeworfen wird. Auf Anregung ihres neuen Freundes Chase (Robert Hoffman), dem jüngeren Bruder des Direktors, versammelt sie die Misfits der Schule um sich, all jene, die Talent haben, aber zu nonkonform sind, um im rigide geführten Schulbetrieb wirklich Erfolg zu haben, und gründet eine eigene Crew, mit der sie beim Wettbewerb „The Streets“ teilnehmen will. Ihr alter „Chef“ Tuck sieht das gar nicht gern und ergreift die entsprechenden rüden Maßnahmen. Doch Andie und ihre Freunde lassen sich nicht unterkriegen und treten schließlich in einer alten Fabrikhalle gegen die Champions von 410 an.

Der Plot, der um die spektakulären Tänze herumgestrickt ist, ist annähernd so vorhersehbar und rammdösig, wie sich das hier liest. Weil Jon M. Chu ein charismatischer Hauptdarsteller vom Schlage eines Channing Tatum – er absolviert hier einen ausgedehnten Gastauftritt bei einer Tanzszene zu Beginn, in die zwei im Boden eingelassene Trampoline eingebunden werden – fehlt, tut er gut daran, den Fokus ganz auf die visuelle Ausschmückung zu richten, im Eiltempo von Eye Candy zu Eye Candy zu preschen und ansonsten alles mit der Subtilität eines Wrestlingevents zu versehen. Die 410-Crew hat es mit ihren den städtischen Betrieb vielleicht etwas störenden, aber doch keinesfalls bösartigen Perfomances zu flächendeckender Notorietät geschafft, der sich sogar Nachrichtenbeiträge mit dramatisierendem Tonfall widmen. Anführer Tuck muss im Verlaufe seiner drei, vier Szenen vom strengen Leader zum fanatischen Schurken aufgeblasen werden, der keine „Verräter“ duldet. Schulleiter Blake ist nicht nur ein elitärer Schnösel, dem bei seiner Ausbildung im spießigen Europa offensichtlich auch der obligatorische britische Akzent antrainiert wurde, er ist auch dafür zuständig, spießige Ressentiments gegen den coolen Hip-Hop-Tanz und das zentrale Turnier zu pflegen und die freigeistige Andie zu quälenden Ballettstunden zu zwingen. Am Ende wird er freilich eines Besseren belehrt und nimmt den Sieg seiner ausgestoßenen Schützlinge mit einem zufriedenen Grinsen zur Kenntnis. Die Truppe der Loser, die Andie um sich schart, ist auffällig Multikulti und gegen herrschende Schönheitsideale besetzt: Da gibt es etwa den schlaksigen, jungfräulichen Nerd, der zwar kein Tänzer ist, aber trotzdem über die krassesten Moves verfügt (und am Ende die ehrgeizige Schönheit für sich gewinnt, nachdem diese überwunden hat, dass ihr Schwarm lieber mit der Hauptfigur knutscht), die Asiatin, die nicht richtig Englisch kann, die zu groß gewachsene Afroamerikanerin und den Tänzer mit den Zahnlücken und der Stirnglatze. Alle finden sie schließlich über die Begeisterung für den Tanz zusammen, und als Andie nach einem Zwischenfall im letzten Akt von der Schule verweisen wird, sitzen sie alle wieder schmollend und einsam auf dem Pausenhof herum, wo sie vorher vor Lebensfreude fast überquollen. Auch die Pflegemutter muss erkennen, dass ihre Andie wie einst deren Mutter ein herzensguter Mensch mit dem Talent ist, die Menschen zusammenzuführen, und beugt sich vor ihrem Willen, sodass dem spektakulären Finale nichts mehr im Weg steht. Und das ist es dann auch, was STEP UP 2: THE STREETS den finalen Kick gibt. Schon die Darbietung der „Schurken“ bietet ein Maß an Artistik auf, das Freunde der Filme aus Jackie Chans Hochphase frohlocken lässt, doch sie wird noch einmal von der  zu strömendem Regen choreografierten Nummer der Helden getoppt, bei der Bild und Ton Hand in Hand gehen und die eine Dynamik aufbietet, wie man sie sonst eben nur im Actionfilm findet. Mehr als über Dialoge äußern sich die Figuren in der Bewegung, gewinnen im Tanz die Persönlichkeit, die ihnen das Drehbuch sonst vorenthält. Kommt der Film sonst steif und stromlinienförmig daher – auch seine visuellen Tics sind letztlich Videoclip-Konvention –, befreit er sich in jenen Sequenzen von seinen Zwängen. Das ist es ja auch, worum es geht. Dass die unmissverständliche „Be who you are“-Botschaft trotzdem verbal ausformuliert werden muss, spricht nicht so sehr gegen den Film wie gegen das Publikum, das es leider verlernt hat, Bilder zu interpretieren und zu begreifen.

Der Terrororganisation Cobra war es zum Ende des Vorgängers gelungen, den Präsidenten der USA unbemerkt durch einen ihrer Männer auszutauschen. Der nächste Schritt ihres Planes zur Erlangung der Weltherrschaft besteht nun darin, die Spezialeinheit G.I. Joe auszulöschen. Doch der Plan geht nur bedingt auf, denn 5 Mitglieder überleben. Für Roadblock (Dwayne Johnson), Flint (D.J. Cotrona), Jaye (Adrianne Palicki), Snake Eyes (Ray Park) und Jinx (Elodie Yung) geht es nun darum, den Verräter in den eigenen Reihen ausfindig zu machen, um Cobra zu stoppen. Die sind nämlich im Besitz einer neuen Superwaffe, deren zerstörerische Energie jede Atombombe in den Schatten stellt. Und sie sind bereit, sie einzusetzen. Bei ihrem Kampf gegen das Böse bekommen die Joes unerwartete Hilfe von ihrem Gegner Storm Shadow (Lee Byung-hun), der herausgefunden hat, dass er von den Mächten Cobras benutzt wurde, und ihrem einstigen Gründer, General Joe Colton (Bruce Willis) …

G.I. JOE: RISE OF THE COBRA markierte vor drei, vier Jahren einen Höhepunkt im Bereich des auf Popkultur basierten Trivialkinos der letzten 15 Jahre. Regisseur Stephen Sommers, dessen Filme meist den ungesunden Geruch von Plastik, Farbstoffen und umweltbelastendem Verpackungsmüll verströmen (mit Ausnahme des grandiosen DEEP RISING natürlich), war genau der Richtige, der Actionfiguren-, Zeichentrick- und Comicserie zum Sprung auf die Leinwand zu verhelfen. Er stopfte seinen Film randvoll mit bombastischen, kinetischen Set Pieces und gewaltigen Bildern, die sich unweigerlich im Gedächtnis festbrennen. Der dem Franchise inhärenten Absurdität trug er mit einer nur rudimentär entwickelten Plotline, einem Sammelsurium starker Figuren und einer entfesselten Cinematografie Rechnung.  In Jon M. Chus oft verschobenem Sequel weicht der unschuldig-naive Spaß nun dem Bemühen um Ernsthaftigkeit. Mit der Auslöschung der Eliteeinheit und dem verräterischen falschen Präsidenten im Weißen Haus gründet der Film auf einer düsteren Prämisse, die die Stimmung des Films deutlich prägt. Die Geschichte wird über mehrere parallel laufende Stränge erzählt und erhält so einen epischeren Anstrich, zudem deutliche Schlagseite Richtung des Spionage- und Agentenfilms mit seinen Schauplatz- und Frontwechseln. Es gibt viel mehr Handlung als noch im Vorgänger und das geht etwas zulasten der Oberflächenreize, die hier meines Erachtens nach im Vordergrund stehen sollten. Zu guter letzt geraten die Actioneinlagen etwas „realistischer“: Over-the-Top-Sequenzen wie die Verfolgungsjagd mit den Highspeed-Anzügen aus Sommers‘ Vorgänger sucht man eher vergebens, vergleichsweise „normale“ Schießereien und Gefechte machen den Löwenanteil der Actionszenen aus. Das spektakuläre Centerpiece des Sequels, ein ausdauernder Ninjafight im Hochgebirge, steht eher in der Tradition des Hongkongkinos der Neunzigerjahre, der Science-Fiction-Anteil beschränkt sich weitestgehend auf die Superwaffe von Cobra und kleinere Details. Dieser tonale Wandel beraubt G.I. JOE: RETALIATION leider auch des naiven Camp-Charmes, der den vorangegangenen Teil so unwiderstehlich machte, ihn zu einer nahezu perfekten Umsetzung einer Spielzeugreihe, die sich ganz der martialischen Fantasie heranwachsender Jungs verschrieben hatte. Das Streben nach Respektabilität, das man Chus Film anmerkt, wirkt dagegen vergleichsweise fehlgeleitet, weil es die Wurzeln der Herkunft des Quellmaterials verleugnet. Ein Fehler, den Hollywood bei der Umsetzung solcher Franchises immer wieder macht: Anstatt eben jene Leute mit farbenfrohem Nonsense restlos zu beglücken, die schon damals mit den Figuren im Sandkasten spielten, die Zeichentrickfilme verschlangen oder einst das Computerspiel auf dem C64 spielten, versucht man auch „normale“ Actionfans ins Boot zu holen, denen der erste Teil zu abgehoben war. Der Kompromiss gelingt hier zugegebenermaßen besser als bei anderen Filmen, die Hollywood in dem Bemühen, es allen Recht zu machen, zu Tode optimierte, wohl auch, weil es nahezu unmöglich ist, eine mit diesem Figureninventar ausgestattete Reihe komplett auf den Boden der Tatsachen zu holen. Mir hat G.I. JOE: RETALIATION jedenfalls trotz der genannten Schwächen noch gut gefallen und Spaß bereitet. Er ist schön bunt, bietet herrlich überzogene Schurken- und Heldenfiguren, jede Menge Krawumm und Krawall, „The Rock“ Dwayne Johnson in einer grandiosen Comic-Rolle, die erwähnte Ninja-Sequenz, die allein das Ansehen des Films lohnt, RZA als blinden Kung-Fu-Meister, mit Snake Eyes (Ray Park) eine der schönsten „stummen“ Figuren der Popcorn-Filmgeschichte, viele, viele große Bilder (die bildgewaltige Zerstörung Londons sei hier auch deshalb erwähnt, weil der Film sie fast beiläufig einstreut) und einige weitere Ideen, die mir unweigerlich ein breites Grinsen ins Gesicht zauberten. Dass Roadblock am Ende von General Joe Colton als Geschenk die Handfeuerwaffe Pattons überreicht bekommt und sie in Ehrfurcht entgegennimmt, kann man nur einem solchen Film verzeihen. Allein dafür bin ich froh, dass es ihn gibt. Und hoffe inständig, dass weitere G.I. JOE-Filme folgen werden.