Mit ‘Joss Whedon’ getaggte Beiträge

So, da sind wir mal wieder, beim nächsten großen Marvel-Superheldenfilm, den ich mir eigentlich nicht mehr ansehen wollte, dann aber doch wieder weich geworden bin. Es sind das Gefühl, bei diesem einen Mal vielleicht doch etwas verpassen zu können, und die Neugier darauf, wie die nächsten filmischen Äquivalente zu den zweidimensionalen Vorlagen die Transition überstanden haben, die mich immer wieder zugreifen lässen. Wer ein Herz für die Superhelden-Comickultur hat, wird von Marvel auf diese Art und Weise mit jeder neuen Verfilmung eingefangen: mit einem Versprechen, zu dem die mindestens milde Enttäuschung fast schon dazugehört, um das Bedürfnis nach der nächsten Installation zu sichern. Die Masche funktioniert bislang noch, aber mit jedem Film, der folgt und sich dann doch wieder nur als Vorspiel auf das große, unüberbietbare Finale – oder auch nur auf den nächsten Verwertungszyklus – entpuppt, wächst auch die Gefahr, die Geduld überzustrapazieren oder Erwartungen zu schüren, die unmöglich zu erfüllen sind.

Auch über den zweiten AVENGERS-Film AGE OF ULTRON hätte ich schon vorab einen Text schreiben können, den ich dann nach der Sichtung kaum hätte modifizieren müssen. Man weiß ja mittlerweile, wie das läuft, was man erwarten kann und was man auch diesmal wieder nicht bekommen wird. Der zweite Teil hat mir eher gut gefallen, aber das liegt auch daran, dass ich deutlich Schlimmeres erwartet hatte. Neben den Jubelarien und ausufernden Diskussionen, die jeder neue Marvel-Film im Netz unweigerlich auslöst, kann man recht verlässlich auch Quasi-Verrisse von Leuten lesen, denen es ganz ähnlich geht wie mir. Da wird zu Recht bemängelt, dass eigentlich jeder Superhelden-Film nur noch der Teaser für die kommenden Projekte ist, dass vor lauter Charakteren, die da zusätzlich zu der Armada an eh schon existerenden eingeführt werden, kaum noch Zeit bleibt, tatsächlich eine Geschichte zu erzählen, dass jegliche Vision, die möglicherweise einmal am Anfang stand, der radikalen Zielgruppenoptimierung zum Opfer gefallen ist. Das alles trifft auch auf AGE OF ULTRON zu. Regisseur Joss Whedon ließ sich nach der Fertigstellung wenig versöhnlich über die Erfahrungen mit Marvel zitieren, genervt über die Einmischung der Produzenten und die ständigen Kompromisse. Man sieht dem fertigen Film an, was drin gewesen wäre, aber nicht sein durfte, weil die nächsten 32 Subplots zu triggern waren, die dann bis ins Jahr 2022 vielleicht gelöst sein werden.

Die Thematisierung der Frage, wie weit man zur Sicherung des Friedens gehen darf, was ein solcher mit kriegerischer Gewalt gesicherter Frieden überhaupt wert ist, wann „gut“ endet und „böse“ beginnt, ist dabei eigentlich sehr interessant. Exemplifiziert wird sie zum einen durch die Geschichte Ultrons (James Spader), einer von Tony Stark (Robert Downey jr.) geschaffenen künstlichen Intelligenz, die der Kontrolle durch die Superhelden entweicht und zu dem nicht ganz abwegigen Schluss kommt, dass die Menschen Schuld am Zustand der Welt sind und demnach ausgelöscht gehören, zum anderen durch Bruce Banner (Mark Ruffalo), der als Hulk während eines Wutanfalls eine ganze Stadt verwüstet, auch seine Freunde fast umbringt, und daraufhin an seiner Eignung als Wohltäter zu zweifeln beginnt. Außerdem gibt es noch zahlreiche weitere Subplots und Exkurse, die Zeit beanspruchen und dem Film durch die daraus resultierende Oberflächlichkeit zwangsläufig den Charakter einer aufgeblähten Soap-Opera-Episode verleihen. Der Haupt-Erzählstrang um Ultron ist ein gutes Beispiel für die Probleme, die mangelndes editorisches Gespür verursacht: Innerhalb von zwei Szenen reift er von der Idee zur Realität, eine Szene später mutiert er bereits zum Superschurken mit Weltvernichtungsplan. Dass der vollanimierte Blechkasten überhaupt über etwas Charakter verfügt, ist einzig der Stimme von James Spader zu verdanken. Was Marvel erstaunlicherweise immer noch nicht gemerkt hat: Ein solcher Film steht und fällt mit einem vernünftigen Bösewicht. Bisher hatten es die Helden aber immer nur mit völlig austauschbaren Pappenheimern zu tun, auf deren Zugkraft noch nicht einmal die Macher selbst zu vertrauen scheinen. Wer glaubt, dass sich das mit Thanos ändern wird, hat mein aufrichtiges Mitleid.

Das Tempo, das AGE OF ULTRON geht, trägt natürlich dazu bei, dass man sich nicht langweilt, nie zu lang bei einer Sache aufhalten muss, immer die nächste effektlastige Actionszene um die Ecke lugen sieht. AVENGERS: AGE OF ULTRON ist mit „kurzweilig“ schon ganz gut beschrieben, lässt aber jede Nachhaltigkeit vermissen. Es gibt ein paar schöne Bilder, etwa während der einleitenden Actionsequenz, in der die Kamera atemlos über ein Schlachtfeld fährt und immer wieder bei einem anderen Avenger „hängenbleibt“, oder im Zweikampf zwischen dem „Hulkbuster“ und Hulk – wie überhaupt die Szenen mit dem grünen Wutklumpen bei mir für einen enormen Anstieg der Stimmungskurve sorgten (Vision (Paul Bettany) ist auch ein HIngucker), aber nichts, was einen wirklich packt und sich unauslöschlich einbrennt, wie Actionfilme das im Idealfall leisten. Nichts bekommt überhaupt die Zeit, irgendeine über den ersten Wow-Effekt hinausgehende Wirkung zu entfalten, weil atemlos sofort die nächste Story angerissen oder beendet werden muss. Es ist wirklich erstaunlich: Da wurde eine Viertelmilliarde Dollar (!) dafür ausgegeben, einen Film zu drehen, dessen herausragendste Eigenschaft ist, dass er sich binnen kürzester Zeit verflüchtigt wie ein leiser Pups.

Dass für den Freund bunten Firlefanzes dieses Jahr kein Weg an MARVEL’S THE AVENGERS vorbeiführt, zeigt sich schon daran, dass selbst ich den Weg ins Kino gefunden habe, um ihn mir mit 3D-Brille bewaffnet anzusehen und mich selbst davon zu überzeugen, dass es sich hierbei um den CITIZEN KANE des Superheldenfilms handelt. Zwar bin ich ganz froh, dass ich mein anlässlich des grauenvollen X-MEN ORIGINS: WOLVERINE geäußertes Versprechen, Marvel-Filme zukünftig zu meiden, gebrochen habe, dennoch hapert es auch bei diesem jüngsten Werk ganz erheblich an allem, was über Krawall und Action hinausgeht. Was das heißt, könnt ihr in meiner Rezension nachlesen, die ich für Hard Sensations verfasst habe. Klick!

serenity (joss whedon, usa 2005)

Veröffentlicht: September 1, 2008 in Film
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In ferner Zukunft: Die Weltraum-Piraten um Mal (Nathan Fillon), den Captain der „Serenity“, bekommen Gesellschaft von Simon (Sean Maher) und dessen Schwester River (Summer Glau), die über paranormale Kräfte verfügt und somit unter ganz besonderer Obhut der totalitären Regierung stand. Mit ihr an Bord ist das süße Gaunerleben vorbei: Ein gewissenloser Killer setzt sich auf die Fährte der „Serenity“ und Mal und seine Crew müssen sich entscheiden, ob es für sie neben dem Geld noch andere Werte gibt, für die es sich zu kämpfen lohnt …

Ich bin überhaupt kein Freund von Science-Fiction-Serien, habe selbst STAR TREK nichts mehr abgewinnen können, nachdem ich dem Kindergartenalter entwachsen war. Auch mit der SERENITY als Vater dienenden Serie FIREFLY, ebenfalls aus der Feder von Joss Whedon, bin ich nicht vertraut und konnte somit relativ unvorbelastet an diesen Film gehen – die Lobeshymnen, die in diversen Geek-Foren gesungen wurden, waren mir natürlich trotzdem nicht fremd. Nach der durch kürzere Anfälle von Sekundenschlaf beeinträchtigten Sichtung muss ich einräumen, dass SERENITY durchaus ein gelungener Unterhaltungsfilm ist, der sich einige dezent platzierte Merkwürdigkeiten gönnt, die ihn letztlich interessanter machen als er es eigentlich sein dürfte. Da ist etwa das Setting: SERENITY spielt zwar in einer Zukunft, in der die Menschheit andere Planeten kolonialisiert hat, doch ihre Wurzeln sind immer noch sichtbar. Mit seinen Wildwest-Settings und seinen industrieell anmutenden Bauten erinnert SERENITY sowohl an den klassischen Western als auch an den Endzeitfilm; ein geschickter Schachzug, der für Glaubwürdigkeit und die Anbindung an den Zuschauerhorizont sorgt. Doch SERENITY ist beileibe kein Film, der sein Genre neu definiert: Mal und seine „Serenity“ lassen unweigerlich an Han Solo und den „Rasenden Falken“ denken, River ist eine Kreuzung aus Prinzessin Leia und Leeloo (THE FIFTH ELEMENT), die „Reavers“ genannten Mutanten wiederum erinnern an die Kannibalen aus Cravens THE HILLS HAVE EYES oder auch die Marsvampire aus Carpenters GHOSTS OF MARS und auch sonst besteht die Originalität von SERENITY eher darin, wie hier die einzelnen Versatzstücke kombiniert wurden, als in tatsächlich genuin neuen Ideen. Trotzdem ist SERENITY wie schon erwähnt sehr gefällige, irgendwie sympathische Unterhaltung, die auch dadurch nicht geschmälert wird, dass man einfach irgendetwas fehlt: SERENITY wirkt wie ein Pilotfilm, dem die Serie abhanden gekommen ist. Vielleicht ist das aber auch nur das Schicksal, welches ein Serien-Spin-off zwangsläufig zu tragen hat.