Mit ‘Kim Basinger’ getaggte Beiträge

Ich weiß nicht, wie es passieren konnte, dass GRUDGE MATCH völlig an mir vorbeiging, als er vor knapp zwei Jahren unter dem Titel ZWEI VOM ALTEN SCHLAG in den deutschen Kinos startete. Ein Film, in dem mein Lieblingsschauspieler  Sylvester Stallone in Anlehnung an seinen Rocky Balboa einen Alters-Boxkampf gegen den „Raging Bull“ De Niro schlägt, passt eigentlich nahezu perfekt in mein Beuteschema. Möglicherweise lag mein Versäumnis in der eher schwachen, um nicht zu sagen verheerenden Performance begründet, die Peter Segals Komödie in den USA ablieferte. GRUDGE MATCH kam hier ohne große Fanfaren ins Kino und verschwand ebenso lautlos wieder. Die Zeiten, in denen ein neuer Film mit Stallone oder De Niro ein Event war, ein gemeinsamer gar zum popkulturellen Event erklärt worden wäre, sind schon lange vorbei. Der einstige King of Action hat mit den irgendwie egalen drei EXPENDABLESFilmen sein Auskommen gefunden, der andere seinen Ruf als bester Schauspieler aller Zeiten durch die Teilnahme in nichtswürdigen Vehikeln fast vollständig ruiniert. Nun muss man sagen, dass Segals Film keine großen Ambitionen verkörpert: GRUDGE MATCH ist eine dramaturgisch formelhaft ablaufende Komödie, die mit punktgenau gesetzten Sentimentalitäten aufs Herz abzielt, dabei aber eben – und das macht den Unterschied – meist die richtigen Töne trifft. Der Ausgang ist vorhersehbar und große Überraschungen sollte man nicht erwarten. Aber GRUDGE MATCH verlässt sich auch nicht ausschließlich auf die Namen seiner beiden Hauptdarsteller oder auf den USP, sie beide zusammengebracht zu haben. Ich würde sogar so weit gehen zu sagen, dass beide hier ihre beste Darbietung seit Jahren abliefern und in ihren gemeinsamen Szenen eine unschlagbare Chemie an den Tag legen. Stallone beherrscht den zurückgezogenen, wortkargen und einfach gestrickten Loner mittlerweile aus dem FF und das Resultat, wenn man diesen Typen auf die großmäulige Giftspritze De Niro treffen lässt, ist große Comedy, bei der auch die Details stimmen. Das Unbehagen, das Stallones Henry „The Razor“ Sharp in Gegenwart des alten Erzfeindes Billy „The Kid“ McDonnen verspürt, sieht man etwa darin, wie er diesem immer leicht den Rücken zudreht.

Worum geht es? Für die beiden ehemaligen Boxweltmeister und Rivalen eröffnet sich die Gelegenheit zu einem damals überraschend abgeblasenen Rematch, als eine Keilerei zwischen den gealterten Kontrahenten zur Internetsensation wird. Dante Slate jr. (Kevin Hart), Sohn des einstigen Managers der beiden, wittert die Chance auf das große Geld und beginnt, die Werbetrommel zu rühren. Je mehr Auftritte die beiden knurrigen Typen zusammen absolvieren, umso größer wird das Interesse, bis die beiden sich schließlich in einer ausverkauften Halle beweisen, dass sie längst noch nichts verlernt haben. Nebenher werden alte Beziehungen neu geknüpft, Fehler ausgeräumt und Lehren gezogen, wie das in solchen Filmen immer ist: Henry verzeiht seiner alten Flamme Sally (Kim Basinger), dass sie ihn einst ausgerechnet mit Billy betrog, Billy wiederum lernt seinen Sohn B. J. (Jon Bernthal) kennen, heuert ihn als Trainer an und lernt es, Verantwortung als Vater und Großvater zu übernehmen. Das ist alles sehr safe und familientauglich, selbst wenn die Gags mal unter die Gürtellinie zielen, was meist aufs Konto De Niros geht, aber eben sauber gemacht und mit dem Herzen am rechten Fleck. Peter Segal, von dem u. a. auch die tollen Sandler-Filme ANGER MANAGEMENT und 50 FIRST DATES sind, meistert sowohl die komischen als auch die sentimentalen und spannenden Momente, liegt eigentlich nur zu Beginn daneben, als sich in einer Fernsehdokumentation die mit CGI verjüngten Protagonisten balgen und man sich plötzlich in einem Videospiel wähnt. Das sieht dann eher hässlich und grotesk aus.

Ich mochte GRUDGE MATCH jedenfalls weitaus mehr, als er das seiner Anlage nach vielleicht verdient hat und habe es durchaus genossen, mich mal wieder so richtig von Hollywood manipulieren zu lassen, Tränchen im Knopfloch inklusive.

9 1/2 WEEKS ist ein gutes Beispiel dafür, wie vergänglich der Ruhm sein kann: In den Achtzigerjahren war Adrian Lynes Film als marketingträchtiger Skandal in aller Munde, die sadomasochistischen oder auch nur kreativen erotischen Spiele, die John Gray (Mickey Rourke) und Elizabeth (Kim Basiner) miteinander spielen, beflügelten so manches eingeschlafene Sexleben seiner Zuschauer und natürlich die Fantasie Pubertierender, die den Film wie ich anno 1990 bei seiner Free-TV-Premiere mitschnitten, um ihre Onaniesessions damit audiovisuell aufzuwerten. Die Hauptdarsteller erwarben oder festigten ihren Ruf als Sexsymbole, Adrian Lyne lieferte nach FLASHDANCE ein weiteres beredtes Argument dafür ab, warum man ihn heute als einen der prägendsten Regisseure der Achtzigerjahre bezeichnen darf. Dabei war sein Film mitnichten ein Riesenerfolg, in den USA sogar ein desaströser Flop, der erst durch den internationalen Einsatz und die Zweitverwertung „gerettet“ wurde und zum Kultfilm reifte. Schon wenige Jahre später redete aber eigentlich kein Mensch mehr von 9 1/2 WEEKS. Heute wird er am ehesten noch als Zeitmaschine rezipiert, mit der man sich in die Achtzigerjahre beamen kann, oder als putziges Beispiel dafür, was man früher so geil fand, herangezogen. Erotik hat eine nur kurze Halbwertzeit und was heute die Gemüter erregt, sorgt morgen bestenfalls noch für ein müdes Lächeln. Dabei lohnt es sich durchaus, sich 9 1/2 WEEKS noch einmal unvoreingenommen anzuschauen: Nicht nur gelang es Lyne wirklich, eine anregende erotische Atmosphäre zu schaffen – während die meisten der Designer-Softsex-Filmchen, die in seinem Gefolge entstanden, vor allem langweilig und steril sind –, sein Film ist auch in seiner Zeichnung einer dysfunktionalen Beziehung und der sadomasochistischen Beziehungsdynamik bemerkenswert differenziert.

Sein Gelingen beruht dabei nicht zuletzt auf dem überzeugenden Spiel der Darsteller, die Lyne einer menschlich fragwürdigen Spezialbehandlung unterzog, an die sich vor allem Kim Basinger heute mit Grausen zurückerinnert. Lyne verbat Rourke und Basinger, abseits des Drehs miteinander Kontakt aufzunehmen, verweigerte ihr jegliche Anweisung, manipulierte sie hingegen mit Aussagen darüber, wie Rourke diese oder jene Szene zu spielen gedenke, um sie nach Belieben vorzuprägen. Auch vor Misshandlung schreckte er dabei nicht zurück: Als die Basinger ihm einmal zu „hübsch“ aussah, forderte er Rourke auf, ihr wehzutun. Erst als sie nach einer Ohrfeige in Tränen ausbrach, begann er zu drehen. Die Furcht, Erregung und Nervosität Elizabeths, die man im Film sieht, ist mithin echt. Und um ihren kontinuierlichen Zusammenbruch transparent zu machen, drehte er den ganzen Film in chronologischer Reihenfolge, Kim Basinger an den Rand eines Nervenzusammenbruchs treibend. Die verstörende Qualität des Films schreckte aber das Testpublikum massiv ab: Vor allem das Ende, bei dem John seine Geliebte einem Selbstmordspielchen unterzieht, stieß auf Empörung und musste vor dem Start komplett entfernt werden. Der Entschluss Elizabeths, John zu verlassen, kommt in der Fassung, die schließlich in die Kinos gelangte, etwas überraschend – was das Fass zum überlaufen bringt, ist die eigentlich harmlose Fummelei Johns mit einer Prostituierten vor Elizabeths Augen –, aber eben auch realistischer. Und Johns finale Erkenntnis, seine große Liebe vertrieben zu haben, sein verzweifelter Versuch, sich zum ersten Mal vor ihr zu öffnen, um sie bei sich zu halten, erwecken nun tatsächlich Empathie, weil sein Verhalten eben noch nicht gänzlich ins Pathologische abgedriftet ist.

Es hilft natürlich immens, mit der Achtzigerästhetik etwas anfangen zu können, wenn man 9 1/2 WEEKS schaut. Von den Bildern eines noch nicht gentrifizierten, aber doch schon „hippen“ Manhattans, in dem die Yuppies überall ihre kleinen Enklaven errichtet haben, und natürlich der Mode über typische, dem Noir entlehnte Stilistika, wie etwa die expressiven Licht- und Schattenspiele, bis hin zum unverwechselbaren Score von Jack Nitzsche, der immer wieder von stimmungsvollen Synthie-Pop-Nummern aufgelockert wird, funktioniert Lynes Film fast schon wie eine Enzyklopädie des Eighties-Chic. Doch ist er dabei eben nicht nur kalt, wie oft unterstellt wird, entwickelt viel eher eine fiebrige, schüttelfrostige Atmosphäre zwischen Hitzeschüben und Kälteschaudern. Die Fotografie ist einmalig, die nie im Gleichgewicht befindliche Balance zwischen den Protagonisten, gewährt immense Spannung. Mickey Rourke ist nicht nur irrsinnig gutaussehend – es tut fast weh, ihn so zu sehen und seinem gegenwärtigen Alter ego gegenüberzuhalten –, sondern auch faszinierend unheimlich mit seinem abgründigen Lächeln: Man weiß nie, woran man bei ihm ist und er erreicht, dass die Stimmung binnen Sekundenbruchteilen kippt, ohne seinen Ausdruck wesentlich zu verändern. Unvorstellbar, was aus ihm hätte werden können, hätte er in den Folgejahren ein besseres Händchen mit seiner Rollenwahl bewiesen. Kim Basinger ist seine ideale Partnerin, weil sie nicht nur lecker aussieht, sondern sich auch spürbar überwinden muss, sich ihrem Partner dergestalt zu unterwerfen. Der eigentlich Schlüssel zum Erfolg. Ja, ich muss es so deutlich sagen: 9 1/2 WEEKS ist ein großartiger Film.

In einem ranzigen Motel in der Mojave-Wüste verschanzt sich May (Kim Basinger) vor ihrem zurückkehrenden Liebhaber, dem Cowboy Eddie (Sam Shepard), der sie einst mit einer anderen Frau betrogen hatte. In einer aufgeheizten Nacht prallen die beiden nun wieder aufeinander, versuchen, sich selbst zu behaupten und erliegen dabei doch wieder nur dem anderen. Es ist eine komplizierte Beziehung und der „alte Mann“ (Harry Dean Stanton), der die beiden neugierig beobachtet, weiß auch warum: Er ist nämlich ihr gemeinsamer Vater …

FOOL FOR LOVE basiert auf einem Stück von Hauptdarsteller Sam Shepard, ist somit die dritte Theateradaption Altmans in Folge (nach COME BACK TO THE FIVE AND DIME, JIMMY DEAN, JIMMY DEAN, STREAMERS und SECRET HONOR) und außerdem einer jener Filme, mit denen die Cannon Mitte der Achtzigerjahre ihre Ambitionen, zu den großen Studios aufzuschließen, zementierte und sich einen neuen Ruf als cinephile Produktionsfirma aufzubauen suchte: Neben Altman drehten seinerzeit auch Barbet Schroeder, John Cassavetes, John Frankenheimer, Andrey Konchalovskiy und Jean-Luc Godard für die Cannon. Dass die Pläne für die Cannon zumindest mittel- bis langfristig nicht aufgingen, muss ich hier nicht mehr erwähnen, wohl aber, dass FOOL FOR LOVE auch den qualitativen Schlingerkurs, den Altman in den Achtzigerjahren fuhr, nicht beenden konnte. Ich muss eingestehen, dass ich seinen Film nicht besonders konzentriert verfolgt habe und meine Meinung daher eher vorläufigen Charakter hat – auch wenn ich definitiv nicht vorhabe, mir FOOL FOR LOVE in Bälde nochmal anzusehen.

Shepards Stück, für das er sich hinischtlich seines Settings und der Figuren aus dem Fundus des Film Noir bedient, zeichnet das emotionale Porträt einer heißblütigen Hassliebe, die ihre Wurzeln in der Vergangenheit und dem egoistischen Lebenswandel des gemeinsamen Vaters hat, der zwei Beziehungen gleichzeitig führte und mit beiden Frauen Kinder zeugte, die sich schließlich ineinander verliebten. Leider wirkte das Ganze auf mich vor dem Hintergrund des bis zur Abstraktion stilisierten Settings jedoch gar nicht aufgeheizt, sondern eher blutleer und konstruiert. Das Hauptproblem ist für mich die fehlenden Chemie zwischen den beiden Hauptdarstellern: Zwar kennt man solche White-Trash-Paare wie Eddie – Typ: kerniger, unnachgiebiger Macho – und May – Typ: heilige Hure des Trailerparks – zu Genüge aus anderen Filmen, um ihre Beziehung sofort zu akzeptieren, aber über diese Konvention hinaus scheint es nur wenig zu geben, was die beiden aneinander bindet. Möglicherweise ist das aber auch gerade der Punkt des Films: Aufgrund ihrer Vergangenheit ist es ihnen unmöglich, eine Entscheidung gegen den anderen und für ihr eigenes Wohl zu treffen. Aber um das als tragisch und demzufolge Mitleid oder Sympathie für die Figuren zu empfinden, müssten diese einem in ihrem Leid ja irgendwie plausibel gemacht werden. Und das gelingt meines Erachtens nach gar nicht:  Vielleicht liegt das aber auch nur an meiner Abneigung für Shapard (die mir erst jetzt wirklich bewusst geworden ist) und der Tatsache, dass ich bei Kim Basinger nie weiß, ob sie eine miese Schauspielerin ist, oder ob ihre scheinbare Unbeholfenheit tatsächlich nur gespielt ist. So lief der Film an mir vorbei, ohne dass mir klar geworden wäre, warum ich diese Geschichte interessant und erzählenswert finden sollte. Filmisch betrachtet bekommt Altman die bei STREAMERS unübersehbaren Probleme besser in den Griff, profitiert dabei von seinem Setting, der Cinematografie von Pierre Mignot (mit dem er auch bei den anderen oben genannten Theateradaptionen sowie bei O.C. AND STIGGS zusammengearbeitet hatte)  und dem stimmunsgvollen Country-Soundtrack. Wenn ich etwas Positives über FOOL FOR LOVE sagen sollte, dann, dass er unleugbar über eine sehr dichte Atmosphäre verfügt, der aber leider der schrecklich egale Inhalt entgegensteht. Einfach nicht meins, sowas soll’s geben.