Mit ‘Komöde’ getaggte Beiträge

Fuck, ist das echt schon 16 Jahre her? Das war ja noch ein anderes Leben …

OLD SCHOOL – von HATED– und HANGOVER-Regisseur Phillips – stammt noch aus der ersten Welle der Filme des sogenannten Frat Packs, einer Gruppe von Komikern und Schauspielern, die sich um Ben Stiller formiert hatte, und zu der etwa Owen und Luke Wilson, Will Ferrell und Vince Vaughn gehörten. SNL-Komiker Will Ferrell, der hier zum ersten Mal in einer größeren Rolle zu sehen war, etablierte sich in der Folge selbst als Filmstar, der dann oft mit Adam McKay kollaborierte und Zentrum seines eigenen „Kreises“ wurde, während etwa Vince Vaughns Stern dank fragwürdiger Rollenauswahl unaufhörllich zu sinken begann.

OLD SCHOOL hat mich damals nicht so richtig gekriegt, aus Gründen, die ich heute kaum nachvollziehen kann, denn bei der gestrigen Sichtung habe ich sehr, sehr viel Freude mit dem Teil gehabt. Vielleicht hat die veränderte Perspektive geholfen: Auch wenn die Protagonisten des Films Anfang 30 sein sollen und damit fast 15 Jahre jünger sind als ich jetzt, stehen sie mir heute deutlich näher als damals, als ich eigentlich in ihrem Alter war. Ihre Lebenssituation kann ich heute viel besser nachvollziehen und ihre Entgleisungen bringen demnach eine gewisse kathartische Funktion mit sich. Ich gönne ihnen den Spaß, beneide sie ein bisschen darum und verstehe, warum sie an ihrer idiotischen Fraternity festhalten wollen. OLD SCHOOL bedient ohne Zweifel einen typisch männlichen Irrglauben und Omnipotenzwahn: dass man in der frühen Adoleszenz seinen Zenith erreicht und diesen Zustand im Idealfall bis ins Rentenalter ausdehnen sollte; dass man auch mit 40 noch saufen und feiern kann wie mit 20; und dass Männer, die saufen, feiern und sich gebärden wie Teenager, eine nahezu magische Anziehungskraft auf junge Frauen ausüben bzw. diese eigentlich nie verloren haben. OLD SCHOOL ist gleichzeitig ein Film über die Midlife Crisis und ihre peinlichsten Auswüchse, aber er blickt mit Verständnis und Empathie auf seine Protagonisten und ihre Marotten. Sie sind letztlich nette Jungs, die mit dem Prozess des Alterns und den gesellschaftlichen Anforderungen und Konzepten von „Reife“, die damit einhergehen, gnadenlos überfordert sind.

Ferrell, der ja eh immer eine Art großes Kind spielt, und Vaughn sind als wild gewordenes Party Animal „Frank the Tank“ und der in der minutiösen Organisation ehrfurchtgebietender Parties geradezu begnadete Beanie perfekt besetzt. Ferrell hat erwartungsgemäß die lustigsten und bescheuertsten Szenen, stürzt sich mit der Verve eines hyperventilierenden Elefantenbullen in seine zweite Jugend, misst sich mit Jugendlichen beim Beer-Bong-Saufen, rennt nackt durch die Stadt (in dem Glauben, dass ihm Hunderte folgen würden), schießt sich mit einer Tranquilizer-Gun in den Hals und entwickelt eine unbändige Freude darin, die Pledges herumzukommandieren und zusammenzuscheißen. Und natürlich lässt er es sich nicht nehmen, am Grab eines verstorbenen „Bruders“ „Dust in the Wind“ zu singen. Vaughns Part ist weniger spektakulär, aber nicht weniger toll: Beanie ist eben Vater geworden und er geht in dieser Rolle absolut auf, aber er lässt es sich trotzdem nicht nehmen, dieses Parallelleben nicht zur zu führen, sondern es mit großem Eifer zu planen. Er geht in dem Projekt „Fraternity“ auf wie andere Familienväter im Projekt „Hausbau“.

In seiner ganzen Haltung kommt OLD SCHOOL seinem Vorbild NATIONAL LAMPOON’S ANIMAL HOUSE sehr nahe, auch wenn er eine ganz andere Geschichte erzählt: Gemeinsam ist beiden Filmen die Sympathie für das Außenseitertum sowie die Verachtung für konformistische Streber, deren wesentliche Motivation oft nichts weniger als Selbsthass und Neid sind. Die „Bruderschaft“, die Mitch (Owen Wilson), Frank und Beanie, da um sich scharen (um das auf dem Uni-Campus gelegene Haus nicht zu verlieren), ist eine mitleiderregende Ansammlung von Outcasts, die anderswo keine Chance hätten, nun aber die Gelegenheit haben, an etwas Größerem teilzunehmen. Dieses Größere beinhaltet im Wesentlichen wüste Besäufnisse mit Starbesuch (Snoop Dogg absolviert einen Cameo-Auftritt), die Zuneigung geiler Weiber und Attraktionen wie ein Mixed-Wrestling-Turnier in Öl – bei dem dann auch das älteste Mitglied, der 89-jährige Blue (Patrick Crenshaw) verstirbt: als wahrscheinlich glücklichster Mensch der Welt („YOU’RE MY MAN, BLUE!“). Das Arschloch des Films ist Jeremy Piven in der John-Vernon-Rolle als klemmiger Dean Pritchard: Er ist ein Jugendfreund der Protagonisten, wurde schon als Kind von ihnen gehänselt und verarscht, ist stets der Langweiler von einst geblieben und kompensiert seine Minderwertigkeitskomplexe nun, indem er seine „Macht“ ausspielt. Dass da jemand Spaß am Leben hat, ist für ihn nicht duldbar. Auch wenn ihm gar nichts getan wird.

Aber bei allem anarchischen Geist, den Phillips in die Waagschale wirft, sieht man an OLD SCHOOL auch, was sich in den 30 (mittlerweile 40) Jahren seit ANIMAL HOUSE verändert hat: Der Regress von Frank und Beanie darf nicht einfach für sich stehen, vielmehr muss ihnen mit Mitch ein Charakter gegenüber gestellt werden, der den „guten“ reifen Erwachsenen verkörpert: Mitch will keine Fraternity, er will nicht wild herumhuren und sich von einem Exzess in den nächsten stürzen, vor allem will er nicht als „Godfather“ angesehen werden. (Wie er da von wildfremden Männern mit wissend-bewunderndem Blick gewürdigt wird, erinnert etwas an FIGHT CLUB.) Aber er hat seinen beiden außer Rand und Band geratenen Kumpels nichts entgegenzuhalten, auch dann nicht, als das ihm auferlegte Dasein seine neu aufkeimende Beziehung gefährdet. Aus dramaturgischer Sicht ist es wahrscheinlich sinnvoll, einen „geerdeten“ Charakter zu etablieren, einen Ausgleich zu Frank und Beanie zu schaffen und ihre Exzesse so letztlich noch extremer wirken zu lassen, aber man hat dennoch immer das Gefühl, in einer egalen RomCom gelandet zu sein, wenn Mitch da mit seinem langweiligen love interest anbändelt. Der Film untergräbt damit immer wieder seine Botschaft der Individualität, denn letztlich wird einem dann doch wieder die heteronormative, monogame Beziehung als das Nonplusultra angeboten, für das Mitch seine bekloppten Freunde irgendwie in die Schranken weisen muss. Aber ich will hier gar nicht meckern: OLD SCHOOL ist zu 95 Prozent toll, urkomisch und liebenswert, die restlichen fünf Prozent spiegeln lediglich die Produktionsrealität Hollywoods wider. Aber so ist das Leben: Mitch, Frank und Beanie müssen sich schließlich auch mit Dean Pritchard herumschlagen. Oder mit ungehorsamen Pledges.

 

Der neureiche Mitch Hansen (Michael Rogen) ist mit seiner blonden Geliebten Kiki (Patty Mullen) auf dem Weg in eine glückliche Zukunft, da werden beide Opfer eines tödlichen Unfalls. So scheint es zumindest, denn bei der anschließenden Autpsie wacht der von Herzschmerz geplagte und außerdem grotesk entstellte Mitch wieder auf und tötet seine beiden Pathologen. Zehn Jahre später macht sich Judy (Patty Mullen), die Tochter der Verunglückten, mit ihren Freunden auf den Weg, den Unfallort aufzusuchen. Dabei verschlägt es sie auch zu der mittlerweile stillgelegten Irrenanstalt, in der Mitch einst untergebracht war und immer noch sein Unwesen treibt …

Ob es nun unbedingt erforderlich war, dass dieser mit einem Budget von 90.000 Dollar gedrehte Spätslasher das Arrow-HD-Treatment erfährt, sei mal dahingestellt. Filmhistorisch relevant ist er, wenn überhaupt, weil der spätere SEX & THE CITY-Star Kristin Davis hier sein Spielfilmdebüt feierte: Ob sie heute noch gern darauf angesprochen wird, wage ich zu bezweifeln und im Bonusmaterial glänzt sie dann auch mit Abwesenheit. Aber als Slasher-Komplettist kann ich dem Werk bescheinigen, seine Sache zumindest während der ersten Hälft besser zu machen als unzählige seiner Kollegen. Weil ihm für echten Thrill wohl die Mittel und die Inspiration fehlen, verlegt er sich auf einen angenehm debilen, mitunter die Grenze zur Selbstreflexion mit Lust überschreitenden grellen Humor. In der ruinösen Anstalt trifft das Figureninventar üblichen Opfermaterials etwa auf eine Girl-Punkband, die nicht nur grausame „Musik“ macht, sondern mit Bandleaderin Tina (Ruth Collins) auch über eine sehr exzentrische Sängerin verfügt, deren Verhaltensweisen mitunter an die farbenfrohen Schurken des Endzeitfilms denken lassen. Und die Schlagzeugerin ist eine Russin, die ihrem Hass auf das „System“ Luft verschafft, indem sie wahllose Parolen an die Wände schmiert. (Sehr modern: Die Aufschrift „Men“ auf der Herrentoilette überschreibt sie mit „Persons“.) Mit ihrer Nonkonformität ist es dann aber Schluss, als sie dem Killer gegenübersteht: Ihr Bekenntnis „I voted Republican!“ kann sie aber auch nicht retten. Sehr schön auch Judys Aussage, als sie sieht, wie ihr Freund sich mit schwindender Kraft am Dach des Hauses festhält: „He’s probably not gonna fall.“ Schön, wenn man seinem Partner vertraut.

Für eine Weile macht DOOM ASYLUM also durchaus Spaß, doch die Probleme beginnen, als es in den letzten Akt geht. Es ist ja von Anfang an klar, worauf das alles hinauslaufen wird und weder Regisseur Friedman noch Drehbuchutor Rick Marx haben sich die Mühe gemacht, sich einen Twist auszudenken, der die Laune noch einmal heben würde, nachdem zwei Drittel der Belegschaft abgemurst sind und es folglich nur noch darum geht, den Killer unschädlich zu machen. Das endlose Geschleiche durch das verfallene Gebäude bringt rein gar nichts außer Langweile und Zeit: DOOM ASYLUM hätte gut und gern nach 60 Minuten beendet sein können, denn selbst die schmalen 77 Minuten erscheinen einem dann am Ende noch deutlich zu lang (einen nicht unerheblichen Teil der Laufzeit machen Clips von SWEENEY TODD: THE DEMON BARBER OF FLEET STREET aus, den sich der Killer in seinem Keller auf dem Fernseher anschaut). Die positiven Eindrücke sind so schnell wieder verpufft.

Ich bin trotzdem bereit, in Anbetracht der ersten halben Stunde Gnade walten zu lassen, denn DOOM ASYLUM ist streng genommen eine größere Amateurproduktion (Nachtdrehs waren offenkundig nicht drin und Darstellerin Ruth Collins zahlte man die geradezu irrwitzige Summe von 100 Dollar, damit sie ihre Brüste entblößte). Ich habe ja irgendwann mal geschrieben, mein Ziel sei es, irgendwann behaupten zu können, alle Slasherfilme der „klassischen“ Phase gesehen zu haben und dafür muss man eben Opfer bringen. Es hätte aber, wie gesagt, deutlich schlimmer sein können.