Mit ‘Kevin Costner’ getaggte Beiträge

shadows2brun2bblack2b001frodgffdgEin Film aus der beliebten Rubrik „Leiche im Keller“: kleine schmuddelige oder schlicht blöde Horrorfilme, in denen spätere Superstars sich ihre frühen Brötchen verdienten. In diesem Film aus dem Jahr 1984, der aber aussieht und sich anfühlt wie einer von 1978, ist es Kevin Costner, der zwei völlig unwichtige Szenen hat und dabei den Eindruck macht, er habe alle seine Dialogzeilen spontan erdacht. Er wird in den Credits separat genannt, wahrscheinlich weil er zu diesem Zeitpunkt der Bekannteste aus der Besetzungsliste war, und startete dann mit seinem nächsten Film FANDANGO richtig durch. Ob er gern über diesen kleinen Schlocker spricht, weiß ich nicht, wage es aber zu bezweifeln.

Es handelt sich bei SHADOWS RUN BLACK um einen Film, der damals vielleicht im Zuge des Slasherbooms den ein oder anderen dazu veranlasste, ein Kinoticket zu lösen. Wer aber auf der Suche nach neuen Inspirationen für eigene Latex- und Kunstblutkreationen war, wurde bitterlich enttäuscht. Mehr als ein neumodischer Metzelfilm mit ausufernden Mordsequenzen und einen miesepetrigen Maskenmann ist SHADOWS RUN BLACK ein unbeholfen erzählter, weitestgehend ohne Schauwerte auskommender kleiner Thriller. Man fühlt sich an Hunderte billig produzierter Schwarten aus den Seventies erinnert, die mit dem Versprechen von viel Sex & Crime in die Autokinos lockten, auf den saftigen Titel und das geile Posterartwork aber nicht mehr viel drauflegen konnten. Aber irgendwie ist Heards Film in seiner schmucklosen Unbeholfenheit auch wieder ganz süß: ein krasser Anachronismus zwischen den neonbunten Effektfeuerwerken, die damals populär wurden.

Die Geschichte um einen Studentinnenmörder, der von der Polizei „the black angel“ tituliert wird, ist ohne Drive und Spannung erzählt, geht aber trotzdem recht schnell vorüber, weil halt immer irgendwas Idiotisches passiert. Da lässt sich ein Mädel von ihrem Schlapphut tragenden Freund erst durch den Wald hetzen (die immer mit ihre rape fantasies) und anschließend in seinem Wagen durchorgeln, bevor er sich bei einsetzender Nacht daran macht, das Auto zu reparieren. Auf einer Geburtstagsparty begeistert danach ein schwarzer Zauberkünstler die handvoll anwesender Gestalten – der Geräuschkulisse aus dem Off nach könnte man meinen, man befände sich im Madison Square Garden – minutenlang mit völlig banalen Tricks, während sich ein weiteres Opfer davonstiehlt um im Pool ein Nacktbad zu nehmen. Die Portagonistin des Films, die von einem obszönen Anrufer belästigt wird, bekommt von ihrem Freund gesagt, sie solle sich keine Sorgen  machen, das sei bestimmt nur einer dieser obszönen Anrufer. Er ist nicht nur offensichtlich dumm, sondern auch noch Afroamerikaner, weshalb ihr Stiefvater ihn brutal zusammenschlägt. Nicht weiter tragisch, man redet drüber, der Freund wird kurzerhand dazu gebeten, sich um des lieben Frieden willens wegen bei seinem Peiniger zu entschuldigen. Das ist gelebtes Christentum. Apropos Christentum, irgendwann stellt sich ein Pfaffe beim ermittelnden Polizeibeamten vor, um Hinweise in der Mordsache zu geben. Nach ellenlangem belanglosem Dialog gesteht er dann aber, selbst der Killer zu sein. Er wird abgeführt,  ein durchgeknallter Trittbrettfahrer, das war’s, die ganze sinnlose Szene hatte keinen weiteren Sinn. Das trifft dann auch auf die Auflösung zu: Wie immer ist am Ende einfach der der Mörder, der bislang nie in Frage kam und noch lebt. Kevin ist zu diesem Zeitpunkt schon lang wieder raus.

Man-of-steel-Kann sich noch irgendjemand wirklich an SUPERMAN RETURNS erinnern, Bryan Singers Versuch, dem wohl berühmtesten Comic-Superhelden der Welt nach fast 20 Jahren Leinwand-Abstinenz zu einem Comeback zu verhelfen? Und zwar „Erinnern“ nicht bloß im einfachsten Sinne als Wissen um seine Existenz verstanden, sondern als zurückbehaltener, halbwegs lebendiger Eindruck von Bildern und Handlung, seinem „Wesen“? Ich auch nicht.

Ich prognostiziere, dass das mit Zack Snyders Film anders sein wird. Wahrscheinlich wird auch er nichts daran ändern, dass man Superman auf ewig mit Christopher Reeve verbindet – das hat etwas mit der Zeit zu tun, in der Donners und Snyders Filme jeweils entstanden; aber doch hat Snyder es geschafft, der von vielen als überkommen empfundenen Figur neue Facetten abzugewinnen und einen sehr eigenständigen Superheldenfilm vorzulegen, etwas, das Singer eben nicht gelang. Dennoch ist MAN OF STEEL nicht rundum beglückend. Es ist wie so oft, wenn Snyder einen neuen Film vorlegt: Meist eilen ihm seine Ambitionen hoffnungslos davon, kann er mit dem Tempo, das er selbst vorgegeben hat, nicht mithalten. So verkommt auch MAN OF STEEL im letzten Drittel zur zwar durchweg beeindruckend anzusehenden, aber auch ungemein ermüdenden Materialschlacht und Dauerbalgerei. Man verzeiht ihm das, weil die erste Stunde wahrhaft zum Niederknien schön ist.

Snyders MAN OF STEEL ist ein unglaublich trauriger Film. Die Fähigkeiten des Außerirdischen Kal-El (Henry Cavill), der zunächst als einziger Überlebender seines Heimatplaneten von seinen Eltern auf die Erde geschickt wurde, machen ihn nicht zum strahlenden Helden, sondern vor allem eins: einsam. Was seine Aufgabe sein soll, warum er auf der Erde landete, das gilt es erst herausfinden. Bis dahin muss ihm klar sein, dass er von den Menschen vor allem als Gefahr empfunden werden wird. Wie ein Flüchtling zieht er durch Amerika, dazu befähigt, Großes zu tun, aber eben angeraten, es zu unterlassen. Den Tod seines Vaters (Kevin Costner) sieht er hilflos mit an: Ihn zu retten bedeutete, sein Geheimnis zu offenbaren. Snyder lädt nicht mehr nur dazu ein, die Geschichte von Superman – dieser Name wird keine einziges Mal verwendet – als Jesus-Allegorie zu lesen, er inszeniert sie ganz offensiv als solche. Als den Menschen große Gefahr durch General Zod (Michael Shannon) droht, einen Verbrecher aus Clarks Heimat, der die Erde mit seiner Hilfe in einen neuen Planeten Krypton verwandeln will, sucht Superman einen Priester auf. Er kann Zod nicht trauen, aber den Menschen bislang genauso wenig. „Sometimes you have to take a leap of faith first. The trust part comes later.“, sagt der Priester. Die mit dieser Anlage einhergehende Mythologisierung verleiht dem Film eine Epik, die im Superheldenfilm bislang ihresgleichen sucht. Seine Bilder wirken wie Heiligenbilder, wie direkt aus dem kollektiven Bewusstsein der Menschheit telegrafiert. Snyders Erzählung, die sich in der ersten Hälfte des Films als Collage aus Szenen ohne echtes Zentrum darstellt, unterstreicht diesen Charakter: Die Geschichte von Superman ist schon tausendmal erzählt worden und diese Version ist nur eine von vielen möglichen. Aber es ist die Version, die alle anderen um sich vereint. Clarks Ziehvater sagt einmal, dass die Existenz seines außerirdischen Adoptivsohns alles verändere: wie die Menschen über sich selbst und ihre Rolle im Universum nachdenken. Snyders Film ist auch deshalb so schwer und massiv, weil er sich diese Fragen selbst stellt. Seine heiße Kälte rührt von der Ungewissheit, ob wir diesen Messias wirklich verdienen.

Navy-Pilot Jay Cochran (Kevin Costner) verabschiedet sich nach zwölf Jahren von seinem Arbeitgeber und fährt nach Mexiko, um die neue Freiheit zu genießen und seinen väterlichen Freund, den Gangsterboss Tiburon Mendez (Anthony Quinn), zu besuchen. Bei diesem angekommen, verfällt Jay dessen junger und hochattraktiver Ehefrau Miryea (Madelein Stowe) mit Haut und Haaren – und diese erwidert seine Gefühle. Mit ihrer Affäre begeben sich beide zwar in Lebensgefahr, doch raubt ihnen die Leidenschaft jeden Sinn für die Vernunft. Es kommt, wie es kommen muss: Mendez erfährt von dem Verrat und rächt sich brutal: Jay landet halb tot geprügelt in der Wüste und Miryea entstellt in einem Bordell, wo sie zudem drogenabhängig gemacht wird. Als Jay überlebt, sinnt er seinerseits auf Rache …

REVENGE basiert auf einem seinerzeit sehr gefragten Drehbuch, das von Jim Harrison nach seinem eigenen Romans verfasst worden war. Hollywood-Veteran Ray Stark fungierte als Produzent und holte schließlich Tony Scott an Bord, nachdem zuvor etwa John Huston Interesse an dem Stoff bekundet hatte. Scott fühlte sich dem Stoff seinerseits persönlich sehr verbunden, hatte jedoch von Anfang an damit zu kämpfen, seine „Vision“ gegen Stark durchzusetzen: Scott schwebte eine sehr düstere Umsetzung vor, die besonders das Triebhafte im Handeln seiner Protagonisten akzentuieren sollte, während Stark – eher ein konservativer Typ – genau damit Probleme hatte und eine zurückhaltendere Darstellung wünschte. Das Ergebnis war ein 130-minütiger Film, den Scott als zu langsam und geschwätzig empfand, und so gern die Gelegenheit ergriff, einen Director’s Cut zu erstellen, der REVENGE von überflüssigem Ballast befreien sollte und letztlich satte 30 Minuten kürzer ausfiel als die Kinofassung. Ich kenne besagte ursprüngliche Fassung nicht, aber dass der Film in seiner neuem Gewand überaus homogen und schlüssig ausfällt, spricht für Scotts Meinung.

REVENGE ist tatsächlich ein sehr körperlicher Film, nicht zuletzt dank Scotts formidablen visuellen Gespürs, mit dessen Hilfe er die inneren Verwerfungen seiner Charaktere in griffige (und überaus schön anzusehende) Bilder übersetzt. Jays Reise nach Mexiko ist auch eine seelische Reise, die ihn in Rauschzustände versetzt und jegliche Kontrolle verlieren lässt: Seine Liebesbeziehung zu Miryea verläuft schnell, heftig und zügellos, wird jedoch in Scotts Inszenierung nicht auf die nackte Fleischeslust reduziert (obwohl die entsprechenden Szenen erstaunlich explizit geraten sind), sondern zu einer schicksalhaften Liebe stilisiert. Gleiches gilt für die Gewalt, die hier (fast) immer dann einsetzt, wenn die Ratio versagt und die Handelnden hilflos ihren eigenen Trieben überlässt. Doch es ist erstaunlich, welchen Verlauf die Rache Jays nimmt: REVENGE endet nicht mit einem blutigen Rachefeldzug, an dessen Ende nur noch einer steht, sondern auf einer eher introvertierten Note: Am Ende gibt es zwar zwei große Verlierer, aber wenigstens ist es ihnen in letzter Sekunde noch gelungen, ihre Menschlichkeit zu retten. Es ist auch dieses Ende, das REVENGE von anderen Rachefilmen abhebt und mit dem Scott der schnöden Konvention eine deutliche Absage erteilt. Aber das ist noch nicht alles, was für Scotts Film spricht: Trotz der hitzigen Grundstimmung, die den Film beständig am Siedepunklt vor sich hin simmern lässt, hat REVENGE auch seine kontemplativen Momente: Es geht nicht nur um den Kontrollverlust seiner Hauptfiguren und den Preis, den sie dafür bezhalen müssen, sondern auch um die Irrungen und Wirrungen des Lebens generell; und darum, wie man angesichts dieser Irrungen Mensch bleibt. Es gibt einen schönen Subplot in REVENGE, der das besser als alles andere verdeutlicht, einen, der sehr unvermittelt anhebt und ebenso plötzlich wieder abbricht, ohne dass ihm eine größere Bedeutung für den Verlauf der Rachegeschichte zukommen würde: Nach seiner Genesung – Jay wurde von einem hilfsbereiten mexikanischen Farmer gesund gepflegt – hilft er einem texanischen Cowboy (James Gammon), der von seinem Pferd zu Boden getreten wurde. Die beiden Männer fühlen sich in der Fremde sofort verbunden und trinken ein Bier zusammen, als Jay einen seiner Peiniger erkennt, ihn aufs Klo verfolgt und umbringt. Der Cowboy ahnt, was vorgefallen ist, doch schweigt er und begleitet Jay weiter. Sie reisen zusammen und Jay versucht, dem offensichtlich lungenkranken Mann beim Verkauf des Pferdes behilflich zu sein. Doch schließlich verstirbt der neben ihm schlafend auf dem Autositz  und Jay bleibt nichts anderes mehr zu tun, als ihn zu begraben. Mit diesem Exkurs und der Einführung einiger weiterer Nebenfiguren (u. a. Miguel Ferrer und John Leguizamo), die in ihren wenige Dialogzeilen erahnen lassen, welches Schicksal sie in Jays Leben geführt hat, erweitert Scott den Fokus seines Films, öffnet den Blick für eine Welt jenseits seiner drei Protagonisten, die den Nukleus von REVENGE bilden. Er wendet sich damit von deren Blindheit ab und rückt ihre Probleme, die für sie alles andere zu überragen scheinen, in die richtige Perspektive. Damit ist REVENGE einer der wenigen Filme, die das Rachemotiv tatsächlich transzendieren, das Bedürfnis nach Rache zwar plausibel machen, gleichzeitig aber zeigen, wie es alles zerstört, den Rächenden selbst eingeschlossen. Möglicherweise klingt das alles sehr corny, weil man REVENGE – wie eigentlich alles Filme von Tony Scott – vor allem selbst sehen muss. Ich rate hiermit jedem dazu.