Mit ‘Kane Hodder’ getaggte Beiträge

JASON X wird immer einen Platz in meinem kleinen, schwarzen Herzen einnehmen. Ihn damals auf dem Fantasy Filmfest zu erleben, auf großer Leinwand, als Teil eines Publikums, für das der Film gewissermaßen gemacht war, war sicherlich der ideale Auftakt für eine lebenslange Liebesbeziehung. Dass damals eigentlich nicht mehr unbedingt mit einem neuen FRIDAY THE 13TH-Film zu rechnen war, trug zum Erfolg gewiss bei: Das letzte Sequel, JASON GOES TO HELL: THE FINAL FRIDAY, lag fast zehn Jahre zurück, und hatte sich durch ein gespaltenes Verhältnis zum eigenen Erbe ausgezeichnet, der immer wieder angeteaserte FREDDY VS. JASON schien noch weit davon entfernt, Realität zu werden. Als sich der Vorhang des Kölner Residenz-Kinos dann für JASON X öffnete, war das wie ein Traum, wahrgewordene Jungsfantasie. Unter den Voraussetzungen war es fast egal, wie der eigentlich Film tatsächlich ausfiel: Dass James THE HORROR SHOW Isaac jedoch genau den Partyfilm vorlegte, den ich mir insgeheim erhofft hatte (echten Horror erwartete ich angesichts der Jason-in-Space-Geschichte natürlich nicht), machte alle Relativierungen unnötig. 15 Jahre später von der Konserve im heimischen Wohnzimmer betrachtet, verliert JASON X naturgemäß viel von seinem damaligen Charme. Die CGI-Effekte und der allgemeine Look des Filmes sind nicht gut gealtert, das mit selbstreferenziellem Humor angereicherte Stalk’n’Slash ist über 85 Minuten etwas ermüdend, das ganze Projekt kein Stück auf Nachaltigkeit, sondern ausschließlich auf unmittelbar wirkende Schlüsselreize hin inszeniert. Aber das konnte man über die neun Vorgänger im Grunde genommen auch sagen und JASON X ist wahrscheinlich das beste Sequel, das man 21 Jahre nach dem ersten Teil und lang nach dem Überschreiten des Verfallsdatums der Reihe überhaupt machen konnte. Es gibt einige tolle Einfälle, die die ganze Absurdität des Franchises und die groteske Unverwüstlichkeit der Figur aufs Korn nehmen und ziemlich genau das einfangen, was Fans für „ihren“ Jason einnimmt: Die Idee mit dem bunkerähnlichen „Camp Crystal Lake Research Center“, in dem Wissenschaft und Militär Forschungen an dem Koloss vornehmen, ist so eine, der Gastauftritt von David Cronenberg als diabolischem Militärwissenschaftler, der seine Beratungsresistenz mit dem Leben bezahlt, eine weitere. Später wird eine Untersuchung des tiefgefrorenen und im Jahr 2455 aufgetauten Killers die Frage aufwerfen, wie jemand mit einem so kleinen Gehirn überhaupt funktionieren kann – eine Frage, die sich Dutzende von Jason-Opfern in schicksalhafter Verkennung der Tatsachen natürlich niemals selbst gestellt haben. Als Jason von einem Cyborg in Fetzen geschossen wird, wird er dank der therapeutischen Tätigkeit von Superameisen zum „Uber-Jason“ mit chromglänzendem Exoskelett, und eine wunderbare Hommage an die ersten Teile der Reihe konfrontiert ihn mit einer Holografie vom Camp Crystal Lake anno 1980, wo der Kraftprotz sogleich von zwei virtuellen Bikinimiezen zum Kiffen und vorehelichem Sex eingeladen wird, mit erwartbarem Ergebnis. Am lustigsten finde ich aber persönlich, dass sich die Menschen in rund 450 Jahren potenzieller Evolution rein gar nicht weiterentwickelt haben: Die Studenten an Bord des Raumschiffs, auf dem Jason sein blutiges Werk fortsetzt, sind genau so rotzblöd wie ihre Vorfahren, haben nur Gefummel und Sex im Kopf, und werden dann erwartungsgemäß Opfer des tödlichen coitus interruptus. Am Ende bringt der Klappskalli vom Crystal Lake eine ganze Raumstation zur Explosion, bevor er als machetenbewehrter Asteroid durchs All treibt, darauf wartend, dass er irgendwo einschlagen kann, am besten natürlich in einem Studentenwohnheim mit dummdreisten Teeniebratzen.

Nach vier Jahren Pause landete das FRIDAY THE 13TH-Franchise wieder in den Händen von Sean S. Cunningham, der es mit seinem Überraschungshit 1980 überhaupt aus der Taufe gehoben hatte. New Line, die durch die NIGHTMARE ON ELM STREET-Filme Erfahrung mit zu Popstars geratenen Serienkillern hatten, wollten der Serie mit JASON GOES TO HELL: THE FINAL FRIDAY einen würdigen Abgang bescheren. Ob die erste Hälfte dieses Vorhabens erfolgreich in die Tat umgesetzt wurde, darüber werde ich im folgenden Text mit mir selbst diskutieren, fest steht aber immerhin, dass auch dieses mutmaßliche „Finale“ nur ein neuer Auftakt war, der lediglich einige Jahre auf sich warten ließ.

JASON GOES TO HELL ist ein durch und durch schizophrener Film, hin- und hergerissen zwischen dem Wissen um Jasons Popularität einerseits und dem Zweifel an dessen kommerzieller Potenz andererseits. Die Neunzigerjahre waren keine leichte Zeit für den Mainstream-Horrorfilm: Während das vorangegangene Jahrzehnt eine wahre Flut populärer Genrefilme gesehen hatte, ebbte das Interesse zum Dekadenwechsel merklich ab. Hollywood perfektionierte das große Eventkino und für kleinere Produktionen mit geringeren Schauwerten war immer weniger Platz. JASON GOES TO HELL ist charakteristisch für diese Zeit: Er ist größer und ambitionierter als seine konzeptionell doch eher hausbackenen Vorgänger, witziger, actionlastiger und fantastischer, dazu gespickt mit Spezialeffekten aller Art, aber vor allem geprägt von einer unübersehbaren Ratlosigkeit. JASON GOES TO HELL erfindet aus dem Stand eine ganz neue Jason-Mythologie, macht den Eishockeymaske tragenden Killer zum Wirtskörper eines mörderischen Dämons, der auf der Suche nach seiner mal eben so aus dem Hut gezauberten Schwester von einem Opfer zum nächsten springt, um schließlich „wiedergeboren“ zu werden. Adam Marcus‘ Film ist eine bunte Collage aus zahlreichen Versatzstücken und Verweisen, eine Horrorkomödie, die immerhin vier Jahre vor Cravens SCREAM ganz auf Selbstreferenzialität setzt, dabei aber deutlich weniger intelligent und elegant daherkommt, sondern eher ein bisschen übermotiviert.

Nachdem Jason in einer hübschen Auftaktsequenz – in der er von einem vermeintlich Urlaub am See machenden Bimbo geködert wird – von einer Spezialeinheit gestellt und förmlich in Fetzen gesprengt wird, ergreift sein „Geist“ Besitz von einem Pathologen, der fortan mordend durch die Gegend um Jasons Geburtsort zieht. Dort lebt nämlich Jasons Schwester Diana (Erin Gray), die Besuch von ihrer Tochter Jessica (Kari Keegan) erwartet – ihrerseits selbst eben Mama geworden. Der schmierige Robert Campbell (Steven Culp), Moderator einer True-Crime-Sendung und Lebensgefährte Jessicas, hat wiederum den Kopfgeldjäger Creighton Duke (Steven Williams) engagiert, der weiß, wie man Jason zur Strecke bringt, und reist in Erwartung, dessen Triumph quotenbringend zu filmen, an den Crystal Lake. Dort wartet auch der brave Steven (John D. LeMay), Jessicas Ex-Freund und Vater ihres Kindes, in der Hoffnung auf eine Wiedervereinigung mit ihr. Natürlich kommt alles anders: Diana wird von Jason ermordet, der Verdacht fällt auf Steven, der im Knast von Duke erfährt, was zu tun ist. Nach viel Hickhack und noch mehr Toten kommt es zur finalen Auseinandersetzung zwischen Steven und Jason, der wieder die alte Gestalt angenommen hat.

JASON GOES TO HELL funktioniert am besten als atemloses Spot-the-Reference, das allerdings noch nicht ganz von jener  postmodernen Ironie befallen ist, die vergleichbare Werke wenige Jahre später zu solch nervtötenden Plagegeistern machen sollte. Man merkt dem Film an, dass er seine Sache trotz allen sichtlich vorhandenen Humors ernst nimmt, sich lediglich von allen Seiten „inspirieren“ ließ, um es mal freundlich auszudrücken. Die Prämisse um den Wirtskörper verbrauchenden Jason-Parasiten (der als schwarzer Wurm von Mund zu Mund weitergereicht wird) erinnert an Jack Sholders großartigen THE HIDDEN. Steven Williams legt seinen Creighton Duke unverkennbar als Nachfahre von Robert Shaws Charakter aus JAWS an (dessen berühmte „The head, the tail, the whole damn thing“-Rede er einmal nahezu wörtlich zitiert). Das Bruder-Schwester-Ding, das Jason am Laufen hat, lässt natürlich sofort an die HALLOWEEN-Reihe denken, der schmierige Campbell, der vom Killer besessen ein Polizeirevier überfällt, an Robert Patricks T-1000 in TERMINATOR 2: JUDGMENT DAY. Im Geburtshaus des Mörders liegt das Necronomicon aus THE EVIL DEAD herum, eine schleimige Transformation hat man THE FLY zu verdanken, der böse Jason-Dämon entpuppt sich als Alien-artiges Wurmwesen und am Ende absolviert gar Freddy Krueger einen Gastauftritt, damit jene Spekulationen um den gemeinsamen Film auslösend, der dann knappe zehn Jahre später in Form von FREDDY VS. JASON Wirklichkeit wurde. Zwischendurch gibt es jenes Stalk’n’Slash, für das die Reihe berühmt wurde, allerdings erheblich expliziter und blutiger: Der Axtmord an einer obligatorischen Camperin bleibt nachhaltig im Gedächtnis und entschädigt für all die gnadenlos heruntergekürzten Kills, die die Serie seit Anbeginn beeinträchtigt hatten.

Das alles macht nicht für zehn Cent Sinn und für den Fan ist JASON GOES TO HELL durchaus etwas schmerzhaft (und das nicht nur, weil Jasons Kopf grotesk angeschwollen ist und fast die berühmte Maske aufzufressen scheint). Nach acht gerade wegen ihrer unbelehrbaren Stumpfheit so liebenswerten Filmen, ist die Ziellosigkeit, mit der man das Franchise hier wiederzubeleben versuchte, fehlgeleitet und in gewisser Weise würdelos. Es ist, als schämte man sich für die zuvor liegen gelassenen Möglichkeiten (man denke an die Geschichte um Tommy Jarvis in den Teilen 4, 5 und 6) und wolle die Fans nun mit einer wahren Originalitätsoffensive zurückgewinnen. Das Problem: Weder ist JASON GOES TO HELL wirklich originell, noch hatte das jemals einer der Zuschauer von einem FRIDAY THE 13TH-Film erwartet. Es war ja gerade die nur minimal variierte Wiederkehr des Immergleichen, die für die Serie einnahm. Niemand hat sie jemals für besonders clever oder geistreich gehalten, was man an ihr mochte, das war eben diese Einfachheit, der Underdog-Charme, mit der sie sich behauptete wie ein technisch limitierter Fußballer durch beherzte Grätschen oder ein hässlicher Köter durch besondere Anhänglichkeit. JASON GOES TO HELL ist hingegen das Äquivalent zur Schwanzrock-Kapelle, die plötzlich ein Album mit Akustikballaden aufnimmt, damit ihre Musiker als Künstler wahrgenommen werden: Es stimmt traurig, wie da die eigene Vergangenheit geleugnet wird, auch wenn das Ergebnis vielleicht gar nicht mal so schlecht ist. JASON GOES TO HELL ist durchweg rasant, wie erwähnt unerwartet blutig, von Adam Marcus kompetent und mit einigen Schauwerten inszeniert. Trotz aller geschilderten Mängel macht er Spaß. Und das hilft dem geneigten Zuschauer dann auch dabei, gerade in jener ratlos machenden Identitätsverleugnung den derangierten Geist wiederzufinden, der die acht vorangegangenen Teile beatmet hatte. Die Oberfläche mag noch so slick sein, den tumben Metzger mit der Hackfresse kann sie nicht verbergen.

Es hat ein paar Jahre gedauert, aber mittlerweile gehört dieser achte Teil zu meinen absoluten Lieblingen der Reihe. Nach der Erstsichtung ging es mir indes wie den meisten damals, als der Film in den Kinos startete und überwiegend Enttäuschung sowie eine damals wie eine halbe Ewigkeit anmutende, vierjährige selbstverordnete Zwangspause nach sich zog (dabei war der Film keineswegs, wie ich gedacht hatte, ein großer finanzieller Flop). Von der Idee, dass der Killer mit der Hockeymaske die Straßen des Big Apple unsicher machte, hatte man sich irgendwie mehr versprochen. Es dauert eine gute Stunde, bis Jason New York erreicht und selbst dann spielt der Film überwiegend in anonymen Seitenstraßen und Hinterhöfen, die sich wahrscheinlich auch in Boise, Idaho finden. Anstatt den Underdog Jason endgültig auf den popkulturellen Olymp zu hieven, ihn Manhattan erobern zu lassen, wie im Titel größenwahnsinnig behauptet, akzentuierte der von Regiedebütant Rob Hedden inszenierte Film vielmehr die tiefe Verwurzelung des Franchises in der untersten Schublade des Genrefilm-Makings. Daran konnte auch noch so viel oberflächliche Kosmetik nichts ändern. Wenn man aber die Enttäuschung über die verpasste Gelegenheit überwindet, wenn man sich damit abfindet, dass auch dieser Teil der Serie nichts anderes macht, als das „bewährte“ Programm vor etwas modifizierter, urbaner statt ruraler Kulisse abzuspulen und die kaum noch zu leugnenden Ermüdungserscheinungen durch großzügig verabreichte, immer greller strahlende Dummheiten zu überspielen, dann kann man mit JASON TAKES MANHATTAN sehr, sehr glücklich werden. Der einzige echte Wermutstropfen sind wieder einmal die schon vorab heftig gekürzten Morde (man darf mit einiger Berechtigung behaupten, dass die Zensoren der eindeutig effektivere Slasher sind). Da Heddens Film in erster Linie aber sowieso als depperte Komödie funktioniert und mit echtem Horror nur noch ganz am Rande zu tun hat, lässt sich dieses Manko sehr gut verschmerzen.

Für zwei Drittel seiner mit knapp 100 Minuten etwas zu üppig bemessenen Laufzeit spielt JASON TAKES MANHATTAN an Bord eines Schiffes, das einige Highschool-Graduates für die Abschlussfestlichkeiten von Crystal Lake nach New York bringen soll. Unter den Schülern befinden sich wieder einige Vollhonks, die die Gehirnamputierten aus Buechlers siebtem Teil wie Nobelpreisträger erscheinen lassen. Die Protagonistin ist die angehende Schriftstellerin Rennie (Jensen Daggett). Von ihrer mütterlichen Lehrerin erhält sie als Geschenk den Füllfederhalter, mit dem Stephen King angeblich in seiner Studienzeit geschrieben hatte. Sie leidet unter ihrem Onkel, Vormund und Schuldirektor Charles McCulloch (Peter Mark Richman), der ihr auch ein handfestes Trauma verpasste. In einer Rückblende sieht man, wie er ihr das Schwimmen beibrachte, indem er sie in den Crystal Lake stieß und ihr sagte, sie müsse vor Jason entkommen. Way to go! Seitdem wird sie von Visionen des kleinen ertrinkenden Jungen gequält. Ihr zur Seite steht der Langweiler Sean (Scott Reeves), der wiederum unter seinem Papa, dem Schiffskapitän zu leiden hat: Der würde so gern, dass sein Sohn in seine Fußstapfen tritt, aber der weiß noch nicht einmal, dass man vor der Abfahrt mit dem Nebelhorn tuten muss. Was für ein erbärmlicher Versager aber auch! Die anderen Schüler stehen diesen „Helden“ in nichts nach: Da ist der nerdige Wayne, der die ganze Zeit mit einer Videokamera rumläuft und von einer Regiekarriere träumt. Er übernimmt auch die vakante Rolle der schüchternen Jungfrau, die sich ausgerechnet in die intrigante Quotenschlampe verguckt hat. Dann gibt es noch die Rockerin J. J., die sich von Wayne beim Gitarrenposing zu generischem Eighties-Hardrock filmen lässt und von der „Concert Hall Acoustic“ im Maschinenraum schwärmt – fo‘ shizzle my nizzle. Es gibt einen schwarzen Supersportler, der Jason später zum Boxkampf herausfordert, und besagte Schlampe, die die brave Asiatin zum Koksen verführt, und den Direktor mit einer anzüglichen Videoaufnahme erpresst. Aber es ist jener Direktor, der den nachhaltigsten Eindruck hinterlässt: Von Heddens Drehbuch ohne jede Zurückhaltung zum autoritären, dabei verklemmten und scheinheiligen Oberarsch stilisiert, kommt ihm die Aufgabe zu, sich in wirklich jeder Situation vollkommen widersinnig zu verhalten, um die sich anbahnende Katastrophe noch zu vergrößern. Als der Film endlich in Manhattan ankommt, sind auch dank seiner Initiative nur noch fünf Menschen am Leben. (Bei der ANkunft beschwert er sich als erstes über die für nicht adäquat befundene Anlegestelle.)

Tja, und dann beginnt also Jasons „Eroberung“. FRIDAY THE 13TH PART VIII: JASON TAKES MANHATTAN stammt sichtbar noch aus einer Zeit, als New York den Ruf einer Verbrechenshauptstadt genoss, man die Stadt – nicht zuletzt geprägt durch Kinofilme – als brodelndes, heruntergekommenes und verdrecktes Loch visualisierte, in dessen dampfenden Gossen Drogenabhängige, Killer, Obdachlose und anderes Gesocks nur darauf warteten, einen arglosen Touristen, der sich unvorsichtigerweise von den hell beleuchteten Straßen entfernt hatte, umzubringen und all seiner Habseligkeiten zu berauben. Der Film beginnt schon mit einigen rührenden New-York-Impressionen (von einem rätselhaften Voice-over-Narrator unterlegt), die auch aus einem Selbstjustizfilm stammen könnten und einem Paul Kersey ganz sicher die Halsschlagader anschwellen ließen. Das gezeigte Bild bestätigt sich dann später, wenn die brave Rennie von zwei Punks verschleppt und sogleich mit Heroin vollgepumpt wird, weil sie sich dann besser vergewaltigen lässt. Zum Glück kommt Jason rechtzeitig vorbei und erledigt die Schurken. Die Tagline von Heddens Film begreift Jason als neues, zusätzliches Problem einer Stadt, die mehr als beide Hände voll damit zu tun hat, ihre bestehenden Problemfälle zu beseitigen, aber so weit kommt es eigentlich nicht. Die Szene mit Jason auf dem Times Square suggeriert gar, dass der maskierte Mordbube in der Metropole gar nicht wirklich auffiele und am Ende des Tages fallen die paar Nachtschattengewächse, die er entsorgt, tatsächlich kaum ins Gewicht. Hedden gestand Jahre später in einem Audiokommentar, dass sein Film mehr Szenen in Manhattan gebraucht hätte, aber meines Erachtens ist der größte Fehler des Films, dass nicht klar herausgearbeitet wird, was Jasons Anwesenheit dort eigentlich bedeuten soll. Ist er die Verkörperung des „Bösen“, das dort wütet oder stellt er es noch in den Schatten? Das Finale, in dem er vom Giftmüll in der Kanalisation überspült wird, sagt etwas ganz anderes, beendet den Film gar auf einer beinahe tragischen Note, die Heddens Clusterfuck von einem Film endgültig die Krone aufsetzt. Hier ist alles drin, was nicht zusammenpasst. Ein Film, der wunderbar belegt, warum es 1989 endlich Zeit für ein neues Jahrzehnt war. Das FRIDAY THE 13TH-Franchise zog indessen die falschen Schlüsse aus der Lehrstunde und kehrte nach der erwähnten Pause mit einem zwar besser aussehenden, dafür aber noch konfuseren, noch fehlgeleiteteren Film zurück, von dem ich als nächstes berichte werde.

friday-the-13th-part-vii-the-new-blood-photos-1Geradeaus gesprochen: FRIDAY THE 13TH PART VII: THE NEW BLOOD ist gegenüber dem Vorgänger der deutlich schwächere Film. Zwar setzt er sehr effektiv auf die Dunkelheit der Nacht und des Wassers vom Crystal Lake (der hier wieder mal wie ein größeres Schlammloch aussieht) sowie auf einen unwirtlichen, herbstlich-nassen Wald, dennoch kann Grobmotoriker Buechler mit dem visuellen Scharfsinn, den McLoughlin zuvor an den Tag gelegt hatte, nicht annähernd mithalten. Die Teenies, die Jason in schneller Abfolge zum Opfer fallen, verdienen weder den Begriff „Charakter“ noch scheinen sie mit ihrem vollkommen rätselhaften Gehabe überhaupt der menschlichen Gattung anzugehören (von ihrem Klamottengeschmack mal ganz zu schweigen). Die blutigen Morde – üblicherweise das Kerngeschäft der Serie – wurden durch die Bestrebungen der MPAA bedauerlicherweise bis zur Unkenntlichkeit heruntergekürzt, was dem Film viel von seinem potenziellen Punch raubt. Das Versprechen, das der wunderhübsche deutsche Verleihtitel machte, der Interessierten einen JASON IM BLUTRAUSCH versprach, zerbrach mithin in 1.000 tränenbenetzte Scherben. (Es spricht Bände, dass es dieses sechste Sequel als eines der wenigen der Reihe ganz und gar unbeschadet auf den deutschen Videomarkt schaffte.) Doch trotz all dieser offenkundigen, kaum zu leugnenden Mängel mag ich THE NEW BLOOD. Es ist zugegebenermaßen keine bedingungslose Liebe, auch keine überschwängliche Nerd-Begeisterung, die er in mir entfacht, aber in vielerlei Hinsicht entspricht er dem, was ein Jason-Film für mich im Idealfall darstellen sollte, besser als einige der objektiv betrachtet besseren Teile zuvor.

Was mich für den siebten FRIDAY THE 13TH-Teil einnimmt, lässt sich dabei im Wesentlichen auf einen Namen herunterbrechen: Kane Hodder. Der Stuntman, der mit seiner Verkörperung Jasons in dieser und den folgenden Installationen zu einer Horrorfilm-Ikone wurde, obwohl er in der Rolle weder One-Liner reißen noch Grimassen schneiden, lediglich seinen allerdings imposanten Körper einsetzen durfte, verleiht dem Killer jene furchteinflößende physische Präsenz, die für dessen neueste Inkarnation dringend vonnöten war – und auch schon im Vorgänger nicht geschadet hätte. Gleich zu Beginn, wenn er seinem feuchten Grab entkommt, die Kleidungsfetzen den Blick auf einen teilweise skelettierten Leib freigeben, erweckt Hodder die zuvor bestenfalls eine Ahnung von Innenleben vermittelnde Figur zu überaus grafischem Leben. Man sieht auch hier erst im letzten Reel sein madenzerfressenes Zombiegesicht, trotzdem ermöglicht es Hodder mit seiner Körpersprache (und dem tollen Design) schon vorher, seinen Jason als eine von ungebändigtem Hass und brodelndem Zorn getriebene Figur erkennbar zu machen. Es reicht völlig aus, wenn er einfach nur so dasteht, sich sein mächtiger Brustkorb unter seinem schweren Atem hebt und senkt, um mehr als zuvor deutlich zu machen, dass mit dem Wutklumpen nicht zu spaßen ist. Er war auch vorher schon eine höchst effizient arbeitende Mordmaschine, aber Hodder verpasst dem Mordmoloch eine gewaltige Überdosis brachialer Power.

Ob die Story, die man als „Carrie vs. Jason“ paraphrasieren kann, zu weit vom eigentlichen Thema wegführt, darüber kann man sicher geteilter Meinung sein. Meiner Meinung nach unbestreitbar ist aber, dass die Abkehr vom ausgelatschten Schema F dringend nötige Frischluft mit sich bringt – und die willkommene Gelegenheit, im hübschen Finale ein paar Special Effects mehr als üblich abzubrennen. Ich kann mir nicht helfen: Die Idee, dass Jason durch die telekinetischen Fähigkeiten einer traumatisierten Göre namens Tina (Lar Park-Lincoln) wiedererweckt wird, hat was. Der Plot, den man wahlweise debil-idiotisch oder frech-kreativ finden darf und der sich um Tinas Konfrontationstherapie unter dem schmierigen Psychiater Crews (Terry Kiser) dreht, der jedoch nicht so sehr an ihrer Heilung, dafür aber sehr viel mehr an ihren übersinnlichen Fähigkeiten interessiert ist, unterfüttert den mittlerweile doch arg vorhersehbaren Schlachtmarathon und bereitet den Weg für einen der absurdesten Einfälle der gesamten Reihe. Dass Buechler diesen Nonsens mit grimmiger Entschlossenheit und (fast) ohne Anflug von selbstironischem Augenzwinkern inszeniert, nötigt mir höchsten Respekt ab. Mich zerreißt es hingegen regelmäßig, wenn Jason am Schluss für jeden Mord mit einer neuen, noch sperrigeren Waffe aufläuft. Der Höhepunkt ist sicherlich jenes Werkzeug, das ich mal als Kreissäge mit Selfie-Stick bezeichnen würde. Mir kann keiner erzählen, dass Jason nicht doch irgendwo ein hübsches Eigenheim mit geräumigem Werkzeugschuppen und benzinfressendem Pick-up-Truck sein eigen nennt. Und wenn der Hausdrachen mal wieder Ärger gemacht hat, geht er nur mal kurz „Kippen holen“.