Mit ‘Kirk Morris’ getaggte Beiträge

„Die Geschichte dieses Films beginnt im Jahr 1958 in der Nähe von Rom und endet … aber sehen sie selbst!“ – Mit diesen Worten beginnt die deutsche Fassung von Pietro Franciscis vorletztem Film: Der Veteran hatte in den knapp vier Jahrzehnten seines Schaffens zahlreiche Abenteuer- und Sandalenfilme gedreht und sich mit den beiden ersten ERCOLEFilmen um das italienische Kino verdient gemacht. Sein Ausflug ins Science-Fiction-Genre folgte dem in Italien u. a. von Antonio Margheriti befeuerten Trend und landete in Deutschland unter dem Titel RAUMKREUZER HYDRA – DUELL IM ALL im Kino, bevor er dann als RAUMSCHIFF TERRA ZUM PLANET DER AFFEN zweitverwertet und auf Video veröffentlicht wurde.

Mit diesem spektakulären zweiten Titel versuchte der Verleiher ein wenig am Erfolg von Schaffners PLANET OF THE APES zu partizipieren, der 1968 in die Kinos kam und im Verlauf der Siebziger mehrere Sequels nach sich zog. (In den USA war man sogar noch mutiger und taufte Franciscis preiswert runtergekurbeltes Filmchen in einem Anflug von Größenwahn STAR PILOT.) Der affige Titel verdankt seine Berechtigung in erster Linie einer kurzen, eigentlich sehr unwichtigen Szene auf einem fremden Planeten, während der die Protagonisten von einer Horde von Menschen in Zottelkostümen überfallen werden – fairerweise muss man aber sagen, dass der Finalgag von MISSIONE HYDRA ihn wirklich in die Nähe von Schaffners Klassiker rückt: sogar so sehr, dass man sich fragt, wie er ein Jahr vor diesem auf diese Idee kommen konnte. Anzunehmen, dass das Drehbuch zu PLANET OF THE APES in der Industrie bekannt und von den wieselflinken Italienern in Windeseile kopiert worden war. (Hingegen erscheint es ziemlich ausgeschlossen, dass sich Schaffner von Francisci inspirieren ließ, obwohl die Vorstellung sehr reizvoll ist.)

Es gibt aber noch einen Film, der als Inspirationsquelle gelten darf: Auch in THIS ISLAND EARTH werden menschliche Wissenschaftler wie hier von Außerirdischen zu dem Zweck entführt, den verwüsteten Heimatplaneten wieder bewohnbar zu machen bzw. ihnen ein neues Leben zu ermöglichen. In diesem Fall trifft es Professor Solmi (Roland Lesaffre), der bevorzugt über die Einstein’sche Relativitätstheorie und die Möglichkeit der Zeitreise doziert, immer mit dem Hinweis, das letztere wohl erst in tausenden von Jahren technisch machbar werde. Bei Untersuchungen eines seltsamen Phänomens, zu denen er auch seine geile Tochter Luisa (Leontine) mitbringt, entdecken er und seine Assistenten ein Raumschiff, das von der kühlen Kaena (Leonora Ruffo) und ihren beiden Schergen auf die Erde gesteuert wurde. Zwei Chinesen, die dem Prof die Anleitung für eine Atombombe abnehmen wollen, kommen auch noch dazu. Ab geht es ins All, zum Heimatplaneten Kaenas, doch auf der Reise gilt es dann, die unter den freiwilligen und unfreiwilligen Besatzungsmitgliedern schwelenden Konflikte zu überwinden, um am Ziel anzukommen.

MISSIONE HYDRA ist ein Monument der Unbedarftheit, aber auch des Heldenmutes, sich von den tristen Gegebenheiten nicht ins Bockshorn jagen zu lassen. Francisci hatte zwar nur ein Taschengeld zur Verfügung, trotzdem fliegt er ins All und landet auf fremden Planeten. Was man dort zu sehen bekommt, ist geradezu rührend naiv und billig, aber man kann dem Film für seine zahlreichen Verfehlungen einfach nicht böse sein. Da bauen die Wissenschaftler mittel in der Pampa eine Holzhütte auf, um darin ein „Labor“ unterzubringen und schaffen ein echtes Raumwunder, wenn sich das vielleicht 15 Quadratmeter große Häuschen in Innenaufnahmen als geräumiges Mehrzimmerhaus entpuppt. Für Stimmung sorgt neben einer kurzen Übersicht über die römischen Sehenswürdigkeiten immer wieder die als Eye Candy besetzte Leontine, offensichtlich eine Tänzerin oder ein Starlet, deren einzige Funktion darin besteht, hübsch in die Kamera zu lächeln oder ihre Traumfigur in höchst unnatürlich wirkenden Pose zu präsentieren. Einmal serviert sie den Forschern Kaffee, was diese zum Anlass nehmen, sofort vom Tisch aufzustehen und ins Bett zu gehen. Aber sie macht sich auch sonst nützlich, hält die Laune hoch und verguckt sich natürlich in den extraterrestrischen Hünen Belsy (Kirk Morris). Vorher machen sich die Aliens die Menschen mittels eines um den Hals getragenen Senders gefügig, über den sie jeden ihrer Schritte und jedes ihrer Worte mitverfolgen können, bis dann einer der Wissenschaftler den genialen Einfall hat, einfach seine Hand über die Linse/das Mikro zu halten und dann die Polizei anzurufen. Damit konnte die überlegene Rasse wirklich nicht rechnen! Derlei Wunder setzen sich dann beim Raumflug fort, etwa in der Sequenz, in der einer der Außerirdischen aussteigt, um eine krummgebogene Antenne an der Spitze des Gefährts auszutauschen. Fantastisch sind auch die heißen Fummel, in die Kaena und Luisa immer wieder gesteckt werden: Ganzkörpernylons, auf die alle Begriffe zutreffen, außer „praktisch“. Wunderschön eine bizarre Szene, in der mehrere Menschen in Forscherkitteln im Bildhintergrund im aufreizenden Schneckentempo die Treppen hochsteigen, die sich um zwei Silos winden, während vorn ein Dialog abgehalten wird. Und damit das Rumgesitze in dem karg eingerichteten Flugkörper nicht allzu dröge wird, gibt es immer mal wieder Anlass für eine hüftsteife Keilerei. Die Strategie geht nicht so ganz auf: MISSIONE HYDRA zieht sich im letzten Drittel wie Kaugummi. Man hat dann bereits alle geilen Kostüme der gut gebauten Darstellerinnen gesehen, man weiß, dass nach den Affen keine weiteren spektakulären Attraktionen mehr zu erwarten sind und sehnt das Ende herbei, das dann aber noch einmal aufmerken lässt: Ein Blick in die Vergangenheit der Erde zeigt, dass diese von der nuklearen Katastrophe zerstört wurde, doch auch Kaenas Heimat (die ihren phallischen Türmen nach zu urteilen „Dildonien“ heißt) liegt in Trümmern. Jetzt gilt es, eine neue Zivilisation zu gründen. Bei zwei Frauen und fünf Männern dürfte das ein konfliktreiches Unterfangen werden, das leider noch nicht auf Zelluloid gebannt wurde.

 

ERCOLE SFIDA SANSONE ist wahlweise der zehnte Herkules- oder der dritte Samson-Film: 40, 50 Jahre vor dem MCU haben die Italiener es vorgemacht, wie man eine Welt aus muskulösen Helden auf der Leinwand errichtet, die sich in den Filmen dann gegenseitig zur Seite springen konnten. Naja, jedenfalls fast. Auf dem Regiestuhl dieses Crossovers (bei dem auch noch Odysseus mitmischt, in den internationalen und deutschen Verleihversionen sogar im Titel) nahm erneut Pietro Francisci Platz, der schon den ersten Herkules-Film LE FATICHE DI ERCOLE inszeniert hatte. Gerade am Anfang musste ich dann auch einige Déjà Vus überwinden, bevor ich mir sicher war, hier wirklich einen mir noch unbekannten Film zu sehen: Es gibt während der Exposition einige offensichtliche Parallelen zwischen den beiden Filmen, ganze Szenen, die ähnlich aufgebaut sind und den Eindruck erwecken, es hier mit einem Remake zu tun zu haben. Doch das gibt sich dann zum Glück und Francisci kredenzt uns ein ganz neues Abenteuer um die muskelbepackten Haudraufs der Antike.

Alles beginnt damit, dass Herkules (Kirk Morris) ein paar griechische Seeleute gemeinsam mit dem etwas spiddeligen Odysseus (Enzo Cerusico) bei der Jagd auf ein Seeungeheuer begleitet, das die Männer regelmäßig dezimiert. Das Ungeheuer entpuppt sich dann als Nilpferd (?), das man im eingesetzten Stock Footage aber nur rudimentär erkennen kann. Noch dazu tobt ein Sturm, der schließlich dazu führt, dass Herkules, Odysseus und ein paar andere als Schiffbrüchige an fremdes Festland getrieben werden. Es handelt sich um Judäa, wo der Philisterkönig (Aldo Guiffré) das arme Volk knechtet, weil er Samson (Richard Lloyd) unter ihnen vermutet, der geschworen hat, ihn umzubringen. Weil Herkules dasselbe Talent zur barhändigen Ermordung gefährlicher Löwen an den Tag legt, wird er mit dem Gefürchteten verwechselt. Das alles mündet in einem von der geilen Philisterqueen Delilah (Liana Orfei) initiierten Intrigenspiel, bei dem sich die beiden Helden gegenseitig umlegen sollen. Doch natürlich kommt alles ganz anders: Herkules und Samson verbünden sich und fügen den Philistern eine empfindliche Schlappe bei.

Ganz am Anfang des Films gibt es eine Szene, die einen anderen, einen „realistischen“ Peplum antizipiert, der dann leider ausbleibt: Herkules kommt nach Hause zu seiner Familie, erklärt seiner Frau Leria (Diletta D’Andrea), dass er für ein paar Tage weg müsse, während sein vielleicht fünfjähriger Sohn anfängt, mit seinen kleinen Fäusten die Oberschenkel des Papas zu traktieren. Der reagiert darauf wie ein Landwirt, der von einer Fliege belästigt wird und gibt dem Filius einen Schubs, sodass der unter den Tisch rollt. Nur noch mehr angestachelt kriecht er wieder hervor und kloppt erneut auf den Vater ein, bis sein greiser Lehrer endlich ein Einsehen hat und den Buben an den Schultern fortzerrt, damit die Eltern ihre Ruhe haben. Alltag im Hause Herkules eben. Leider lässt Francisci die Gelegenheit, den ersten komplett ereignislosen Peplum, einen, der von den Problemen handelt, die ein Halbgott bei der Erziehung und im Eheleben hat. zu drehen, liegen und konzentriert sich im Folgenden auf die bekannte und beim Publikum beliebte Abfolge von Abenteuern. Da werden dann Ochsen totgeschlagen, Löwen erwürgt, Heerscharen schurkischer Soldaten platt- und uralte Tempelanlagen dem Erdboden gleichgemacht, bis die Helden am Schluss mit triumphierendem Lächeln gen Heimat rudern und ihrem neuen Freund zum Abschied winken. Hervorzuheben ist noch das eminent homoerotische Geflirte zwischen Herkules und Samson, deren Balgerei ein bisschen wie Vorspiel für etwas wirkt, was uns dann leider vorenthalten wird. Hat Bruno Mattei eigentlich schwule Hardcore-Pepla gedreht?