Mit ‘Kathleen Kinmont’ getaggte Beiträge

Langsam, aber sicher nähern wir uns mit C.I.A. – CODE NAME: ALEXA den All-out-Actionvehikeln, die PM Entertainment zur Mitte der Neunzigerjahre perfektionierte. Merhis 21. Regiearbeit in gerade einmal sechs Jahren zeigt zwar noch alle Merkmale der preisgünstigen DTV-Ästhetik, die er mit seinem Partner Richard Pepin etabliert hatte – stahlblaue Ausleuchtung, viele Szenen in halbdunklen Heizungskellern und Lagerhallen, hämmernde Synthiescores, viel zerbrechendes Glas, brennende Menschen, Explosionen und die Kombination der drei –, aber dafür wird jeder erzählerische Ballast konsequent über Bord geworfen. In der ersten halben Stunde geht es eigentlich ohne größere Unterbrechungen zur Sache, erst dann gönnt sich C.I.A. – CODE NAME: ALEXA eine kleine Ruhepause.

Worum geht’s? Der CIA-Agent Mark Graver (Lorenzo Lamas) kann mit einem Alleingang einen Geiselnehmer stoppen, der sich Zugang zu einem Regierungsgebäude verschafft hatte. Bei der Beerdigung des Übeltäters dringen einige maskierte Terroristen, darunter Alexa (Kathleen Kinmont), in die Kirche ein und entwenden die Leiche. Sie arbeiten im Auftrag des schurkischen Mahler (Alex Cord), der es auf einen Mikrochip abgesehen hat, welcher sich im Inneren des Leichnams verbirgt. Detective Nick Murphy (O. J. Simspson) gelingt es, Alexa festzunehmen, doch dann schaltet sich Graver ein und nimmt ihm die Terroristin ab. In einem CIA-Bunker zieht er sie mit ihrer Tochter als Druckmittel auf seine Seite, um Mahler das Handwerk zu legen …

C.I.A. – CODE NAME: ALEXA (der Titel ist furchtbar zu tippen) liefert einen bunten Strauß wilder Schießereien, Keilereien sowie selbstzweckhafter Auto- und Feuerstunts und gehört damit per se schon einmal zu den besten Filmen der Welt. Dass er außerdem eine CIA-Zentrale aufbietet, in der Karateka und Schwertkämpfer zwischen dampfenden Heizungsrohren ausgebildet werden, Parabolantennen herumstehen und alle in putzigen Miniautos herumfahren, wenn sie nicht gerade in dem eigens für Geschäftsessen eingerichteten Luxusrestaurant dinieren, ist darüber hinaus Zeichen für seine Kreativität und seinen Humor. Wie alle Filme von PM Entertainment ist auch dieser Vertreter aber nicht etwa mit ironischem Augenzwinkern inszeniert, sondern todernst gemeint. Das ist auch das Tolle daran, wie da nämlich Jungsfantasien umgesetzt werden, ohne sie gleichzeitig der Lächerlichkeit preiszugeben. In dieser Welt ist es völlig normal, dass ein CIA-Agent aussieht wie Lorenzo Lamas – mit Viertagbart, zurückgeschleimtem Haar, Minipferdeschwanz und Lederblouson – und die weitgereiste 24-jährige Superterroristin mit dem Modelkörper und der zuckersüßen Tochter von diesem erst einmal in das kleine Schwarze mit den Nuttenpumps gesteckt wird. Vielleicht soll das alles ein bisschen an Bessons LA FEMME NIKITA erinnern (dessen Remake, Badhams POINT OF NO RETURN, wenig später erschien), aber was hier völlig fehlt, ist dieser existenzialistisch-humanistische Überbau, der das Treiben der Geheimdienste als pervers, das Schicksal der unfreiwilligen Agentin als tragisch begreift. In Merhis Film ist das alles einfach nur geil, denn was könnte es Schöneres geben, als vom Staat dafür bezahlt zu werden, Bad Guys umzunieten? Dass Graver, Alexa und Töchterchen dem CIA am Ende eine Absage erteilen, um eine gutaussehende Familie zu gründen, wirkt daher arg aufgesetzt, aber irgendwie auch schön. Zumal dieHelden nur ein Jahr später in C.I.A. II – TARGET: ALEXA zurückkehrten. Aber das ist eine andere Geschichte und soll ein anderes Mal erzählt werden.

1317873755Ich möchte diese Gelegenheit nutzen, ein Loblied auf Lorenzo Lamas zu singen, einen Schauspieler, den zu verlachen leicht fällt, den man noch nie wirklich Ernst geommen hat, dessen Karriereverlauf ihn aber für mich zu einem echten Sympathen macht – mal ganz davon abgesehen, dass er als (Action-)Schauspieler viel besser ist, als man es ihm für gewöhnlich zugesteht.

Wer wie ich in den Achtzigerjahren aufgewachsen ist (oder wer sich sonst an dieses Jahrzehnt erinnert), der hat Lamas wahrscheinlich als „Lance Cumson“ in der Serie FALCON CREST kennen gelernt. Als Leser der Jugendpostille „Bravo“, die dem dunkelhaarigen Beau mit dem permanenten Dreitagebart seitenweise erlegen war, musste ich mich damals schon mit dem ernüchternden Gedanken arrangieren, den vorherrschenden weiblichen Männergeschmack mit meinem Aussehen meilenweit zu verfehlen. Lamas war, so schien es mir, zu Großem berufen, ein geborener Star. Doch seine Versuche, auf der großen Leinwand Fuß zu fassen, schlugen fehl (für seine Leistung im Breakdance-Film BODY ROCK wurde er für die berüchtigte Goldene Himbeere nominiert), und mit dem Ende der Achtzigerjahre, von FALCON CREST und des in diesem Jahrzehnt von der Gillettwerbung geprägten Männlichkeitsideals ging es auch für Lamas bergab. An die Stelle der beliebten Seifenoper traten die ersten Auftritte in kleineren Actionfilmen wie SNAKE EATER und dann schließlich das Engagement für die Serie RENEGADE, in der er einen zu Unrecht verdächtigten Polizisten auf der Flucht spielte und in den postmodernen Neunzigern mit langen Haaren, Motorrad, Jeans, Cowboystiefeln und Totenkopfringen an den Händen wie ein aus der Zeit gefallenes Relikt wirkte. Ein solches verkörpert Lamas auch in den Dutzenden von DTV-Actionern, die er im weiteren Verlauf des Jahrzehnts drehte. Er repräsentiert längst überkommene Rollenbilder und eine untergegangene Ära, in der sich der Grad der Virilität noch an der Ausgeprägtheit von Bart- und Brusthaarwuchs, an der Zahl sexuell höriger Verehrerinnen und überstandener Kneipenschlägereien, dem Pensum an Whiskey, das man wegkippen und trotzdem noch gerade auf der Harley sitzen konnte, und an der zur Schau gestellten Scheißegal-Haltung sowie der Beharrlichkeit der Weigerung, Haushaltstätigkeiten zu verrichten, messen ließ. In allen diesen „Disziplinen“ erreichte Lamas mit Leichtigkeit Spitzenresultate, was ihn auch zum Actionhelden prädestinierte. Wie es aber genau dazu kam, dass er plötzlich als Kickboxer reüssierte, weiß ich nicht: Sein immenser Bekanntheitsgrad machte ihn für die Produzenten der damals populären Filme interessant, mangelnde Filmreferenzen gleichzeitig erschwinglich, aber er verfügte über keinerlei Martial-Arts-Ausbildung. (EDIT: Das ist so nicht ganz richtig, Lamas betrieb wohl Kickboxen.)

Das erklärt auch, warum er als ehemaliger Kickboxchampion Nick Taylor in FINAL IMPACT kaum selbst aktiv wird. Stattdessen hat er sich nach einer schweren, körperlich wie seelisch traumatischen Niederlage gegen den eklen Jake Gerrard (Jeff Langton), der ihm auch noch die Frau ausspannte, hinter den Schreibtisch eines fragwürdigen Clubs zurückgezogen, der ölige Frauenringkämpfe und Kickboxfights veranstaltet. Seinen Frust über die vergeigte Karriere und die erfahrene Schmach ertränkt er Tag für Tag im Schnaps, außerdem laboriert er an einer äußerst hartnäckigen Oberbekleidungs-Allergie, die ihn dazu zwingt, ständig mit freiem Oberkörper unter Weste oder Jeansjacke herumzulaufen. Als ihn aber der junge Kämpfer Danny (Michael Worth) aufsucht, ein absoluter Bewunderer von Nicks einstiger Kampfkunst, und sich als Supertalent erweist, das unter anderem den bepferdeschwanzten Gary Daniels wegboxt, sieht Nick seine Chance auf eine verspätete Revanche. Er erklärt sich bereit, Danny auf die in Kürze in Las Vegas ausgetragenen Meisterschaften vorzubereiten, bei denen Jake der erklärte Favorit ist. Nicks Freundin Maggie (Kathleen Kinmont) beäugt Nicks Enthusiasmus hingegen mit Argwohn: Sie ist besorgt darüber, dass ihr Partner seine einstige Niederlage immer noch nicht überwunden hat, und fürchtet, dass er seinen Schützling ins Unglück treibt.

Ich habe mich gestern irgendwann gefragt, warum ich FINAL IMPACT eigentlich so verflucht unterhaltsam finde. Nämlich just in dem Moment, in dem mir auffiel, dass dieser vermeintliche Kickboxfilm als Kickboxfilm nicht besonders viel hermacht. Die Fight sind alle sehr ordentlich, wenn auch nicht übermäßig spektakulär in Szene gesetzt, und mit Leuten besetzt, die Hand- und Fußwerk offensichtlich verstehen, aber sie laden nicht gerade zum Mitfiebern ein, wie das bei Turnierfilmen – man denke an BLOODSPORT und Konsorten – idealerweise der Fall ist. Das ganze Turnier läuft so im Hintergrund ab und außer dem Schurken Jake lernt man keinen der Teilnehmer kennen, es dient eher als Auflockerung für die dramatische Geschichte Nicks, der an seiner Vergangenheit zu zerbrechen droht. Irgendwann kommt es natürlich zur Begegnung mit Jake, Nick nennt seine gehässige Ex eine „Hure“ und wird von dem Rivalen zu einer Schlägerei herausgefordert. Maggie ist verzweifelt, es kommt zum Streit, bei dem das leidige Thema „Alkohol“ zur Sprache kommt und Nick landet aus Trotz mit einer anderen Frau im Bett. Maggie zieht die Konsequenzen und verlässt ihn, er hat nun nichts mehr und naürlich auch keine Chance gegen Jake. Yaddayaddayadda, man kennt das aus Dutzenden Filmen, nichts davon ist neu. Es ist Lorenzo Lamas, der FINAL IMPACT trägt und ihn für mich gestern zum Quell der Freude machte.
Schon der Auftakt, wie er da mit dem Whiskey-Tumbler in den totenkopfberingten Fingern, der Weste über dem gutgeölten, üppig behaarten Körper, den zurückgeschmierten Haaren und dem Dreitagebart in seinem Schreibtischstuhl hängt, er die Avancen seines Bewunderers mit aufreizender Arroganz an sich abprallen lässt, ist göttlich. Der Weg ist geebnet und Lamas beschreitet ihn im Folgenden mit einer beeindrucken Sammlung redneckiger Rockeroutfits, cooler Sprüche im Mundwinkel und nie versiegenden Schnapsreserven. Er hat etwas entschieden Aufmüpfiges, Emporkömmlerisches an sich, er ist der Asi, dessen Sieg man anerkennen muss, weil er so gut ist. Das Tolle an ihm ist, dass man ihm seine Arroganz und Selbstverliebheit zugesteht, auch wenn sie eigentlich durch nichts untermauert wird. Allein, weil er diese leere Autorität zu verkaufen weiß. Besser jedenfalls, als seine Kickboxbemühungen, die immer etwas auswendig gelernt anmuten. Lamas ist so etwas wie der negative Seagal: Man verzeiht ihm, dass er sich mit Dingen brüstet, die er nicht kann, weil er so verflucht charmant in seiner Attitüde ist. Seagal hingegen kann Vieles von dem, was er behauptet, aber man vermutet Hochstaplerei, weil er damit stets so unsympathisch hausieren geht. Wie Seagal spielt auch Lamas immer nur eine Variation desselben Typen, eines großmäuligen Proleten mit dem Herzen aus Gold. Man will, dass er gewinnt, allein deshalb, damit der Nachschub an Wet-Gel, Cowboystiefeln und protzigem Herren-Modeschmuck nie versiegen mag und er sich seine arrogante Selbstverliebtheit bewahrt.

511jYUgLbNL._SS500_Gleich zu Beginn wird der Bulle Jack (Wings Hauser) mit seiner Partnerin, einer dicken Schwarzen, in einem Fall häuslicher Gewalt um Hilfe gerufen. Ein redneckiger Typ verdrischt seine Frau, geht sogleich auf Jack los, als der sich Zutritt zu dessen Wohnung verschafft. Die Partnerin befreit Jack aus seiner misslichen Lage, packt den Angreifer bei den Eiern und bekommt dafür von dessen ihre Liebe wiederentdeckenden Frau ein Messer ins Kreuz. Jack handelt sofort und reißt die Frau weg, die daraufhin allerdings aus dem Fenster und zu Tode stürzt. Wenn man mehr als einen Copfilm gesehen hat, ahnt man, was jetzt kommt: Suspendierung wegen Totschlags, Alkoholsucht, Bruchlandung in der Gosse. Es ist nur das erste Zeichen für den seltsamen, Konventionen zersetzenden und ganze eigene Wege gehende Film Hausers, dass dem nicht so ist. Jack darf einfach weitermachen, die ganze Geschichte hat kein böses Nachspiel für ihn. Im Folgenden bekommt er es mit einem Serienmörder zu tun, der junge naive Starlets, denen er den „großen Durchbruch“ verspricht, in berühmten Todesszenen inszeniert und sie dann on camera umbringt. Doch Hauser erzählt diese Story mit sehr lockerer Hand, so wie er auch seinen Bullen Jack spielt. Als freundlich-schnoddrigen street worker, der schon alles gesehen hat, sich keine Illusionen mehr macht, aber sich genauso wenig runterziehen lässt.

THE ART OF DYING hat einen angenehm konversationellen Tonfall. Er ist keine gut geölt laufende Thrillmaschine, sondern ein Film, der so gemütlich ist wie eine 15 Jahre alte, ausgebeulte Jogginghose. Nur dass eine solche Hose selten Überraschungen wie dieser Film bereithält. Michael J. Pollard, einer der seltsamsten Typen, die Hollywood je hervorgebracht hat, darf einen Kollegen und Kumpel Jacks spielen, und er gibt sich nicht die geringste Mühe, seine immer etwas manische Art dafür zu zügeln. (Einen Gastauftritt absolviert ein anderer Hollywood-Freak, nämlich Sidney Lassick, den man als Cheswick aus ONE FLEW OVER THE CUCKOO’S NEST kennt.) Ein wichtiger Subplot dreht sich um die Beziehung Jacks zu der mysteriösen Holly (Kathleen Kinmont): Bei ihrem ersten Auftritt erwartet sie Jack mit einer Waffe und droht ihn umzubringen, aus Rache für den Selbstmord des Bruders, den Jack einst in den Knast gebracht hatte. Jack reagiert, wie ein Bulle seiner Gattung das zu tun pflegt: „Na komm, dann leg mich um, ich hatte eh einen Scheißtag.“ Sie drückt tatsächlich ab, doch die Waffe ist nicht geladen, die beiden küssen sich und alles entpuppt sich für den Zuschauer als höchst seltsame Interpretation des  Rollenspiels, mit dem gelangweilte Ehepaare ihr Sexleben aufzupeppen pflegen. Später kommt man dann noch in den Genuss einer von 9 1/2 WEEKS inspirierten Sexszene zwischen Wings Hauser und der Bride of Re-Animator Kinmont: Doch weil Hauser kein Bonvivant wie einst Mickey Rourke ist, füttert er seine Angebetete nicht mit Träubchen und Käsehäppchen, sondern gießt ihr Milch aus einem Gallonen-Kanister über die eindrucksvoll wogenden Hupen.

So wie ZERO TOLERANCE enorm vom Schauplatz Las Vegas profitierte, profitiert THE ART OF DYING vom nächtlichen Hollywood, dessen eher heruntergekommenen Ecken der Film sucht, findet und gnadenlos festhält. Dazu orgelt schwül-rauchiger Smooth Jazz von der Tonspur und Wings Hauser bewegt sich mit einer Selbstverständlichkeit, die er sich wahrscheinlich einst bei Gary Shermans meisterlichem VICE SQUAD angeeignet hatte. Er ist eine Schau, wie er durch diesen Film scharwenzelt und noch die abseitigsten Ideen und krassesten Dialogzeilen verkauft wie Wasser an einen Verdurstenden. Einmal lockt ihn Holly mit der Aussicht auf ein geiles Fesselspiel und er, mehr als nur etwas ermüdet und genervt vom nie versiegenden Einfallsreichtum seiner Freundin, antwortet: „No cuffs! I mean can’t we just have straight sex like normal people? Look, I have an idea: I’l be on top, how’s that?“ Wings Hauser ist ein Meister jene Art von Schauspiel, das nicht wie Schauspiel aussieht, und er ist sich nicht zu schade, dahin zu gehen, wo’s weh tut.

Mit THE ART OF DYING ist Hauser ein kleines, schmuddeliges Juwel gelungen, das zweite nach dem ebenfalls für PM Entertainment gedrehten LIVING TO DIE, und es bestätigt mir wieder einmal, dass er das Zeug zum Schauspielstar hatte, der er in einer gerechten Welt auch geworden wäre. So mancher hochbezahlte Langweiler würde sich freuen, hätte er nur halb so viel Charisma wie Wings. So landete der leider nicht in den großen Publikumsschlagern, sondern irgendwann beim DTV-Film, worüber wir uns angesichts solcher absolut eigenständigen, sympathisch abgerissenen Neo Noirs aber mehr als glücklich schätzen dürfen.