Mit ‘Kathleen Quinlan’ getaggte Beiträge

1969. Ein Hippiepärchen wird erschossen, dem Söhnchen gelingt die Flucht. Von einer Obdachlosen wird der Junge anschließend großgezogen, lernt, in den Straßen der „Zone“ zu überleben, eines dystopischen Elendsviertels, wo das Verbrechen regiert, und schnappt von der Ziehmama allerlei verschwörungstheoretisches Geraune über eine „company“ und die „blue coats“ auf, die einen den „white coats“ übergeben wollen. In der Stadt macht er als legendäres „Wild Thing“ (Robert Knepper) von sich reden, das noch nie jemand wirklich gesehen hat, das aber als eine Art Robin Hood oder auch Spider-Man durch die Nacht schleicht und dem Guten zum Sieg verhilft, wo es kann. Just in dem Moment, in dem die Sozialarbeiterin Jane (Kathleen Quinlan) in „The Zone“ auftaucht, um die Arbeit in einem Heim für heimatlose Kinder aufzunehmen, findet Wild Thing den Mörder seiner Eltern: Es handelt sich um den Verbrecher „Chopper“ (Robert Davi), der wiederum Helfer aufseiten der „blue coats“ hat …

Keine große Sache, dieser Film, aber doch ein sehr schöner, vergessener Vertreter des Achtzigerjahre-Kinos, der zudem ein hübscher Genrehybrid ist. Die Geschichte erinnert gleichermaßen an TARZAN wie an BATMAN oder eben SPIDER-MAN, ein bisschen Wolfsjunge und Kaspar Hauser steckt auch noch drin. Ach ja, und dann kommt das Ganze auch noch als Law-and-Order-Film mit einigen eher unerwarteten Gewaltschüben daher, noch dazu mit einem Figureninventar voller Gammler, Spinner und Bettler, dass man sich manchmal in einer Disney-Version von STREET TRASH wähnt. WILD THING kann sich nicht so ganz entschließen, ob er nun ein Comicfilm ohne Comicvorlage oder ein waschechter Actionfilm sein will, aber das ist auch ganz gut so. So vorhersehbar die Geschichte um das Findelkind und den Mörder seiner Eltern auch ist, so sehr überrascht er den Zuschauer auch immer wieder mit seinen Brüchen und Schwankungen.

Spät im Film, bevor das Wild Thing sich im Slashermodus Zugang in des Schurken Behausung verschafft, gibt es eine Sexszene zwischen ihm und Jane, die im Kontext des Films durchaus ein bisschen fehlgeleitet ist. Man versteht natürlich den Reiz, den dieser ungezähmte Schönling mit den markanten Zügen, der blonden Mähne und dem gerippten Bauch auf die brave Erzieherin vom Lande ausüben muss, aber das sie dessen Anwandlungen erwidert, riecht schon ein wenig nach Missbrauch von Schutzbefohlenen – auch wenn das Wild Thing nicht mehr minderjährig ist. Am Ende entscheidet sich der charismatische Superheld mit dem Spatzenhirn dann allerdings für das Superheldenleben auf den Dächern über den Straßen. Da war die Jane wohl doch nicht so der Bringer gewesen.

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Als ein Signal des vor Jahren bei einer Expedition an den Rand des Sonnensystems verschwundenen Raumschiffs „Event Horizon“ empfangen wird, wird ein Rettungsteam unter der Leitung von Captain Miller (Laurence Fishburne) losgeschickt, um es zu bergen. Zum Team stößt auch Dr. William Weir (Sam Neill), der die „Event Horizon“ entwickelt und demzufolge großes Interesse daran hat, das Raumschiff, das in der Lage ist, das Raum-Zeit-Kontinuum zu durchstoßen, zur Erde zurückzubringen. Doch bald wird klar, dass an Bord der „Event Horizon“ etwas Furchtbares geschehen sein muss: Die Crew ist verschollen und nach Betreten wird einer nach dem anderen aus Millers Rettungsteam von seltsamen Visionen heimgesucht, die sich bald als tödlich entpuppen …

EVENT HORIZON habe ich nun zum ersten Mal seit seinem Erscheinen wiedergesehen – und leider hat sich meine Meinung zu ihm nicht wesentlich verändert. Zwar hat er mir diesmal nicht wie damals den letzten Nerv geraubt – 15 Jahre, in denen man sich an die Auswüchse der intensified continuity gewöhnen konnte, lassen seine Schnittgewitter und seine grollende Tonspur heute schon fast als ruhig erscheinen –, aber dafür habe ich mich ganz schön gelangweilt, was nun auch nicht gerade besser ist. Die Geschichte, in der Andrei Tarkowskis Philosophy-Fiction SOLARIS mit Ridley Scotts Sci-Fi-Horror ALIEN verbunden wird, ist aufgrund der Bekanntheit der Vorlagen vorhersehbar, wird von Anderson aber mit einem solch heiligen Ernst erzählt, dass jede Leichtigkeit einer bleiernen und absolut lähmenden Schwere weichen muss. EVENT HORIZON kommt nie wirklich in die Gänge, schleppt sich zäh und leblos dahin. Um für die leider ausgebliebene Suspense aufzukommen, hagelt es dann am Ende einige splatterige Tode und weitere Genrefilmklischees (warum hat eigentlich jedes Raumschiff praktische Selbstzerstörungsmechanismen?), Sam Neill darf gar als nagelloser Pinhead-Doppelgänger durch die Gänge der „Event Horizon“ schleichen und das ultimativ Böse verkörpern: Enttäuschend für einen Film, dessen Frage danach, was hinter den Rändern unseres Sonnensystems wartet, deutlich unheimlichere und originellere Antworten ermöglicht hätte.

Lustigerweise ist EVENT HORIZON wohl der Film Andersons, der allgemein am besten beleumundet ist, während sein restliches Werk gern als Beweis dafür herangezogen wird, dass er lediglich ein dem Style over Substance verpflichteter Hack ist. Das ist logisch: Wenn man sich vor allem für das klassische Erzählkino erwärmen kann, dann müssen einem Popkunstwerke wie RESIDENT EVIL: AFTERLIFE, DEATH RACE oder THE THREE MUSKETEERS als oberflächlicher Quatsch erscheinen. Ich finde alle diese genannten Filme um ein Vielfaches interessanter, eleganter und vor allem schöner und gehaltvoller als den dramaturgisch eher traditionell erzählten EVENT HORIZON, der für mich nur ein aufgeblähter Langweiler ist, plump und behäbig inszeniert und ohne die fast schwerelose Grazie von Andersons späteren Filmen. Was man ihm zugutehalten muss, sind seine ausgezeichneten Set Designs, die nach richtig viel Geld aussehen – und definitiv einen besseren Film verdient gehabt hätten.

Biotek Agriculture, ein modernes Forschungszentrum im amerikanischen Mittelwesten, soll eigentlich an der genetischen Veränderung von Tomaten, Kartoffeln und anderen Nutzpflanzen arbeiten. Doch das ist nur Fassade: Hinter den Mauern entsteht ein biologischer Kampfstoff, der normale Zivilbürgern in rasende Bestien verwandelt. Durch eine Unachtsamkeit tritt der Kampfstoff aus und die Sicherheitsbeamtin Joanie Morse (Kathleen Quinlan) trifft sofort alle nötigen Vorkehrungen: Sie schottet das Gebäude ab und sperrt die verdutzten Wissenschaftler darin ein. Draußen treffen indes die zuständigen Regierungskräfte unter der Leitung von Major Connolly (Yaphet Kotto) ein und stellen fest, dass die von der Chemikalie Befallenen mitnichten tot, sondern zu amoklaufenden Mördern mutiert sind.  Joanies Ehemann, Sheriff Cal Morse (Sam Waterston), beschließt daraufhin, gemeinsam mit dem ehemaligen Biotek-Wissenschaftler Fairchild (Jeffrey DeMunn) in das Gebäude einzudringen, um seine Ehefrau zu retten …

Das Subgenre des Seuchenfilms ist – auf der Schwelle zwischen Katastrophenfilm, Science Fiction und Horror situiert – inhaltlich bereits ziemlich festgefahren und erfährt eigentlich nur noch kleinere Updates, die sich vor allem auf die Art der Bedrohung, die dem jeweils aktuellen Stand der Wissenschaft angepasst wird, und ihre filmische Darstellung beschränken. So half Danny Boyle mit seinem Seuchenfilm 28 DAYS LATER, der mit entfesselter Handkamera und einer rohen ungeschliffenen Videoästehtik daherkam, entscheidend mit, das aus der Taufe zu heben, was man heute gemeinhin als Terrorfilm bezeichnet und was nun schon seit einigen Jahren den Status quo des Horrorfilms darstellt. Ästhetisch gibt es zwischen Boyles Film und etwa Wolfgang Petersens OUTBREAK kaum eine Schnittmenge, trotzdem gehören beide zum selben Genre. Letzterer ist als großbudgetierter Wissenschaftsthriller inszeniert, der die Seuchenfilmschablone für ein stargespicktes Hollywoodvehikel instrumentalisiert, das zwar von allem etwas bietet – etwas Kritik an Militär, Politik und Wissenschaft, etwas apokalyptischer Prämilenniums-Angst, etwas tragische Liebesgeschichte, etwas tränentreibendes Drama, etwas affirmative Heldenerzählung -, aber  dafür nichts so richtig. WARNING SIGN ist auf den ersten Blick ebenfalls kaum mehr als ein vergleichsweise harmloser Thriller, eher Katastrophen- als Horrorfilm, gediegen um die ganz abscheulichen Bilder drumruminszeniert und insofern zumindest formal näher an Petersen als an Boyle, dessen Film er aber dafür inhaltlich vorwegzunehmen scheint. Und das ist dann auch das Moment, an dem WARNING SIGN aller vordergründiger Durchschnittlichkeit zum Trotz nicht uninteressant, ja geradezu merkwürdig ist. 

Barwood inszeniert seine eigentlich ziemlich finstere Geschichte nämlich in geradezu fröhlichen, sonnigen Farben (er wechselte später passenderweise in die Videospiel-Branche), mit dezenten Humoreinsprengelsen und ohne die formalen Affektstrategien Danny Boyles, der seine Zuschauer damit selbst zu den Opfern eines Amoklaufs machte. In WARNING SIGN wird hingegen ein beinahe „objektiver Blick“ auf die dramatischen Geschehnisse innerhalb des abgeriegelten Laborgebäudes geworfen, einer, der dem Zuschauer die Distanz ermöglicht und dafür sorgt, dass er von der Seuche nur mittelbar über die Identifikation mit den Protagonisten affiziert wird. Auch heftige Splattereffekte oder eine allzu grafische Ausmalung der Auswirkungen des Kampfstoffes sucht man vergebens und die meisten der Amokläufer werden am Ende dann auch per Injektion wieder besänftigt; ein Happy End, sofern man in diesem Genre davon sprechen kann. WARNING SIGN darf also beinahe schon als Familienunterhaltung durchgehen und das ist eben schon bemerkenswert: dass ein Film um den Ausbruch eines heimlich (und illegal!) gefertigten Kampfstoffes, der Menschen in blutgierige Bestien verwandelt, so zahm daherkommen kann, keine erhebliche Freude daran findet, dieses Szenario in saftigem Blutrot auszumalen und seine Zuschauer auf eine filmische Tour de Force zu schicken. Mehr als dies negativ auf ein Unvermögen des Regisseurs oder das Bestreben des Studios, ihre Produktion einem größtmöglichen Zuschauerkreis zugänglich zu machen, zu schieben, scheint mir dies aber durchaus positiv wendbar zu sein: Barwood vertraut eben darauf, dass seine Geschichte und die Implikationen seiner Bilder allein den gewünschten Effekt beim Zuschauer erzielen, nämlich Unbehagen gegenüber dem unsichtbaren Treiben von Wissenschaft und Politik, die Furcht vor dem, was daraus für Bedrohungen erwachsen könnten, und Mitleid mit den Betroffenen zu erzeugen. Dass diese Transferleistung von einem heutigen Zuschauer, der es gewohnt ist, von der Leinwand aus bombardiert zu werden, nur noch schwer zu erbringen ist, ist wohl eher als Symptom einer gewissen Desensibilisierung zu werten, denn als Versagen der Filmemacher.

WARNING SIGN hat mein Leben gewiss nicht verändert, aber ich habe ihn als rundum sympathisch empfunden. Wohl auch, weil Filme dieser Art heute nur noch selten so unaufgeregt und bescheiden daherkommen. (Und den deutschen Verleihtitel WARNZEICHEN GEN-KILLER finde ich einfach nur knorke.)