Mit ‘Jonathan Liebesman’ getaggte Beiträge

Wenn euch das nächste Mal jemand nach Sequels fragt, die besser sind als der erste Teil, und ihr mit ruhiger, fester Stimme und sicherem Blick „WRATH OF THE TITANS“ antwortet, habt ihr nicht nur die Überraschung auf eurer Seite, ihr habt außerdem großen Sachverstand bewiesen: Ohne jeden Zweifel ist WRATH OF THE TITANS besser als der in jeder Hinsicht ernüchternde CLASH OF THE TITANS. Auf der anderen Seite: Auch WRATH ist jetzt nicht gerade ein Film, der Begeisterungsstürme provoziert.

Eigentlich ist Liebesmans Fortsetzung sogar genauso nichtssagend wie der Vorgänger und ich frage mich schon beim Verfassen dieser Zeilen, wie ich die Tatsache verbergen werde, dass ich mich weniger als 24 Stunden nach der Sichtung bereits an nichts mehr erinnern kann. Die Geschichte ist egal, gleichermaßen uninteressant wie unnachvollziehbar, und dafür, dass hier ein Stoff bemüht wird, der die Menschen seit Jahrhunderten fasziniert, ist der ganze Film bei aller Geschäftigkeit seltsam routiniert und fantasielos. Worthingtons Perseus dürfte einer der ödesten Helden der Filmgeschichte sein, aber er passt damit wie die Faust aufs Auge eines Films, der niemals irgendwelche Emotionen beim Betrachter auslöst, egal wie viele Feuerbälle da gerade durch die Luft wirbeln oder im Wüstenboden einschlagen.

Was der Film auf der Habenseite verbuchen kann, ist eine deutlich gelungenere Optik als der Vorgänger, der aussah, als habe man versucht, die PIxelhaufen, die der Computer da ausgespuckt hat, hinter einem Graubraunschleier zu verstecken. WRATH ist deutlich knackiger, gönnt sich hier und da sogar mal einen Farbtupfer und hat mit seinem finalen Lavamonster Cronos einen imposanten Endgegner zu bieten, der sogar vergessen lässt, dass der Endkampf ohne jede Spannung auskommt. Plötzlich macht es „peng“, der Bösewicht ist tot und keiner weiß, warum. Aus der Darstellerriege, die wieder einmal verzweifelt um Orientierung bemüht ist, ragt die schöne Rosamund Pike als kriegerische Andromeda hervor. Ralph Fiennes chargiert dankenswerterweise nicht ganz so erbärmlich wie im Vorgänger, Edgar Ramirez verlegt sich als schurkischer Ares darauf, böse zu gucken. Hatte der auch nur eine Dialogzeile? Keine Ahnung.

Das Beste, was ich über WRATH OF THE TITANS sagen kann, ist dass er anschaubar ist, vor allem, wenn man sich zuvor durch CLASH OF THE TITANS gemüht hat. Wer aber von seiner Abendunterhaltung erwartet, dass sie ihn in irgendeiner Form involviert, sollte auch um dieses Werk einen großen Bogen machen. Warum produziert man so etwas? Ich hoffe nur, dass niemand auf die Idee kommt, dass man hier noch einmal nachlegen könnte. Zweimal Nichts mit Göttern ist mehr als genug.

the-killing-room-poster[1]Vier Personen, eine Frau (Clea DuVall) und drei Männer (Timothy Hutton, Nick Cannon, Shea Whigham), haben sich für ein Experiment gemeldet, über dessen Hintergründe sie jedoch noch nichts wissen. Sie sitzen in einem kargen, weiß gekachelten Raum mit einigen Stühlen und Tischen und warten auf die Instruktionen des Leiters Dr. Phillips (Peter Stormare), als die erste Person mit einem Kopfschuss zu Boden fällt. Ab diesem Zeitpunkt beginnt ein Kampf ums Überleben zwischen den verbleibenden Personen: Denn nur einer von ihnen wird den „Killing Room“ lebend verlassen. Aber wozu?

Wenn der Regisseur von DARKNESS FALLS und TEXAS CHAINSAW MASSACRE: THE BEGINNING einen politisch motivierten Film dreht, sollte man sich auf eine Lektion in Sachen billiger Polemik und Einfalt einstellen: Der „Killing Room“ dient dazu, amerikanische Staatsbürger zu finden, die sich aufgrund ihrer Bereitschaft, sich einem größeren Ganzen zu opfern, zu Selbstmordattentätern eignen. Die Annahme, dass unter Aufsicht der Regierung solche Experimente mit einem solchen Zweck verfolgt werden, halte ich schonmal für reichlich paranoid: THE KILLING ROOM ist genau die Art „kritischen“ Kinos, das wir der Bush-Administration zu verdanken haben, in deren Gefolge jeder Dämlack, der „Bush ist doof“ buchstabieren konnte und BOWLING FOR COLUMBINE gesehen hatte, sein politisches Coming-out erleben durfte. Verantwortungsbewusstsein wird ersetzt durch grenzenloses Misstrauen, Argumente durch Zynismus und eben Polemik, der Humanismus, in dessen Geiste jede politische Kritik eigentlich stehen sollte, durch den stumpfen, undifferenzierten, aber dafür grenzenlosen Hass auf die Mächtigen und Reichen. Natürlich sind die demokratisch gewählten Regierungen keinen Deut besser als terroristische Vereinigungen und Fundamentalisten, das zumindest scheint uns Liebesman mit seinem Film weismachen zu wollen, den als Hetzwerk zu bezeichnen mich nur dessen Mangel an agitatorischer Potenz abhält. Das größte Verbrechen dieses Films, der gern ein CUBE wäre, aber der noch nichtmal ein SAW ist, ist nämlich,  dass er sich mit seiner auf hintergründig-authentisch getrimmten Kameraführung und Bildkomposition und seinen endlosen geflüsterten Dialogen unerträglich wichtig macht, dabei aber nicht mehr als aufgeblasene Langeweile produziert, die sich dann wie zur Entschuldigung mit einem kleinen Twist anbiedert, der ebenso zynisch ist wie jene gewissnelosen Wissenschaftler, die er aufs Korn nimmt. Zum Vergessen.