Mit ‘Joseph Zito’ getaggte Beiträge

the real eighties

Veröffentlicht: Mai 26, 2018 in Zum Lesen
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Vor mittlerweile fünf Jahren kuratierten Lukas Foerster und Nikolaus Perneczky die Filmreie „The Real Eighties“ im Wiener Filmmuseum. Neben vielzitierten Klassikern des geschmähten Jahrzehnts (etwa ROBOCOP, ESCAPE FROM NEW YORK, THE TERMINATOR und TO LIVE AND DIE IN L.A.) gab es dort auch viele Filme zu entdecken, die man noch nicht so auf dem Schirm hatte: Robert Aldrichs großartigen ALL THE MARBLES, CUTTER’S WAY, LADY IN WHITE oder KNIGHTRIDERS, um nur einige zu nennen. Jetzt gibt es das Buch zur Reihe, mit einem Füllhorn von Texten verschiedener Autoren zu einzelnen Filmen, Darstellern oder Genres. Eine echte Fundgrube und Landkarte, um sich anschließend selbst einen Weg durch en Achtzigerdschungel zu bahnen und eigene Entdeckungen zu machen. Als Kind der Achtziger und Fan des Kinos jener Zeit freue ich mich sehr darüber, Bestandteil der tollen Sammlung sein zu dürfe: Von mir ist ein Beitrag zu Joseph Zitos bis heute in Deutschland beschlagnahmter Slasher-Klassiker THE PROWLER, über den ich bislang noch nie geschrieben habe. Der Kauf des Buches lohnt sich, denn es ist mit lesbar viel Liebe und Hingabe entstanden. Kaufen kann man den Band direkt im Filmmuseum in Wien oder natürlich bei Amazon.

AbductionFür seinen Debütfilm orientierte sich Joseph Zito an der Patty-Hearst-Geschichte, die ca. ein Jahr zuvor durch die Medien gegangen war. Die 19-jährige Enkelin des Medienmoguls William Randolph Hearst (seinerseits Vorbild für Orson Welles‘ CITIZEN KANE) wurde von den Mitgliedern der linksradikalen SLA, der „Symbionese Liberation Army“, entführt, bedroht und misshandelt. Die Motive waren politisch: Die SLA forderte die Freilassung inhaftierter Mitglieder sowie eine Spende von Hearst in Höhe von 70 Dollar für jeden notleidenden Einwohner Kaliforniens. Auch eine sofortige Zurverfügungstellung von Nahrungsmitteln im Wert von 2 Millionen Dollar in der Bay Area stellte die SLA nicht zufrieden. Der Entführungsfall wurde zur Mediensensation, als eine Tonbandaufnahme veröffentlicht wurde, auf der die Entführte verkündete, nun selbst ein Mitglied der SLA zu sein. Als solches war sie anschließend in mehrere schwere Verbrechen involviert, u. a. einen Banküberfall und diverse Attentate, bis sie 1975 mit anderen Mitgliedern zusammen gefasst, verhaftet und zu 35 Jahren Haft verurteilt wurde. Vor Gericht sagte sie aus, dass sie von ihren Entführern unter Drogen gesetzt und manipuliert worden sei. In einem Berufungsprozess wurde ihre Strafe auf sieben Jahre heruntergestuft, 1979 erwirkte Präsident Jimmy Carter ihre vorzeitige Freilassung nach 22 Monaten Haft, die endgültige Begnadigung erteilte Bill Clinton am letzten Tag seiner Amtszeit im Jahr 2001. Patty Hearst war inzwischen 47 Jahre alt.

ABDUCTION erzählt die Geschichte bis zum endgültigen Gesinnungswandel des Opfers, ohne jedoch ganz explizit Bezug auf den – damals ohnehin allen Amerikanern geläufigen – realen Fall zu nehmen. Aus Patricia „Patty“ Hearst wird Patricia Prescott (Judith-Marie Bergan), die nun nicht Enkelin eines Medienmoguls ist, sondern Tochter eines Bauunternehmers. Die Forderung der Entführer ist keine Geldspende für Bedürftige, sondern die symbolische Sprengung eines von Prescott errichteten Wohnkomplexes. Der wird von Zito als patriarchisches Kapitalistenschwein gezeichnet, verdächtigt erst Patricias braven Freund, in das Verbrechen involviert zu sein, geht dann nur sehr widerwillig auf die Forderungen ein und riskiert damit das Leben der Tochter. Patricias Entscheidung, überzulaufen, wird mithin nicht durch Gewalteinwirkung der Entführer, sondern wesentlich durch das Verhalten ihres Vaters herbeigeführt und als bewusster, reflektierter Akt der Auflehnung ihrerseits gezeichnet. Hat er sie möglicherweise einst sogar missbraucht? Ein Dialog zwischen ihm und Patricias Freund deutet an, sie habe sexuelle Probleme, und als Prescott ein Video erhält, das die Vergewaltigung Patricias zeigt, schaut er sich das, mit einer Sonnebrille in einem gänzlich abgedunkelten Raum sitzend, auf sechs Monitoren gleichzeitig an. Der Film endet, als Patricia zwei Polizisten, die den Unterschlupf der Entführer ausfindig gemacht und sich Zutritt verschafft haben, mit einer Schrotflinte niederschießt.

Zitos Debüt ist recht schnell abgehandelt: Es ist ein für die Siebzigerjahre typischer „Cheapie“, der sein eigentliches Anliegen, Zuschauer mit dem Versprechen von Sex und Gewalt ins Kino zu locken, unter dem Deckmäntelchen der Tagesaktualität verbirgt. Man muss einräumen, dass das Deckmäntelchen hier etwas dichter gewebt ist als bei anderen Vertretern des Exploitation-Films jener Zeit: Für einen wirklich sensationalistischen Reißer ist Zitos Film noch recht verhalten. Das ist aber auch das Manko: ABDUCTION ist unfassbar langatmig, steif und undramatisch, besteht fast ausschließlich aus statischen Dialogszenen in abgedunkelten Räumen und zieht sich wie ein ausgelutschtes Kaugummi. Man sieht dem Film seine Billigkeit sofort an: Schauwerte gibt es gar nicht und offensichtlich konnte man sich noch nicht einmal einen Kameramann leisten, der in der Lage gewesen wäre, den ein oder anderen Schwenk oder gar eine Fahrt einzubauen. Die meisten Szenen sind rein statisch in halbnahen Einstellungen aufgelöst und wenn sich dann doch einmal etwas bewegt, empfindet man das sogleich wie einen erfrischenden Lufthauch an einem unerträglich schwülheißen Sommertag – als echte Erlösung. Man mag Zito zugutehalten, dass er den klaustrophobischen Charakter von Patricias Situation einfangen wollte, aber als filmisches Gesamtkonzept erscheint mir das doch etwas dünn. Nur selten blitzt einmal das Talent Zitos zur brutalen Verdichtung auf, das er später mit THE PROWLER, FRIDAY THE 13TH: THE FINAL CHAPTER oder INVASION U.S.A. unter Beweis stellen sollte. Die Eröffnungssequenz, ein nichtssagender Dialog zwischen Patricia und ihrem Freund auf der heimischen Couch, der irgendwann in ein hastiges Liebesspiel übergeht, wird unerwartet von zwei buchstäblich aus dem Nichts ins Bild stürzenden Entführern gestört. Wenig später hört man ihre Stimmen aus dem Off über die Zukunft ihres Opfers beraten, während die Kamera ganz langsam durch eine halbgeöffnete Tür und die dahinter gefesselt und geknebelt auf dem Bett sitzende Patricia zufährt (das wurde dann auch das Plakatmotiv, siehe oben links). Es ist die einzige Szene, in der man so etwas wie Beklemmung empfindet, ansonsten wirkt ABDUCTION vor allem drehbuchtechnisch und schauspielerisch unterentwickelt. Der Umschwung Patricias wird nie wirklich glaubwürdig und dass ihr Gesinnnungswandel als erstes zu einer Sexszene führt, unterstreicht die zweifelhaften Absichten des Films. Lawrence Tierney darf einen FBI-Agenten spielen, der in vom Rest des Films völlig isolierten Szenen einen möglichen Zeugen befragt: Typisches Merkmal solcher Billigheimer.

Wahrscheinlich muss man mit Zito Nachsicht üben: Keine Ahnung, was ABDUCTION gekostet hat, aber viel kann es nicht gewesen sein. Das maßgebliche Motiv war es wahrscheinlich, den Film so schnell auf den Markt zu werfen, um noch von der Aktualität des Falles profitieren konnte, und die daraus resultierende mangelnde Sorgfalt sieht man an allen Ecken und Enden. Ich könnte damit grundsätzlich ganz gut leben, wenn ABDUCTION nicht so elend fad gewesen wäre. Es ist einer jener Filme, für die die Fast-Forward-Taste erfunden wurde. Nur leider gibt es nichts, wo es hinzuspulen lohnte. Na gut, das Finale ist ganz nett.

friday-the-13th-the-final-chapter-577802lFür mich ist dies der beste Teil der Reihe, der finsterste und brutalste, der, der genau das verkörpert, was die Reihe für mich gerade in meiner Jugend immer so reizvoll machte. Joseph Zito gelang es, die Essenz der ersten drei Teile, das, was Jason Voorhees überhaupt erst zu einer effektiven Figur machte, klar herauszuarbeiten, bevor das Franchise endgültig den Wandel zu poppigem Kinderkram und Funsplatter vollzog (was nicht heißt, dass ich die kommenden Teile nicht mag). Hier ist Jason noch eine bösartige, furchteinflößende Urgewalt, ein Mysterium zudem. Seine zahlreichen Morde beenden mittelmäßige bis traurige Teenieleben blutig und überaus mitleidlos, der Film ist dunkel, feucht, kalt und – im Rahmen dessen, was im nicht gerade subtilen Slashergenre möglich ist – beunruhigend, am Ende gar verstörend.

FRIDAY THE 13TH: THE FINAL CHAPTER knüpft wieder unmittelbar an den direkten Vorgänger an, verströmt aber vom Start weg eine ungeahnte Dringlichkeit und Bedrohung, die auch das Teeniegedöns der Exposition entsprechend verdüstert. Zito beschränkt es zudem auf ein absolutes Mindestmaß – das, was nötig ist, um seine Opferschar als notgeile Jammerlappen zu zeichnen – und lässt Jason bereits nach kürzester Zeit von der Leine, auf dass er sein blutiges Handwerk verrichte. Die Spezialeffekte stammen wieder einmal von Tom Savini, kommen ruppig und hart daher, selbst wenn man sieht, dass auch dieser Film Federn lassen musste, um sein R-Rating zu bekommen. Jason selbst geht mit äußerster Effizienz zu Werke und bleibt bis zur letzten Spule nahezu unsichtbar, nicht zuletzt, weil die Nacht, der Wald und der Regen ihn verdecken (man vergleiche Zitos Film nur mal mit dem bei Festbeleuchtung gedrehten Vorgänger). Ein kluger Schachzug: Im Vergleich mit späteren Sequels, in denen Jason fast zum Protagonisten wird, ist dieser vierte Teil deutlich spannender, und wenn der Hüne mit der Eishockeymaske endlich in Erscheinung tritt, schlägt das ganz anders zu Buche. Meine Lieblingsszene mit ihm ist dann auch noch nicht einmal besonders grafisch: Er durchbricht mit den Armen ein Fenster im ersten Stock eines Hauses von außen, greift das dahinter stehende Mädchen, reißt sie heraus und wirft sie kurzerhand über die Balkonbrüstung. In Zeitlupe kommt dieser Mord gleich doppelt brachial daher (Zito setzt sie häufiger sehr effektiv ein). Überhaupt wirken die genretypischen creative killings hier vergleichsweise bodenständig, was dem Film sehr zugute kommt. In späteren Teilen fragt man sich ja des öfteren, welchen Baumarkt Jason zuvor geplündert haben mag, um an sein Arsenal von Mordwaffen zu kommen.

Dass ich diesen Film – der wie schon der dritte Tel vor ihm und die folgenden ebenfalls in Kalifornien gedreht wurde und dessen Setting kaum mit den ersten beiden Filmen in Übereinstimmung zu bringen ist – so mag, liegt neben der Top-Performance von Jason und der zielstrebigen Inszenierung von Zito vor allem an den beiden „Stars“, Corey Feldman und Crispin Glover. Ersterer hat als damals 13-Jähriger die Hauptrolle als Crystal-Lake-Anwohner Tommy und trägt erheblich dazu bei, dass man tatsächlich emotional in FRIDAY THE 13TH: THE FINAL CHAPTER involviert ist. Wenn Tommy in seinem Bett aufjauchzt, weil er die geilen Ischen nebenan nackig sehen kann, ist man ganz bei ihm und sorgt sich im Folgenden um seine Sicherheit. Das harte Finale, in dem er einen sichtbaren Knacks erleidet, sorgt ebenfalls dafür, dass dieser vierte Film der Reihe neben dem ersten als ernstester Beitrag gelten darf. Die Schlusseinstellung zeitigt eine Wirkung, die der vierte Teil einer tumben Slasherfilm-Reihe eigentlich niemals haben dürfte. Crispin Glover ist hier so etwas wie das Comic Relief, auch wenn dieser Begriff seiner Funktion nicht ganz gerecht wird. Er ist der linkische Nerd, der sich bei den Frauen ziemlich dumm anstellt und dessen Selbstbewusstsein massiv angeknackst ist. Er reißt sich dann zusammen, spricht tatsächlich ein Mädel an und gewinnt die Herzen der Zuschauer mit einer der bizarrsten Tanz-Performances ever. Sein Ende spielt meiner Deutung der FRIDAY THE 13TH-Reihe sehr in die Karten: Er wird gekillt, nachdem ihm seine Eroberung ein Spitzenleistung im Bett bescheinigt hat. Nicht, weil ein Puritaner ihn dafür bestrafen will, dass er Sex hatte, sondern weil solches Glück im Teenieleben einfach nicht vorgesehen ist. Life’s a bitch and then you die.

Ein Jahr, nachdem der Vietnamveteran James Braddock (Chuck Norris) aus der Kriegsgefangenschaft nach Hause zurückgekehrt ist, tobt in seiner Heimat die Debatte um den Verbleib weiterer vermisster Soldaten. Weil die Politiker seiner Meinung nach jedoch gar kein echtes Interesse haben, diese Männer zu finden und nach Hause zu holen, ergreift er die Initiative: Ein diplomatisches Treffen mit den Nordvietnamesen nutzt er, um sich die nötigen Informationen mit Gewalt zu beschaffen. Mithilfe seines Kumpels Jack Tucker (M. Emmet Walsh) dringt er von Thailand aus nach Vietnam ein, haut die amerikanischen POWs im Alleingang raus und bringt sie just in dem Moment nach Hanoi, als der nordvietnamesische General vor den Augen der versammelten Weltpresse die Existenz jeglicher Kriegsgefangener im eigenen Land abstreitet.

MISSING IN ACTION war seinerzeit in den USA ein Riesenhit, spielte ca. das Zehnfache seines Budgets wieder ein und blieb bis zum Schluss einer der größten Erfolge der überaus produktiven Cannon Group der Israelis Menahem Golan und Yoram Globus. Die beiden hatten das Potenzial des brisanten Thema erkannt, das ja nicht zuletzt Präsident Reagan auf seine Fahnen geschrieben hatte, und wussten, dass sie schnell reagieren mussten, bevor ein anderer denselben Einfall haben würde. Der zur selben Zeit gedrehte MISSING IN ACTION 2: THE BEGINNING, der eigentlich die Trilogie eröffnen sollte, wurde zurückgestellt, und somit erschien MISSING IN ACTION noch ein Jahr vor dem ungleich aufwändigeren RAMBO: FIRST BLOOD PART II. (Der noch zuvor entstandene UNCOMMON VALOR hinterließ keinen größeren Eindruck beim Publikum, in Kürze mehr dazu.) Inhaltlich muss MISSING IN ACTION natürlich als überaus kontrovers bezeichnet werden: Wie auch Stallones Film gilt er heute als typisch für die Politik unter Reagan, dem kein Trick zu schäbig war, die geknickte Nation, an deren Spitze er stand, wieder aufzurichten. Das Thema „Kriegsgefangene in Vietnam“ wurde medial massiv aufgebauscht, brachte am Ende aber nicht die gewünschten Ergebnisse. Es muss vermutet werden, dass jene 2.500 vermissten US-Soldaten schlicht Gefallene waren. Sowohl MISSING IN ACTION wie auch RAMBO: FIRST BLOOD PART II ziehen alle quasi-propagandistischen Register, verfolgen die Strategie, dem Publikum sowohl ein griffiges Feindbild wie auch ein Stück Hoffnung zu geben. Dass es diese Kriegsgefangenen geben musste, daran besteht in beiden Filmen nie der leiseste Zweifel – und das Wissen wird dann ja auch bestätigt.

Was die Ideologiekritik, die diese Filme verständlicherweise provozierten, jedoch regelmäßig übersah: Mehr als als aktive Politik lassen sie sich als verzweifelte Trauerarbeit lesen. In MISSING IN ACTION wird das meines Erachtens nach noch deutlicher als im größeren, spektakuläreren RAMBO-Sequel. Zitos Film beginnt mit Rückblenden, Erinnerungen Braddocks an das Schlachtgetümmel in Vietnam, erlittene Grausamkeiten, verlorene Kameraden, und blendet auf den in der Gegenwart auf seinem Bett liegenden Veteranen, der gedankenverloren ins Leere starrt (die Szene erinnert an den Auftakt von APOCALYPSE NOW). Er wird den Krieg nicht los, auch nicht die Gedanken an die möglicherweise noch lebenden Freunde, und das Fernsehen ist voll mit Beiträgen über POWs. Er muss etwas unternehmen, also nimmt er die eigentlich schon mehrfach abgelehnte Einladung zu einem diplomatischen Treffen in Nordvietnam wahr. Dort wirft er jede falsche Höflichkeit über Bord, tritt den Offiziellen mit unverhohlener Verachtung gegenüber, setzt erst gar keine Hoffnungen in „Verhandlungen“. Abends nutzt er eine Gala, um aus dem streng bewachten Hotel aus- und bei dem nordvietnamesischen General Trau (James Hong) einzubrechen. Mit Waffengewalt presst er den Standort des Gefangenenlagers aus ihm heraus, bringt ihn schließlich um und kehrt unbemerkt ins Hotel zurück, wo man ihm nichts nachweisen kann. Nun widmet er sich den Vorbereitungen für seine Mini-Invasion, die er mit größter Effizienz und ohne eine Miene zu verziehen durchführt. Es wird nicht explizit gesagt, aber der Betrachter kann kaum zu einem anderen Schluss kommen, als diesen Braddock für einen schwerst angeschlagenen Psychopathen zu halten, dessen Besessenheit sich durch die Realität nicht begrenzen lässt. Die Nordvietnamesen sind immer noch der Feind, werden diese Rolle in Braddocks Lebenszeit wahrscheinlich auch nicht mehr los. Der Veteran steht ihnen nicht als besonnener Zivilist gegenüber: Für ihn ist der Krieg nie beendet worden. Und er wird sein Ende auch nicht finden, wenn Braddock nicht seiner inneren Stimme folgt.

Anders als seine Kollegen inszeniert Joseph Zito seinen Actionfilm trotz des patriotischen Befreiungsschlags, mit dem dieser endet, ohne den großen emotionalen Überschwang, ohne Euphorie. MISSING IN ACTION ist, seinem Sujet durchaus angemessen, einer der düstersten Genrebeiträge seines Jahrzehnts. Chuck Norris, sonst der stoische Fels in der um ihn tosenden Brandung seiner Filme, wirkt hier absolut prägend: Es ist, als sei der ganze Film eine Verlängerung seines Braddock, ein grober, schroffer Klotz, der alles niederdrückt. Da drängt sich der interpretatorische Wurf, MISSING IN ACTION als Imagination seines Helden zu sehen, geradezu auf. Er agiert in seiner Fantasie das aus, was seine Nation träumte, um sich nicht mit der bitteren Realität abfinden zu müssen.

Der Text, den ich damals mit dem Außenseiter auf „Sauft Benzin, ihr Himmelhunde!“ veröffentlicht habe, halte ich immer noch für lesenswert. Klick hier.