Mit ‘Joseph Shiloach’ getaggte Beiträge

plakat01War der unerwartet schöne Vorgänger nur ein Zwischenhoch oder gar der finale Erguss, dem unweigerlich das tragische Erschlaffen folgt? Bevor diese Frage final beantwortet werden kann, sind erst noch die Teile 7 und 8 zu begutachten, bis dahin kann allenfalls vermerkt werden, dass HARIMU OGEN zu diesem Zeitpunkt der mit Abstand schlechteste Film der Reihe ist. Von „Ermüdungserscheinungen“ zu sprechen wäre noch geprahlt, viel eher muss mankomatöse Zustände konstatieren, die akuten Hirntod vermuten lassen. Es fängt schon damit an, dass Jonathan Segal hier zum ersten Mal nicht mit von der Partie ist. Angeblich weilt sein Bobby oder Momo, oder wie auch immer die deutsche Synchro ihn hier genannt hätte, zum Urlaub in den USA. Benny (Yftach Katzur) liest dann auch gleich zu Beginn eine Postkarte vor, auf der der absente Kumpel haarklein von seinen Sexabenteuern berichtet. Bäh! Akute Ideenarmut wird in einer folgenden, ausgedehnten Szene deutlich, in der sich die Freunde alte Super-8-Filme ihrer Erlebnisse ansehen, was dazu genutzt wird, eine Episode aus ESKIMO LIMON in voller Länge wiederzuverwursten. Dass die elaborierte Szene mit ihren vielfältigen Perspektivwechseln, Schnitten und voneinander getrennten Räumlichkeiten überdies gar kein selbst gefilmtes Material sein kann, will ich dem Film mal nicht ankreiden, das wäre ein bisschen, als machte man sich über geistig Behinderte lustig.

Naja, jedenfalls kommen Benny und Johnny (Zachi Noy) auf die Idee, Urlaub zu machen. Wie praktisch, dass Benny sich just in diesem Augenblick in die hübsche Dana verliebt, die kurz vor einer Kreuzfahrt steht. Die Jungs heuern auf dem Schiff an, auf dem auch zwei Hochstapler/Juwelenräuber (darunter mal wieder Bea Fiedler) untergekommen sind. Haha. lustige Verwechslungen, ick hör euch trapsen! Kapitän des Dampfers ist Danas strenger Papa (Yahuda Efroni), den aufgeblasenen ersten Offizier gibt der aus SAPICHES bekannte Joseph Shiloach. Tja und nach unzähligen unwitzigen Possen und einigen Sexszenen läuft das Schiff dann in Venedig ein, wo es weitere unwitzige Possen und Sexszenen gibt. Ich weiß nicht, wie oft ich mittlerweile eine Variante dieses einen berühmten Johnny-Gags gesehen habe, bei dem er sich ins Bett einer vermeintlichen Superbraut stiehlt, nur um dann, wenn der gehörnte Ehemann auftaucht, festzustellen, dass er sich im Zimmer geirrt hat. Ich fürchte, das kam mehr als einmal pro Film vor. Egal. Irgendwann, lang, lang nachdem man aufgehört hat, einen Scheiß drauf zu geben, ist der Film zu Ende und man fragt sich, wie dieser massive Abfall des Niveaus möglich war. Man muss ja doch konstatieren, dass die Serie es zuvor gegen jede Wahrscheinlichkeit geschafft hatte, nicht komplett in Morast und Dilettantismus zu versinken, aber HARIMU OGEN wetzt diese Scharte mit Erfolg aus. Ein fürchterlich ödes Teil, dem zudem auch dieser Fifties-Charme, den die Vorgänger allesamt für sich verbuchen konnten, vollkommen abgeht. Einfach nur Mist.

Hasenjagd 2SABABA wurde offensichtlich back-to-back mit dem allerdings ungleich größer produzierten vierten Teil der EIS AM STEIL-Reihe gedreht: Man findet sich im selben Setting eines israelischen Militär-Ausbildungslagers wieder, neben Zachi Noy sind auch Joseph Shiloach als lächerlicher Ausbilder Ramirez, Moshe Ish-Kassit als Captain und Devora Bakon als Ramirez‘ fette Geliebte wieder mit von der Partie. Aber alles ist viel kleiner und schäbiger: Nur eine Handvoll Statisten tummelt sich zwischen den Baracken, die nur für gelegentliche Abstecher in die umliegende, überaus trist aussehende Wald-und-Wiesen-Landschaft verlassen wird.

Aber auch in anderer Hinsicht wird das auch schon nicht gerade hohe Niveau des Vorbildes unterboten: Der in Deutschland absurd EIS AM STIEL 4. TEIL: HASENJAGD 2. TEIL betitelte Film stürzt sich geradezu mit Anlauf und kopfüber in die humoristische Jauche, serviert seinem verzweifelt Obhut in wurmstichigen Kinosälen suchenden Trenchcoat-Publikum eine bedenklich torkelnde Polonäse an Pimmel-, Popo-, Pipi- und Pupswitzen und bietet den lustlos an ihrem verdorrten Pillermann rubbelnden Kunden eine wie lobotomiert wirkende Sibylle Rauch an, die zum zweiten Mal unter Zachi Noy stöhnend ihren zweifelhaften Karrierehöhepunkt erlebt. Nach 75 Minuten und einem eilig zurechtgeklöppelten Finale – die Männer um den depperten Ramirez müssen sich im Manöver gegen eine Konkurrenzkaserne behaupten – ist der Spuk vorbei und man weiß, warum die Militärklamotte keine Zukunft mehr hatte. Spätestens hier war alles gesagt, jeder dumme Witz gemacht.

Was SABABA in der deutschen Fassung aber zu einem wahren Meilenstein des Gaga-Humors macht, ist – wie so oft – die Synchro, für die vermutlich Rainer Brandt verantwortlich zeichnete (er ist selbst einmal kurz zu hören). Viele ursprünglich nichtswürdige Streifen wurden in den Siebzigern und Achtziger durch die kreative Arbeit von Synchronarbeitern veredelt und genießen daher heute noch Kultstatus unter Freunden des psychotronischen Films. Man denke etwa an den hier jüngst besprochenen DJANGO NUDO UND DIE LÜSTERNEN MÄDCHEN VON PORNO HILL, einen ultraschundigen Sexwestern, der in der deutschen Bearbeitung zum bizarren Metafilm wird. Qualitativ wird hier kein neuer Gipfel erklommen: Michael Chevalier spricht den Ramirez gar etwas zurückgenommener als zuvor Erik Schumann, es gibt die Brandt-typische Mischung aus putzig-derben Neologismen (ein Hochsitz wird etwa als „Frischluft-Lokus“ bezeichnet), abgewandelten Redensarten („In der Regel hatten die alten Griechen rote Bärte.“) und beliebter Stadards wie dem Stotterer oder ständiger Versprecher und Verbesserer. Was einem aber wirklich die Luftzufuhr zum Hirn abschnürt, ist die schiere Menge und das irrwitzige Tempo dieser Zoten. Die Figuren quasseln ohne Unterlass und teilweise so schnell, dass man die eine Pointe noch gar nicht verstanden hat, bevor man schon eine schallende Rechts-Links-Kombi zweier weiterer Ohrfeigen abbekommt. Da geht ein solcher Platzregen aus verbaler Diarrhoe auf einen nieder, dass man sich zwischendurch nur durch spontanes Wachkoma retten kann. Ehrlich, ich habe schon viele absurde Synchros gehört und gefeiert, aber diese hier nimmt einen einmalige Sonderstellung ein. Ein Kraftakt, eine Monument der sinnentleerten Quasselei, ein Einlauf für die Ohren. Und nur für ganz Harte.

p_4-2Wir müssen an dieser Stelle über ein ausgestorbenes Genre sprechen: die Militärklamotte. Einst war sie ein wichtiger Bestandteil burlesker Tradition und ein beliebtes Mittel der „einfache Leute“, sich über die hohen Tiere lustig zu machen, denen sie meist als Schlachtvieh dienten. Noch in den Siebzigern war sie bei unseren italienischen Freunden überaus beliebt, weil sie doch Gelegenheit bot, prallen Klamauk mit frivolen Späßen und nackter Haut in Verbindung zu bringen. Auch in den Achtzigern gab es noch einige Produktionen, die man als Ableger der alten Tradition bezeichnen konnte: Ivan Reitmans STRIPES etwa oder eben den vierten Teil der EIS AM STIEL-Reihe. Aber heute scheint es kaum noch vorstellbar, dass Wehrdienst oder gar der akute Einsatz im Kampfeinsatz irgendjemandem als geeigneter Komödienstoff erschienen, zumal die sich anbietenden Gags heute nicht mehr so ganz zeitgemäß scheinen. SAPICHES greift auf alle denkbaren burlesken Standards zurück, bildet innerhalb der Filmreihe ein einerseits logisches Kapitel – zum Coming-of-Age gehört eben auch der Wehrdienst -, andererseits aber auch einen deutlichen Exkurs (der dann sogar zu einem Spin-off in Form des unfassbaren Zachi-Noy-Vehikels SABABA führte, das hierzulande als HASENJAGD 2 vermarktet und wahrscheinlich back-to-back gedreht wurde).

Nachdem sich Benny (Yftach Katzur), Momo (Jonathan Segal) und Johnny (Zachi Noy) ein letztes Mal in bewährter Manier die Hörner abgestoßen haben (an Bea Fiedler) – was bedeutet, dass Momo ein Rohr verlegen durfte und der ihm folgende Johnny mal wieder in flagranti vom gehörnten Ehemann erwischt und mit blankem Arsch auf die Straße getrieben wurde -, winkt der Militärdienst, an dem die Freunde kein rechtes Interesse haben. Unter dem Schneid und Machismo vorgaukelnden, in Wahrheit aber furchtbar trotteligen und völlig unter dem Pantoffel seiner feisten Geliebten (Devora Bakon) stehenden Ausbilder Ramirez (Joseph Shiloach) bahnen sich die erwartbaren Scherze an. Da versuchen die Jungs sich vom Arzt einen Urlaubsschein zu erschleichen, was immer wieder zu lustigen Prostataabtastungen und homophoben Schwulenwitzchen führt, müssen sie einen Auftritt in Frauenkleidern absolvieren und die folgenden Avancen der nichts ahnenden Männer abwehren, stürzt der arme Johnny in die Latrinengrube und startet Benny eine Liebelei mit der nebenan bei den Frauen stationierten Rina (Sonja Martin).

Der Hang zum Klamauk ließ sich schon im vorangegangenen dritten Teil nicht mehr verleugnen, doch wurde der da noch durch ernsthafte, in der Tradition der ersten beiden Teile stehende Passagen abgefedert. Hier nun kracht die Schwarte endgültig im Minutentakt und die klischierte Liebesgeschichte um Benny und Rina ist kaum mehr als eine Fußnote, die in erster Linie dazu da ist, die schöne Sonja Martin einmal wie Gott sie schuf in einem nach Langnese-Eis schreienden Strandszenario abzulichten. In der wohl besten Szene des Films taucht die grobschlächtige Freundin von Ramirez bei Bennys Eltern auf, die schockiert sind, weil sie die unmögliche Person für Bennys Zukünftige halten, zieht eine Kanne Bier auf Ex weg und rülpst danach mit Inbrunst. Da wird der ganze Witz des Films auf wenige Sekunden verdichtet. Ansonsten zieht Joseph Shiloach Davidsons letzten Serienbeitrag mit seiner irrwitzigen Darbietung an sich und Erik Schumanns delirierende Synchronarbeit setzt dem Ganzen eine leuchtende Krone aus bunt glasiertem Kot auf. HASENJAGD ist einer dieser Filme, bei denen die Logik und der gesunde Menschenverstand schon einmal völlig ausgeschaltet werden, nur um eine vollkommen hirnrissige Pointe zu setzen. Alles für den Jokus, dann geht’s in den Lokus. Unfassbar, dass dieser Schwachsinn mit SABABA sogar noch getoppt wurde. Mehr dazu in Kürze.