Mit ‘Kay Lenz’ getaggte Beiträge

„A maniac is killing strippers.“ – Man sollte meinen, dass es nicht viel mehr als dieser Worte bedurfte, um Roger Corman für STRIPPED TO KILL einzunehmen, doch tatsächlich soll Katt Shea über ein Jahr gebraucht haben, um den „King of the Bs“ von ihrer Idee zu überzeugen. Sie war der Filmemacherin angeblich gekommen, als ihr Ehemann Andy Ruben, der dann auch das Drehbuch mit ihr zusammen verfasste, sie nach einer verlorenen Wette mit in einen Stripclub nahm, wo ihr klar wurde, dass der Striptease-Tanz für die professionellen Damen eine legitime künstlerische Ausdrucksform darstellte. Sie besetzte ihren Film dann auch mit echten Tänzerinnen, drehte in einem echten Stripclub und zwang die lüsternen männlichen Videotheken- oder Grindhousegänger, die für einen vermeintlichen Sexfim zahlten, sich mit einer Polizistin zu identifizieren sowie sich mit der weiblichen Sichtweise aufs Animiergeschäft und die eigene Rolle in der Verwertungskette auseinanderzusetzen. STRIPPED TO KILL liegt damit ganz auf der Linie von Corman-Produktionen wie CAGED HEAT oder THE STUDENT NURSES (den mit Stephanie Rothman ebenfalls eine Frau inszenierte), die potente gegenkulturelle Gesellschaftskritik im Adamskostüm der Triebbefriedigung verabreichten.

Der Film handelt von der Kriminalbeamtin Detektive Cody Sheehan (Kay Lenz), die gemeinsam mit ihrem Partner Heinemann (Greg Evigan) im Mordfall an einer Stripperin ermittelt. Der Partner schlägt ihr vor, sich selbst als Tänzerin auszugeben, um tiefer ins Milieu eintauchen zu können, das Vertrauen der Kolleginnen der Toten zu gewinnen, Kontakt zu den Kunden und damit vielleicht dem Täter zu bekommen. Cody willigt ein, tut sich zunächst schwer, geht dann aber auf in ihrem neuen Leben. Als ihr die Vorgesetzten und der Partner empfehlen, ihre Geheimidentität zum Selbstschutz aufzugeben, weigert sie sich, denn sie ist schon zu weit gegangen.

Die Zusammenfassung liest sich nicht nur wie eine weibliche Paraphrase auf William Friedkins CRUISING, der skandalumwitterte Copfilm dürfte eine der wichtigsten Inspirationsquellen für Katt Shea gewesen sein. Dennoch geht die Regisseurin (die zu Beginn der Neunzigerjahre u. a. mit einer Retrospektive im New Yorker MoMa geehrt wurde) eigene Wege. Zunächst einmal sind die dem Zeitgeist entsprechende Ausstattung und visuelle Gestaltung zu nennen. STRIPPED TO KILL suhlt sich nicht, wie Friedkin, im Dreck und in der Düsternis, vielmehr etabliert Shea zusammen mit ihrem DoP John LeBlanc einen hochstilisierten Neonlook und betont damit den traumhaften Charakter der Welt, die Cody betritt. Passend dazu arten auch ihre Striptänze im Verlauf des Films zu regelrechten Theaterperformances aus, die nicht mehr viel mit dem banalen „Stangentanz“ zu tun haben. Auf der Bühne kann sie alle ihre Gefühle und natürlich ihre Weiblichkeit zeigen und was ihr „draußen“ als Schwäche ausgelegt wird, wird hier zur Stärke. Kay Lenz ist keine Oscar-Preisträgerin, aber ihre Darbietung ist trotzdem wunderbar: Besonders gut hat mir ihre missglückte Premiere gefallen. Beim Amateur-Wttbewerb, der ihr die Anstellung bringt, tanzt sie zuerst schüchtern, unbeholfen und unsexy. Dann gelingt es ihr nicht, den Reißverschluss ihres Kleides zu öffnen. Nach einigem Zögern gibt sie sich einen Ruck und reißt sich das Kleid kurzerhand vom Leib, womit sie die Menge zum Johlen bringt. Als sie sich schließlich ihres BHs entledigt sieht man kurz die Freude über ihr Gesicht zucken: Sie genießt die Freiheit und die Reaktionen des Publikums, bevor wieder die konditionierte Scham einsetzt und sie sich erschrocken bedeckt und von der Bühne eilt. Lenz interpretiert ihre Polizistin als sensibel und verletztlich, Eigenschaften, die sie durch den Tanz nicht ablegt, sondern vielmehr als integralen Teil ihrer Persönlichkeit zu akzeptieren beginnt.

Demgegenüber steht ihr Partner Heineman für die leibgewonnenen Touch-Guy-Klischees des Actionkinos jeder Tage: Er gibt sich bei seiner Arbeit bevorzugt als Rocker aus, trägt seinen Viertagebart mit Nackenspoiler, hat zwei coole Ohrringe im Ohr und kleidet sich bevorzugt in wallende, wadenlange Mäntel, fingerlose Handschuhe mit Nietenarmbändern und Muskelshirts. Eine Art Running Gag des Films besteht darin, dass er seine Partnerin mit einem falschen Messer attackiert und sie darüber aufklärt, dass sie auf die Augen des Angreifers zu achten habe: Wissen, dass ihr in der finalen Konfrontation mit dem Mörder natürlich entscheidend zugute kommt. Wie es sich für einen solchen Film gehört, entwickelt Heineman einen Crash für Cody und während er sich betont cool gibt, leidet er in doppelter Hinsicht unter ihrem neuen Engagement. Zum einen, weil es ihn antörnt, sie nackt zu sehen, zum anderen aus Eifersucht. Er ist noch ganz in der Rolle des Beschützers gefangen, kann nicht akzeptieren, dass sie ihre eigenen Entscheidungen trifft. Im Finale wird er entsprechend schnell ausgeschaltet – leider greifen dann aber doch die üblichen Inszenierungsklischees und er muss in letzter Sekunde Auferstehung feiern, um sie doch noch zu retten. Trotzdem spürt man meines Erachtens, dass hier eine Frau am Werk war: Katt Shea bewegt sich zwar immer im Rahmen des Exploitationkinos, dessen Mechanismen sie nicht aushebeln kann und wahrscheinlich auch nicht will, aber sie bringt eine gewisse Weichheit mit ins Spiel. Das Miteinander der Tänzerinnen ist glaubwürdig und bei ihren Auftritten hat man nur selten das Gefühl, dass hier ausschließlich der male gaze bedient wird. Stattdessen stehen die Performances als Ganzes und ihre transformierende Wirkung für die Tänzerinnen im Mittelpunkt. STRIPPED TO KILL ist ein toller kleiner Thriller, der seinerzeit in der Flut ähnlich gelagerter Videopremieren unterging und hinter dem ich immer nur preiswert-austauschbaren Softerotik-Schund vermutet habe. Wie sehr man sich täuschen kann. In der BluRay-Edition des Films erstrahlt dieses Kleinod in seiner ganzen verlockenden Pracht.

 

 

Auch wenn der Titel auf ein Kokain-Drama schließen lässt, handelt es sich bei diesem Film doch um einen Beitrag zum wunderbaren und leider völlig aus der Mode gekommenen Subgenre des Truckerfilms, das seine Hochzeit in den Siebzigerjahren erlebte, bevor es im Folgejahrzehnt in Deutschland die Serie AUF ACHSE und natürlich DIDI AUF VOLLEN TOUREN inspirierte. „White Line Fever“ bezieht sich also nicht auf Entzugserscheinungen nach dem weißen Nasenpuder, sondern auf das Phänomen des Sekundenschlafs, das Trucker ereilt, wenn sie stundenland Meilen gefressen haben.

Nach der Heirat mit der hübschen Jerri (Kay Lenz) investiert Carol Jo (Jan-Michael Vincent) alles Ersparte in einen eigenen Truck, doch der Traum vom eigenen Business platzt schnell wie eine Seifenblase: Das ganze Speditionsgeschäft ist durch und durch korrupt und wer beim schmutzigen Spiel der Auftraggeber nicht mitspielt ist schnell ganz draußen. Zunächst wird Carrol Jo vom fiesen Buck (L. Q. Jones) und seinen Handlangern nur drangsaliert, dann zusammengeschlagen, doch schließlich will man ihm den Mord an seinem väterlichen Freund Haller (Slim Pickens) anhängen …

WHITE LINE FEVER macht noch einmal schmerzhaft klar, was aus Jan-Michael Vincent hätte werden können, hätten ihn nicht Alkohol und Drogen erwischt: Der spätere AIRWOLF-Star sieht hier nicht nur spitze aus, er ist als Jungspund, der sich nicht unterkriegen lässt, auch sehr sympathisch und charismatisch. Und, nicht ganz unwichtig, auch als Actionstar funktioniert er perfekt: Die Schrotflinte steht ihm ausgezeichnet, Klettereien auf dem fahrenden Truck übernimmt er kurzerhand selbst, anstatt sie irgendwlchen Stuntmen zu überlassen. Selbst ist der Mann! WHITE LINE FEVER macht zunächst schön Tempo, hat viel Power, angemessen hassenswerte Bad Guys – Martin Kove als henchman Bucks – und natürlich auch eine Prise Trucker-Romantik inklusive atemberaubender Ansichten eines wnterlichen Monument Valley. Der endgeile Stunt am Ende – Carrol Jo crasht mit seinem Truck durch das gigantische Firmenlogo des mafiösen Speditionskonzerns – setzt auch visuell einen schönen Endpunkt, der mit dem etwas schematischen Handlungsverlauf versöhnt. Man kennt das alles irgendwoher: die zunächst etwas naive Weigerung des Helden, beim bösen Spiel mitzumachen, die folgenden Lektionen, die sich immer weiter hochschaukelnde Gewalt, der anscheinend aussichtslose Kampf gegen eine übermächtigen Gegner, der immer noch ein As im Ärmel hat, die Anschläge auf das eigene Leben und das der Frau, das in die Schuhe geschobene Gewaltverbrechen, die gekauften Honorationen. WHITE LINE FEVER ist in erster Linie Exploitation, Genrekino, das sich nicht um einen Originalitätspreis bewirbt, sondern Altbekanntes in leicht abgewandelter Verpackung kredenzen, auf dass der Zuschauer gleich weiß, woran er ist.

Als Schüler Roger Cormans ist Jonathan Kaplan dafür genau der richtige Mann: Er debütierte für dessen New World Pictures 1972 mit NIGHT CALL NURSES, einem Film, der die Trenchcoat-Fraktion im Stile mit etwas linker Gesellschaftskritik infiltrierte, eine Strategie, die sich auch Jonathan Demme mit seinem WIP-Film CAGED HEAT zu eigen machte. Kaplan nahm sie nach seinem Abschied von New World mit zu American International – Cormans voriger Heimat – für die er dann nach bewährtem Muster THE STUDENT TEACHERS drehte. Auch WHITE LINE FEVER ergreift Partei für die Schwachen, die von den Mächtigen als Bauern in ihrem Schachspiel zur Mehrung ihrer Reichtümer missbraucht und zu diesem Zweck gegeneinander aufgehetzt werden und ruft zum Widerstand auf. Große lllusionen Hoffnung allerdings macht er nicht: Es bedarf zwar mehr als einer Handvoll mutiger, schlagkräftiger Männer und Schrotflinten, um das bestehende System zu zerschlagen, aber diese sind immerhin schon ein Anfang.

headhunter01Ich habe drei oder vier Anläufe gebraucht, um HEADHUNTER zu schauen und nach dem ersten gescheiterten Versuch, bei dem ich gleich mehrfach weggepennt war, hatte ich eigentlich noch vorgehabt, es dabei zu belassen. Der auf der Halbsichtung basierende Text war schon geschrieben, was ich ja eigentlich sonst nicht mache: Es war meine Gattin, die mich davon überzeugte, dem Film noch eine Chance zu geben. Und sie hatte ja auch einen Punkt, denn HEADHUNTER ist schon irgendwie faszinierend: Ihn einfach als Gurke zu bezeichnen, wird ihm nicht gerecht. Es handelt sich nicht, wie ich dachte, um einen typischen Horror-/Slasherfilm der Achtzigerjahre-Prägung, sondern eigentlich um einen trotz aller Klischees recht ungewöhnlichen Copfilm mit übersinnlichen Elementen. Regisseur Schaeffer orientierte sich nicht, wie das Postermotiv glauben macht, an Freddy Krueger und Konsorten, sondern eher an Alan Parkers ANGEL HEART oder Schlesingers THE BELIEVERS. Seine Geschichte um die beiden befreundeten Miami-Cops Katherine Hall (Kay Lenz) und Pete Giuliani (Wayne Crawford), die in einer Serie von Ritualmorden in der nigerianischen Gemeinde der Stadt ermitteln und sich dabei von gefestigten Realitätsvorstellungen verabschieden müssen, ist eigentlich sehr interessant.

Schaeffer scheint das auch zu wissen: Seine Protagonisten sind keine souveränen Supercops, sondern höchst durchschnittliche Typen, die schnell merken, dass sie auf verlorenem Posten kämpfen, mit ihren Hilfegesuchen aber immer wieder in beinahe kafkaesker Manier bei ihrem rassistischen Chef auf taube Ohren stoßen. Der will einen Fall, in dem eh nur ein paar „negroes“ sterben, und zwar noch nicht einmal „our negroes“, keinesfalls verkomplizieren. Die Beziehung zwischen Katherine und Pete nimmt relativ viel Raum ein: Er ist gerade von seiner Frau vor die Tür gesetzt worden, weil sie sich eine Geliebte zugelegt hat und leidet darunter wie ein Hund, hat aber auch ein Faible für die Partnerin, die indessen mit einem etwas weniger weinerlichen Kollegen liiert ist. Die Freundschaft der beiden Cops ist fast wichtiger als der Fall, in dem sie ermitteln, und so wie sie sich darstellt, recht originell und liebenswert. Auch im letzten Drittel wird es nicht zur sonst unvermeidlichen Sexszene kommen. Die nigerianische Gemeinde Miamis, eigentlich ein überaus reizvoller Hintergrund, bleibt demgegenüber leider ein bloß ornamentales Detail. Doch so klischeehaft die afrikanischen Immigranten mit ihren natürlich heidnischen Ritualen auch gezeichnet sein mögen, das Streben Schaeffers nach einer Verständigung zwischen den beiden fremden Welten wirkt ernst gemeint. Die exzellente Fotografie des deutschen Hans Kühle liefert tolle, stimmungsvolle und farbintensive Bilder und rückt immer wieder den Kontrast zwischen der gläsernen Glitzerwelt der US-Metropole und der unbekannten Subkultur der Afrikaner in den Mittelpunkt. Toll ist etwa eine Szene, in der Katherine nachts ein altes, schon von der Natur zurückerobertes Fabrikgelände erkundet und dort dann auf eine Zeremonie der Nigerianer stößt. Oder die Szene bei einem verarmten Afrika-Spezialisten, der mit seiner schwerkranken, hinter einer Atemmaske verborgenen Frau in einem winzigen, völlig zugestellten Zweizimmerappartement haust.

Doch leider, leider vereinen sich die verheißungsvollen Ansätze nie zu einem kohärenten Ganzen. HEADHUNTER ist nicht unbedingt langweilig, wohl aber gnadenlos umständlich erzählt. Er kommt einfach nicht in die Gänge, tritt endlos auf der Stelle, teasert immer wieder einen Spannungsanstieg an, nur um dann wieder zurückzuschalten. Das Finale ist reiner Horror-Kintopp, der mit seinem Gummidämon nicht so recht zum ernsten und bodenständigen Rest passen mag, übereilt und nahezu antiklimaktisch wirkt, selbst wenn zum ersten Mal so richtig die Fetzen fliegen. Wo genau liegt das Problem? Zum einen verfügt Regisseur Schaeffer einfach nicht über das Talent, das dafür nötig war, aus den vielen vorhandenen Ideen den wohl geplanten atemlosen Hochspannungsthriller zu machen. Das Drehbuch ist mitunter zerfahren, häuft einfach zu viele Ansätze an, ohne sie konsequent zu Ende zu entwickeln. Und dann sind da die aus dem Fernsehen entsprungenen und nicht gerade mit einem Übermaß an Charisma ausgestatteten Hauptdarsteller, die auf Distanz halten (Wayne Crawford ausdrücklich ausgenommen). Auch die technische Seite lässt mitunter zu wünschen übrig: Vor allem die Tonmischung ist unterirdisch, die Dialoge dumpf und mitunter nur schwer zu verstehen, offensichtliche Overdubs sollen Schwachstellen kaschieren, verstärken aber nur den Eindruck, dass hier mit ganz heißer Nadel gestrickt wurde.

Mit einem abschließenden Urteil tue ich mich sehr schwer: Ich finde es durchaus lobenswert, dass die Macher mit HEADHUNTER versuchten, eigene Wege zu gehen, und würde es dem Film immer zugute halten. Richtig gelungen ist das alles aber trotzdem nicht.