Mit ‘Jonathan Pryce’ getaggte Beiträge

4bbd008a9126dc84085ea2c645d7bb89-519x755x1GLENGARRY GLEN ROSS verkörpert eine Art von Kino, mit der ich nicht selten Schwierigkeiten habe: Es handelt sich um die von Mamet selbst gescriptete Adaption eines seiner Theaterstücke, stellt die Fortführung einer heute etwas überkommen wirkenden Filmtradition dar, die solche namhaften Werke wie A STREETCAR NAMED DESIRE, THE CAT ON A HOT TIN ROOF, SWEET BIRD OF YOUTH, BABY DOLL oder WHO’S AFRAID OF VIRGINA WOOLF? hervorgebracht hat, und ist als solche erwartungsgemäß dialoglastig und eher statisch aufgebaut. Oft finde ich diese Filme in ihrer niveau- und geschmackvollen bildungsbürgerhaften Betulichkeit etwas langweilig, nicht selten gar unfilmisch. Aber dank der Regie von James Foley, der alles tut, um die ehrfuchtgebietenden Darbietungen seiner eindrucksvollen Darstellerriege wirken zu lassen, den elegant-kühlen Bildern von Juan Ruiz Anchia, der viel herauszuholen weiß aus regennassem Asphalt und rotem Neonlicht, und dem nur vordergründig entspannten Jazz aus der Feder James Newton Howards habe ich über die volle Laufzeit regungslos dagesessen, mich mehr und mehr in den Bezug der Sitzfläche gekrallt. GLENGARRY GLEN ROSS ist ein pointiertes Drama über die Härten der sogenannten freien Wirtschaft, speziell das provisionsbasierte Geschäft des Vertreterdaseins, eigentlich aber ein lupenreiner Horrorfilm. Man sieht hier Menschen bei der Selbstauflösung zu.

Im Zentrum steht der auf den Ruhestand zugehende Shelley Levene (Jack Lemmon), ein geborener Verkäufer alter Schule, aber seit einiger Zeit von einer echten Pechsträhne geplagt und nicht mehr ganz so frisch, wie er es mal war. Seine Kollegen Moss (Ed Harris) und Aaronow (Alan Arkin) haben ähnliche Probleme und sehen ihrem Rauswurf ins Auge, so sie nicht schleunigst Immobilienverkäufe abschließen. Das Problem: Die Adressen, die ihnen ihr Vorgesetzter Williamson (Kevin Spacey) anbietet, taugen nichts, bessere rückt er nicht heraus. Aber in seinem Büro liegt ein verheißungsvoller Kartin mit den „Glengarry-Adressen“, mit denen der Erfolg quasi garantiert ist. Und genau der wird bei einem nächtlichen Einbruch gestohlen …

„Männer am Rande des Nervenzusammenbruchs“, fasste mein Gastgeber Frank den Film final zusammen und traf den Nagel damit auf den Kopf. Foley und Mamet etablieren eine sich langsam dem Siedepunkt entgegensteigernde, fiebrige Atmosphäre der Panik und Verzweiflung, von der alle der involvierten Charaktere – selbst der erfolgreiche, vor öligem Selbstbewusstsein nur so überschäumende Roma (Al Pacino) – ergriffen werden. Das Szenario ist das nackte Grauen, ein klaustrophobischer Albtraum des Neoliberalismus, in dem Menschen auf  kalte Zahlen reduziert und u Sklaven des Kapitals degradiert werden. Shelley, den wirtschaftlichen GAU vor Augen, dem eine Entlassung in seinem Alter entspräche, wird zum bibbernden, flehenden Schwächling, Moss schwingt große Reden, zieht aber den Schwanz ein, wenn es hart auf hart kommt, Aaronow dreht sich im Wind wie ein flatterndes Fähnchen und Roma spuckt Invektive, die seinen Selbsthass kaum verbergen können. Sie alle sind kleine Lichter in einem auf lange Sicht vollkommen aussichtslosen Spiel, in dem sie sich mit Almosen abspeisen und dafür auch noch von ihren Vorgesetzten verhöhnen lassen. Alec Baldwin setzte sich mit seinem Kurzauftritt als gnadenloser „Coach“, der vor den Lohnsklaven mit seiner Uhr und seinem Auto prahlt, ein Denkmal, zeigte, was man mit vielleicht dreieinhalb Minuten Screentime anstellen kann. Al Pacino und Jack Lemmon bewiesen noch einmal, wozu sie in der Lage waren (Lemmon vergoldete sich die Rente danach überwiegend mit Auftritten in sicherem Entertainment der Marke GRUMPY OLD MEN, Pacino agierte in zunehmend bedeutungsloserem Müll), Ed Harris belegte einmal mehr, warum er als eines von Hollywoods bestgehüteten Geheimnissen galt, Kevin Spacey legte den Grundstein für seinen in den Folgejahren vollzogenen Aufstieg zu einem der gefragtesten männlichen Hauptdarsteller, Jonathan Pryce (als gelinkter Käufer) und Alan Arkin brillieren als geprügelte Hunde mit Trauermiene.

Wie man meinem Text schon entnehmen kann, ist GLENGARRY GLEN ROSS in erster Linie ein Schauspielfilm, der sich aber im Gegensatz zu anderen Vertretern dieser Gattung stets völlig organisch und unangeberisch anfühlt. Und als einer von wenigen Filmen seines Jahrzehnts hat man hier auch nicht das Gefühl, dass er in seiner Zeit verhaftet ist, im Gegenteil: Was Mamet über die Misanthropie unseres Wirtschaftssystems zu sagen hat, weiß man eigentlich erst heute wirklich zu schätzen. Mit einem Wort: messerscharf.

Advertisements

TOMORROW NEVER DIES ist eine eher flüchtige Affäre. Mit einer Laufzeit von knapp unter zwei Stunden ist es der kürzeste Bondfilm seit YOU ONLY LIVE TWICE, und die düsteren Anflüge, die GOLDENEYE in der Interpretation seiner Hauptfigur an den Tag gelegt hatte, werden hier ganz außen vor gelassen. Was der Film an Tiefe vermissen lässt, macht er durch nahezu ununterbrochene Action und einen gesteigerten Camp-Appeal wett. Sichtlich vom damals zu internationaler Popularität gelangten Hongkong-Kino inspiriert, präsentiert er mit Michelle Yeoh nicht nur einen überaus schlagkräftigen Partner für Bond, sondern wartet im Mittelteil auch mit einer unglaublichen Motorradverfolgungsjagd auf, in der sich ein halsbrecherischer Stunt an den nächsten reiht. Im ausgedehnten Finale an Bord eines „Stealth-Bootes“ (nee, is klar) wird das wahrscheinlich sündhaft teure Setting komplett in handliche Einzelteile zerlegt und eine Vielzahl von Schurken effektvoll ins Jenseits befördert. So krawallig und rasant war bis dahin kein Bond-Film.

An der Darbietung von Jonathan Pryce und an seinem Schurken Elliot Carver, einem Rupert Murdoch nachempfundenen Medienmogul, der sich nicht mehr damit begnügt, nur das zu berichten, was passiert, sondern seine eigenen Nachrichten macht, werden sich die Geister scheiden. Wie er da in Schallgeschwindigkeit auf dem Vorläufer eines Tablets herumtippt und vor seiner riesigen Bildschirmwand enthemmte Monologe über seine Monopolideen hält, wird sein Superschurke zur grellen Karikatur, wie TOMORROW NEVER DIES überhaupt deutlich satirische Züge trägt. Die Bondfilme waren mit dem Begriff „realistisch“ zwar nur selten wirklich zutreffend beschrieben, meist auf tagesaktuellen Entwicklungen fußende und dann über die Grenzen zur Science Fiction hinaus betriebene Gedankenspiele (oder eben – wie in MOONRAKER – offensichtlicher Blödsinn), aber sie verkauften ihre Spinnereien mit einem Pokerface. TOMORROW NEVER DIES krankt indes daran, dass man nicht recht zu wissen schien, wie man einen Bondfilm um einen Medienmann konstruieren sollte, dessen Waffen ja gewissermaßen immateriell sind: Er arbeitet mit gezielt geschalteten oder zurückgehaltenen Informationen, eignet sich mithin nur mäßig als Schurke für einen Actionfilm, der auf Körperlichkeit, Materialität und Konkretion fußt. Die Autoren begegnen diesem Problem, indem sie Carver zum typischen Bondschurken machen: Sein Plan – einen Krieg zwischen Großbritannien und China zu provozieren, um so am Ende einer langen Kausalkette die alleinigen Fernsehrechte in China zu erhalten – ist nicht nur reichlich umständlich, er kommt auch einer Trivialisierung seines eigentlichen Drohpotenzials gleich. Das Furchterregende an Medienmännern wie Carver ist ja gerade, dass sie in der Realität gar keine drastischen Mittel benötigen, um zu ihrem Ziel zu gelangen, dass ihre Manipulation schleichend und unbemerkt geschieht, ohne physischen Kollateralschaden. Zur Ehrenrettung der Verantwortlichen sei gesagt, dass sie ihren „Fehler“ selbst bemerkten und Carver demnach zum augenrollenden Irren machten. Wenn man das akzeptieren mag, ist TOMORROW NEVER DIES durchaus witzig. Als Diskussionsbeitrag zum Thema „Medienmanipulation“ eignet er sich eher weniger.

Wunderschön finde ich den Finalmoment, wenn Bond nach erbittertem Kampf gegen Carvers deutschen Kettenhund Stamper (Götz Otto) ins Wasser springt, wo die gefesselte Wai Lin (Michelle Yeoh) kurz vor dem Ertrinken steht. Sie, eine toughe, selbstständige chinesische Agentin, hat bis zu diesem Zeitpunkt alle Avancen des britischen Agenten an sich abprallen lassen, doch jetzt vereinen sich beide unter Wasser unter dem Vorwand der Beatmung in einem innigen Kuss. Es ist eine perfekt getimete, gleichermaßen pulpige wie wunderschöne Pointe eines turbulenten Showdowns, und zudem ein traumhaftes Bild, wie die beiden da schwerelos im Wasser treiben, das von den über der Oberfläche tosenden Flammen illuminiert wird. Es ist auch ein schöner, romantischer Kontrapunkt zur sonst auffallenden Technokratie. Die Technik spielt natürlich in allen Bonds eine überaus wichtige Rolle, aber in TOMORROW NEVER DIES steht sie besonders im Vordergrund. In der Erinnerung spielt der Film fast ausschließlich in von flackernden Bildschirmen beleuchteten Innenräumen, Natur gibt es fast gar nicht zu sehen. Mit etwas mehr Ambitionen würde ich jetzt versuchen, das als Paradigma des Films zu interpretieren, aber Spottiswoode inszeniert so auf den vordergründigen Thrill hin, legt einen innerhalb der nun nicht gerade für Tiefsinn bekannten Reihe solch seichten Film vor, dass exegetische Hohenflüge ein bisschen zu sehr den Methoden Carvers glichen: „Mit Kanonen auf Spatzen schießen“, nennt man das, glaube ich.

Der Terrororganisation Cobra war es zum Ende des Vorgängers gelungen, den Präsidenten der USA unbemerkt durch einen ihrer Männer auszutauschen. Der nächste Schritt ihres Planes zur Erlangung der Weltherrschaft besteht nun darin, die Spezialeinheit G.I. Joe auszulöschen. Doch der Plan geht nur bedingt auf, denn 5 Mitglieder überleben. Für Roadblock (Dwayne Johnson), Flint (D.J. Cotrona), Jaye (Adrianne Palicki), Snake Eyes (Ray Park) und Jinx (Elodie Yung) geht es nun darum, den Verräter in den eigenen Reihen ausfindig zu machen, um Cobra zu stoppen. Die sind nämlich im Besitz einer neuen Superwaffe, deren zerstörerische Energie jede Atombombe in den Schatten stellt. Und sie sind bereit, sie einzusetzen. Bei ihrem Kampf gegen das Böse bekommen die Joes unerwartete Hilfe von ihrem Gegner Storm Shadow (Lee Byung-hun), der herausgefunden hat, dass er von den Mächten Cobras benutzt wurde, und ihrem einstigen Gründer, General Joe Colton (Bruce Willis) …

G.I. JOE: RISE OF THE COBRA markierte vor drei, vier Jahren einen Höhepunkt im Bereich des auf Popkultur basierten Trivialkinos der letzten 15 Jahre. Regisseur Stephen Sommers, dessen Filme meist den ungesunden Geruch von Plastik, Farbstoffen und umweltbelastendem Verpackungsmüll verströmen (mit Ausnahme des grandiosen DEEP RISING natürlich), war genau der Richtige, der Actionfiguren-, Zeichentrick- und Comicserie zum Sprung auf die Leinwand zu verhelfen. Er stopfte seinen Film randvoll mit bombastischen, kinetischen Set Pieces und gewaltigen Bildern, die sich unweigerlich im Gedächtnis festbrennen. Der dem Franchise inhärenten Absurdität trug er mit einer nur rudimentär entwickelten Plotline, einem Sammelsurium starker Figuren und einer entfesselten Cinematografie Rechnung.  In Jon M. Chus oft verschobenem Sequel weicht der unschuldig-naive Spaß nun dem Bemühen um Ernsthaftigkeit. Mit der Auslöschung der Eliteeinheit und dem verräterischen falschen Präsidenten im Weißen Haus gründet der Film auf einer düsteren Prämisse, die die Stimmung des Films deutlich prägt. Die Geschichte wird über mehrere parallel laufende Stränge erzählt und erhält so einen epischeren Anstrich, zudem deutliche Schlagseite Richtung des Spionage- und Agentenfilms mit seinen Schauplatz- und Frontwechseln. Es gibt viel mehr Handlung als noch im Vorgänger und das geht etwas zulasten der Oberflächenreize, die hier meines Erachtens nach im Vordergrund stehen sollten. Zu guter letzt geraten die Actioneinlagen etwas „realistischer“: Over-the-Top-Sequenzen wie die Verfolgungsjagd mit den Highspeed-Anzügen aus Sommers‘ Vorgänger sucht man eher vergebens, vergleichsweise „normale“ Schießereien und Gefechte machen den Löwenanteil der Actionszenen aus. Das spektakuläre Centerpiece des Sequels, ein ausdauernder Ninjafight im Hochgebirge, steht eher in der Tradition des Hongkongkinos der Neunzigerjahre, der Science-Fiction-Anteil beschränkt sich weitestgehend auf die Superwaffe von Cobra und kleinere Details. Dieser tonale Wandel beraubt G.I. JOE: RETALIATION leider auch des naiven Camp-Charmes, der den vorangegangenen Teil so unwiderstehlich machte, ihn zu einer nahezu perfekten Umsetzung einer Spielzeugreihe, die sich ganz der martialischen Fantasie heranwachsender Jungs verschrieben hatte. Das Streben nach Respektabilität, das man Chus Film anmerkt, wirkt dagegen vergleichsweise fehlgeleitet, weil es die Wurzeln der Herkunft des Quellmaterials verleugnet. Ein Fehler, den Hollywood bei der Umsetzung solcher Franchises immer wieder macht: Anstatt eben jene Leute mit farbenfrohem Nonsense restlos zu beglücken, die schon damals mit den Figuren im Sandkasten spielten, die Zeichentrickfilme verschlangen oder einst das Computerspiel auf dem C64 spielten, versucht man auch „normale“ Actionfans ins Boot zu holen, denen der erste Teil zu abgehoben war. Der Kompromiss gelingt hier zugegebenermaßen besser als bei anderen Filmen, die Hollywood in dem Bemühen, es allen Recht zu machen, zu Tode optimierte, wohl auch, weil es nahezu unmöglich ist, eine mit diesem Figureninventar ausgestattete Reihe komplett auf den Boden der Tatsachen zu holen. Mir hat G.I. JOE: RETALIATION jedenfalls trotz der genannten Schwächen noch gut gefallen und Spaß bereitet. Er ist schön bunt, bietet herrlich überzogene Schurken- und Heldenfiguren, jede Menge Krawumm und Krawall, „The Rock“ Dwayne Johnson in einer grandiosen Comic-Rolle, die erwähnte Ninja-Sequenz, die allein das Ansehen des Films lohnt, RZA als blinden Kung-Fu-Meister, mit Snake Eyes (Ray Park) eine der schönsten „stummen“ Figuren der Popcorn-Filmgeschichte, viele, viele große Bilder (die bildgewaltige Zerstörung Londons sei hier auch deshalb erwähnt, weil der Film sie fast beiläufig einstreut) und einige weitere Ideen, die mir unweigerlich ein breites Grinsen ins Gesicht zauberten. Dass Roadblock am Ende von General Joe Colton als Geschenk die Handfeuerwaffe Pattons überreicht bekommt und sie in Ehrfurcht entgegennimmt, kann man nur einem solchen Film verzeihen. Allein dafür bin ich froh, dass es ihn gibt. Und hoffe inständig, dass weitere G.I. JOE-Filme folgen werden.

Die USA in der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts: Im beschaulichen Green Town, einer Kleinstadt in Illinois, kommt in einer Herbstnacht der geheimnisvolle Mr. Dark (Jonathan Pryce) mit seiner Kirmes an. Die beiden Schuljungen Will Halloway und Jim Nightshade erkunden nachts die bunten Zelte und Buden und kommen dahinter, dass Mr. Dark mit fremden Mächten im Bunde ist. Doch für einige der Einwohner Green Towns ist es da schon zu spät: Denn die Wünsche, die auf Mr. Darks Kirmes erfüllt werden, gehen für ihre Nutznießer meist nach hinten los …

SOMETHING WICKED THIS WAY COMES ist die Verfilmung des in den USA überaus beliebten gleichnamigen Romans des bedeutenden Science-Fiction- und Fantasy-Autoren Ray Bradbury. Veteran Jack Clayton, der mit THE INNOCENTS für den vielleicht besten Gothic-Horror-Film ever verantwortlich ist, machte aus dem epischen Stoff, der vom ewigen Kampf zwischen Gut und Böse, aber auch von einer ergreifenden Vater-Sohn-Beziehung und einer auf eine harte Probe gestellten Kinderfreundschaft erzählt, einen aufwändigen, im vollen Bewusstsein von dessen metaphorischer Kraft inszenierten Fantasyfilm, der zwar in erster Linie auf ein kindliches Publikum zielt (der Film wurde von Disney produziert), aber auch Erwachsenen zu Herzen gehen dürfte, die sich einen Funken Kindlichkeit bewahrt haben. Die Geschichte des kleinen Will, dessen Vater (Jason Robards) an seinem hohen Alter und dem schwachen Herzen vor allem deshalb leidet, weil sie ihn von seinem Sohn von Geburt an „getrennt“ haben, dürfte empfindsame Gemüter kaum kalt lassen, zumal die Schauspieler ihre Rollen mit sehr viel Herzblut und Einfühlsamkeit interpretieren.

Die wunderschöne Ausstattung und der durchaus in Würde gealterte Effektzauber des Film tun ihr Übriges, sodass man auch über einige kleinere, nur kosmetische Schwächen hinwegsieht: Man merkt etwas, dass sehr viel Stoff in ein knappes Drehbuch gepackt wurde und wünscht sich während des Sehvergnügens manchmal, der Film würde sich ein wenig mehr Zeit nehmen, ausharren, und Gelegenheit zum Staunen und Verweilen geben. Gerade in der ersten Hälfte legt der Film ein enormes Tempo vor und überstürzt die Dinge geradezu. Dass die 95 Minuten am Ende wie im Flug vergangen sind, bedauert man zwar nicht wenig, doch scheint mir das letztlich ein Kritikpunkt zu sein, mit dem sich ausgesprochen gut leben lässt.

Rätseln muss man als deutscher Zuschauer vor allem, warum es dieser in jeder Hinsicht erstklassige Film mit Ausnahme einer Fernsehaufführung Mitte der Neunzigerjahre unter dem Titel DAS BÖSE KOMMT AUF LEISEN SOHLEN weder in die deutschen Kinos noch auf Video geschafft hat. Hier bleibt nur zu wünschen, dass der Film wiederentdeckt wird und vielleicht doch noch eine DVD-Auswertung hierzulande erfährt. Gerade wenn man bedenkt, welchen Einfluss Bradburys Roman auf die „Genreliteratur“ in den anglophonen Nationen – und somit natürlich auch auf Genrefilme – hatte, ist eine solche Veröffentlichung eigentlich überfällig: Stephen King beruft sich gleich in mehreren seiner Werke auf Bradburys Geschichte (am deutlichsten m. E. in „Needful Things“, der aus der Kirmes lediglich einen Kramladen macht) und auch in Barkers „The Hellbound Heart“ bzw. HELLRAISER lassen sich Parallelen finden (die Cenobiten sind lediglich eine sadomasochistisch verzerrte Version von Mr. Darks „Autumn People“). Abgesehen von solchen paratextuellen Verbindungen ist Clayton aber einfach ein wunderschöner, emotionaler Film gelungen, wie sie heute einfach nicht mehr gemacht werden und deshalb umso wertvoller sind. Ich hoffe jedenfalls, dass sich einige meiner Leser von diesem Text haben überzeugen lassen und sich schleunigst die RC-1-DVD zulegen.