Mit ‘Kane Hodder’ getaggte Beiträge

hatchet: victor crowley (adam green, usa 2017)

Veröffentlicht: August 22, 2019 in Film
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Im Text zu HATCHET III lobte ich an der Serie den Kniff, zum einen jeden Teil mit einem abrupten Schnitt enden und den jeweils nächsten exakt an dieser Stelle anfangen, zum anderen den Gag, Schauspieler Parry Shen in allen Teilen in einer anderen Rolle auftreten zu lassen. Jetzt die Überraschung: HATCHET: VICTOR CROWLEY, der vierte Teil, tritt gleich beide liebgewonnenen Traditionen in die Tonne. Sequel Nr. drei beginnt zehn Jahre nach dem Vorgänger und macht dessen einzigen Überlebenden, den Sanitäter Andrew Yong (Parry Shen), zu seinem Protagonisten. Yong hat soeben ein Buch über seinen Überlebenskampf veröffentlicht und befindet sich auf Promotour, auf der er von allen Menschen als eigentlicher Mörder, ätzender Hochstapler und geldgeiler Profiteur diffamiert wird – wer sollte seine Geschichte auch glauben? Wie es die Sequellogik will, führt ihn ein vermeintlich lukrativer Auftrag zurück in die Sümpfe, doch das Flugzeug stürzt ab und weil parallel eine Gruppe von Amateurfilmern, die einen Crowley-Film drehen will, den Fluch, dem Crowley seine Unzerstörbarkeit verdankt, via Youtube-Videos abspielt, geht das Gehacke wieder von vorn los.

Ich halte Adam Green zugute, dass er mit HATCHET: VICTOR CROWLEY nach den beiden vorangegangenen, arg austauschbaren und ideenlosen Teilen zumindest versuchte, die abgedroschene Formel etwas zu variieren. Sein Film greift mit dem Flugzeugabsturz Elemente des Katastrophenfilms auf und konfrontiert die Protagonisten schon vor dem Auftauchen des Killers mit einer lebensbedrohlichen Situation. Die Backstory um Yong, der sich den ständigen Beleidigungen und Verleumdungen der Medienleute ausgesetzt sieht, bringt zusätzliches Konfliktpotenzial. Green setzt auch wieder verstärkt auf Humor, wobei der lockere Plauderton des ersten Teils meilenweit verfehlt wird und manche der hier gerissenen Zoten in ihrer verzweifelten edgyness arg gezwungen wirken. Es ist einfach nicht per se witzig, einen Pimmel zu zeigen. Für einen Slasherfilm hat HATCHET: VICTOR CROWLEY eine geradezu episch erscheinende Geschichte zu erzählen, innerhalb der das Auftauchen Killers eindeutig das uninteressanteste Element ist: Der Versuch einer breit angelegten „Saga“ wird dadurch unterminiert, dass es letztlich immer wieder auf denselben Quark hinausläuft. Die beiden Elemente gehen einfach nicht zusammen und der „erzählerische“ Teil ist am Ende nichts mehr als ein Gimmick.

Im Vergleich zum gut gelaunten HATCHET vor 13 Jahren, in dem Green selbst den beiden dümmlichen Pornohäschen noch mit einer gewissen Sympathie begegnete, fällt außerdem die Verachtung, die hier nahezu jeder Figur entgegengebracht wird, sehr unangenehm auf. Nicht nur sind nahezu alle Charaktere egomanische Arschlöcher, sie halten auch alle anderen um sich herum für solche und zeigen das bei jeder Gelegenheit. Yong ist ein Nichtskönner, der Geld aus der Tatsache schlagen will, ein Massaker überlebt zu haben. Seine Agentin hält ihn für einen Lügner und belügt wiederum ihn, weil sie ihrerseits Geld aus ihm herauspressen möchte. Die Moderatorin der Talkshow, in der Yong auftreten soll, lässt ihn bei jeder Gelegenheit wissen, dass er für sie nicht mehr als Abschaum ist, und als sie ihm das in einer langen Rede in aller Deutlichkeit auseinandersetzt, nutzt das Final Girl die Gunst des Augenblicks, um über Medienhuren abzukotzen, die selbst nichts können, als gut auszusehen, und es trotzdem wagen, über andere ein Urteil zu fällen. Es ist schon ein sympathisches Grüppchen, das Green da versammelt hat, und zumindest ich fragte mich bei Betrachtung unweigerlich, wie man nur so verbittert sein kann, wenn man sich doch eigentlich über das Glück freuen sollte, seinen Lebensunterhalt mit einem stulligen Slasherfranchise bestreiten zu können. Was treibt einen an, ein Drehbuch zu schreiben, das ausschließlich von Unsympathen bevölkert wird, denen man es dann heimzahlen kann? Auch wenn es mal menschelt, ist das letztlich nur Vorwand, um es dem Zuschauer nur umso härter zu besorgen: Die Fotografin des Fernsehteams hat das Pech, beim Absturz eingeklemmt zu werden, was umso schlimmer ist, als das Flugzeug langsam mit Wasser vollläuft. Um die eh schon dramatische Situation noch schlimmer zu machen, gesteht sie ihrem Partner, dass sie ein Kind von ihm erwartet. Das alles hat wirklich keine Funktion für den Fortgang der Geschichte, außer der, mit ihr auch noch ein ungeborenes Kind sterben zu lassen und den Film so vermeintlich noch „härter“ zu machen. Bevor es soweit ist, wird die hilflos im Wasser liegende Frau auch noch mit dem Skalp des toten Vaters ihres Kindes beworfen, was Menschen, mit denen ich nichts zu tun haben möchte, wahrscheinlich irrsinnig komisch finden. Ehrlich, was soll das?

Um den Eindruck der Hilflosigkeit komplett zu machen, endet HATCHET: VICTOR CROWLEY mit dem Blick auf die ihre Pumpgun durchladende und eine Kampfansage in die Kamera bellende Marybeth (Danielle Harris), von der sich die Serie mit diesem Teil eigentlich endgültig verabschiedet zu haben schien. Also doch wieder alles auf Anfang? Es passt ja, dass eine Serie um einen unsterblichen Killer einfach kein Ende nehmen mag, aber man muss doch auch mal loslassen können, oder? Mensch Adam, lehn‘ dich zurück, nimmt eine Auszeit und überleg dir mal, ob das wirklich alles sein soll.

Wie Teil 2 zuvor schließt auch Teil 3 der Reihe um die mit einem Fluch belegten, rachsüchtigen Hackfresse Vincent Crowley (Kane Hodder) direkt an den Vorgänger an: Nachdem Marybeth (Danielle Harris) den Killer mit dem Hackebeil erledigt hat, nimmt sie seinen Skalp und wird damit in der Polizeistation von Sheriff Fowler (Zach Galligan) vorstellig. Der glaubt natürlich kein Wort ihrer wilden Geschichte und inhaftiert die junge Frau als mutmaßliche Massenmörderin. Fowlers Frau Amanda (Caroline Williams), eine True-Crime-Bloggerin, die von der Crowley-Legende besessen ist, wird allerdings hellhörig: Und sie glaubt zu wissen, wie man dem Mörder, der ihrer Meinung nach immer noch lebt, endgültig das Handwerk legen kann. Während Fowler und seine Leute im Sumpf vom quicklebendigen Crowley dezimiert werden, begibt sich Amanda mit Marybeth auf die Suche nach der Asche von Crowleys Papa …

Mir hat Teil 3 zwar wieder eine Ecke besser gefallen als der eher dröge zweite Teil – er ist bunter, sieht besser aus und bemüht sich wenigstens ein kleines Bisschen, eine Geschichte zu erzählen -, aber Begeisterungsstürme löst auch er nicht mehr aus. Ja, die Effekte sind wieder hübsch blutig und „handgemacht“, wie es so schön heißt, und die Anwesenheit der Altstars Harris, Williams, Galligan und Haig stellt einen Bonus dar, aber der ganzen Angelegenheit und vor allem dem Killer selbst fehlt irgendwie die Identität. Crowley hat eine ganz brauchbare Backstory und Hodder weiß, wie man unaufhaltsam durchs Unterholz walzt, aber die Figur bleibt letztlich völlig austauschbar, ihr Erscheinen löst nichts aus und mitfiebern kann man auch nicht, das die Filme keinerlei Zweifel daran lassen, dass Crowley unbesiegbar ist. So stellen sich im dritten Film, in dem dem immer gleichen Opferpersonal auf die immer gleiche Art und Weise der Gar aus gemacht wird, deutliche Ermüdungserscheinungen ein. Ich weiß nicht genau, woran das liegt: Jason Voorhees ist auch nicht gerade ein Ausbund an Persönlichkeit, aber die FRIDAY THE 13TH-Filme kann ich mir immer noch alle paar Jahre anschauen und habe dann meinen Spaß damit. Da mag der Nostalgiebonus reinspielen, aber ich will nicht so recht daran glauben, dass das alles ist.

Das Einzige, was ich an den HATCHET-Filmen richtig „schön“ finde, ist die Strategie, jeden Film mit einem abrupten Schnitt zu beenden und den folgenden Teil dann direkt dort ansetzen zu lassen, weil es die einzelnen Teile zu einer langen Geschichte zusammenschweißt und für eine gewisse Dramatik, Kohärenz und Drive sorgt. Anstatt erst wieder neue Charaktere einzuführen und die Geschichte lang einzuleiten, geht sie einfach da weiter, wo sie aufgehört hat. Auch der Gag, Darsteller Parry Shen immer wieder in einer neuen Rolle einzuführen, ist ganz witzig. Als Fazit lässt sich relativ nüchtern feststellen, dass HATCHET 3 deutlich schlechter sein könnte: Die Logik verlangt es eigentlich, den Satz mit „aber auch viel besser“ fortzusetzen, aber ich bezweifle ehrlich gesagt, dass das wirklich der Fall ist. Vielleicht ist die Zeit für diese Art von eindimensionalem Schlitzerentertainment endgültig vorbei, zumindest, wenn man noch irgendwelche Erwartungen oberhalb von „Ganz OK“ daran knüpfen mag.

hatchet ll (adam green, usa 2010)

Veröffentlicht: August 20, 2019 in Film
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Nach dem wunderbaren ersten Teil sind bis zum Sequel vier Jahre ins Land gezogen. Im Filmgeschäft, in dem sich die Trends die Klinke in die Hand geben, ist das eine halbe Ewigkeit. An die Remakes japanischer Horrorfilme, die noch die Tagline des Vorgängers aufs Korn nahm, konnte man sich 2010 kaum noch erinnern und darüber, dass jeder halbwegs erfolgreiche Film ein Sequel erfährt, hatte man sich längst gewöhnt. Darüber zu lästern, verbot sich für einen zweiten Teil ja sowieso. Ich kann mich an 2010 vor allem deshalb erinnern, weil es das Jahr war, in dem ich zum ersten Mal Vater wurde, aber ich würde lügen, wenn ich behauptete, noch zu wissen, wie die Filmlandschaft damals aussah, so im Überblick. Ich würde aber Geld darauf wetten, dass ein Teil wie HATCHET mit seinem Witz, den altmodischen Effekten und seinen satten Farben auch in jener Zeit wie der sprichwörtliche frische Wind gewirkt hätte – umso trauriger, dass das Sequel in jeder Hinsicht zeitgenössisch wirkt. Ich weiß nicht, was da schiefgegangen ist.

HATCHET II knüpft unmittelbar an den ersten Teil an: Nachdem Marybeth (Danielle Harris) die Konfrontation mit Victor Crowley (Kane Hodder) überlebt hat, sucht sie Reverend Zombie (Tony Todd) auf, der die schicksalhafte Tour in die Sümpfe organisiert hatte. Er erzählt ihr nicht nur die ganze Wahrheit über Crowley, sondern auch, dass ihr Vater zu den Lausebengeln gehörte, die für den vermeintlichen Tod des entstellten Kindes verantwortlich waren. Weil Zombie dem Treiben des Killers ein Ende machen will, trommelt er eine Expedition zusammen: Wer ihm den Kopf Crowley bringt, erhält 500 Dollar. Tatsächlich findet sich eine bunte Schar von Draufgängern, die nicht wissen, dass Zombie eigentlich einen ganz anderen Plan verfolgt.

In meinem Text zu HATCHET lobte ich als eine seiner herausragenden Stärken seine Kürze: Er bot eine flotte 80-Minuten-Packung, kam dabei schnell zum Punkt und war zu Ende bevor man zum ersten Mal auf die Uhr schauen konnte. Teil 2 braucht nun allein schon eine gute halbe bis Dreiviertelstunde, bis seine für einen zünftigen Body Count zusammengestellte Opferriege überhaupt einen Fuß in das Jagdgebiet Crowley setzt. Das ist – JAWS-Referenzen hin oder her – eindeutig zu lang für einen Film, dessen Reiz die Auftritte des Monsters, die Creative Killings und die mit diesen einhergehenden Effekte sind. Doch auch dieser Teil des Films wirkt irgendwie lustlos und pflichtschuldig: Das Gelatsche durch den Busch ist öde, weil einem die meisten Figuren herzlich egal sind sowohl die zündenden Gags als auch die schlagfertigen Dialoge fehlen. Selbst die Morde sind nicht mehr so spaßig wie im Vorgänger (wobei die Enthauptung beim Doggystyle-Sex ganz putzig ist). Am meisten enttäuscht hat mich aber die Optik des Films: Keine Spur mehr von den satten Farben, mit denen die Sümpfe von Louisiana im ersten Teil wie geradewegs aus den Seiten greller Horrorcomics auf die Leinwand gebeamt erschienen, stattdessen regiert nun auch hier die monochrom-braunstickige Tristesse, die fast alle neuzeitlichen Filme befallen hat und einem beim Angucken förmlich die Füße einschlafen lässt. Dazu passt Hauptdarstellerin Danielle HALLOWEEN IV Harris, die den ganzen Film über aussieht, als kämpfe sie mit einem amtlichen Hangover oder trauere über den Tod ihres Lieblingspinschers. Und was ist eigentlich mit ihrer rechten Augenbraue los? Ist das das Resultat eines Botox-Unfalls oder eine Reminiszenz an Gregory Pecks Darbietung in THE OMEN? Weiß das jemand?

Wie dem auch sei. Nachdem ich mich riesig auf HATCHET II gefreut und auf mehr vom Schlage des ersten Teils gehofft hatte, bin ich nun einigermaßen ernüchtert. Und ich weiß nicht, ob ich an Teil 3 und 4 wirklich große Hoffnungen knüpfen sollte …

 

Vielen meiner Filmfreunden ist HATCHET bestimmt total zuwider. Und um ehrlich zu sein, entspricht er einer Art Film, die ich auf diesen Blogseiten selbst mehr als einmal mit Schimpf und Schande überzogen habe. Die Taglines auf dem nebenstehenden Poster lassen erahnen, worauf ich hinaus will: HATCHET ist unverkennbar Fanservice, durch und durch „Retro“ und noch dazu ein Film, der einen mit seinem Blutvergießen nicht verstören, sondern eher zum Lachen bringen will. Er definiert sich dabei weniger über das, was er ist, als vielmehr darüber, was er keinesfalls sein will und schielt dabei abschätzig auf die 2006 aktuellen Trends, die den leidgeplagten Horrorfan, den er als seine Zielgruppe anvisiert, wehmütig an die Zeiten zurückdenken ließen, als die „Fangoria“ noch in jeder Ausgabe einen sechsseitigen, mit Farbfotos bebilderten Artikel über den kommenden Jason-Film enthielt. „Old School American Horror“ eben – wobei „old school“ natürlich hochgradig willkürlich bzw. interpretationsbedürftig ist. Nicht wenige Horrorfilmbegeisterte dürften den Zeiten, die die Macher da auf dem Poster nostalgisch heraufbeschwören, keine einzige Träne nachweinen und die Blütezeit des amerikanischen Horrorfilms um gut zehn Jahre nach vorn verlegen. Langer Rede, kurzer Sinn: So wenig innovativ oder kreativ HATCHET auch sein mag, ich mag das Teil und finde, dass es einer der wenigen „Retro“-Horrorfilme ist, die ihrem selbst gesteckten Anspruch gerecht werden. Dass ich den Film seinerzeit beim Fantasy Filmfest auf der großen Leinwand sah, also vor genau jenem Publikum, für das er gemacht war, hat sicherlich dabei geholfen, ihn zu mögen, aber auch bei den beiden Sichtungen danach hat er von seinem ursprünglichen Charme fast nichts verloren.

Regisseur Adam Green macht einfach Vieles richtig: Er bleibt bescheiden und strapaziert den Goodwill seines Publikums nicht über. HATCHET dauert 80 schlanke Minuten und damit keine einzige zu viel. Dann setzt er natürlich auf die berühmten „handgemachten“ Effekte, courtesy of John Carl Buechler, die dem Film zu jenem angestrebten Look verhelfen, der mit CGI einfach nicht zu haben ist. Das gilt aber für die ganze Cinematografie: HATCHET sieht super aus, mit satten Farben, stimmungsvollen Settings und professioneller Lichtsetzung, kein Vergleich mit dem viel zu oft lieb- und vor allem farblosen Digivideo-Schrott mit ätzendem Colograding und Ausleuchtung wie im Supermarkt. Und dann schafft er es auch noch, die obligatorischen Honorationen einzusetzen, ohne sich dabei in einem lahmen Spot-the-Reference zu ergehen. Zu guter Letzt: Die Mehrzahl der Gags sitzt, weil die Darsteller ein Gespür für Timing und Delivery haben. OK, ein Subtilitätspreis ist mit den Possen, die hier etwa um zwei naive Schauspielerinnen mit großen Brüsten gerissen werden, ganz gewiss nicht zu holen, aber das erwartet man ja auch von einem solchen Film nicht unbedingt. Und vergleicht man HATCHET mit anderen kläglich gescheiterten Humorversuchen im Horrorfilm, schneidet er meines Erachtens ziemlich gut ab. Das liegt auch an Hauptdarsteller Joel David Moore und Deon Richmond, die eine gute Chemie haben und deren Hin-und-Her dem Film gerade in der Exposition viel Drive verleiht.

Letzten Endes ist HATCHET ein Film über Leute, die durch einen Wald laufen und von einem Killer mit Hackfresse zu blutigem Klump gehauen werden: Es gibt für mich an dieser Stelle demnach nicht wahnsinnig viel Schlaues über den Film zu berichten – und ein Aufzählen der besten Szenen ist für mich ebenso langweilig wie für den Leser. Aber wenn man sich die Texte durchliest, die sich hier unter dem Tag „Slasher“ versammeln, dann bekommt man ja einen recht lebhaften Eindruck davon, was bei der filmischen Umsetzung dieser berückend einfachen Prämisse alles in die Buxe gehen kann. Der weit überwiegende Teil der Slasherfilme ist grottenlangweilig, dazu meist ohne auch nur ein Mindestmaß an filmischer Finesse direkt für die Mülltonne gefertigt. HATCHET ist gewiss kein Werk für die Ewigkeit, aber solange er dauert, macht er zumindest mir eine Menge Spaß.

 

JASON X wird immer einen Platz in meinem kleinen, schwarzen Herzen einnehmen. Ihn damals auf dem Fantasy Filmfest zu erleben, auf großer Leinwand, als Teil eines Publikums, für das der Film gewissermaßen gemacht war, war sicherlich der ideale Auftakt für eine lebenslange Liebesbeziehung. Dass damals eigentlich nicht mehr unbedingt mit einem neuen FRIDAY THE 13TH-Film zu rechnen war, trug zum Erfolg gewiss bei: Das letzte Sequel, JASON GOES TO HELL: THE FINAL FRIDAY, lag fast zehn Jahre zurück, und hatte sich durch ein gespaltenes Verhältnis zum eigenen Erbe ausgezeichnet, der immer wieder angeteaserte FREDDY VS. JASON schien noch weit davon entfernt, Realität zu werden. Als sich der Vorhang des Kölner Residenz-Kinos dann für JASON X öffnete, war das wie ein Traum, wahrgewordene Jungsfantasie. Unter den Voraussetzungen war es fast egal, wie der eigentlich Film tatsächlich ausfiel: Dass James THE HORROR SHOW Isaac jedoch genau den Partyfilm vorlegte, den ich mir insgeheim erhofft hatte (echten Horror erwartete ich angesichts der Jason-in-Space-Geschichte natürlich nicht), machte alle Relativierungen unnötig. 15 Jahre später von der Konserve im heimischen Wohnzimmer betrachtet, verliert JASON X naturgemäß viel von seinem damaligen Charme. Die CGI-Effekte und der allgemeine Look des Filmes sind nicht gut gealtert, das mit selbstreferenziellem Humor angereicherte Stalk’n’Slash ist über 85 Minuten etwas ermüdend, das ganze Projekt kein Stück auf Nachaltigkeit, sondern ausschließlich auf unmittelbar wirkende Schlüsselreize hin inszeniert. Aber das konnte man über die neun Vorgänger im Grunde genommen auch sagen und JASON X ist wahrscheinlich das beste Sequel, das man 21 Jahre nach dem ersten Teil und lang nach dem Überschreiten des Verfallsdatums der Reihe überhaupt machen konnte. Es gibt einige tolle Einfälle, die die ganze Absurdität des Franchises und die groteske Unverwüstlichkeit der Figur aufs Korn nehmen und ziemlich genau das einfangen, was Fans für „ihren“ Jason einnimmt: Die Idee mit dem bunkerähnlichen „Camp Crystal Lake Research Center“, in dem Wissenschaft und Militär Forschungen an dem Koloss vornehmen, ist so eine, der Gastauftritt von David Cronenberg als diabolischem Militärwissenschaftler, der seine Beratungsresistenz mit dem Leben bezahlt, eine weitere. Später wird eine Untersuchung des tiefgefrorenen und im Jahr 2455 aufgetauten Killers die Frage aufwerfen, wie jemand mit einem so kleinen Gehirn überhaupt funktionieren kann – eine Frage, die sich Dutzende von Jason-Opfern in schicksalhafter Verkennung der Tatsachen natürlich niemals selbst gestellt haben. Als Jason von einem Cyborg in Fetzen geschossen wird, wird er dank der therapeutischen Tätigkeit von Superameisen zum „Uber-Jason“ mit chromglänzendem Exoskelett, und eine wunderbare Hommage an die ersten Teile der Reihe konfrontiert ihn mit einer Holografie vom Camp Crystal Lake anno 1980, wo der Kraftprotz sogleich von zwei virtuellen Bikinimiezen zum Kiffen und vorehelichem Sex eingeladen wird, mit erwartbarem Ergebnis. Am lustigsten finde ich aber persönlich, dass sich die Menschen in rund 450 Jahren potenzieller Evolution rein gar nicht weiterentwickelt haben: Die Studenten an Bord des Raumschiffs, auf dem Jason sein blutiges Werk fortsetzt, sind genau so rotzblöd wie ihre Vorfahren, haben nur Gefummel und Sex im Kopf, und werden dann erwartungsgemäß Opfer des tödlichen coitus interruptus. Am Ende bringt der Klappskalli vom Crystal Lake eine ganze Raumstation zur Explosion, bevor er als machetenbewehrter Asteroid durchs All treibt, darauf wartend, dass er irgendwo einschlagen kann, am besten natürlich in einem Studentenwohnheim mit dummdreisten Teeniebratzen.

Nach vier Jahren Pause landete das FRIDAY THE 13TH-Franchise wieder in den Händen von Sean S. Cunningham, der es mit seinem Überraschungshit 1980 überhaupt aus der Taufe gehoben hatte. New Line, die durch die NIGHTMARE ON ELM STREET-Filme Erfahrung mit zu Popstars geratenen Serienkillern hatten, wollten der Serie mit JASON GOES TO HELL: THE FINAL FRIDAY einen würdigen Abgang bescheren. Ob die erste Hälfte dieses Vorhabens erfolgreich in die Tat umgesetzt wurde, darüber werde ich im folgenden Text mit mir selbst diskutieren, fest steht aber immerhin, dass auch dieses mutmaßliche „Finale“ nur ein neuer Auftakt war, der lediglich einige Jahre auf sich warten ließ.

JASON GOES TO HELL ist ein durch und durch schizophrener Film, hin- und hergerissen zwischen dem Wissen um Jasons Popularität einerseits und dem Zweifel an dessen kommerzieller Potenz andererseits. Die Neunzigerjahre waren keine leichte Zeit für den Mainstream-Horrorfilm: Während das vorangegangene Jahrzehnt eine wahre Flut populärer Genrefilme gesehen hatte, ebbte das Interesse zum Dekadenwechsel merklich ab. Hollywood perfektionierte das große Eventkino und für kleinere Produktionen mit geringeren Schauwerten war immer weniger Platz. JASON GOES TO HELL ist charakteristisch für diese Zeit: Er ist größer und ambitionierter als seine konzeptionell doch eher hausbackenen Vorgänger, witziger, actionlastiger und fantastischer, dazu gespickt mit Spezialeffekten aller Art, aber vor allem geprägt von einer unübersehbaren Ratlosigkeit. JASON GOES TO HELL erfindet aus dem Stand eine ganz neue Jason-Mythologie, macht den Eishockeymaske tragenden Killer zum Wirtskörper eines mörderischen Dämons, der auf der Suche nach seiner mal eben so aus dem Hut gezauberten Schwester von einem Opfer zum nächsten springt, um schließlich „wiedergeboren“ zu werden. Adam Marcus‘ Film ist eine bunte Collage aus zahlreichen Versatzstücken und Verweisen, eine Horrorkomödie, die immerhin vier Jahre vor Cravens SCREAM ganz auf Selbstreferenzialität setzt, dabei aber deutlich weniger intelligent und elegant daherkommt, sondern eher ein bisschen übermotiviert.

Nachdem Jason in einer hübschen Auftaktsequenz – in der er von einem vermeintlich Urlaub am See machenden Bimbo geködert wird – von einer Spezialeinheit gestellt und förmlich in Fetzen gesprengt wird, ergreift sein „Geist“ Besitz von einem Pathologen, der fortan mordend durch die Gegend um Jasons Geburtsort zieht. Dort lebt nämlich Jasons Schwester Diana (Erin Gray), die Besuch von ihrer Tochter Jessica (Kari Keegan) erwartet – ihrerseits selbst eben Mama geworden. Der schmierige Robert Campbell (Steven Culp), Moderator einer True-Crime-Sendung und Lebensgefährte Jessicas, hat wiederum den Kopfgeldjäger Creighton Duke (Steven Williams) engagiert, der weiß, wie man Jason zur Strecke bringt, und reist in Erwartung, dessen Triumph quotenbringend zu filmen, an den Crystal Lake. Dort wartet auch der brave Steven (John D. LeMay), Jessicas Ex-Freund und Vater ihres Kindes, in der Hoffnung auf eine Wiedervereinigung mit ihr. Natürlich kommt alles anders: Diana wird von Jason ermordet, der Verdacht fällt auf Steven, der im Knast von Duke erfährt, was zu tun ist. Nach viel Hickhack und noch mehr Toten kommt es zur finalen Auseinandersetzung zwischen Steven und Jason, der wieder die alte Gestalt angenommen hat.

JASON GOES TO HELL funktioniert am besten als atemloses Spot-the-Reference, das allerdings noch nicht ganz von jener  postmodernen Ironie befallen ist, die vergleichbare Werke wenige Jahre später zu solch nervtötenden Plagegeistern machen sollte. Man merkt dem Film an, dass er seine Sache trotz allen sichtlich vorhandenen Humors ernst nimmt, sich lediglich von allen Seiten „inspirieren“ ließ, um es mal freundlich auszudrücken. Die Prämisse um den Wirtskörper verbrauchenden Jason-Parasiten (der als schwarzer Wurm von Mund zu Mund weitergereicht wird) erinnert an Jack Sholders großartigen THE HIDDEN. Steven Williams legt seinen Creighton Duke unverkennbar als Nachfahre von Robert Shaws Charakter aus JAWS an (dessen berühmte „The head, the tail, the whole damn thing“-Rede er einmal nahezu wörtlich zitiert). Das Bruder-Schwester-Ding, das Jason am Laufen hat, lässt natürlich sofort an die HALLOWEEN-Reihe denken, der schmierige Campbell, der vom Killer besessen ein Polizeirevier überfällt, an Robert Patricks T-1000 in TERMINATOR 2: JUDGMENT DAY. Im Geburtshaus des Mörders liegt das Necronomicon aus THE EVIL DEAD herum, eine schleimige Transformation hat man THE FLY zu verdanken, der böse Jason-Dämon entpuppt sich als Alien-artiges Wurmwesen und am Ende absolviert gar Freddy Krueger einen Gastauftritt, damit jene Spekulationen um den gemeinsamen Film auslösend, der dann knappe zehn Jahre später in Form von FREDDY VS. JASON Wirklichkeit wurde. Zwischendurch gibt es jenes Stalk’n’Slash, für das die Reihe berühmt wurde, allerdings erheblich expliziter und blutiger: Der Axtmord an einer obligatorischen Camperin bleibt nachhaltig im Gedächtnis und entschädigt für all die gnadenlos heruntergekürzten Kills, die die Serie seit Anbeginn beeinträchtigt hatten.

Das alles macht nicht für zehn Cent Sinn und für den Fan ist JASON GOES TO HELL durchaus etwas schmerzhaft (und das nicht nur, weil Jasons Kopf grotesk angeschwollen ist und fast die berühmte Maske aufzufressen scheint). Nach acht gerade wegen ihrer unbelehrbaren Stumpfheit so liebenswerten Filmen, ist die Ziellosigkeit, mit der man das Franchise hier wiederzubeleben versuchte, fehlgeleitet und in gewisser Weise würdelos. Es ist, als schämte man sich für die zuvor liegen gelassenen Möglichkeiten (man denke an die Geschichte um Tommy Jarvis in den Teilen 4, 5 und 6) und wolle die Fans nun mit einer wahren Originalitätsoffensive zurückgewinnen. Das Problem: Weder ist JASON GOES TO HELL wirklich originell, noch hatte das jemals einer der Zuschauer von einem FRIDAY THE 13TH-Film erwartet. Es war ja gerade die nur minimal variierte Wiederkehr des Immergleichen, die für die Serie einnahm. Niemand hat sie jemals für besonders clever oder geistreich gehalten, was man an ihr mochte, das war eben diese Einfachheit, der Underdog-Charme, mit der sie sich behauptete wie ein technisch limitierter Fußballer durch beherzte Grätschen oder ein hässlicher Köter durch besondere Anhänglichkeit. JASON GOES TO HELL ist hingegen das Äquivalent zur Schwanzrock-Kapelle, die plötzlich ein Album mit Akustikballaden aufnimmt, damit ihre Musiker als Künstler wahrgenommen werden: Es stimmt traurig, wie da die eigene Vergangenheit geleugnet wird, auch wenn das Ergebnis vielleicht gar nicht mal so schlecht ist. JASON GOES TO HELL ist durchweg rasant, wie erwähnt unerwartet blutig, von Adam Marcus kompetent und mit einigen Schauwerten inszeniert. Trotz aller geschilderten Mängel macht er Spaß. Und das hilft dem geneigten Zuschauer dann auch dabei, gerade in jener ratlos machenden Identitätsverleugnung den derangierten Geist wiederzufinden, der die acht vorangegangenen Teile beatmet hatte. Die Oberfläche mag noch so slick sein, den tumben Metzger mit der Hackfresse kann sie nicht verbergen.

Es hat ein paar Jahre gedauert, aber mittlerweile gehört dieser achte Teil zu meinen absoluten Lieblingen der Reihe. Nach der Erstsichtung ging es mir indes wie den meisten damals, als der Film in den Kinos startete und überwiegend Enttäuschung sowie eine damals wie eine halbe Ewigkeit anmutende, vierjährige selbstverordnete Zwangspause nach sich zog (dabei war der Film keineswegs, wie ich gedacht hatte, ein großer finanzieller Flop). Von der Idee, dass der Killer mit der Hockeymaske die Straßen des Big Apple unsicher machte, hatte man sich irgendwie mehr versprochen. Es dauert eine gute Stunde, bis Jason New York erreicht und selbst dann spielt der Film überwiegend in anonymen Seitenstraßen und Hinterhöfen, die sich wahrscheinlich auch in Boise, Idaho finden. Anstatt den Underdog Jason endgültig auf den popkulturellen Olymp zu hieven, ihn Manhattan erobern zu lassen, wie im Titel größenwahnsinnig behauptet, akzentuierte der von Regiedebütant Rob Hedden inszenierte Film vielmehr die tiefe Verwurzelung des Franchises in der untersten Schublade des Genrefilm-Makings. Daran konnte auch noch so viel oberflächliche Kosmetik nichts ändern. Wenn man aber die Enttäuschung über die verpasste Gelegenheit überwindet, wenn man sich damit abfindet, dass auch dieser Teil der Serie nichts anderes macht, als das „bewährte“ Programm vor etwas modifizierter, urbaner statt ruraler Kulisse abzuspulen und die kaum noch zu leugnenden Ermüdungserscheinungen durch großzügig verabreichte, immer greller strahlende Dummheiten zu überspielen, dann kann man mit JASON TAKES MANHATTAN sehr, sehr glücklich werden. Der einzige echte Wermutstropfen sind wieder einmal die schon vorab heftig gekürzten Morde (man darf mit einiger Berechtigung behaupten, dass die Zensoren der eindeutig effektivere Slasher sind). Da Heddens Film in erster Linie aber sowieso als depperte Komödie funktioniert und mit echtem Horror nur noch ganz am Rande zu tun hat, lässt sich dieses Manko sehr gut verschmerzen.

Für zwei Drittel seiner mit knapp 100 Minuten etwas zu üppig bemessenen Laufzeit spielt JASON TAKES MANHATTAN an Bord eines Schiffes, das einige Highschool-Graduates für die Abschlussfestlichkeiten von Crystal Lake nach New York bringen soll. Unter den Schülern befinden sich wieder einige Vollhonks, die die Gehirnamputierten aus Buechlers siebtem Teil wie Nobelpreisträger erscheinen lassen. Die Protagonistin ist die angehende Schriftstellerin Rennie (Jensen Daggett). Von ihrer mütterlichen Lehrerin erhält sie als Geschenk den Füllfederhalter, mit dem Stephen King angeblich in seiner Studienzeit geschrieben hatte. Sie leidet unter ihrem Onkel, Vormund und Schuldirektor Charles McCulloch (Peter Mark Richman), der ihr auch ein handfestes Trauma verpasste. In einer Rückblende sieht man, wie er ihr das Schwimmen beibrachte, indem er sie in den Crystal Lake stieß und ihr sagte, sie müsse vor Jason entkommen. Way to go! Seitdem wird sie von Visionen des kleinen ertrinkenden Jungen gequält. Ihr zur Seite steht der Langweiler Sean (Scott Reeves), der wiederum unter seinem Papa, dem Schiffskapitän zu leiden hat: Der würde so gern, dass sein Sohn in seine Fußstapfen tritt, aber der weiß noch nicht einmal, dass man vor der Abfahrt mit dem Nebelhorn tuten muss. Was für ein erbärmlicher Versager aber auch! Die anderen Schüler stehen diesen „Helden“ in nichts nach: Da ist der nerdige Wayne, der die ganze Zeit mit einer Videokamera rumläuft und von einer Regiekarriere träumt. Er übernimmt auch die vakante Rolle der schüchternen Jungfrau, die sich ausgerechnet in die intrigante Quotenschlampe verguckt hat. Dann gibt es noch die Rockerin J. J., die sich von Wayne beim Gitarrenposing zu generischem Eighties-Hardrock filmen lässt und von der „Concert Hall Acoustic“ im Maschinenraum schwärmt – fo‘ shizzle my nizzle. Es gibt einen schwarzen Supersportler, der Jason später zum Boxkampf herausfordert, und besagte Schlampe, die die brave Asiatin zum Koksen verführt, und den Direktor mit einer anzüglichen Videoaufnahme erpresst. Aber es ist jener Direktor, der den nachhaltigsten Eindruck hinterlässt: Von Heddens Drehbuch ohne jede Zurückhaltung zum autoritären, dabei verklemmten und scheinheiligen Oberarsch stilisiert, kommt ihm die Aufgabe zu, sich in wirklich jeder Situation vollkommen widersinnig zu verhalten, um die sich anbahnende Katastrophe noch zu vergrößern. Als der Film endlich in Manhattan ankommt, sind auch dank seiner Initiative nur noch fünf Menschen am Leben. (Bei der ANkunft beschwert er sich als erstes über die für nicht adäquat befundene Anlegestelle.)

Tja, und dann beginnt also Jasons „Eroberung“. FRIDAY THE 13TH PART VIII: JASON TAKES MANHATTAN stammt sichtbar noch aus einer Zeit, als New York den Ruf einer Verbrechenshauptstadt genoss, man die Stadt – nicht zuletzt geprägt durch Kinofilme – als brodelndes, heruntergekommenes und verdrecktes Loch visualisierte, in dessen dampfenden Gossen Drogenabhängige, Killer, Obdachlose und anderes Gesocks nur darauf warteten, einen arglosen Touristen, der sich unvorsichtigerweise von den hell beleuchteten Straßen entfernt hatte, umzubringen und all seiner Habseligkeiten zu berauben. Der Film beginnt schon mit einigen rührenden New-York-Impressionen (von einem rätselhaften Voice-over-Narrator unterlegt), die auch aus einem Selbstjustizfilm stammen könnten und einem Paul Kersey ganz sicher die Halsschlagader anschwellen ließen. Das gezeigte Bild bestätigt sich dann später, wenn die brave Rennie von zwei Punks verschleppt und sogleich mit Heroin vollgepumpt wird, weil sie sich dann besser vergewaltigen lässt. Zum Glück kommt Jason rechtzeitig vorbei und erledigt die Schurken. Die Tagline von Heddens Film begreift Jason als neues, zusätzliches Problem einer Stadt, die mehr als beide Hände voll damit zu tun hat, ihre bestehenden Problemfälle zu beseitigen, aber so weit kommt es eigentlich nicht. Die Szene mit Jason auf dem Times Square suggeriert gar, dass der maskierte Mordbube in der Metropole gar nicht wirklich auffiele und am Ende des Tages fallen die paar Nachtschattengewächse, die er entsorgt, tatsächlich kaum ins Gewicht. Hedden gestand Jahre später in einem Audiokommentar, dass sein Film mehr Szenen in Manhattan gebraucht hätte, aber meines Erachtens ist der größte Fehler des Films, dass nicht klar herausgearbeitet wird, was Jasons Anwesenheit dort eigentlich bedeuten soll. Ist er die Verkörperung des „Bösen“, das dort wütet oder stellt er es noch in den Schatten? Das Finale, in dem er vom Giftmüll in der Kanalisation überspült wird, sagt etwas ganz anderes, beendet den Film gar auf einer beinahe tragischen Note, die Heddens Clusterfuck von einem Film endgültig die Krone aufsetzt. Hier ist alles drin, was nicht zusammenpasst. Ein Film, der wunderbar belegt, warum es 1989 endlich Zeit für ein neues Jahrzehnt war. Das FRIDAY THE 13TH-Franchise zog indessen die falschen Schlüsse aus der Lehrstunde und kehrte nach der erwähnten Pause mit einem zwar besser aussehenden, dafür aber noch konfuseren, noch fehlgeleiteteren Film zurück, von dem ich als nächstes berichte werde.