Mit ‘Kellan Lutz’ getaggte Beiträge

Die EXPENDABLESReihe ist irgendwie seltsam.

Als vor rund sechs Jahren die Kunde umging, das Sylvester Stallone mit einer ganzen Horde alter Action-Recken einen Söldnerfilm drehe, da war die Euphorie riesig. Auch der erste Trailer, der schmerzhaft deutlich machte, dass man keinen Throwback in selige alte Zeiten erwarten durfte, konnte daran nichts ändern. Der Film, der dann ins Kino gelangte, war nun aber keineswegs vom Ehrgeiz alter Männer geprägt, den Jungen noch einmal zu zeigen, was eine echte Harke ist, sondern von geradezu aufreizender Entspanntheit. Kein Vergleich zu Stallones ultrabrutalem, in fiebrigem Zorn inszeniertem JOHN RAMBO. THE EXPENDABLES kam nicht in seinen eher enttäuschenden Actionszenen zu sich, sondern im von Harmonie geprägten Miteinander seiner Charaktere. Der ganze Film wirkte tatsächlich wie ein Treffen alter Kumpels, bei dem nebenbei und eher zufällig auch noch ein Film entstanden war. Ich fand gerade das sehr schön, doch offensichtlich sahen die Macher den Grund für den Erfolg des Revivals ganz woanders. Für THE EXPENDABLES 2 wurde die Riege der alten Männer noch einmal erweitert, Jean-Claude Van Damme, Chuck Norris und Scott Adkins wurden eingebunden, die Cameos von Arnold Schwarzenegger und Bruce Willis zu vollwertigen Nebenrollen umgeschrieben. Das Budget wurde nach guter, alter Sequellogik aufgestockt, mit Simon West ein Regisseur verpflichtet, der nicht gerade im Ruf steht, ein Traditionalist oder Handwerker alter Schule zu sein, der ganze Film noch mehr in Richtung Altherren-Kaffeefahrt gebürstet, die mich mit ihren nervtötenden Ausflügen in den ironisch-selbstreferenzielle *Wink-wink*-Metahumor massiv angenervt hat. Hier war endgültig klar, dass man nicht die Tradition im Blick hatte, sondern all die Fans, die den Actionfilm im Grunde genommen total bescheuert finden, sich aber auch noch dann vor Freude in die Hosen machen, wenn Arnie zum hundertsten Mal „I’ll be back!“ stammelt. Furchtbar.

Meine Hoffnungen hinsichtlich THE EXPENDABLES 3 waren demzufolge mehr als gering, eigentlich sogar nahezu inexistent und das nochmalige Aufstocken des eh schon unübersichtlichen Casts ließ Schlimmstes befürchten, zumal man durchaus geteilter Meinung darüber sein darf, ob Leute wie Antonio Banderas, Harrison Ford oder Kelsey Grammer hier überhaupt reingehörten. Dass mit Patrick Hughes ein namenloser Newcomer auf den Regiestuhl gesetzt wurde, stimmte auch nicht eben hoffnungsfroh. Aber erstaunlicherweise ist durchaus eine Art „Rückbesinnung“ zu konstatieren: Der Film kommt nicht mehr als debile, übersteuerte Gagparade rüber, sondern als weitestgehend „ernster“ Actionfilm mit komischen Elementen, der wieder einmal die Kameradschaft der alten Recken betont. Mit dem ersten Teil hat er aber auch die Tatsache gemeinsam, dass die Actionszenen – auch wenn sie in der Summe fast die gesamte Spielzeit einnehmen – sehr middle-of-the-road anmuten. Wirklich hängen bleibt da nichts, Momente, in denen man mitfiebert, aufspringen möchte oder auch einfach nur „Fuck yeah!“ denkt, sind Mangelware. Wie schon im direkten Vorgänger ist ein von Stallone mit seiner unnachahmlich gutturalen Stimme gemurmelter One-Line das einsame Highlight. Wenn Mel Gibsons Oberschurke, der Waffenhändler Blackstone, seinen alten Kumpel Barney (Sylvester Stallone) daran erinnern will, dass er ihn lebendig vor dem Gerichtshof in Den Haag (englisch: The Hague) abzuliefern habe, sagt der nur staubtrocken „I am The Hague!“ und knallt den Halunken nieder. Hose: Geplatzt, Mind: Blown, Mission: Accomplished. THE EXPENDABLES 3 sollte eigentlich voll sein mit solchen Momenten, stattdessen wirkt er aufreizend selbstzufrieden, mit lässiger Geste hingeworfen von Leuten, die glauben, dass die geballte Zugkraft ihrer Namen auf dem Plakat schon die halbe Miete ist. Das finde ich, wie schon beim ersten Teil, durchaus sympathisch, aber ein richtig guter Film wäre mir dann doch noch ein Stück lieber gewesen. Die Rechnung ging dann ja auch nicht auf: Nachdem die ersten beiden Filme noch rund das Dreifache ihres Budgets eingespielt hatten, reduzierte sich das mit dem dritten Film auf das Doppelte.

Es ist tatsächlich schwer, für THE EXPENDABLES 3 echte Emotionen aufzubringen, was an sich ja schon ein kleiner Skandal ist: Klar, es ist einfach schön, diese Typen da vereint auf der Leinwand zu sehen, ihnen dabei zuzuschauen, wie sie im großen Stil Sachen kaputt machen. Antonio Banderas ist als liebenswerter Dauerschwätzer Galgo durchaus putzig, Mel Gibson als Schurke wie zuvor schon Jean-Claude Van Damme ein Höhepunkt (diese Szene, in der er ganz langsam, fast bedächtig eine Treppe hochzugleiten scheint) und einen Gastauftritt von Robert Davi werde ich eh immer zu würdigen wissen. Ich finde es auch angenehm, dass dieser Film nicht mit großer Dominanzgeste inszeniert wurde, sondern fast bescheiden anmutet, dass es innerhalb des ganzen Getöses am Ende des Tages um die Freundschaft dieser Typen geht (auch wenn die Screentime jedes einzelnen kaum noch der Rede wert ist). Bei allem Technik- und Effektbrimborium bewahrt der Film seinen menschlichen Kern, was ihm sein „Alleinstellungsmerkmal“ beschert und auch seinen Reiz ausmacht. Auch Kurzweiligkeit kann man THE EXPENDABLES 3 nicht absprechen. Das ist eine Basis, auf der sich etwas Wunderbares aufbauen ließe, der erste Schritt, auf den dann ein zweiter und dritter folgen müssten. Leider scheinen dazu aber weder der Wille vorhanden gewesen zu sein, noch ausreichend Energie oder Kreativität. Tatsächlich bestätigen die EXPENDABLES-Filme letztlich genau das, was sie eigentlich zu widerlegen angetreten waren: Dass die Beteiligten nämlich tatsächlich entbehrlich geworden sind. Und darüber täuschen sie auch nicht hinweg, indem sie einen besonders farblosen Trupp Jungspunde rekrutieren.

Mit Filmen wie 300: RISE OF AN EMPIRE, POMPEII, NOAH, dem gerade im Kino laufenden HERCULES oder eben Renny Harlins THE LEGEND OF HERCULES feiert der in den späten Sechzigerjahren als Paradebeispiel für das überkommene Altherrenkino Hollywoods Monumentalfilm derzeit mal wieder ein kleines Revival. Die meist antiken Stoffe bieten reichlich Anlass für aufwändige Effekte im aufpolierten, zeitgemäßen CGI-Gewand, strahlende Helden und ausufernde Schlachten, allesamt Signifikanten für das, was man gemeinhin „großes Kino“ nennt. Wie zuletzt in POMPEII festgestellt, trägt die Idee eines technischen Updates aber nur bedingt: Man ist den neuen Perfektionismus längst gewöhnt und der Moment der bildlichen Überwältigung währt immer kürzer. Kaum ist man aus dem Kino raus oder ist die Blu-ray aus dem Player ausgeworfen, wartet schon der nächste Film mit noch besseren Effekten. Was die alten Monumentalschinken auszeichnet ist nicht der logistische Wahnsinn, der hinter Bauten, Kostümen und Massenszenen steckt, sondern die epische Größe, zu der diese Elemente zwar einen wichtigen, aber eben längst nicht den einzigen Beitrag leisten. Sie lässt sich mit dem routiniert-ökonomischen Runtererzählen, das in der Filmlandschaft heute gefragt ist, nicht erreichen. Das Ergebnis ist dann ein Film wie POMPEII, der zwar toll aussieht, aber trotzdem leer und abgeriegelt wirkt, wo er sich eigentlich in alle Richtungen ausdehnen sollte.

Harlin orientiert sich für seinen THE LEGEND OF HERCULES dann klugerweise auch nicht so sehr am Monumentalfilm Hollywood’scher Prägung, sondern eher am italienischen Peplum, am so genannten Sandalenfilm, mit seinen muskelprotzigen Helden, finsteren Schurken, der rührenden Naivität und dem unwiderstehlichen Camp-Appeal. Mit Kellan Lutz als Hercules steht ein Hauptdarsteller zur Verfügung, in dem sich bubenhaftes Aussehen, ein steroidgestählter Body und die nötige Tumbheit vereinen. Vor allem die Liebesszenen zwischen ihm und der hübschen Hebe (Gaia Weiss) erinnern an kitschige Groschenhefte für alte Jungfern. Besonders süß ist ein Schäferstündchen in einem spontan im Wald errichteten und mit Muschelschmuck und wehenden Tüchern dekorierten „Love Shack“. Ähnlich putzig ist es, wenn die mit zwei grauen Haarsträhnen sehr nachlässig auf alt getrimmte, 34-jährige Roxanne McKee als Königin Alkmene den nur ein Jahr jüngeren Schauspieler Liam Garrigan todernst als „mein Sohn“ ansprechen muss. Da fühlt man sich an Zeiten erinnert, in denen „Make believe“ noch etwas mit Poesie zu tun hatte und nicht von Computerprogrammen übernommen wurde. Wer als kleiner Junge seine Eltern anflehte, für die Ausstrahlung eines Ursus-Films länger aufbleiben zu dürfen, der wird sich über Faustkämpfe gegen Löwen, die archetypische Auspeitschung oder im richtigen Moment gen Erde entsendete Grüße von Götterpapa Zeus genauso freuen wie ich. Da ist es fast ein bisschen schade, dass Harlin sich nicht konsequent von herrschenden Trends losmachen kann: Die visuell an Zack Snyders 300 erinnernde Eröffnungssequenz ist ohne Zweifel fantastisch, aber später hindert die typisch monochrome Farbgebung und das Color Grading den Film oft daran, richtig abzuheben. Auch die Story selbst ist ein Zugeständnis an den Massengeschmack: Harlin spart die munteren Episoden um die von Herkules zu absolvierenden Prüfungen ganz aus, erzählt stattdessen von der etwas ermüdenden Rivalität zwischen dem Halbgott und seinem irdischen Stiefpapa, dem tyrannischen König Amphytrion (Scott Adkins), der den unerwünschten Sohnemann nach Ägypten verbannt, von wo der sich im Gladiatorenstil bis in die Heimat zurückkämpfen muss. Ich hätte mir da schon etwas mehr Exzentrik gewünscht.

Dennoch hat THE LEGEND OF HERCULES mehr Zuneigung verdient als die lausigen 4,2 Punkte, die ihm derzeit auf IMDb zugedacht werden. Man merkt dem Film jederzeit die Professionalität seines Regisseurs an, der sich in den zahlreichen Fightszenen sichtlich von Isaac Florentine hat inspirieren lassen. Keine hektischen Schnittgewitter trüben das Vergnügen, dafür werden die Körper in Momenten besonderer Anspannung immer wieder übergangslos in kurzen Zeitlupeneinschüben festgehalten. Wäre THE LEGEND OF HERCULES nicht mit seiner Freigabe auf Familientauglichkeit getrimmt worden, ginge es also etwas blutiger zur Sache, dann dürfte man hier gar von einer handfesten Action-Überraschung sprechen. So bleibt ein Sandalenfilm-Revival, das trotz aller Kompromisse ein angenehmer Anachronismus ist und sein fürstliches Budget von 70 Millionen Dollar demzufolge nicht einmal annähernd wieder einspielte. Traurig, vor allem für Harlin.