Mit ‘Kane Kosugi’ getaggte Beiträge

MV5BMTA5MjI3NTE5NzleQTJeQWpwZ15BbWU4MDc2Mjg5ODAx._V1_SX640_SY720_Es ist noch gar nicht lang her, da habe ich hier regelmäßig von einer neuen Welle aufregender Actionfilme geschrieben, die aus dem DTV-Bereich auf die heimischen Bildschirme schwappten und den geneigten Betrachter mit sich fortrissen in eine Zeit, als das Actionkino noch Körperkino war, reine Kinetik, und kein mit allen zur Verfügung stehenden technischen Mitteln aufgeblasener Eventkinoquark. Doch wie das mit Wellen so ist: Irgendwann brechen sie, branden an der Küste und was nicht im Sand versickert, das rollt zurück ins Meer. In den letzten beiden Jahren ist nicht viel aufregendes passiert im Actionfilm. Vielleicht war UNIVERSAL SOLDIER: DAY OF RECKONING tatsächlich der von mir beschworene Endpunkt, wenn auch auf ganz andere Art und Weise als gedacht. Der Erfolg der EXPENDABLESFilme dürfte bei dieser Entwicklung ein nicht zu unterschätzender Faktor gewesen sein: Für viele seiner Stars brachte er eine neue, ungeahnte, breite Form der Aufmerksamkeit, die Chance, vor der Rente noch einmal Kasse zu machen, die sie nicht mehr für künstlerisch anspruchsvolle Actionfilme „vergeuden“ wollten. Dolph Lundgren hat sich nach drei herausragenden Filmen (THE MECHANIK, MISSIONARY MAN, ICARUS) bedauerlicherweise aus dem Regiegeschäft zurückgezogen und fällt mit mäßiger Quality Control bei der Projektwahl in alte Muster zurück. Jean Claude Van Damme scheint noch nicht so recht zu wissen, wo er hin will, was er mit dem zurückerlangten Ruhm anfangen will, Steven Seagal ließ auf das späte Karrierehoch (URBAN JUSTICE, PISTOL WHIPPED, DRIVEN TO KILL, THE KEEPER) mit MAXIMUM CONVICTION prompt den Rückschlag folgen, und auf den Befreiungsschlag von Steve Austin wartet man auch noch, nachdem er mit DAMAGE großes Potenzial offenbarte. Die Actionhelden von einst werden nicht jünger, die Erben stehen nicht gerade Schlange und den Actionregisseuren gehen die geeigneten Darsteller aus. Scott Adkins, vielleicht noch am ehesten so etwas wie ein Nachfolger, fehlt das darstellerische Profil und die Persönlichkeit, um es mit den Stars von einst aufnehmen zu können. Auf John Hyams neuesten Film warten wir seit zwei Jahren, potenziell interessante Leute wie Roel Reiné oder William Kaufman sind abhängig von dem, was sich ihnen anbietet, und Isaac Florentine, einer der wichtigsten Auteurs des neuen Actionfilms, erlaubte sich mit ASSASSIN’S KISS eine kleine Pause von der superreduzierten Retro-Action (zumindest nach dem, was ich gelesen habe, denn gesehen habe ich ihn noch nicht). Das alles ließ den Eindruck entstehen, der Actionfilme befände sich in einer unerwarteten Krise. Kann der mit Spannung erwartete NINJA 2: SHADOW OF A TEAR daran etwas ändern?

Die vorweggenommene Antwort lautet: Ja und nein. Inszenatorisch bedeutet er für Isaac Florentine eine Rückkehr zur alten, gewohnten Stärke. Die Kampfszenen, von denen es etliche gibt, sind selten übermäßig spektakulär, dafür aber wunderbar choreografiert, mit großem Gespür für Bewegung und Geschwindigkeit in Szene gesetzt, traumhafte Körperstudien, in denen dem Zuschauer nichts verborgen bleibt, die aber trotzdem ihr Mysterium bewahren. Die Sachlichkeit und Dynamik, die in diesen Fights zum Ausdruck kommt, zeichnet den ganzen Film aus. Ohne ein Gramm Fett, perfekt austrainiert, jeder Muskelstrang scharf definiert, schreitet er unaufhaltsam voran, ohne Pausen, ohne Umwege, ohne selbstverliebte Schlenker, und kommt so zu großer Klarheit. Aber ein bisschen ist das auch sein Problem: Es bleibt nicht irrsinning viel hängen von NINJA 2: SHADOW OF A TEAR, es fehlt ihm sowohl der Sinn für das wenn auch nicht ornamentale, so aber doch authentifizierende Detail, als auch eine das ganze überragende Vision. Florentines Reduktionismus stand in Filmen wie THE SHEPHERD, UNDISPUTED 2 oder UNDISPUTED 3: REDEMPTION stets auch im Dienste einer Freilegung von verschütteter Bedeutung. Das zentrale Drama trat durch seine Behandlung glasklar hervor und konnte wieder seine ganze Wirkung entfalten. Vielleicht versucht er das auch hier: Seine Geschichte – ein aufs nackte Gerüst reduzierter Racheplot – erlaubt sich genau einen Twist zum Finale, aber genau das wirkt hier inkonsequent. Nicht nur, weil man diesen Twist von Anfang an kommen sieht, sondern weil er etwas liefern soll, was vorher versäumt wurde. Der Schmerz seines Protagonisten wird durch Florentines Entblätterung eben nicht fühlbar, er gerinnt zum reinen Plotvehikel. Was ich ebenfalls, vielleicht noch mehr, vermisst habe, sind die kleinen poetischen, cartoonesken Einfälle. Das Comichafte, was noch NINJA auszeichnete ist hier zugunsten grimmiger Ernsthaftigkeit gewichen. Und beglückende, beinahe rührende Szenen wie jene aus UNDISPUTED 3: REDEMPTION, in der der Freund dem Helden ein Blümchen aus dem Dreck pflückte, um damit seine Verletzung zu heilen, gibt es hier auch nicht zu entdecken. Die Idee der superökonomischen Thrillmaschine stößt hier an ihre Grenzen.

Letzten Endes ist das Jammern auf hohem Niveau: NINJA 2: SHADOW OF A TEAR ist rein von seiner Dynamik her betrachtet, wahrscheinlich der beste reine Actionfilm seit Hyams Überfilm UNIVERSAL SOLDIER: DAY OF RECKONING (der seinerseits natürlich sehr viel mehr war als ein reiner Actionfilm), und handwerklich reicht Florentine in den USA derzeit keiner das Wasser, wenn es um die Inszenierung von Martial-Arts-Fights geht. Aber man ist von dem Mann bislang nun einmal sehr verwöhnt worden und deshalb vermisse ich hier einfach den letzten Kick, das Neue, das, was über sein bisheriges Schaffen hinausragt. Sein neuester Film ist ein wunderbarer Arschtritt, rasant, temporeich, schön anzusehen. Aber emotional hat er bei mir fast gar nichts ausgelöst. Die leise Enttäuschung kann ich zum jetzigen Zeitpunkt nicht verhehlen.