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wu gong zhou (keith li, hongkong 1982)

Veröffentlicht: Juli 27, 2017 in Film
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JIANG TOU und MO haben mir dermaßen viel Spaß bereitet, dass ich beschlossen haben, dieser Tage ein paar Hongkong-Horrorfilme nachzulegen. WU GONG ZHOU kenne ich zumindest namentlich schon lange, der Film tauchte unter dem internationalen Verleihtitel CENTIPEDE HORROR immer wieder in Horrorlexika auf, selbst wenn diese nur sehr sporadisch über asiatische Genrevertreter berichteten. Diese Notorität verdankt der bestenfalls durchschnittliche Film wahrscheinlich der Tatsache, dass einige eklige Szenen aufgeboten werden, die man in einem amerikanischen oder europäischen Film vergeblich sucht. Den Höhepunkt hebt sich Regisseur Keith Li für die letzten Minuten auf: Seine Protagonistin erbricht da eine Handvoll lebender Tausendfüßler und das ganze ist nicht etwa ein fadenscheiniger Trick. Die arme Schauspielerin hat diese 20 Zentimeter langen Biester tatsächlich im Mund, zusammen mir breiiger Filmkotze. Das nennt man Berufsethos!

Nach den beiden oben genannten Knallern muss WU GONG ZHOU aber trotz einer solch kulturellen Sternstunde gnadenlos abstinken. Keith Li hatte leider nicht das Glück, seinen Film unter der Ägide der Shaw Brothers drehen zu können, die ihre Produktionen immer unter guten finanziellen Bedingungen und ausgestattet mit fantasievollen Settings, Kostümen und Effekten realisierten. WU GONG ZHOU ist eine deutlich preisgünstigere, tristere Angelegenheit, ihm fehlen die Mittel, sich so richtig dem Wahnsinn hinzugeben, den ich mir erhofft hatte. Die Geschichte ist erneut verworren und undurchsichtig, das ist ja fast immer das Problem, wenn man in der speziellen Erzählhaltung dieser Filmkultur nicht mehr so drinsteckt (weiße Untertitel auf überwiegend weißem Hintergrund haben auch nicht gerade geholfen), aber es fällt hier besonders schwer, ihr zu folgen, weil es auch sonst wenig gibt, was das Interesse wachhält. Ja, auch hier wird viel Schabernack getrieben, aber weder erreicht er den Grad der Absurdität von MO noch verfügt er über eine so gut funktionierende Dramaturgie wie JIANG TOU. Die Effekte sind eher lieblos, das Drehbuch unbeholfen und chaotisch, Inszenierung und Darsteller hölzern, das beste ist noch der Soundtrack, auf dem sich, wenn mich nicht alles täuscht, eine Bill-Conti-Komposition aus ROCKY (oder ist es ROCKY II?) wiederfindet. Nee, das hat zumindest gestern nicht wirklich funktioniert. Aber wegen der Tausendfüßler-Kotzerei hat es sich natürlich trotzdem gelohnt.