Mit ‘Julie Newmar’ getaggte Beiträge

Die Teenagerin Cookie (Melissa Leo) flieht gemeinsam mit ihrem jüngeren Bruder Tim (Randall Batinkoff) aus dem dysfunktionalen Elternhaus nach New York. Dort erregt sie schon am Busbahnhof die Aufmerksamkeit des Zuhälters Duke (Dale Midkiff), der sie unter seine Fittiche nimmt. Als Cookies Mitbewohnerin Heather, ebenfalls eines der Mädchen von Duke, von ihm brutal zusammengeschlagen wird, bietet sie ihre Dienste dem Zuhälter Jason (Leon) an. Dessen Männer versagen bei dem Versuch, Duke umzubringen, sodass dieser sich rasend vor Wut auf die Suche nach der Verräterin macht …

STREETWALKIN‘ beackert ein ähnliches Terrain wie Gary Shermans meisterlicher VICE SQUAD: Beide siedeln ihre Geschichten auf den Straßen einer Metropole an (VICE SQUAD spielt in L. A., STREETWALKIN‘ in Manhattan), in beiden muss sich eine Prostituierte eines psychotischen Zuhälters erwehren und wird die Handlung auf den Zeitraum einer einzigen Nacht verdichtet. Was die Filme voneinander unterscheidet, ist ihre Perspektive: Während Sherman mit dem Polizisten Tom Walsh einen männlichen Protagonisten einführt, der die Aufgabe hat, die Prostituierte Princess gegen den Zuhälter Ramrod zu beschützen, steht in STREETWALKIN‘ die junge Prostituierte Cookie im Mittelpunkt. Sie und ihre Freundinnen sind am Ende allein gegen Duke gestellt, es gibt niemanden, der ihnen zur Hilfe eilt. Das beeinflusst auch den Ton des Films: STREETWALKIN‘ ist von Mitgefühl geprägt, nimmt seine Geschichte eher zum Anlass, die Schicksale seiner weiblichen Figuren zu zeigen und die Machtverhältnisse, in die sie eingebunden sind, offenzulegen, als aus der Konfrontation von Psychopath und Nutte einen harten Großstadtreißer zu stricken. Auch wenn STREETWALKIN‘ immer noch exploitativ ist, so spürt man doch, dass hier eine Regisseurin am Werk war, der es nicht in erster Linie darum ging, ein männliches Publikum zu beliefern. Wenn man wollte, könnte man daraus auch einen Vorwurf konstruieren: Auch wenn Freeman nicht gerade paradiesische Zustände zeichnet, so scheinen die meisten von Cookies Kolleginnen doch ganz gut mit ihrem Job zurechtzukommen. Eklige Kunden gibt es nicht und wenn doch, dann werden sie kurzerhand weggeschickt, die „Versorgung“ eines masochistisch veranlagten Freiers wird als Comic Relief inszeniert, während Cookies sonstige Kunden entweder verschüchterte Jungfrauen oder gar gutmütige Geschäftsmänner sind, die sie ganz Traumprinz-mäßig erretten wollen. Die Prostituierten sind untereinander die besten Freundinnen und Duke scheint lediglich ein besonders schwarzes Schaf zu sein. Man darf wie gesagt Zweifel daran haben, ob das alles so authentisch ist, aber hinter dieser vielleicht etwas zu positiven Darstellung scheint mir weniger das Motiv zu stehen, eine Männerfantasie zu bedienen oder das Geschäft zu romantisieren, als vielmehr die Weigerung, sich in einem Unterhaltungsfilm in der Darstellung von Leid zu suhlen, die vielleicht realistischer, aber in diesem Rahmen ja kaum weniger fragwürdig wäre.

STREETWALKIN‘ ist also durchaus empfehlenswerter Hochglanz-Sleaze mit einem gegen Ende beachtlich auf die Tube drückenden Dale Midkiff, der wirklich verachtenswert prollig ist. Interessant ist der Film natürlich auch als Vertreter des Mitte der Achtziger- bis in die frühen Neunzigerjahre recht populären Teenies-auf-dem-Strich-Subgenres, zu dem auch der bekanntere ANGEL (die Trilogie wird im November auf DVD wiederveröffentlicht, nachdem sie lange OOP war) sowie die demnächst als Double Feature in der Roger-Corman-Reihe von Shout erscheinenden STREETS und ANGEL IN RED zu zählen sind, aber auch als Frühwerk von Melissa Leo, die dieses Jahr immerhin den Oscar als beste Nebendarstellerin einheimsen konnte.

In einem Collegestädtchen landet ein Raumschiff mit den drei außerirdischen Wissenschaftlern Dr. Kozmar (John Carradine), Dr. Zarma (Julie Newmar) und Cora (Tina Louise) an Bord. Diese brauchen frisches Teenagerblut, um ewige Jugend zu erlangen. Vor Ort engagieren sie die beiden Tankwärter Fred (Aldo Ray) und Kurt (Neville Brand), um ihnen das Frischfleisch zu besorgen. Ein Baggersee hält zahlreiche leichtbekleidete Opfer bereit …

EVILS OF THE NIGHT, dessen Geschichte Rustam so toll fand, dass er sie zwei Jahre später mit EVIL TOWN gleich nochmal erzählte, vertritt jene Spielart US-amerikanischer Exploitationfilme, die sich gar nicht erst lang damit aufhält, auf Seriosität zu machen, sondern sich gleich beherzt mitten in die Jauche begibt. Den oben genannten (abgehalfterten) Stars auf Seiten der Schurken werden die typischen Pornoaktricen auf Opferseite gegenübergestellt (u. a. Amber Lynn und Crystal Breeze), die dann auch die dringend notwendigen hohlen Dialogzeilen erhalten. Überhaupt ist Dummheit die menschliche Eigenschaft, die den Film überhaupt am Laufen hält. Schon das fröhliche Nacktbaden zu Beginn hält einige Überraschungen bereit, so etwa einen jungen Mann, der zwei Lesben in Anwesenheit der nur wenige Schritte entfernten eigenen Freundin beim gegenseitigen Einölen der Brüste bespannt und einen lustigen Jokus zweier besonders einfältiger Jocks, die eine blonde Schönheit damit zu becircen gedenken, dass sie ihr glibberige Algen über den Bauch reiben und in ihre Badehose stecken. Dazu läuft ein schrecklicher 80s-Popsong namens „Boys will be Boys“, der das ausgelassene Treiben untermalt und auf dem so viel Hall liegt, dass man das Gefühl hat, ihn zweimal gleichzeitig zu hören. Hallo, Echo?

Auf diesem Niveau geht’s munter weiter, sodass ein Großteil der Handlung von EVILS OF THE NIGHT logischerweise darin besteht, dass die Protagonisten sinnlos im Wald sitzen und darauf warten, dass einer nach dem anderen verschwindet. Die Notgeilheit nimmt pathologische Züge an, wenn ohne jede Lichtquelle im dunklen Tann herumgevögelt wird oder Charaktere auch schonmal in ein leerstehendes Haus einbrechen, um dann aber nicht etwa das Schlafzimmer aufzusuchen, sondern sich gleich auf dem Fliesenboden in der Eingangshalle ineinander zu verbeißen. Irgendwann wird das verbleibende Trio aus zwei besonders dummen Frauen und einem besonders notgeilen Typen von Fred und Kurt geschnappt und in der Garage festgebunden. Die dümmste Tussi kann sich zwar befreien, weiß dann aber nicht weiter: Als Kurt bemerkt, was passiert ist, läuft sie ziel- und kopflos vor ihm weg und reagiert auf die Befehle des noch festgebundenen Freundes, nach irgendwas zu greifen und als Waffe zu benutzen, gedankenschnell, indem sie allen möglichen nutzlosen Tand greift und nach dem Peiniger wirft, ohne ihm auch nur einen Kratzer zuzufügen. Die Szene endet in einem sogar recht unangenehmen Bohrmaschinenmord, bevor sich das Spielchen dann mit der anderen Tussi fortsetzt. Aber die Blödheit der Menschen ist tröstlich, weil auch die Außerirdischen ziemlich dämlich sind: Enttäuscht über die schwache Opferausbeute, gesteht Dr. Kozmar einen folgenschweren Fehler ein. Zwar sei der Ort vom Computer für seinen hohen Anteil an Studenten im richtigen Alter ausgewählt worden, man habe aber schlicht und ergreifend die Sommerferien vergessen. Shit happens!