Mit ‘Kristen Wiig’ getaggte Beiträge

ghostbusters_ver6_xlg-1Der große Aufreger des vergangenen Kinojahres war nicht etwa ein tabubrechender Skandalfilm oder ein politisch unangenehme Wahrheiten aussprechendes Werk filmischen Protests, nein, es war das Remake eines geliebten Popkultur-Klassikers, dessen „echtes“ Sequel seit nunmehr 25 Jahren immer wieder in Aussicht gestellt worden war. Nicht nur, dass diese Nerd-Hoffnungen 2015 endgültig platzten, nein, die Produzenten entschlossen sich frevelhafterweise dazu, die im Original von Männern besetzten Rollen nun für weibliche Darsteller umzuinterpretieren. Infolgedessen zeigte das Internet sich wieder einmal von seiner hässlichsten, spießigsten, chauvinistischsten und abgrundtief dümmsten Seite. Und Feigs Film hatte schon verloren, noch bevor er überhaupt gezeigt worden war.

Nicht, dass dieser Zorn völlig unerwartet gewesen wäre: Wenn man sich an etwas vergreift, dass derart heiß und innig geliebt wird, muss man damit rechnen, Gegenwind zu bekommen. Und der neue GHOSTBUSTERS wurde nun nicht gerade heimlich, still und leise in die Lichtspielhäuser gebracht, sein Besetzungscoup im Gegenteil sehr offensiv vermarktet. Die vereinten Nerds und Geeks der Welt mussten sich fast zwangsläufig herausgefordert fühlen. Ob diese Provokation von vornherein geplant war? Es gibt einige Indizien, die dafür sprechen, denn auch innerhalb des Films wird der dem System inhärente Sexismus immer wieder thematisiert. Ein wütender User kommentiert ein Video der neuen Ghostbusters mit „Bitches ain’t huntin‘ no ghosts“ und mit dem Sekretär Kevin (Chris Hemsworth) gibt es eine Rolle, die standardmäßig für Frauen reserviert ist: die des dümmlichen eye candies, das keine weitere erzählerische Funktion erfüllt, als Klischees fortzuschreiben und gut auszusehen. Wie in Feigs vorangegangenen Filmen sind die Heldinnen Frauen, die sich nicht in für Frauen vorgefasste Schablonen pressen lassen – Wiigs Erin Gilbert verkörpert die klassische Karrierefrau, die sich trotz nachgewiesener Expertise ständig irgendwelchen Mänern gegenüber beweisen muss und dann als Geisterjägerin in einem Außenseiterjob zu sich finden darf -, sondern für sich das Recht in Anspruch nehmen, genauso dumm, hässlich, vulgär, schlagkräftig, laut, intelligent und entschlussfreudig zu sein wie die Exemplare des anderen Geschlechts. Davon muss sich der prototypische Geek geradezu angepisst fühlen.

Aber es gibt noch ein anderes Thema: Zwischen dem Orginalfilm von Ivan Reitman aus dem Jahr 1984 und Feigs 2016er-Remake liegen 32 Jahre, die am Schauplatz Manhattan nicht spurlos vorübergegangen sind. Das einst als Inbegriff des dem Verbrechen und Chaos anheimgefallenen geltende New York wurde in den späten Achtzigerjahren und während der Amtszeit Rudolph Giulianis in den Neunzigern konsequent aufgeräumt, aller schmuddeligen Ecken entledigt, auf Hochglanz poliert und als familienfreundliches Konsumparadies neu erschaffen. GHOSTBUSTERS lässt mit seiner Referenz an den alten Film (Bill Murray, Dan Aykroyd, Ernie Hudson und Sigourney Weaver absolvieren Cameos, der verstorbene Harold Ramis grüßt in Form einer Büste) auch jenes vergangene New York auferstehen. Im Finale bekämpfen die Ghostbuster die Geisterarmada auf dem Times Square, der von Marquees gesäumt ist, die Karloffs ISLE OF THE SNAKE PEOPLE, TAXI DRIVER, WILLARD oder FISTS OF FURY annoncieren. Auch sonst gibt es immer wieder kleine Hinweise auf die Immobiliensituation in Manhattan, auf das Aussterben des „alten“ New Yorks und den Verlust, der damit einhergeht.

Für Feig gehen beide Aspekte indessen Hand in Hand: Seine Ghostbusters, seine Interpretation des Stoffes sollen eben aus jenem „alten Holz“ geschnitzt sein, das man im heutigen New York vergeblich sucht. Aber es ist eigentlich klar, dass das so nicht aufgehen kann. Das Hollywood von heute hat mit dem von damals nichts mehr zu tun und auch sein Remake kann – aller sichtbar ernst gemeinten Bemühungen zum Trotz – die Anzeichen typischen Sudio-Bullshits nicht verbergen und noch weniger natürlich verhindern, dass er eben ein  Film aus dem Jahr 2016 ist. Die Effekte sind state of the art, bis auf ganz wenige Ausnahmen absolut beeindruckend, in dieser Perfektion in diesem Film aber auch irgendwie fehl am Platze, und die Idee, den berühmten Titelsong von Fall Out Boy und Missy Elliott covern zu lassen, muss einfach das Ergebnis einer dieser Sitzungen komplett ahnungsloser Teilnehmer gewesen sein. Vor allem aber gehen Feigs Stil und die Vorlage keine homogene Verbindung ein. GHOSTBUSTERS wirkt nicht wie ein neuer Ghostbusters-Film, sondern wie ein Feig’scher Kommentar zu Hollywood-Rollenpolitik, für das man aus unerfindlichen Gründen den alten Reitman-Klassiker als Schablone nutzte. Sein GHOSTBUSTERS ist kein Film, in dem man versinken kann wie im Original, sondern entschieden meta, ein Werk, dass dem Zuschauer immer wieder klar macht, was er da sieht. Vielleicht ist das sein größtes Verbrechen gewesen.

Wenn man sich hingegen die Fähigkeit bewahrt hat, auch zu seinen Heiligtümern auf kritische Distanz zu gehen, ist GHOSTBUSTERS durchaus sehenswert. Allerdings muss man einräumen, dass Feigs Masche bereits einige Abnutzungserscheinungen zeigt.

zoolander-2-posterIch habe einen besonderen Platz in meinem Herzen für ZOOLANDER reserviert, eine Komödie aus dem Jahr 2001, die auf einem Charakter basiert, den Ben Stiller für eine Reihe von MTV-Sketchen erdacht hatte. In Deutschland gab es mangels Bekanntheit dieser Sketche eigentlich gar keinen Markt für diesen Film, aber als ich ihn in völliger Unkenntnis seiner Basis zu Gesicht bekam war es trotzdem um mich geschehen. In den folgenden Monaten und Jahren avancierte ZOOLANDER in meinem Freundeskreis zur beliebten Stimulanz und als selbst meine neueste weibliche Eroberung bei einer unserer allerersten gemeinsamen Filmsichtungen über die Grimassen lachen musste, die Will Ferrells verrückter Modedesigner Jacobim Mugatu seinem androgynen Sidekick Todd (Nathan Lee Graham) zuwirft, wusste ich, dass ich sie ruhigen Gewissens heiraten kann.

In den Jahren nach ZOOLANDER boomten die Komödien um seine Stars und deren erweitertes Umfeld und eine mögliche Fortsetzung geriet im Trubel der Geschäftigkeit in Vergessenheit. Mittlerweile ist das einst als „Frat Pack“ bezeichnete Ensemble längst von der nächsten Generation von Komikern abgelöst worden: Ben Stiller verdient sein Auskommen heute vor allem mit ebenso sicheren wie uninteressanten FOCKERS- oder NIGHT IN THE MUSEUM-Sequels, Owen Wilson ist seit seinem Selbstmordversuch vor einigen Jahren aus dem großen Rampenlicht verschwunden, von jemandem wie Vince Vaughn hört man nach einigen harschen Flops fast gar nichts mehr. Der einzige, der noch regelmäßig und mit einigem Erfolg Komödien im bewährten Stil liefert, ist der anscheinend unkaputtbare Will Ferrell. Man kann also nicht gerade sagen, dass Stiller mit ZOOLANDER 2 offene Türen einrennt, auch wenn sich Fans des Originals sicherlich gefreut haben. Trotzdem: Die Zeiten haben sich geändert und das merkt man auch dem Sequel an, das glücklicherweise nicht den Fehler macht, so zu tun, als wäre nichts gewesen.

Die einstigen Supermodels Zoolander (Ben Stiller) und Hansel (Owen Wilson) sind mittlerweile in Vergessenheit geraten, finden bei ihrem Comebackversuch eine Modewelt vor, die sich massiv verändert hat und in der kein Platz mehr für selbstverliebte Gecken und die Publicity-Stunts von vor 15 Jahren zu sein scheint. Wenn der neueste It-Designer Don Atari (Kyle Mooney) seinen Mund aufmacht, verstehen die Protagonsten kein Wort und ihr überkommener Style macht sie bei einer Modenschau zum Gespött des Publikums. Das lässt sich auch auf den Film als solches übertragen, der sich in den Szenen um seine beiden Helden in erster Linie auf bereits bewährte und noch einmal aufgewärmte Gags verlässt und so einen etwas müden Eindruck macht, der aber durchaus zur Verfassung seiner Helden passt. Es stellt sich heraus, dass man Stiller und Wilson in ihren Rollen zwar immer noch gern zuschaut, sie ihren Charakteren aber auch nichts wirklich Neues abzuringen wissen. Konzeptionell folgt der Film dem Vorgänger, bietet wie dieser zahlreiche Cameos und Gastauftritte auf, die die ganze Bandbreite von „gezwungen“ (Katie Perry ist einfach nur da) bis „gelungen“ (Sting, der sich als leiblicher Vater Hansels herausstellt, oder Benedict Cumberbatch als hermaphroditisches Model namens „All“) abdecken, und steigert sich in ein absurdes Szenario hinein, das Elemente der Bond-Reihe mit esoterischem Verschwörungsschwurbel verknüpft und herrlich bescheuert ist. Die echten Höhepunkte gehören auch diesmal wieder den Nebendarstellern: Man spürt förmlich, wie ZOOLANDER 2 abhebt, seinen dringend benötigten Adrenalinschub erhält, wenn Will Ferrell endlich als Mugatu auftreten darf, und zuvor zeigt Kristen Wiig als Modezarin Alexanya Atoz, warum sie derzeit eine der gefragtesten Komödiantinnen Hollywoods ist: Unter dickem Make-up nicht wiederzuerkennen, verleiht sie ihrer Figur einen haarsträubenden Fantasieakzent, von dem man gern noch mehr gehört hätte.

Ob einem ZOOLANDER 2 am Ende des Tages gefällt oder nicht, hängt wohl davon ab, wie sehr man den Vorgänger mochte. Ich habe mich über das Wiedersehen gefreut und fand die Wiederbegegnung kurzweilig und amüsant genug, um auch mit den unübersehbaren Schwächen leben zu können. Der ganz ähnlich gelagerte ANCHORMAN 2: THE LEGEND CONTINUES hat mir da zum Beispiel deutlich weniger gut gefallen. Wer aber schon mit ZOOLANDER nichts anfangen konnte, kann auch hier getrost passen.

Vordergründig ein Film über die Zickenkriege, die Frauen dem Klischee nach mit solch unnachgiebiger Härte führen, handelt BRIDESMAIDS eigentlich viel allgemeiner von Selbstmitleid, Egoismus, davon, wie man eigene Schwächen dadurch kompensiert, anderen die Schuld zu geben, und es sich so in seiner eigenen Leidensblase häuslich und bequem machen kann. Paul Feigs Film ist saukomisch, aber bisweilen auch ziemlich schmerzhaft in seinem schonungslosen Offenlegen verletzter Eitelkeiten und ihrer hässlichen Folgeerscheinungen. Es gibt am Ende natürlich ein Happy End, schließlich befinden wir uns nicht in der Realität, sondern in einem Hollywoodfilm, aber dem Betrachter ist sofort klar: der Menschen Dummheit ist grenzenlos, ihre Fähigkeit, sich selbst zum Arsch zu machen, bloß um den anderen schlecht dastehen zu lassen, unübertroffen. Hier draußen wollten wir mit den Annies und Helens nichts zu tun haben, wünschten sie allenfalls unserem ärgsten Feind an den Hals.

Annie (Kristen Wiig), frustrierte Mittdreißigerin, seit ihr Lebenspartner sie nach der Pleite ihrer Kuchenbäckerei verließ, lebt mit zwei ekligen Untermietern zusammen, lässt sich in einer Sexbeziehung mit einem fiesen Macho zum Objekt degradieren und redet sich das als potenzielle Liebschaft schön. Der einzige Lichtblick ist die seit frühester Kindheit bestehende Freundschaft zu Lillian (Maya Rudolph), die Annie dazu bestimmt, für sie Jungesellinnenabschied und Hochzeit zu organisieren. Die Probleme beginnen, als Lillian ihr die umwerfend schöne Helen (Rose Byrne) vorstellt, eine neue Freundin, der Annie sofort mit Misstrauen begegnet: Zu perfekt und vor allem zu heranschmeißerisch ist die Neue, die alles daran setzt, Annies Platz als BFF einzunehmen. Annie, nicht bereit, sich das Letzte, was sie noch zu haben meint, wegnehmen zu lassen, nimmt den Kampf auf, mit verheerenden Folgen …

Neben den in Apatow-Komödien (der Mann fungierte für BRIDESMAIDS als Produzent) unverzichtbaren Vulgarismen und Geschmacklosigkeiten – hier verursacht eine Lebensmittelvergiftung volatilen und massenhaften Brechdurchfall in einer piekfeinen Boutique für Brautkleider – versteht sich Feig vor allem auf die relativ neue Spielart der Fremdscham-Comedy. Bereits früh wird die Marschrichtung vorgegeben, als sich die beiden Konkurrentinnen anlässlich der Verlobungsfeier mit ihren Reden gegenseitig überbieten wollen und sich dabei auf der Bühne mit rührseligen Liebesbekundungen, inbrünstig falsch gesungenen Liedern, thailändischen Lebensweisheiten und spanischen Fantasiesätzen der Lächerlichkeit preisgeben. Aber Annie und Helen sind ja nicht die einzigen, die mit kaum noch zu bewältigenden Frustrationen zu kämpfen haben. Rita (Wendi McLendon-Covey), verbitterte Mutter dreier verzogener Rotzblagen, macht keinen Hehl daraus, im Junggesellinnen-Abschied eine Chance auf wilden außerehelichen Sex zu sehen, und die brave Becca (Elle Kemper) klagt über einen Mann, der sie nur im Dunkeln anfassen mag und das auch nur nach vorher erfolgter, eingehender Körperreinigung. Die vierschrötige, mehr als nur leicht psychotische Megan (Melissa McCarthy) geht in dieser Gesellschaft schon als Ausbund an Lebensfreude durch. Natürlich überwindet Annie ihre Krise und zum Wohle Lillians auch die Differenzen mit Helen und dass es dafür eines freundlichen Mannes (Chris O’Dowd) bedarf, ist nicht unbedingt originell. Das Herz von BRIDESMAIDS schlägt in den zahlreichen „Frauenszenen“, in den Gesichtern, die die hinter ihnen liegenden Abgründe, Enttäuschung und Zorn immer weniger verbergen können, in Grimassen gespielter Freundlichkeit und den via blitzender Blicke abgeschossenen Giftpfeilen, in der Verwandlung, die Kristen Wiig vollzieht, von der süßen, schlagfertigen, schutzbedürftigen besten Freundin zur tobenden Vogelscheuche, deren in Stöckelschuhen steckende Storchenbeine sich in ihren bizarren Wutanfällen verrenken wie die einer vom Teufel besessenen Marionette.