Mit ‘Kenneth Mars’ getaggte Beiträge

police_academy_6_posterIch erwarte ja nicht wirklich etwas von diesen Filmen und bin damit bislang ganz gut gefahren. Mir ist bewusst, dass den meisten Menschen völlig schleierhaft ist, wie man über den infantil-blöden Witz der POLICE ACADEMY-Reihe lachen kann, zumal über die stattliche Anzahl von sechs bzw. sieben Installationen hinweg. Filmisch geben sie ebenso wenig her wie inhaltlich, popkulturell sind sie zwar nicht gänzlich unbedeutend (das Wort „filmhistorisch“ möchte ich in diesem Zusammenhang nicht benutzen), nach knapp drei Jahrzehnten aber eher ein Relikt ohne echten, sprich bleibenden Einfluss. Die Regisseure, die sich an dem Franchise versuchten, waren Handwerker, die sonst kaum oder vorwiegend im Fernsehen in Erscheinung traten, für das Gros der Darsteller stellten die POLICE ACADEMY-Filme den einsamen Karrierehöhepunkt dar: Was im Idealfall ein Sprungbrett hätte sein sollen, entpuppte sich eher als Stigma, das abzulegen den meisten verwehrt blieb. Aber wenn man diesem Interview mit G. W. Bailey glaubt, dann konnten die meisten damit ganz gut leben, nahmen wenn schon keinen andauernden Ruhm, so doch einen kleinen Kultstatus und anhaltende Freundschaften mit. Es gibt also eigentlich nichts, was die Beschäftigung mit der POLICE ACADEMY-Reihe heute noch erforderlich machte. Und selbst wenn man wie ich ein Faible für dummdreiste Rohrkrepierer, Furzwitze, altbackenen Slapstick und verzweifelt überdrehende Synchros hat, ist die Sichtung aller sieben Teile ein entbehrungsreiches Unterfangen.

Immerhin ist die Talsohle mit dem furchtbaren vierten Teil durchschritten und Teil 6, wenn auch auf der internen Rangliste unweit von diesem an zweitletzter Position platziert, nicht annähernd so schmerzhaft, sondern nur egal. Die erste Hälfte des Films gefällt sogar noch ganz gut, weil es als Konzept eben fast schon ausreichend ist, einen spitzenmäßigen Charakterdarsteller wie G. W. Bailey als Harris in blödsinnige Kapriolen zu verstricken und ihn dann mit diesem konsternierten Gesichtsausdruck reagieren zu lassen, der immer auch Metakommentar zu sein scheint. Seine einseitige Rivalität mit Lassard (George Gaynes) erinnert etwas an den ewigen Streit zwischen Inspector Clouseau und Chefinspector Dreyfus, der durch die Anwesenheit seines trotteligen Gehilfen Proctor (Lance Kinsey) sogar noch gedoppelt wird. Ganz putzig sind außerdem die kaum zu übersehenden Tendenzen Richtung Comic, die möglicherweise der temporären Nähe zu den damaligen BATMAN- und DICK TRACY-Verfilmungen geschuldet sind. Die POLICE ACADEMY-Filme spielten schon immer in einer ungenannt bleibenden amerikanischen Großstadt, doch hier wird sie mit oldschooligen Verbrecherbanden und einem Mabuse-Verschnitt als kriminellem Mastermind Richtung pulpigbuntes Groschenheftchen verzeichnet.

Was hingegen gar nicht geht und den Film im letzten Drittel zu einer überaus nervtötenden Angelegenheit macht, ist der Versuch, die Pennälerkomödie dem Actionfilm und herkömmlichem Spannungskino anzunähern. Für das Schicksal der kaum als eindimensional zu bezeichnenden Polizisten interessiert man sich einfach nicht die Bohne, die Actionsequenzen sind hüftsteif, lahmarschig und öde inszeniert, mit Gimmicks wie einem aus dem Hut gezauberten Monstertruck kann man vielleicht noch Sechsjährige beeindrucken, darüber entlockt so ein Firlefanz dann nur noch ein müdes Lächeln. Der Showdown von POLICE ACADEMY 6: CITY UNDER SIEGE zieht sich über sage und schreibe endlose 25 Minuten hin: Mit wem wollte Peter Bonerz, der für eine Karriere als Sexrapper noch nicht mal ein Pseudonym gebraucht hätte, es aber trotzdem als Regisseur versuchte und überwiegend Serienpisoden inszenierte, hier eigentlich konkurrieren? Mit James Cameron? Nach Teil 6 zog sich die Reihe aufs Altenteil zurück, bevor irgendeine Flitzpiepe sie 1994 noch einmal reanimierte, sodass mir noch eines dieser Werke bevorsteht. Gott, lass die kursierenden Gerüchte eines Remakes niemals wahr werden!

Vier identische Taschen, vier verschiedene Inhalte, vier unterschiedliche Besitzer, zwei Männer, die es auf zwei der Taschen abgesehen haben, ein Hotel in San Francisco: Das ist die Ausgangssituation von Peter Bogdanovichs WHAT’S UP, DOC? einem Glanzstück des US-Kinos der Siebzigerjahre und einer der witzigsten Komödien überhaupt.

Howard Bannister (Ryan O’Neal) ist ein zerstreuter Musikologe, der mit seiner herrischen Verlobten Eunice Burns (Madeline Kahn) zu einem Kongress in San Francisco reist, von dessen Veranstalter, dem Mäzen Frederick Larrabee (Austin Pendleton), er sich ein Stipendium erhofft. In seiner Tasche befindet sich „Eruptiv-Gestein“, das eine wichtige Rolle in seiner Forschung spielt. Dummerweise verguckt sich die charmante Judie Maxwell (Barbra Streisand), eine Frau, die eine Spur der Zerstörung hinter sich herzieht, in Howard, weicht ihm fortan nicht mehr von der Seite, gibt sich als seine Verlobte aus und bringt sein sauber geordnete Leben gründlich durcheinander. Und dieses Chaos wird noch dadurch potenziert, dass Howard und Judie die gleichen Taschen besitzen wie ein Spion (Michael Murphy), der darin wertvolle Geheimdokumenten mit sich herumträgt, und die alte Mrs. Van Hoskins, die ihre Juwelen darin verstaut hat. Bald beginnt ein wüster Streit um die Taschen, der die ganze Stadt in Aufruhr versetzt …

Ich habe WHAT’S UP DOC? schon als Kind geliebt – er gehörte zum ersten Schwung von Filmen, die meine Eltern Anfang der Achtziger im Fernsehen aufgezeichnet hatten –, damals etliche Male gesehen, dann aber jahrelang nicht mehr. Das jetzige Wiedersehen nach vielen, vielen Jahren war ein freudiges, bei dem ich aus alter Verbundenheit und ganz entgegen meiner sonstigen Überzeugung die deutsche Synchronisation ausgewählt habe. Bogdanovichs Film ist einer von ganz wenigen, die ich für beinahe beängstigend perfekt halte und die unter dieser Perfektion keineswegs leiden, wie so viele andere, die sie mit dem Verlust von Spontaneität bezahlen. WHAT’S UP DOC? ist hingegen so vital wie das Leben selbst, wahnsinnig schnell und flexibel und mit einem untrüglichen Sinn für Timing und Pointierung und tatsächlich bis in die letzte Nebenrolle brillant besetzt. Ich liebe den Film. Und diese Szenen und Momente am meisten:

1. Howard und Eunice vor dem Flughafen: Sie „befiehlt“ ihm verschiedene Dinge, die er zu erledigen habe, er antwortet jedes Mal devot mit „Jawohl, Eunice.“ Ein Gepäckträger tritt hinzu, Eunice bittet ihn, das Gepäck ins Taxi zu laden, er: „Jawohl, Eunice.“ Es ist einfach brillant, wie Bogdanovich Eunice als Männerzerstörerin charakterisiert und wie Madeline Kahn diese Rolle ausfüllt.

2. Der Regierungsbeamte Mr. Jones verfolgt den Spion durch die bergigen Straßen von San Francisco, hat sich zur Tarnung ausgerechnet eine schwere Golftasche umgehängt, aus der er nun nach und nach Golfschläger wegschmeißt, um die Last zu erleichtern. Als der Spion sich einmal kurz umdreht, um sich nach eventuellen Verfolgern umzuschauen, startet Mr. Jones einen der erbärmlichsten Versuche, unauffällig auszusehen, die je auf Zelluloid gebannt wurden. Zum Schreien.

3. Howard geht zum Bankett, übt die Begrüßungszeilen, die er an Mr. Larrabee zu richten gedenkt. Er bleibt auf dem Hotelflur stehen, reißt sich zusammen und sagt im Brustton der Überzeugung: „Mr. Larrabee, mein Name ist Howard Bannister, ich freue mich sie kennen zu lernen.“ Währenddessen öffnet sich eine Zimmertür neben ihm, der Hoteldetektiv tritt heraus, schaut verdutzt, antwortet: „Ebenfalls“ und tritt wieder in sein Zimmer.

4. Mr. Larrabee fordert den versnobten, eingebildeten Fatzke Hugh Simon (Kenneth Mars), der Howards Konkurrent um das Stipendium ist, während des Banketts auf, den Platz neben ihm zu räumen. Die Art wie dieser nun aufsteht und mit einer zackigen Bewegung des Nackens seine Haartolle nach hinten wirft, ist alles.

5. Der Hotelangestellte fordert den Hoteldetektiv auf, die reiche Mrs. Van Hoskins auf ihrem Weg in ihr Zimmer aufzuhalten. „Aber wie?“ „Lass deinen Charme spielen.“ Seine Interpretation dieser Aufforderung ist geradezu rührend in ihrer Inadäquanz: Er rennt hinter der alten Dame her und stellt ihr wiederholt das Bein.

6. Eunice ruft Howard auf seinem Zimmer an, während Judie gerade bei ihm ist. Sie ignoriert das und sein Bemühen, ihre Anwesenheit zu vertuschen und ruft laut: „Ich ziehe mich jetzt an!“ Eunice am anderen Ende: „Wer war das, Howard?“ Howard schaltet den Fernseher an, ein Kriegsfilm läuft, man hört Schüsse und er sagt: „Das war der Fernseher, es läuft ein Kriegsfilm und sie ziehen sich gerade an.“

7. Während der Verfolgungsjagd gibt es diesen herrlichen Moment, als Judie und Howard – sie radfahrend, er auf einer Gepäckkiste sitzend, die über dem Vorderrad angebracht ist – einen Berg hochfahren, dann den Schwung verlieren und schließlich rückwärts wieder hinunterrollen. In dem kurzen cartoonesken Moment der Trägheit der Masse, unmittelbar bevor es für beide wieder abwärts geht, versucht Howard durch eine herrlich optimistische Bewegung des Unterkörpers, das Unvermeidliche zu verhindern, und sie beide nach oben zu rucken.

8. Die großartige Slapstick-Szene um die große Leiter, die Glasscheibe, drei Autos, ein Fahrrad und die Frage, wann die Scheibe zu Bruch gehen und der Mann von der Leiter fallen wird.

9. Eunice‘ Abstecher in ein besonders finsteres Viertel der nordkalifornischen Metropole. Dass der Taxifahrer sie kurzentschlossen stehen lässt, ist toll, dass sie tatsächlich die windschiefe Stiege hinaufläuft, die auch der gutgläubigste Mensch niemals ernsthaft für den Zugang zum Haus Mr. Larrabees halten kann, wunderbar, der Moment, in dem sie verängstigt die Tür aufstößt und damit drei Schläger bei der Arbeit stört, die sie daraufhin ansehen wie ein Stillleben, der würdige Abschluss der Szene.

10. Hugh Simon will Gnade: „Ich bin Halbitaliener!“

11. Schließlich die ganze Gerichtsszene und vor allem der Monolog des Richters, der sich keinerlei Illusionen mehr über das Wesen der Menschheit gönnt. Jede seiner Zeilen ist höchst zitierwürdig, am besten aber gefällt mir, was er dem Gerichtsdiener über seine Medikamentation sagt: „Wissen Sie, wozu diese gelbe Pille ist? Sie soll mich daran erinnern, die blaue Pille zu nehmen.“ „Und wozu ist die blaue?“ „Ich weiß es nicht. Sie trauen sich nicht, es mir zu sagen.“