Mit ‘Keoni Waxman’ getaggte Beiträge

„What an asshole!“ Das sagt die Teenagerin Kim (Marie Avgeropoulos) am Ende, als der schurkische Banks (Gil Bellows) eine unerwartete Wiederauferstehung feiert und Kims Vater Jim (Steve Austin), seines Zeichens ehemaliger Grenzpolizist und jetziger Mountain Man, manisch lachend und schreiend zum letzten Duell herausfordert. Der hat die Faxen auch ziemlich dicke, steigt mit dem titelgebenden Oneliner „When I hunt, I hunt to kill“ auf sein Quadbike, rast kurzentschlossen in den kreischenden Nervbolzen hinein, nagelt ihn so gegen eine Wand und bringt ihn mitsamt des Gefährts durch einen gezielten Pistolenschuss zur Explosion. Es ist der lauteste und grellste Augenblick in einem Film, der über seine 98 Minuten Laufzeit von der stoischen Miene und dem granitenen Muskelberg seines Hauptdarstellers sowie der seit Jahrtausenden ungerührt daliegenden Berg- und Waldwelt Montanas (gedreht wurde weiter nordwestlich in British Columbia) bestimmt werden würde, wenn dieses „Asshole“ nicht immer wieder dazwischenfunkte. Man weiß nicht genau. ob Jim Rhodes da den Bösewicht Banks bestraft, der ihn und seine Tochter bedroht hat, oder Steve Austin den Darsteller Gil Bellows dafür, dass der ihm den schönen Film mit seiner Chargiererei kaupttgemacht hat.

HUNT TO KILL beginnt mit einer Rückblende, in der Jim seinen Partner Davis (Eric Roberts) bei einem Routineeinsatz durch eine Unachtsamkeit verliert. Ein schön gesetzter Schnitt führt den Zuschauer vier Jahre in die Zukunft und den Cop in die Regenwälder des pazifischen Nordwestens, wo er als Mountain Man und Survivalist seine Wunden leckt. Es kommt, wie es kommen muss: Eine Bande von Verbrechern sucht einen abtrünnig gewordenen Partner, der sich mit der Beute verkrümelt hat, und die Spur führt sie natürlich in Jims Heimat, wo sie ihm mit der Geisenahme der aufmüpfigen Tochter keine andere Wahl lassen, als ihnen bei der Suche zu helfen. Waxmans Film folgt dem mit dieser ausgelutschten Prämisse vorgegebenen Handlungsverlauf geradezu sklavisch, kann demzufolge nicht mit Überraschungen oder gar echter Spannung punkten, aber eben mit der überaus reizvollen Waldkulisse, in die die menschgewordene Urgewalt Steve Austin sich vervorragend einfügt. Schade, dass HUNT TO KILL erst in der letzten halben Stunde dazu kommt, ihn sich das Gesicht schwärzen, mit einer Hightech-Armbrust und selbstgeschnitztem Speer ausrüsten und im Raubtiermodus durch den Wald jagen zu lassen, denn in diesen Szenen ist Waxmans Film eine Schau. Stattdessen verschwendet er aber viel zu viel Zeit mit den Konflikten der zerstrittenen Gangster und damit, Banks als echten Psychopathen herauszustellen. Das ist der Hauptfehler: Gil Bellows ist ein guter Schauspieler, aber als Oberschurke eine absolute Fehlbesetzung. Wenn er augenrollend und geifernd den unberechnebaren Killer mimt, wirkt er einfach nur nervtötend: Eine echte Bedrohung geht nie von ihm aus, was der Spannung auch nicht gerade zuträglich ist. Man weiß einfach, dass Steve Austin ihn mit zwei Handgriffen in eine Herrendhandtasche verwandeln wird, ohne dabei überhaupt in Schweiß auszubrechen. Besser kommt da schon Gary Daniels als Banks Partner Jensen weg: Der Kampf zwischen Austin und Daniels ist dann auch der actiontechnische Höhepunkt des Films, der für den Hochspannungsthriller, der er sein will, einfach viel zu vorhersehbar ist.

So bleibt als Fazit: HUNT TO KILL kann man sich anschauen, am besten auf dem Rechner, und dann die schönsten Naturaufnahmen als Wallpaper abspeichern. Keine totale Zeitverschwendung und schon gar kein echtes Ärgernis, aber definitiv auch kein Muss.

Steven Seagals Persona ist ein nie versiegender Quell der Faszination. In den fast 30 Jahren, die seine Laufbahn als Actiondarsteller nun schon andauert, hat er unaufhörlich an seinem Image gestrickt, Elemente seines „wahren“ Lebens in seine Filme einfließen lassen (und wahrscheinlich umgekehrt) und im Grunde genommen immer dieselbe Figur gespielt: den weisen, desillusionierten professional, der die Geheimdienste und Schlachtfelder der Welt kennt wie seine Westentasche, ob sie nun im Nahen Osten oder den Ghettos der USA liegen, in der Kunst des schnellen, lautlosen Tötens versiert ist, sein Seelenheil in fernöstlicher Religion und Meditation sucht, den alten Kulturen seinen Respekt bezeugt, und Kind und Tier nähersteht als Seinesgleichen, die er als korrupt, verräterisch, egoistisch und hinterhältig kennengerlernt hat. Zwar hat er dieses Bild im Lauf der Jahre immer wieder um die ein oder andere Nuance ergänzt, je nach den Anforderungen Facetten stärker betont oder unter den Tisch fallen lassen, aber nie ist eine seiner Rollen wirklich von dem mit ABOVE THE LAW eingeschlagenen Weg abgewichen. Steven Seagal ist immer Steven Seagal. Sogar wenn er, wie hier, einen Gangsterboss spielt.

Keoni Waxman, ein enger Vertrauter Seagals, der mit dem nunmehr 63-Jährigen bereits die Filme THE KEEPER, A DANGEROUS MAN, MAXIMUM CONVICTION und A GOOD MAN sowie die Serie TRUE JUSTICE gedreht hat, weiß sehr genau, dass die Zeiten, in denen man dem Star mit der Kamera hinterher lief und ihn bad guys in Reihe verdreschen ließ, schon seit einigen Jahren vorbei sind. Seagal gefällt sich heute eher in der Rolle des elder statesman, ist dem weltlichen Treiben entrückt und lässt anderen seine Weisheit zuteil werden, die für ihn die Arbeit machen. In FORCE OF EXECUTION hat er streng genommen nur eine Nebenrolle und wenig Screentime, aber er bildet dennoch das Gravitationszentrum, um das der Film kreist. Und natürlich spielt es gar keine Rolle, dass er ein Gangster ist. Der Seagalologe weiß ja längst, dass sich die Welt nicht mehr so leicht in Gut und Böse einteilen lässt, sich die auf entgegengesetzten Seiten des Gesetzes stehenden Kontrahenten oftmals eher wie Spiegelbilder zueinander verhalten. Insofern versieht Seagal auch seinen alternden Crimelord Alexander Coates (von allen nur „Mr. Alexander“ genannt) mit all jenen Eigenschaften, die seine „Helden“ üblicherweise ausziechnen: Er bewegt sich sicher auf der „street“, wird demnach von Schwarzen, Asiaten und Hispanics als „Bruder“ respektiert, deren Lingo er aus dem FF beherrscht, verfügt über ein gewaltiges Waffenarsenal und genaues Wissen über die jeweiligen Vor- und Nachteile, ist ein mit allen Wassern gewaschener Geschäftsmann, versteht sich auf Werte wie „Ehre“ und „Respekt“ und ist ebenso versiert im bewaffneten wie unbewaffneten Konflikt. Außerdem ist er von dem ständigen Hin und Her genervt: Materielle Dinge interessieren ihn genauso wenig wie Macht, also möchte er aussteigen, um irgendwo im Einklang mit seinem inner self den Ruhestand zu feiern. Natürlich macht sein Widersacher, der Crip Iceman (Ving Rhames) da nicht mit, lässt es lieber auf einen Kampf ankommen, anstatt das Angebot Alexanders anzunehmen, und ihn auszuzahlen. Der Finalkampf, in dem die Männer Alexanders auf die Iceman-Gang treffen, findet im Keller von Alexanders im spanischen Stil gehaltenen Villa statt, der seltsamerweise genauso aussieht, wie die anonymen Fabrikhallen und Maschinenräume, in denen DTV-Actioner gern enden: Lauter riesige, nahezu vollkommen leeren Räume, neonbeleuchtete Gänge mit Rohren an den Wänden, hier und da steht mal eine Europalette rum, die mit seltsamen Kisten bestapelt ist. Hier hat Alexander natürlich leichtes Spiel: Wie in A GOOD MAN läuft Seagal rum wie ein SWAT-Polizist oder Scharfschütze. Die lustigen Jacken, die er früher bevorzugt hat, hat er nun gegen schwarze Army-Klamotten und kugelsichere Weste, verkehrtrum aufgesetzte Cap und Streberbrille eingetauscht. Verwirrendstes Accessoire ist das Palästinensertuch, das er um den Hals gewickelt hat, und mit dem er ein bisschen wie ein aufgedunsener Hipster aussieht.

Der eigentliche Protagonist des Films ist Alexanders ehemaliger henchman Hurst (Bren Foster), der nach einem Fehler bestraft und ausgestoßen wird und fortan ein trauriges Dasein als Pener mit gebrochenen Händen fristet. Er freundet sich mit dem mexikanischen Koch Oso (Danny Trejo) an, der in den Kampf zwischen Alexander und Iceman gerät (warum, habe ich irgendwie verpasst), aber auch ein witchdoctor ist und Hursts Hände mithilfe einer Skorpion-Spezialtherapie binnen Stunden wieder wie neu macht. Am Ende kommt Hurst seinem alten Mentor zu Hilfe und wird von diesem begnadigt. Foster ist Tae-Kwon-Do-Weltmeister erinnert optisch an eine Mischung aus Colin Farrell und Scott Adkins und sorgt dafür, dass FORCE OF EXECUTION nicht zum Klassentreffen der hüftsteifen Veteranen verkommt. Er sprüht nicht gerade über für Charisma, hat aber deutlich mehr Potenzial als seine Filmografie das bislang hergibt. Mal sehen, was da noch kommt. Selbiges gilt für Keoni Waxman: FORCE OF EXECUTION ist wie auch A GOOD MAN deutlich besser als der fürchterliche MAXIMUM CONVICTION, aber keinesfalls richtig gut. Es gibt einiges zu gucken, aber irgendwie fügt sich das alles nicht zu einem wirklich zufriedenstellenden Ganzen zusammen. Es liegt nicht zuletzt an der tollen Besetzung – speziell Ving Rhames ist klasse als steingesichtige Verkörperung von Souveränität und Coolness -, dass man FORCE OF EXECUTION am Ende als leicht überdruchschnittlich einstufen mag, einen M.A. in Seagalologie vorausgesetzt.

a good man (keoni waxman, usa 2014)

Veröffentlicht: Februar 27, 2015 in Film
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Ich schätze, für einen Seagal-Film wie A GOOD MAN muss man anno 2014 einfach dankbar sein. Große Begeisterung vermag er zwar nicht auszulösen, aber er ist auch kein Zugunglück, hat ein paar nette Einfälle, ein paar hübsche Schwertfights, die Erinnerungen wach werden lassen an die guten alten Zeiten in den späten Achtzigern und frühen Neunzigern, als Seagal on top of his game war, und er auch wird nicht übermäßig durch diese Unzulänglichkeiten getrübt, die so viele Seagals der letzten 15 Jahre aufwiesen. Der mittlerweile auf Schrankwandgröße angeschwollene Star stand offensichtlich während eines substanziellen Teils der Dreharbeiten zur Verfügung, nur ein paarmal wird an seiner Stelle ein Stand-in ins Bild geschoben, und nachsynchronisiert wurde er auch nicht. Keoni Waxman, der zu Seagals Stammregisseur herangereift zu sein scheint – er drehte mit ihm bereits THE KEEPER, A DANGEROUS MAN, MAXIMUM CONVICTION, FORCE OF EXECUTION und 8 Episoden der Fernsehserie TRUE JUSTICE –, liefert ordentliche Arbeit ab und fängt auch die Actionszenen gut ein, hat sonst aber allem damit zu kämpfen, dass kaum etwas an A GOOD MAN wirklich hängenbleibt. Wieder einmal in Bukarest gedreht und mit den typischen Ostblock-Russenmafia-Darstellern besetzt, versinkt der Film in der immer unüberschaubarer werdenden Flut vergleichbarer DTV-Actioner: Wo MERCENARY FOR JUSTICE, SHADOW MAN, BORN TO RAISE HELL, SIX BULLETS, ASSASSINATION GAMES, LAST BULLET oder DIRECT CONTACT enden und A GOOD MAN anfängt, kann man längst nicht mehr genau sagen.

Was bleibt also von A GOOD MAN? Seagals Bart und seine neue Vorliebe für Schals zum Beispiel. In der Rückblende, mit der der Film eröffnet und die die Motivation seines Alexander erklärt, eines ehemaligen Spec-Ops-Mannes, gibt er wieder einmal seiner Vorliebe für schwer verständlichen Tech Talk nach, strickt er weiter an der Legende seiner „dunklen Vergangenheit“. Eine echte Überraschung ist die spätere Enthüllung, wer hinter den üblen Morden an Mobstern steckt, deren verstümmelten und mit Räucherstäbchen garnierten Leichen überall in der Stadt an mit japanischen Schriftzeichen dekorierten Orten auftauchen: Kein Psychopath, sondern der Held Alexander selbst ist es, der als „White Ghost“ auf der Jagd nach dem Waffenhändler Chen (Tzi Ma) ist und dabei kräftig aufräumt. Irgendwann ist Seagal definitiv reif, den Killer in einem Slasher- oder zumindest Serienmörderfilm zu spielen, die richtigen Körpermaße für Jason Voorhees hat er ja schon. Als human interest wird die liebe Lena (Iulia Verdes) eingeführt, die für die Schurken als Kellnerin in einer Strip-Bar arbeiten muss, für ihre süße minderjährige Schwester Mya sorgt und außerdem einen halbseidenen Halbbruder namens Sasha (Victor Webster) hat, der Alexander am Ende hilft. A GOOD MAN endet dann auch mal wieder mit einer jener unangenehmen Liebesszenen zwischen Seagal und seiner gut 30 Jahre jüngeren Partnerin, von denen der Star nicht lassen kann, obwohl diese ihm weder liegen noch zu seinen Charakteren passen. Klar, am Ende soll sein Alexander geläutert sein, doch sind die turmhohen Leichenberge, die er überall hinterlassen hat, deswegen wirklich vergessen? Das Hundchen, das er sich als treuen Gefährten hält, kann die Zweifel, die an seiner psychischen Verfassung aufkommen, jedenfalls nicht gänzlich zerstreuen, auch wenn das wohl so gedacht war.

Fazit: Ein durchschnittlicher DTV-Actioner, der die Krise des Genres nicht aufzulösen vermag, dem Seagal-Komplettisten aber durchaus das ein oder andere Aha-Erlebnis schenkt. Wie gesagt: Dafür muss man schon dankbar sein.

MAN MAN

Für Hard Sensations habe ich einen Text geschrieben, in dem ich mich mit drei aktuellen Actionfilmen auseinandersetze, die dieser Tage in Deutschland auf DVD erschienen sind/erscheinen: Es handelt sich um John Hyams‘ DRAGON EYES mit Jean Claude Van Damme und up-and-coming Martial-Arts-Star Cung Le, den neuen Seagal namens MAXIMUM CONVICTION und einen weiteren Film mit den „Muscles from Brussels“, Ernie Barbarashs großartigen SIX BULLETS. Hier geht’s lang, viel Vergnügen!

Als der Special-Forces-Mann Shane Daniels (Steven Seagal) nach sechs Jahren, die  er unschuldig hinter Gittern verbacht hat, freikommt, hat er alles verloren: seine Frau, sein Ansehen, seinen Beruf. Kaum auf freiem Fuß, holt ihn das Verbrechen erneut ein. Er wird Zeuge eines Polizistenmordes, kann die chinesischen Verbrecher jedoch in die Flucht schlagen und bleibt mit einer Sporttasche voller Drogengeld, der gekidnappten Tia (Marlaina Mah) und einem weiteren Zeugen, dem Sohn des russischen Gangsterbosses Vlad (Vitaly Kravchenko), zurück. Mit der jungen Frau begibt sich Shane nun auf die Flucht vor den Drogengangstern, bevor er mithilfe des Russen sein Heil in der Offensive sucht. Ein Bandenkrieg entbrennt …

Der zweite Seagal-Film von Keoni Waxman, den der direkt im Anschluss an THE KEEPER inszenierte, ist ein kompromissloser, harter Reißer, der nach dem skizzenhaften Vorgänger etwas breiter angelegt ist. Auffällig ist die düstere Weltsicht, die Waxman an den Tag legt: Nachdem Shane aus dem Knast kommt, wird er beim Schnapskauf sofort von zwei miesen Straßenräubern überfallen und bedroht, worauf er sogleich mit der Ultrabrutalen antwortet. Die Szene, in der er einem der beiden Aggressoren mit einer auseinandergebauten Pistole das Gesicht malträtiert, dürfte zu den härtesten Seagal-Momenten überhaupt zählen: Die Grenze dessen, was man einem Actionfilm-Helden noch verzeiht, wird hier mit Nachdruck überschritten. In diesem Stil geht es weiter: Wenn getötet respektive gestorben oder sonstwie Gewalt angewendet wird, dann ist das niemals zum Abfeiern geeignet oder auch nur „schön“ anzusehen, sondern meist abstoßend, schmerzhaft und ekelhaft. Und als der russische Gangster Vlad von einem korrupten Cop beim Essen gestört wird, dann ist seine Antwort kaum weniger unmissverständlich als ein Bauchschuss: „Bei uns zu Hause ficken wir die Bullen in den Arsch, nachdem wir mit den Tieren fertig sind.“ Da bleibt für den Adressaten nur wenig Interpretationsspielraum. Mit genau jenem Vlad, der seinem vampirischen Namensvetter Vlad Tepes in Blutdurst, aber auch in dämonischer Ausstrahlung in nichts nachsteht, verbündet sich Shane später, trinkt Bruderschaft mit ihm und bildet eine Allianz gegen die chinesischen Verbrecher. Da haben sich zwei gefunden und irgendwie hat man als Betrachter schon ein mulmiges Gefühl dabei, wie leichtfertig in den Seagal-Filmen klassische Actionhelden-Bilder dekonstruiert werden. Der Zweck heiligt wirklich jedes Mittel, aber für den Außenstehenden ist kaum noch nachvollziehbar, warum nun gerade jener Zweck es wert sein soll, dem anderen vorgezogen zu werden. Als klassischer Actionfilm lässt sich A DANGEROUS MAN gar nicht mehr rezipieren und es wird nie so ganz klar, ob das nun so sein soll oder doch eher auf nerdiges Seagalfantum aufseiten Waxmans oder auf inszenatorisches Unvermögen zurückgeht. Letzteres erscheint eher unwahrscheinlich, auch wenn es hier und da mal einen holprigen Szenenübergang oder aber natürlich die obligatorischen Seagal-Stand-ins zu beklagen gibt. Nach dem saumiesen KILL SWITCH stellt A DANGEROUS MAN zwar einen qualitativen Quantensprung dar, ganz warm geworden bin ich mit ihm dennoch nicht. Ich kann nur leider nicht genau benennen, woran das nun liegt. Wahrscheinlich eben genau daran, dass man als unbescholtener Durchschnittsbürger einfach keinen Zugang mehr zu der abgebildeten Welt und zu Shanes/Seagals Lebensphilosophie hat.

the keeper (keoni waxman, usa 2009)

Veröffentlicht: März 25, 2011 in Film
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Nachdem der Polizist Roland Sallinger (Steven Seagal) den Mordversuch seines korrupten Partners schwer verletzt überlebt und die Reha gut überstanden hat, flattert von seinem Arbeitgeber unerwartet die Pensionierung isn Haus. Doch Sallinger fühlt sich noch zu fit fürs Altenteil und deshalb nimmt er das Angebot seines alten Freundes Conner (Steph DuVall) dankend an, den Bodyguard für dessen Tochter Nikita (Liezl Carstens) zu geben, die soeben mit viel Glück einem Kidnapping-Versuch entkommen konnte …

Auch wenn THE KEEPER nach den von mir jetzt schon oft genug gelobten URBAN JUSTICE, PISTOL WHIPPED und DRIVEN TO KILL ein Stück abfällt, setzt er die in diesen Filmen deutlich erkennbare Linie dennoch erfolgreich fort. Wie man vielleicht schon der schmucklosen Inhaltsangabe entnehmen kann, ist THE KEEPER von augenfälliger Geradlinigkeit und Schnörkellosigkeit und viel mehr als an einer raffinierten Geschichte daran interessiert, seinem Hauptdarsteller ausreichend Gelegenheit zu bieten, Nasenbeine zu zertrümmern, Arme zu brechen und Brustkörbe zu durchlöchern. Die Actionszenen – mit den heute marktüblichen Postproduction-Spielereien aufgemotzt – sind allesamt sehenswert und von jener brachialen Härte, für die man einst Filme wie OUT FOR JUSTICE oder MARKED FOR DEATH so verehrte, allerdings ohne deren ins Comichafte neigenden Hang zum Splatter. Zugegeben, wenn Roland einen Schurken am Ende durch einen gezielten Fünffingerstoß die Halsschlagader öffnet, dann mag das nicht gerade als authentische Darstellung von Hand-to-Hand-Combat durchgehen, aber Waxman vermeidet es, diesen eh schon reichlich jenseitigen Einfall noch mit übermäßigem Kunstbluteinsatz zu betonen. Leider lässt THE KEEPER die Trockenheit, die in der Inszenierung der Gewalt- und Actionszenen zum Ausdruck kommt, auf erzählerischer Ebene etwas vermissen bzw. will sich nie zu 100 % zu dieser verpflichten: Waxmans Film macht teilweise einen etwas unentschlossenen Eindruck, weiß die Laufzeit von 89 Minuten nicht zu füllen, ohne dann doch auf abgegriffene Klischees zurückzugreifen, die im Kontext des Films einfach nicht überzeugend sind, oder sie mit erzählerischem Ballast anzufüllen. Die sich langsam entwickelnde Freundschaft zwischen dem Bodyguard und seinem Schützling, die in einem Film wie Tony Scotts MAN UNDER FIRE durchaus ihre dramaturgische Berechtigung hat, ist hier komplett überflüssig und sorgt lediglich für einige unangenehme Szenen Seagal’scher Altvorderen-Erotik. Und die Exposition des Films um den Verrat von Rolands Partner, seine Verwundung und die nur wenig später folgende Gelegenheit zur Rache sowie seine selbstverordnete Reha ist dafür, dass es letztlich nur darum geht, Roland als frühpensionierten Cop einzuführen, arg ausführlich geraten. Zumal solche erzählerische Schlenker später komplett abwesend sind: Den Plottwist, den man die ganze Zeit erwartet, ja, den Roland sogar selbst ankündigt, wenn er vermutet, sein Freund verschweige ihm etwas Wichtiges, stellt sich nie ein. Und was sich hinter dem Entführungsplan der Schurken verbirgt ist so unspektakulär, dass es fast wie ein Konventionsbruch anmutet. Hätte man sich dazu entschlossen, THE KEEPER nach der Maßgabe „kurz, aber heftig“ als fettfreien 80-Minüter zu fertigen, nicht auszudenken, welche Kollateralschäden er beim Zuschauer verursacht hätte. So ist er leider nur ein ziemlich guter Actionfilm geworden, der knapp unter dem Niveau der oben genannten Masterpieces bleibt. Dass auf der DVD der Trailer von Lundgrens COMMAND PERFORMANCE enthalten ist, kann man da schon fast als Wink mit dem Zaunpfahl begreifen: Der nimmt im Schaffen des Schweden nämlich haargenau dieselbe Rolle ein.