Mit ‘Kevin Hart’ getaggte Beiträge

ride-along-movie-poster-kevin-hart-ice-cubeGestern war ich müde und wollte deshalb was Egales, aber Amüsantes gucken. Diese Komödie, derzeit für Nüsse auf Amazon Prime zu begutachten (und nach einigen Anlaufschwierigkeiten sogar im O-Ton), schien mir die richtige Wahl. Ich finde Kevin Hart, der aufgrund seiner geringen Körpergröße auf den etwas ängstlichen, weibischen Afroamerikaner mit losem Mundwerk festgelegt ist, bei Stand-up- und Filmauftritten wie in GET HARD sehr lustig und in Kombination mit badass Ice Cube schien das für den ein oder anderen Lacher gut zu sein. Leider ein Trugschluss: Das Drehbuch ist einfallslos, Ice Cube agiert auf Autopilot und Tim Story (die beiden FANTASTIC FOUR-Filme) inszeniert wieder einmal, als wolle er niemanden zu sehr aufregen.

Die Prämisse erinnert etwas an TRAINING DAY in dumm (was schon was heißt): Ben Barber (Kevin Hart), ein zukünftiger Polizeischüler, ist mit Angela (Tika Sumpter) liiert, der Schwester von No-Nonsense-Cop James (Ice Cube). Der hält Ben für einen Waschlappen und nichts von dessen Heiratswünschen. Um ihn loszuwerden, nimmt er ihn für einen Tag mit auf Streife, sicher, dass der danach das Weite sucht. Als Ben nach einigen demütigenden Erlebnissen aber herausfindet, dass James die Fälle eigens für ihn getürkt hat, ist sein Ehrgeiz geweckt …

Aus dieser Prämisse hätte man wenn auch kein Komödienhighlight, so doch ganz gewiss einen kurzweiligen Spaß mit dem ein oder anderen guten Gag machen können. Leider ist nicht einmal das gelungen. Es fehlen die echten Pointen, die perfekt getimeten Dialoge und überhaupt Spezifika in den Figurenzeichnungen: Ice Cube ist ein tough guy, Kevin Hart ein gutmütiger Angsthase, dabei bleibt es, daraus macht der Film gar nichts. Dass RIDE ALONG handlungstechnisch nicht über schematisches Malen-nach-Zahlen hinauskommt (dank Storys Inszenierung besonders steif), hatte ich nicht wirklich anders erwartet. Was mich aber ganz schön ernüchtert hat, ist die enorme Biederkeit, mit der das alles präsentiert wird. Auf ein paar saftige Flüche des einstigen N.W.A.-Frontmanns wartet man vergeblich, stattdessen mimt er den Beschützer für die eigene Schwester, die sich noch nicht einmal einen Ehemann selbst aussuchen darf. Aber wahrscheinlich ist RIDE ALONG genau mit dieser Publikumsansprache zum Hit avanciert, dessen Sequel in Kürze ins Kino kommt. Ich werde dann wohl passen.

Ich weiß nicht, wie es passieren konnte, dass GRUDGE MATCH völlig an mir vorbeiging, als er vor knapp zwei Jahren unter dem Titel ZWEI VOM ALTEN SCHLAG in den deutschen Kinos startete. Ein Film, in dem mein Lieblingsschauspieler  Sylvester Stallone in Anlehnung an seinen Rocky Balboa einen Alters-Boxkampf gegen den „Raging Bull“ De Niro schlägt, passt eigentlich nahezu perfekt in mein Beuteschema. Möglicherweise lag mein Versäumnis in der eher schwachen, um nicht zu sagen verheerenden Performance begründet, die Peter Segals Komödie in den USA ablieferte. GRUDGE MATCH kam hier ohne große Fanfaren ins Kino und verschwand ebenso lautlos wieder. Die Zeiten, in denen ein neuer Film mit Stallone oder De Niro ein Event war, ein gemeinsamer gar zum popkulturellen Event erklärt worden wäre, sind schon lange vorbei. Der einstige King of Action hat mit den irgendwie egalen drei EXPENDABLESFilmen sein Auskommen gefunden, der andere seinen Ruf als bester Schauspieler aller Zeiten durch die Teilnahme in nichtswürdigen Vehikeln fast vollständig ruiniert. Nun muss man sagen, dass Segals Film keine großen Ambitionen verkörpert: GRUDGE MATCH ist eine dramaturgisch formelhaft ablaufende Komödie, die mit punktgenau gesetzten Sentimentalitäten aufs Herz abzielt, dabei aber eben – und das macht den Unterschied – meist die richtigen Töne trifft. Der Ausgang ist vorhersehbar und große Überraschungen sollte man nicht erwarten. Aber GRUDGE MATCH verlässt sich auch nicht ausschließlich auf die Namen seiner beiden Hauptdarsteller oder auf den USP, sie beide zusammengebracht zu haben. Ich würde sogar so weit gehen zu sagen, dass beide hier ihre beste Darbietung seit Jahren abliefern und in ihren gemeinsamen Szenen eine unschlagbare Chemie an den Tag legen. Stallone beherrscht den zurückgezogenen, wortkargen und einfach gestrickten Loner mittlerweile aus dem FF und das Resultat, wenn man diesen Typen auf die großmäulige Giftspritze De Niro treffen lässt, ist große Comedy, bei der auch die Details stimmen. Das Unbehagen, das Stallones Henry „The Razor“ Sharp in Gegenwart des alten Erzfeindes Billy „The Kid“ McDonnen verspürt, sieht man etwa darin, wie er diesem immer leicht den Rücken zudreht.

Worum geht es? Für die beiden ehemaligen Boxweltmeister und Rivalen eröffnet sich die Gelegenheit zu einem damals überraschend abgeblasenen Rematch, als eine Keilerei zwischen den gealterten Kontrahenten zur Internetsensation wird. Dante Slate jr. (Kevin Hart), Sohn des einstigen Managers der beiden, wittert die Chance auf das große Geld und beginnt, die Werbetrommel zu rühren. Je mehr Auftritte die beiden knurrigen Typen zusammen absolvieren, umso größer wird das Interesse, bis die beiden sich schließlich in einer ausverkauften Halle beweisen, dass sie längst noch nichts verlernt haben. Nebenher werden alte Beziehungen neu geknüpft, Fehler ausgeräumt und Lehren gezogen, wie das in solchen Filmen immer ist: Henry verzeiht seiner alten Flamme Sally (Kim Basinger), dass sie ihn einst ausgerechnet mit Billy betrog, Billy wiederum lernt seinen Sohn B. J. (Jon Bernthal) kennen, heuert ihn als Trainer an und lernt es, Verantwortung als Vater und Großvater zu übernehmen. Das ist alles sehr safe und familientauglich, selbst wenn die Gags mal unter die Gürtellinie zielen, was meist aufs Konto De Niros geht, aber eben sauber gemacht und mit dem Herzen am rechten Fleck. Peter Segal, von dem u. a. auch die tollen Sandler-Filme ANGER MANAGEMENT und 50 FIRST DATES sind, meistert sowohl die komischen als auch die sentimentalen und spannenden Momente, liegt eigentlich nur zu Beginn daneben, als sich in einer Fernsehdokumentation die mit CGI verjüngten Protagonisten balgen und man sich plötzlich in einem Videospiel wähnt. Das sieht dann eher hässlich und grotesk aus.

Ich mochte GRUDGE MATCH jedenfalls weitaus mehr, als er das seiner Anlage nach vielleicht verdient hat und habe es durchaus genossen, mich mal wieder so richtig von Hollywood manipulieren zu lassen, Tränchen im Knopfloch inklusive.

get hard (etan coen, usa 2015)

Veröffentlicht: Oktober 17, 2015 in Film
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Das „Frat-Pack“, eine Clique befreundeter Schauspieler und Komiker – im Wesentlichen Ben Stiller, Will Ferrell, Owen und Luke Wilson sowie Vince Vaughn -, die ihren Namen den Teeniehelden vom „Brat-Pack“ der Achtzigerjahre verdankten, warfen in den frühen bis mittleren 2000ern eine grandiose Gaga-Komödie nach der anderen auf den Markt. Der einsame Star der Truppe war Will Ferrell, ein Absolvent der erprobten SNL-Schule, den auch ich sehr in mein Herz schloss, egal wie klein seine Auftritte in Filmen wie ZOOLANDER oder STARSKY & HUTCH auch waren. Ferrell gewann vor allem mit seinen unorthodoxen Dialog-Improvisationen sowie mit der immer etwas steifen Art, in der er sie intonierte und seinen irgendwie wurstigen Körper bewegte, und stahl damit den eigentlichen Stars regelmäßig die Show. Als er dann selbst zum leading man wurde, etablierte er als seine Persona sehr überzeugend den Kindmann, einen im arrested development befindlichen Enddreißiger, der mit dem normalen Leben zwar auf Kriegsfuß steht, aber sich davon in seinem männlichen Omnipotenzwahn nicht aus der Ruhe bringen lässt. Im Grunde genommen ein grellerer Chevy Chase at his least suave. Seine schönste Rolle war gewiss der chauvinistische News Anchor Ron Burgundy in ANCHORMAN: THE LEGEND OF RON BURGUNDY, ein aufgeblasener, dabei unfassbar dummer buffoon, dessen Weltbild zusammenbricht, als ausgerechnet eine Frau ihm den Rang abläuft. Will Ferrell reizte die Möglichkeiten seiner Persona weidlich aus, bis sich die Masche zwangsläufig irgendwann abgenutzt hatte. Alles, was nach STEP BROTHERS kam, war bestenfalls nett – siehe LAND OF THE LOST, CASA DE MI PADRE, THE CAMPAIGN oder ANCHORMAN 2: THE LEGEND CONTINUES.

In GET HARD erfindet sich Ferrell glücklicherweise nicht neu, aber endlich einmal wieder übersetzt sich die Prämisse seines Films in ein rundum befriedigendes Ganzes. Es bietet seinem Star nicht nur ausreichend Gelegenheit, seine Trademarks einzusetzen, und Situationen, die mit spitzer Feder nur daraufhin konzipiert wurden, ihn am Ende in lustige Klamotten zu stecken, groteske Verletzungen oder sonstige Demütigungen durchleiden zu lassen, sondern auch eine Story, die etwas mehr als das ist (ohne dabei so anstrengend naiv zu sein wie THE CAMPAIGN mit seiner Politkritik für 16-Jährige). Es geht um den alltäglichen Rassismus in den USA und die gleichzeitige Faszination der weißen Mittelklasse for all things black. Ferrell ist der erfolgreiche Börsenspekulant und Investmentbanker James King, der Opfer einer Intrige wird und sich plötzlich einer zehnjährigen Haftstrafe in einem Hochsicherheitsgefängnis gegenübersieht. Was tut man, wenn man plötzlich um sein Leben fürchtet und daher dringend Nachhilfe in Sachen Knastalltag benötigt? Richtig, man fragt einen Schwarzen, weil die schließlich allesamt über einschlägige Erfahrung verfügen. Der einzige Afroamerikaner, den King kennt, ist aber Darnell Lewis (Kevin Hart), verschuldeter Besitzer einer Autowaschanlage, der die gebotene Finanzspritze zwar gut gebrauchen kann, aber leider so harmlos ist wie ein Küken und demzufolge auch nie im Gefängnis war. Trotzdem willigt er ein, baut Kings Haus zu einem Knast um und leitet dessen Angestellten dazu an, ihm als „Wärter“ tatkräftig zur Hand zu gehen – was diese sich natürlich nicht nehmen lassen. Nach anfänglichen Schwierigkeiten macht King Fortschritte und fühlt sich gewappnet: Doch natürlich ist das alles nur Illusion und die einzige Chance, ihn zu retten, ist es den Drahtzieher hinter der Intrige ausfindig zu machen.

Regiedebütant Etan Coen holt aus dieser Prämisse alles raus, was rauszuholen ist, gibt Ferrell, wie schon erwähnt, etliche Gelegenheiten, sein Genie zu zeigen, und ist sich nicht zu schade, sich auf dessen Improvisationstalent zu verlassen. Es sind im Wesentlichen die Sprüche, die er am laufenden Band reißt – eine längere Sequenz, in der King das Fluchen lernt, ist der Höhepunkt des Films -, oder die Grimassen, die er zieht – als er etwa sein „Mad Dog Face“ zeigen soll oder wenigstens den Oralverkehr lernen soll, der ihm aller Wahrscheinlichkeit nach bevorsteht -, auf die es hier ankommt. Kevin Hart tut gut daran, ihm gegenüber einfach den straight man zu geben und hat die Sympathien mit dem Enthusiasmus und der Verzweiflung, die er als Darnell an den Tag legt, auf seiner Seite. Aber hinter der angemessen bescheuerten Idee steckt eben auch die Geschichte über den Afroamerikaner, der auf die Rolle des Gangsters festgelegt wird und diese bereitwillig annimmt, um sein gesellschaftiches Fortkommen zu sichern. Als Schwarzer ist man eben ein potenzieller Verbrecher, und wenn man über das einschlägige Wissen entgegen aller Erwartungen nicht verfügt, ist man paradoxerweise auch nur noch halb so viel wert. Andersrum gefällt sich King bald in seinem „schwarzen“ Gehabe, schwadroniert über Hip-Hop („I think I know who killed Tupac.“), schließt sich einer Gang an, reißt mit seinem von Lil Wayne adaptierten Style die twerkende Shonda auf und bringt den „Homies“ nebenher noch bei, wie man das beim Dealen gemachte Geld wäscht und vermehrt. GET HARD erzählt vielleicht mehr über das Spannungsverhältnis zwischen Weiß und Schwarz als ein Film wie 12 YEARS A SLAVE, der sich über die eigene Verwicklung im „Verblendungszusammenhang“ gar nicht im Klaren ist. Mehr kann eine Komödie kaum leisten. Welcome back, Will Ferrell!