Mit ‘Kiefer Sutherland’ getaggte Beiträge

11168030_oriVielleicht bin nur ich es, aber ich bin immer wieder erstaunt, wie gern ich zu diesem Film zurückkehre. Ich zähle THE LOST BOYS nicht zu meinen absoluten Lieblingsfilmen und meine autobiografische Verbindung zu ihm besteht auch nicht etwa in einem heimlichen Kinobesuch mit 11, sondern lediglich darin, damals zur Kompensation den „Roman zum Film“ gelesen zu haben. THE LOST BOYS ist auch nicht wahnsinnig spektakulär, man könnte ihm sogar vorwerfen, das Potenzial seiner verlockenden Prämisse – jugendliche Vampire lassen es krachen – nicht annähernd auszuschöpfen, aber vielleicht ist gerade das der Schlüssel zu seinem anhaltenden Erfolg: Schumachers Film bietet ebenso viele Reize für das geneigte Rezpientenhirn wie Freiraum für die eigene Fantasie, ist geradezu vollgestopft mit Charakteren, visuellen Einfällen und Sounds, und macht in dieser Überfülle einfach gute Laune. Wenn die knapp 100 Minuten rum sind, ist man mitnichten satt, vielmehr würde man gern noch mehr sehen – oder besser noch: Selbst raus auf die Straßen, hinein ins Getümmel, in den Tanzschuppen, die Bar, an den Strand oder auf die Flaniermeile, dahin, wo das Leben wartet und mit seinen vielfältigen Verheißungen lockt.

Wahrscheinlich muss man in den Achtzigerjahren aufgewachsen sein, um THE LOST BOYS so richtig geil zu finden, denn wenn man ehrlich ist, müssen einige seiner zeitgenössischen Details auf den Spätgeborenen ziemlich lachhaft wirken: Der AOR-Soundtrack bietet die volle Eighties-Breitseite aus hallendem Monsterschlagzeug, Kinderchören, fehlgeleiteten Coverversionen und „Cry, little sister“-Textzeilen (die Band, die zu Beginn auftritt, konnte sich nur ein zugekokster Hollywood-Exec ausdenken), die zur Schau getragene Mode ist schlicht mindblowing, die mit ihrem erstrebenswerten Lifestyle als cool und edgy apostrophierten Kids um David (Kiefer Sutherland) sind im Grunde genommen ziemliche Deppen (und dazu noch Fashion Victims vor dem Herrn), die damalige Popularität der beiden Coreys nur noch schwer vermittelbar. Schumacher, der eine ganze Karriere aus solchen zeitgeistigen Vehikeln gemacht hat, strebt mit THE LOST BOYS keine Dauerhaftigkeit oder gar Nachhaltigkeit an und fängt das thematisierte jugendliche Lebensgefühl gerade deshalb so perfekt ein. Sein Film ist in einem Mindset verortet, in dem der Alltag nur der Vorlauf für die nächste Party ist, jede Nacht voller Möglichkeiten steckt, die Zukunft noch weit, weit weg ist und man sich jeden Tag neu erfinden darf.

Corey Haims Sam schlendert demnach mit seinem bodenlangen Karomantel durch Santa Carla, als sei er Hugh Hefner, was ihn jedoch nicht daran hindert, an der Kinderzimmerwand ein Poster von Rob Lowe at his gayest hängen zu haben. Sein Bruder Michael (Jason Patric) fällt auf die coole Gang herein, weil er die schöne Star (Jami Gertz in Zigeunermode) beeindrucken will und wird so zum Vampir (mit neuem Ohrring), die Frog Brothers (Corey Feldman und Jamison Newlander) inszenieren sich hingegen als allwissende scholars in Vampirkunde, allzeit bereite Wächter ihrer Heimatstadt und Westentaschenrambos, während ihre Hippieeltern bekifft in der Ecke liegen. THE LOST BOYS handelt auch von der ersten Generation nach ’68, die dabei ist, ihren eigenen Weg zu finden. Flower Power ist passé, Hedonismus ist der heißeste Scheiß, möglicherweise aber auch mit einigen unvorhergesehenen Problemen behaftet.

Ich hatte relativ große Hoffnungen in den Film gesetzt, doch leider ist Paul W. S. Andersons großes Pop-Art-Talent hier verschenkt. POMPEII bietet über zwei Drittel seiner Laufzeit aus zahlreichen Versatzstücken zusammengesetztes, daher vorhersehbares und zudem unangemessen überernstes Gladiatoren-Drama und im letzten Drittel dann einen Effektoverkill, der Roland Emmerich gut zu Gesicht gestanden hätte. Natürlich bietet Anderson dank tatkräftiger Unterstützung der Überstunden keulender Effektleute reichlich Eye Candy, weiß die erdige Farbpalette ebenso gut zu nutzen wie die zahlreichen Bird’s Eye Views, die die Chancenlosigkeit der Menschen und die Schicksalhaftigkeit der Ereignisse betonen, aber gegen das einfallslose Drehbuch hat er letztlich keine Chance. Man muss es so deutlich sagen: Ein Vulkanausbruch, so spektakulär er auch ist, bietet keinen Stoff für einen 100-minütigen Film. Doch das, womit die Laufzeit hier notgedrungen aufgefüllt wird, kann seine Alibihaftigkeit zu keiner Sekunde verbergen.

POMPEII erzählt die Geschichte des Kelten Milo (Kit Harington), der als Kind mitansehen musste, wie seine Eltern von den einfallenden Römern abgeschlachtet wurden. Man ist bei Gedanken noch bei CONAN THE BARBARIAN, da wird Milo von seinen neuen Herren schon zum Gladiatoren ausgebildet, der mit seinen unvergleichlichen Talenten im entfernten Londrinum aber hoffnungslos verschenkt ist und deshalb nach Pompeii transferiert wird. Dort angekommen, beginnt der SPARTACUS-Rip-off: Milo findet nicht nur den Mörder seiner Eltern wieder, sondern lernt auch den Gladiator Atticus (Adewale Akinnuoye-Agbaje) kennen, freundet sich trotz – oder wegen – anfänglicher Rivalität schließlich mit ihm an und beginnt die Mini-Revolte gegen die Sklavenhalter, die dann im entscheidenden Moment vom Ausbruch des Vesuv unterbunden wird. In dieses nur wenig originelle Szenario spielt noch die Liebesgeschichte zwischen Milo und Cassia (Emily Browning), der Tochter eines reichen römischen Geschäftsmanns hinein, auf die ausgerechnet der schurkische römische Senator Corvus (Kiefer Sutherland) Ansprüche erhebt. Und weil man damit längst noch nicht alle Klischees verbraten hat, verkennen die geldgeilen Römer auch noch die sich durch heftige Vorbeben und plötzlich im Gemäuer auftretende Risse abzeichnende Gefahr. Das alles wird mundgerecht dargeboten und kommt wenigstens einigermaßen schwungvoll über die Rampe, dennoch kann man nicht verhehlen, dass POMPEII jederzeit redundantes Filmemachen nach Zahlen ist.

Bilder auf Pompeii niedergehender Feuerbälle, einstürzender Häuser, sich im Erdboden auftuender Schluchten und plötzlich wegbrechender Küsten und einer sich zu allem Überfluss noch anschließender Flutwelle, die nur der Vorbote der finalen Feuersbrunst ist, wirken wie eine Befreiung und dass Anderson die Eier hat, inmitten dieser Apokalypse noch den unausweichlichen Zweikampf zwischen Milo und Corvus anzusiedeln, ohne dass der Film hoffnungslos auseinanderbricht, zeugt durchaus von seinem inszenatorischen Geschick. Auch die zentnerschwere Tragik, mit der er die zentrale Romanze beendet, nötigt Respekt ab – wenn sie auch ins Leere läuft, da die Fuguren über den Status von Pappkameraden nie hinauswachsen dürfen. Aber den Humor und die bilderstürmerische Originalität, mit der er einem ähnlich gut abgehangenen Stoff wie THE THREE MUSKETEERS neues Leben einhauchte, sucht man hier vergebens, vom Avantgardismus eines RESIDENT EVIL: AFTERLIFE oder RESIDENT EVIL: RETRIBUTION ganz zu schweigen. Zum Glück zeichnet sich am Horizont ein RESIDENT EVIL: THE FINAL CHAPTER ab.

Ca$h (Frankreich 2008 )
Regie: Eric Besnard

Der Trickbetrüger Cash (Jean Dujardin) arbeitet an seinem nächsten Coup: Kaum hat er Garance (Alice Taglioni), die schöne Tochter des reichen Kunstsammlers Maxime (Jean Reno), mit seinem Charme erobert, da macht er einen Rückzieher. Dies ärgert die Polizistin Julia (Valeria Golino), die Cash seit geraumer Zeit auf den Fersen ist. Als die beiden sich begegnen, macht der Ganove ihr einen Vorschlag, den sie nicht ablehnen kann: Er will sie an seinem nächsten Projekt beteiligen. Oder führt er sie nur an der Nase herum?

CA$H, ein beschwingter Caper-Movie in der Tradition der OCEAN’S ELEVEN-Filme, erfindet das Rad nicht neu, bietet aber Entertainment auf hohem Niveau. Die Akteure, allen voran Dujardin, haben sichtlich Spaß an dem Possenspiel, das bis zum Ende spannend bleibt. Neben den für diese Filme typischen Minidiskursen über Wahrheit und Täuschung, Vertrauen und Lüge gibt es auch die formalen Kniffe, die man in diesem Genre erwarten darf. Filigraner Splitscreen-Einsatz lässt noch einmal THE THOMAS CROWN AFFAIR Revue passieren, die erlesenen Schauplätze wecken Erinnerungen an Filme wie Hitchcocks TO CATCH A THIEF, die PINK PANTHER-Reihe und ähnliche. CA$H enthält somit all das, was man sich im Vorfeld von ihm erhofft hat. Das nenne ich Dienst am Zuschauer.


Mad Detective (Hongkong 2007)
Regie: Johnny To/Wai Ka Fai

Der Polizist Bun (Lau Ching Wan) ist bekannt für seine schrägen, aber erfolgreichen Methoden. Um einen Mörder zu finden, lässt er sich schon einmal in einem Koffer die Treppe hinunterschmeißen. Als er sich zur Verabschiedung seines Vorgesetzten ein Ohr abschneidet, ist der Bogen aber überspannt und Bun wird entlassen. Doch als Inspektor On (Andy On) Hilfe in einem rätselhaften Mordfall braucht, ist Bun wieder zur Stelle. Mit seinen übersinnlichen Fähigkeiten – er kann die inneren Persönlichkeiten von Menschen sehen und sich in sie hineinversetzen – soll er den Fall lösen …

MAD DETECTIVE hat ein paar nette Einfälle und sieht, wie man das von einem Johnny-To-Film gewohnt ist, absolut fantastisch aus. Leider hat man es hier aber nicht mit einem zweiten PTU oder EXILED zu tun, sondern mit einem Werk, das der Workaholic To anscheinend mal so zwischendurch gedreht hat, um sein Pensum zu erfüllen. MAD DETECTIVE ist ein nur wenig ernst zu nehmender Spaßfilm, dessen zentrale Idee leider nicht genug ausgearbeitet wurde und somit letzten Endes verpufft. Die lustigen Einfälle neutralisieren sich in der labyrinthischen Narration und am Schluss fragt man sich, wofür der Aufwand denn nun eigentlich betrieben wurde. MAD DETECTIVE ist keineswegs schlecht, bietet zudem ein längst überfälliges Wiedersehen mit Lau Ching Wan und To-Stammkraft Lam Suet. Letztlich fehlt ihm aber das, was alle anderen To-Filme im Überfluss aufweisen: Substanz. Dass derzeit keiner besser Schießereien inszenieren kann als er, wird aber auch hier wieder evident.

The Warlords (Hongkong/China 2007)
Regie: Peter Chan/Wai Man Yip

China im 19. Jahrhundert: Der Soldat Ma (Jet Li) muss miterleben, wie seine gesamte Armee vom Feind niedergemetzelt wird. Als er auf die Banditen um Er-Hu (Andy Lau) und Zhang (Takeshi Kaneshiro) trifft und sich ihren Respekt erkämpft, macht er ihnen einen Vorschlag: Gemeinsam sollen sie sich der Armee anschließen, um so Reichtum und andere Länder zu erobern. Zusammen ziehen sie fortan von Kampf zu Kampf, doch auf dem Schlachtfeld wird ihre Freundschaft auf eine harte Probe gestellt …

Die historisch verbriefte Ermordung des General Ma wurde bereits von Chang Cheh unter dem Titel BLOOD BROTHERS verfilmt. THE WARLORDS unterscheidet sich aber deutlich von den naiv-bunten Werken der Shaw Brothers und ist stattdessen als großer Prestigefilm gedreht, der in jeder Einstellung „Epos!“ schreit. In den großen Kampfszenen fühlt man sich an das Monumentalkino längst vergangener Zeiten erinnert, denn statt Computerkriegern gibt es hier ein wahrhaft beeindruckendes Aufgebot an Komparsen, die dem Gemetzel zur Authentizität verhelfen. Visuell orientiert man sich dennoch an Hollywood: Statt in einen Historienfilm fühlt man sich in einen Kriegsfilm a la BLACK HAWK DOWN versetzt. Grau- und Brauntöne bestimmen das Bild, der Highspeed-Shutter qualmt förmlich, die Charaktere werden im wahrsten Sinne des Wortes durch den Schmutz gezogen. So wenig originell das auch ist: Es hilft, THE WARLORDS im Kontext des Kriegsfilms zu sehen, anstatt ihn mit asiatischen Heldenepen zu vergleichen. Wenn sich die Akteure während der Belagerung von Souzhou jahrelang in schlammigen Schützengräben verschanzen müssen, kann unser Bildgedächtnis das nur mit Kubricks PATHS OF GLORY in Verbindung bringen. Dennoch muss THE WARLORDS als Antikriegsfilm versagen: Das streckenweise im Übermaß ausgegossene Pathos passt einfach nicht zum Rest des Films, wirkt befremdlich ob der geschilderten Vorgänge. Damit und mit seiner utilitaristischen Philosophie sorgt THE WARLORDS für einiges Stirnrunzeln: Wo Zhang Yimou sich der Kritik an HERO noch entziehen konnte, bietet Peter Chan die breite Brust an. Es ist nicht ganz klar, was er mit seiner Geschichte eigentlich aussagen möchte, sein Film wirkt für europäische Augen unreflektiert und fragwürdig. Und vor diesem Hintergrund muss einem auch der betriebene Aufwand letztlich sehr verdächtig vorkommen.

Mirrors (USA/Rumänien 2008 )
Regie: Alexandre Aja

Ben Carson (Kiefer Sutherland) tut alles, um wieder ein normales Mitglied der Gesellschaft zu werden: Nachdem der Ex-Cop einen Unschuldigen erschossen hatte, wurde er suspendiert, verfiel dem Alkohol und verlor auch seine Familie, die er nun zurückzuerobern versucht. Dazu hat er einen neuen Job angenommen: Als Nachtwächter soll er ein altes, ausgebranntes Kaufhaus bewachen. Doch in den Spiegeln, die dort überall hängen, scheint sich ein böser Geist zu verstecken, der bald nicht nur Bens Leben, sondern auch das seiner Familie bedroht …

Nach dem südkoreanischen INTO THE MIRROR drehte Horrorhoffnung Aja diesen Film, der leider als Prototyp des generischen Horrorfilms ohne jeden Mehrwert angesehen werden muss. Es ist die Schlampigkeit des Drehbuchs, die MIRRORS den Gnadenstoß verpasst: Neben den vollkommen ausgereizten Standard-Plotelementen Alkoholsucht und Familienprobleme ist es vor allem die unzureichende und inkohärente Definierung der titelgebenden Bedrohung, die MIRRORS des möglichen Erfolgs beraubt. So sieht man sich einer filmischen Wundertüte ausgesetzt, die ihre Regeln aufstellt, wie es ihr beliebt, ohne dabei irgendeiner nachvollziehbaren Logik zu folgen. Und weil auch wirklich gruselige Momente Mangelware bleiben, man stattdessen eine langweilige Ermittlungsgeschichte aufgetischt bekommt, in deren Verlauf sich Sutherland geriert wie sein alter ego Jack Bauer, darf man MIRRORS am Schluss Versagen auf ganzer Linie attestieren. Zum Vergessen.

Ein Podcast zum Film findet sich hier.