Mit ‘Julian McMahon’ getaggte Beiträge

Nach SNAKES ON A PLANE und Haien im Tornado nun also Haie im Supermarkt. So bescheuert das auf dem Papier klingt, so viel Sinn macht es, die gefräßigen Fische aus ihrem natürlichen Lebensraum in die Zivilisation zu holen: Das Meer gibt als Handlungsraum zum einen nicht so wahnsinnig viel her, zum anderen kann man den Haikontakt relativ leicht vermeiden, indem man nicht ins Wasser geht. Anders sieht das aus, wenn eine Gruppe von Menschen nach einem Tsunami in einem gefluteten Supermarkt eingeschlossen ist und plötzlich klar wird, dass mit dem Wasser noch ganz andere Probleme eingedrungen sind.

BAIT greift auf die Mechanismen des Katastrophenfilms zurück isoliert eine Gruppe ganz unterschiedlicher Typen, die alle einen wie auch immer gearteten Ballast mit sich herumschleppen und konfrontiert sie dann mit einer tödlichen Bedrohung, derer sie sich nur gemeinsam erwehren können. Im vorliegenden Fall gehören zu den unfreiwillig eingesperrten u. a. der ehemalige Lifeguard Josh (Xavier Samuel), der einst seinen besten Freund an einen Hai verlor, seine einst große Liebe Tina (Sharni Vinson), eine Problemteenagerin samt besorgtem Polizistenvater, der Supermarktinhaber sowie eine Kassiererin und zwei Gangster (u. a. Julian McMahon), die bei ihrem Überfall von den Fluten überrascht wurden. Abwechslung entsteht durch einen separaten Handlungsraum, denn auch in der Tiefgarage des Marktes sind Menschen eingeschlossen. Unter diesen Voraussetzungen entwickelt sich ein durchaus unterhaltsames, trotz letzten Ende vorhersehbarer Entwicklungen spannender kleiner Thriller. Der begrenzte Raum wird optimal genutzt, das Miteinander der Figuren ist eine Ecke glaubwürdiger als man es erwartet, die Effekte um die Haiangriffe sind überdurchschnittlich gut gelungen.

Natürlich muss man vor allem bei der Logik ein paar Abstriche machen: Zwar sind die Figuren auf den Regalen sitzend annähernd hilflos, doch immer, wenn sie einen Einfall haben, scheint die notwendige Ausrüstung dafür in greifbarer Nähe zu sein. Da fragt man sich dann schon manchmal, was das für ein Supermarkt ist, indem offensichtlich meterlange Seile geführt werden, oder wie es gelungen ist, mehrere Einkaufswagen nicht nur zu bergen, sondern auch noch in praktische Einzelteile zu zerschneiden. Und die Szenen, in denen ein eben ins Wasser Gefallener gerade noch so in letzter Sekunde wieder herausgezogen werden kann, werden auch ein bisschen arg inflationär eingesetzt. Aber im Großen und Ganzen ist BAIT ein netter, handwerklich sehr ordentlich gemachter Timewaster, der das Optimum aus seiner Prämisse rausholt und für Sharksploitation-Liebhaber Pflichtprogramm darstellt.

Reed Richards (Ioan Gruffudd) und Sue Storm (Jessica Alba) stecken mitten in ihrer Hochzeit, da droht der Weltuntergang: Als Vorhut des Weltenvernichters Galactus hat dessen unfreiwilliger Helfer, der Silver Surfer, sich die Erde als nächstes Ziel ausgeguckt. Es bleibt den Fantastischen Vier nicht viel Zeit, die Welt zu retten und damit das gelingt, müssen sie sogar mit ihrem Erzfeind Victor von Doom (Julian McMahon) kooperieren. Doch der interessiert sich eigentlich nur für das Surfbrett des Außerirdischen, das die Quelle seiner Macht zu sein scheint …

Ein Bekannter hat mir vorgeworfen, in meiner Kritik zu FANTASTIC FOUR zu freundlich gewesen zu sein: Er hat sicherlich Recht, denn Tim Storys Superheldenfilm repräsentiert all das in Reinkultur, was am großen Hollywood-Eventfilm so hassenswert ist. Film selbst, so scheint es, verkommt hier zum Mittel zu dem einzigen Zweck, möglichst viel Geld zu verdienen. Ein Film, der viel Geld einspielt, ist automatisch ein guter Film. Weil die Filmproduktion aber immer teurer wird, muss das Risiko minimiert werden, Geld zu verlieren. Das spricht gegen originelle Ideen, gegen Anspruch und Intelligenz und für Franchisebildung, Cross Promotion und runtergedummte Plots, die eben möglichst viele Menschen ansprechen sollen. FANTASTIC FOUR: RISE OF THE SILVER SURFER ist nach dem Vorgänger auch nur der nächste logische Schritt. Alles ist ein bisschen größer, der Film ist noch schneller und flacher (u. a. weil man die Charaktere nicht mehr erst einführen muss), der Humor noch platter, die Product Placements noch dreister und mit dem Silver Surfer wird ein möglicher Spin-off-Kandidat vorgestellt und auf Markttauglichkeit getestet. Meine Geduld war dann auch irgendwann erschöpft, nachdem der erste Teil noch von meiner Altersmilde profitiert hatte. Die vier Protagonisten sind unerträglich eindimensionale Dummbeutel, Johnny Storm, die menschliche Fackel, gar ein hedonistischer, eitler Geck, dem man einen aggressiven Herpes ans selbstverliebt grinsende Maul wünscht, aber ganz bestimmt keine Superheldenfähigkeiten. Die Liebesgeschichte zwischen Reed und Sue dient allerhöchstens dazu, Vorurteile gegen traditionelle Beziehungsmodelle zu bestätigen und das Ding – dessen Umsetzung mittels eines altmodischen Rubber Suits ich eigentlich ganz niedlich finde – ist kaum mehr als Quelle unzähliger Zoten. Am ärgerlichsten ist ganz sicher, wie offensiv der Film den Zuschauern seinen Produktcharakter vor die Füße rotzt: Er macht gar keinen Hehl mehr daraus, dass er kaum mehr als eine Werbefläche ist. Als Johnny die neuen, über und über mit Sponsorenlogos versehen Heldenkostüme vorstellt und Reed entsetzt abwinkt, fragt Johnny nur schnippisch: „What have you got against capitalism?“ Dieser „Gag“ ist auf so viele verschiedene Arten und Weisen verkommen, dass mir eigentlich nix mehr dazu einfällt. Wenn Produzenten über ihre mangelnde Integrität, die sie dazu bringt, dem Publikum Geld für längere Werbespots aus der Tasche zu ziehen, nun auch noch offen Witzchen machen können, ihren Zuschauern also auch noch ihre Frechheit unter die Nase reiben, nachdem sie sie betrogen haben, dann ist zweifellos eine Geschmacksgrenze überschritten.

Das ist aber nicht alles, was FANTASTIC FOUR: RISE OF THE SILVER SURFER zum Ärgernis macht: Denn in der Darstellung des Silver Surfers sieht man, wie leichtfertig hier Talent verschleudert wurde. Den melancholischen Surfer, wahrscheinlich eine der poetischsten Comicschöpfungen der langen Superheldengeschichte, vom Comic auf die Leinwand zu bringen, ohne sich dabei völlig zu verheben, dürfte nämlich eine der schwierigeren Aufgaben sein, die man sich in Sachen Comicverfilmung vornehmen kann. Angesichts der Lieb- und Gedankenlosigkeit, mit der man sich der Fantastischen Vier angenommen hat, war das Fiasko eigentlich vorprogrammiert. Doch immer wenn der Silver Surfer seine Bahnen durch den Film zieht, spürt man förmlich, wie sich das Herz in der Brust hebt, wie die bleischwere Seelenlosigkeit auf einmal von Bedeutung, Poesie und Emotion durchbrochen wird. Diese Figur ist so stark, nicht einmal das dümmliche Püppchengesicht von Jessica Alba kann ihren Eindruck schmälern. Anstatt mich – wie so viele Comicnerds – also über die Eierlosigkeit aufzuregen, die bei der Umsetzung des Weltenzerstörers Galactus ohne Frage an den Tag gelegt wurde (aus dem – filmisch sicherlich schwierig originalgetreu umzusetzenden – Alien mit dem Riesenkopf wurde kurzerhand und wenig einfallsreich eine riesige kosmische Gewitterwolke), freue ich mich lieber über den wunderbaren Silver Surfer, der allerdings damit gestraft ist, in einem Film rumzufliegen, der eine Rettung gar nicht verdient hat. Den Eichingerbernd hat Galactus ja schon aufgefressen, von mir aus kann er sich als nächstes diesen Film einverleiben. Wahrscheinlich hat er aber Angst vor den Blähungen und dem Sodbrennen.

PS: Meine erste Begegnung mit dem Silver Surfer hatte ich in meiner Kindheit, als ich im Nachtprogramm Jim McBrides BREATHLESS, ein loses Remake von Godards À BOUT DE SOUFFLE erwischte: Dessen Protagonist, ein kleiner Ganove namens Jesse (Richard Gere), ist ein großer Verehrer des Surfers und liest an mehreren Stellen des Films aus den Comics vor. Keine große Sache, aber man erhält einen guten Eindruck von der Figur und davon, was für einen fantastischen Film man mit ihr drehen könnte. FANTASTIC FOUR: RISE OF THE SILVER SURFER kratzt noch nicht einmal an diesen Möglichkeiten, hat weniger kosmische Atmosphäre als jene Szene mit Jesse im Comicladen. Hier ist ein Youtube-Clip, in dem die Silver-Surfer-Szenen aus BREATHLESS zusammengefasst werden:

Der Wissenschaftler Dr. Reed Richards (Ioan Gruffudd), sein Assistent Ben Grimm (Michael Chiklis), Reeds Ex-Freundin Sue Storm (Jessica Alba) und ihr Bruder Johnny (Chris Evans) begeben sich gemeinsam mit Auftraggeber Victor von Doom (Julian McMahon) – Sues neuem Partner und Chef – ins Weltall, um dort Forschungen vorzunehmen. Nachdem sie dort einem kosmischen Sturm und starker Strahlung ausgesetzt worden sind, ist ihre DNA irreparabel verändert: Reeds Körper ist elastisch wie Gummi, Sue kann sich unsichtbar machen, Johnny verwandelt sich in einen menschlichen Feuerball und Ben hat einen Körper aus Stein. Während sie versuchen, ihren Fähigkeiten auf den Grund zu gehen, sieht von Doom, dessen Haut langsam eine metallene Konsistenz annimmt, eine Chance, seine neuen Talente zur Machtvergrößerung zu nutzen. Dabei sind ihm die „Fantastischen Vier“ natürlich im Weg …

Die Geschichte hat das Urteil über diese Inkarnation der Fantastischen Vier bereits gesprochen: Nachdem weder dieser Film noch die Fortsetzung bei Publikum und Kritik besonderen Eindruck machen konnten, ist bereits ein Reboot in Planung. Der Fairness halber muss man sagen, dass FANTASTIC FOUR nicht die Katastrophe ist, die viele vergrätzte Nerds in ihr sehen wollen, sondern lediglich eine ziemlich seelenlose, wenig einfallsreiche oder gar kreative Verfilmung eines Comics, das ein sensibleres Händchen als das von Regisseur Tim Story gebraucht hätte – und ein deutlich besseres Drehbuch. Dass FANTASTIC FOUR fast ein Kinderfilm geworden ist, istdabei gar nicht das Problem: Die Fantastischen Vier eignen sich ganz sicherlich nicht für ein düsteres Update im Stile von Batman oder eine humorvolle Postmodernisierung. Die Comics stammen aus einer sehr unschuldigen Zeit und die Wissenschaftlerfamilie um Reed Richards hatte daher immer etwas Betuliches; sie waren immer quasi die soapopereske Variante ihrer actionlastigeren Marvel-Kollegen. Doch weil sie eben so fest in den Sechzigerjahren und dem so genannten Silver Age verwurzelt sind, wäre ein nostalgischer Ansatz – wie etwa bei Johnstons CAPTAIN AMERICA: THE FIRST AVENGER – sicherlich die Ideallösung gewesen. Ein in ihrer Zeit angesiedelter Film, ein Superhelden-Period-Piece (wie es Vaughn mit X-MEN: FIRST CLASS versucht hat), das wäre es gewesen.

Dafür hätte es natürlich eines längeren Atems bedurft, einer gewissen Risikofreudigkeit, wahrscheinlich eines höheren Budgets und ein paar Gedanken darüber, was die Fantastischen Vier als Comicserie überhaupt auszeichnet. Zu viel Arbeit für jemanden, der bloß an Rendite interessiert ist. FANTASTIC FOUR ist flüchtig, mit knapp 95 Minuten Laufzeit geradezu kurz und stets bedacht darauf, seinen Zuschauern bloß nicht zu viel abzuverlangen. Die inneren Konflikte der Protagonisten werden in durchsichtigen Onelinern adressiert, die Bezug auf ihre neuen Fähigkeiten nehmen, vom Soundtrack blubbern eindimensionale Popsongs, die 2005 wahrscheinlich der heißeste Scheiß waren, schon sieben Jahre später aber furchtbar dated wirken, jede Szene ist mit Werbung und Product Placements zugepflastert und nichts, aber auch gar nichts bleibt über den Film hinaus hängen. Das kann man schon an der Besetzung festmachen, die sicherlich nicht schlecht ist, aber die Figuren auf optische Reize reduziert – Gruffudd ist etwas blass, Alba ist hübsch, Evans der jugendliche Heißsporn, Chiklis dick und kernig, McMahon eben der Schmierlappen aus NIP/TUCK. Es gibt keine einzige Szene, in der diese Darsteller wirklich etwas zu leisten hätten, keine Differenzierungen, nichts. Es ist zum einen den Effekten zu verdanken, dass das Interesse nicht völlig versiegt, zum anderen dieser stromlinienförmigen Kurzweiligkeit. Man hat einfach nicht viel Zeit, sich zu langweilen. Wenn das der Anspruch ist, dann ist FANTASTIC FOUR schon ganz ok: das filmische Äquivalent zur Fahrstuhlmusik halt. Wem das Comic etwas bedeutet oder wer von Film mehr als bloße Berieselung erwartet, dem dürfte das aber deutlich zu wenig sein.