Mit ‘Lamberto Bava’ getaggte Beiträge

macabre7Der deutsche Titel MACABRO – DIE KÜSSE DER JANE BAXTER begleitet mich auch schon seit Jahrzehnten, dank des Horrorfilm-Lexikons aus dem Hause Hahn/Jansen. Die Inhaltsangabe empfand ich aber als ziemlich verstörend und malte mir den Film immer als kalten, handlungsarmen Kunstschocker aus. Dieses Bild verfing sich irgendwie durch Selbstsuggestion: Auch als ich längst wusste, wer dieser Bava ist und was für Filme er sonst so machte, traute ich mich an sein Regiedebüt nicht so recht heran. Wer weiß, wofür es gut war, denn immerhin kann ich heute verlautbaren, dass Bava mit MACABRO einen Einstand nach Maß feierte und gleich einen seiner besten Filme vorlegte (soweit ich das beurteilen kann, denn es gibt da noch viele Lücken, die ich zu schließen habe). Will sagen: MACABRO ist toll.

Ganz anders als man es bei einem Horrorfilm aus dem Jahr 1980 vielleicht erwartet, handelt es sich weder um einen Slasherfilm, noch um einen Zombie-, Kannibalen-, Alien- oder Okkultismusschocker, sondern um ein finsteres Psychogramm um Wahnsinn und – Obacht! – Nekrophilie. Bei seinem Pièce de resistance angelangt, steht MACABRO den blutigen Vertretern oben genannte Subgenres was puren Ekel angeht in nichts nach, der Effekt ist aber ungleich verstörender, gerade weil Bava seinen (u. a. von Pupi Avati gescripteten) Film so ruhig und bedacht inszeniert – und natürlich weil das Gezeigte deutlich näher an der Realität liegt als auferstandene Tote. Bavas Vorbilder waren also keine grellen Schocker, sondern wohl in erster Linie ein Film wie Polanskis REPULSION: ein Film, der den langsamen geistigen Verfall einer jungen Frau gewissermaßen aus der Innenperspektive zeigte. Wie Polanskis einflussreicher Thriller spielt auch MACABRO überwiegend in den abgeschlossenen Räumen eines Hauses, die handelnden Figuren sind im Wesentlichen die Protagonistin Jane Baxter (Bernice Stegers) sowie ihr Vermieter, der blinde Robert (Stanko Molnar), ein schüchterner junger Mann, der ein Faible für seine einzige Mieterin entwickelt – und ihrem dunklen Geheimnis auf die Schliche kommt, das sie in einem abgeschlossenen Gefrierschrank aufbewahrt.

Es passiert nicht viel, Bava lässt sich Zeit damit, langsam eine Ahnung aufzubauen. Bernice Stegers ist großartig als Jane Baxter, weil sie ganz normal scheint, dann aber wieder einen Blick auflegt, der an ihrem Verstand zweifeln lässt. Nur konkret wird lange Zeit nichts. Kritisieren könnte man, dass das an Terence Youngs WAIT UNTIL DARK angelehnte Spiel mit Roberts Blindheit dem Film nicht wirklich etwas bringt: Man sorgt sich etwas um den jungen Mann, aber um wirklich mit ihm mitzufiebern, ist er selbst viel zu seltsam. Außerdem: Eine wirklich konkrete Bedrohung gibt es ja gar nicht. Klar, man ahnt, dass bei Jane ein paar Schrauben nachgezogen werden müssten, aber sie zeigt keinerlei Anzeichen dafür, dass sie zur blutrünstigen Mörderin würde. Dieser kleine Makel fällt aber nicht weiter ins Gewicht, weil Robert und Jane so ein schönes Paar sind, gerade das Mit- und Nebeneinander der beiden Freaks unter einem Dach sehenswert und ungewöhnlich ist. Es ist ein bisschen schade, dass es zwischen ihnen nicht funkt: Wohl auch, weil der Film dann engültig wie eine Genreversion eines D’Amato-Softsexers wirken würde. Nicht nur, dass MACABRO wie so viele Filme des Meisters aus den Achtziger- und Neunzigerjahren in Nw Orleans gedreht wurde, Jane Baxter könnte mit der Lust, die sich in ihren Augen abzeichnet, als sie sich auf den Weg zu ihrem Lover macht (dabei ihre Kinder sorglos der Obhut ihres Gärtners überlassend), auch gut eine D’Amato-Heldin sein. Sie wäre gewiss besser damit gefahren und hätte Sex mit Robert haben dürfen, statt mit einen fauligen Kopf. Hinterher ist man immer klüger.

 

 

Vor kurzem habe ich hier über Mario Bavas Überklassiker LA MASCHERA DEL DEMONIO geschrieben, mit dem ich allerdings – Schande über mein Haupt – nicht so wirklich warm werde. Besser gefällt mir das Remake, das Marios Sohn Lamberto gut 30 Jahre später in den bunten Achtzigerjahren gedreht hat und das kaum noch etwas mit dem Vorbild gemein hat. In der Lamberto-Bava-Reihe auf Critic.de, an der viele geschätzte Autoren und Freunde teilnehmen, gibt es einen kleinen Text von mir über den Film, der es bislang noch nicht nach Deutschland geschafft hat. Viel Vergnügen!

Zu VHS-Zeiten war es unumgänglich, dass man sich manchen Film in fremder Sprache und ohne die heute nicht mehr wegzudenkenden Untertitel ansah. Ich vermisse diese Begleiterscheinung nicht unbedingt, bemerke aber, dass man vom heutigen DVD- und Blu-ray-Angebot, das manch einstige Obskurität in edelster Bild- und Tonqualität, versehen mit zig Tonspuren und mal mehr mal weniger sorgfältig verfassten Untertiteln bereithält, ziemlich verwöhnt ist. Nahm man damals auch mal ein beschnittenes Bild in Kauf, um einen begehrten Film endlich sehen zu können, gibt man sich mit so was heute in der Regel gar nicht mehr ab. Wieso ich darauf komme? Beim Kauf meiner schwedischen BLASTFIGHTER-DVD habe ich mich vom Cover, das englischen Ton verspricht, täuschen lassen. Tatsächlich ist er in der italienischen Fassung enthalten und die zuschaltbaren schwedischen, dänischen, norwegischen und finnischen Untertitel schaffen leider keine Abhilfe. Weil ich heute, Jahre nachdem ich den Fehlkauf verärgert ins Regal geschoben hatte, aber plötzlich große Lust auf den Film verspürte, habe ich mir BLASTFIGHTER trotzdem angeschaut. Und siehe da: Es ging auch so.

Es hilft sicherlich, dass er nicht die komplexeste Geschichte erzählt: BLASTFIGHTER ist eines von wahrscheinlich Dutzenden von Rip-offs, die der Sensationserfolg von FIRST BLOOD in den frühen Achtzigerjahren nach sich zog. Michael Sopkiw ist Jake „Tiger“ Shark, ein Ex-Cop, der nach einem Selbstjustizmord eine achtjährige Gefängnisstrafe abgesessen hat. Um einen Neuanfang zu wagen, begibt er sich in seine alte Heimat im ländlichen Georgia, wo er aber schon nach kurzer Zeit mit einer Bande von Wilddieben aneinander gerät, die unter der Leitung seines alten Freundes Tom (George Eastman) agieren. Wie er herausfindet verkaufen die Wilderer ihre Beute an einen chinesischen Geschäftsmann, der Medizin daraus herstellt. Die Situation eskaliert, als Tigers Tochter Connie (Valentina Forte), ihr Freund Pete (Michele Soavi) und ein alter Kumpel auftauchen und den Schurken zum Opfer fallen. Tiger startet einen gnadenlosen Rachefeldzug …

Details der Handlung musste ich nachträglich nachlesen, aber im Grunde ist es für den Genuss des Films ziemlich schnurz, aus welcher Motivation heraus die Wilddiebe handeln und wer genau die Freunde sind, die sich um TIger scharen. Das Wichtigste erschließt sich durch bloßes Hinsehen und die Tatsache, dass BLASTFIGHTER reines Genrekino ist, das einer längst etablierten Blaupause folgt. Genau das ist es ja auch, was Spaß macht an Bavas Film: Manchmal möchte man einfach, dass die eigenen Erwartungen erfüllt werden. Schon beim ersten Aufeinandertreffen von Tiger und den Wilderern weiß man, dass sie keine Freunde, sondern erbitterte Rivalen werden, dass man sich auf eine langsam Fahrt aufnehmende, dann schließlich überschlagende Eskalation einstellen kann, an deren Ende die Superwumme mit der Spezialmunition zum Einsatz kommen wird, die Tigers Freund ihm zu Beginn in die Hand drückt. (Man kann sich kein besseres Geschenk für einen aus der Haft entlassenen Mörder vorstellen.) Und so kommt es dann auch: Die Geduld, die der Zuschauer bis zum Finale aufgebracht hat, wird mit einem beachtlichen Body Count, vielen, vielen Explosionen und hitzigen Feuerstunts entlohnt, und wenn dann schließlich die Finalcredits laufen, weiß man wieder, dass es niemals besseres Actionkino gab als in den seligen Achtzigerjahren. BLASTFIGHTER weiß mit schönen Bildern der tiefen Wälder Georgias zu punkten, hat einen tollen Synthiescore von Fabio Frizzi (sowid einen von den Gibbs geschriebenen Countrysong) und mit Michael Sopkiw einen echten Antischauspieler in der Hauptrolle, dessen ans Komatöse grenzende Lethargie genau richtig ist für den verhinderten Amokläufer.

Über das Fernsehen dringen die Dämonen in ein Hochhaus ein, dessen Bewohner in Folge um ihr Leben kämpfen müssen … meist erfolglos.

demoni_2[1]Das Sequel von Bavas Dämonensplatter hat trotz der sichtbar größeren production values und einer recht ansehnlichen Bildgestaltung mit inhaltlicher Ziellosigkeit zu kämpfen. Wurde der Vorgänger noch durch sein Film-im-Film-Motiv strukturiert, so gelingt es Bava hier einfach nicht, seinen Film zusammenzuhalten. Viel wird angerissen, nichts konsequent zu Ende gedacht/gebracht, was schade ist, weil sich mehrfach das zugrundeliegende Potenzial andeutet. Indem Bava die Dämonenbedrohung aus einem Kino in ein modernes Wohnhochhaus verlegt, als Quelle dieser Bedrohung nicht mehr die Leinwand, sondern der Fernseher fungiert, potenziert er sowohl die Gefahr, als er auch einen latent zivilisationskritischen und technologieskeptischen Ton anschlägt, der seinen Film zunächst in die (thematische) Nähe etwa von Cronenbergs SHIVERS rückt. Das Hochhaus wird mit all seinen Errungenschaften als Todesfalle gezeichnet, alle gebotenen Annehmlichkeiten offenbaren nach und nach ihr wahres Gesicht (Fahrstuhl, Fitnessraum, Tiefgarage) und die Architektur selbst scheint die Zeichen des Bösen zu tragen – man denke etwa an den verspiegelten Flur, der von Bava bedrohlich in Szene gesetzt wird. Damit korrespondiert auch die Verschiebung von der Leinwand hin zum Fernseher als Einfallstor für die Dämonen: Bedenkt man, dass sich in jeder Wohnung des Hochhauses mindestens ein Fernseher befindet, so muss man konstatieren, dass die Durchlässigkeit von der Dämonen- in die reale Welt gegenüber DEMONI ungleich größer ist und die Ausbreitung der Dämonenpest um ein Vielfaches schneller voranschreiten könnte. Hier verschenkt Bava die gebotenen Möglichkeiten: Der Übergriff funktioniert statt über alle tatsächlich nur über ein Fernsehgerät (in einer Szene, die Vergleiche mit Cronenbergs VIDEODROME nicht nur herausfordert, sondern gar erzwingt), die Epidemie folgt also der aus Teil 1 bekannten Dynamik, derzufolge ein Opfer infiziert wird und als Überträger wirkt. Das Motiv des „bösen Mediums“ dient nur noch als erstes auslösendes Dominosteinchen, die fruchtbaren Implikationen lässt Bava brachliegen. Die sich bietenden Assoziationen – neben den genannten auch und vor allem die Annäherung an Katastrophenfilme, allen voran natürlich THE TOWERING INFERNO – werden von Bava niemals wirklich produktiv verwertet, was sich im Rahmen eines medienreflexiven Films – der DEMONI 2 zumindest ansatzweise ist – angeboten hätte.Von solchen Aspekten ganz abgesehen stellt sich DEMONI 2 auch hinsichtlich seines Spannungsaufbaus von Beginn an als zerfahren dar: Eine echte Identifikationsfigur kristallisiert sich erst spät heraus, das Augenmerk liegt noch mehr als in DEMONI auf den quantitativ und qualitativ gesteigerten Splatterszenarien, die umso mehr ermüden, als sie nicht mehr von einem einenden Motiv zusammegehalten werden. (Ich muss fairerweise einräumen, dass es hier und da auch durchaus gelungene Sequenzen gibt.) Das Finale, das das überlebende Pärchen in ein Fernsehstudio und also noch einmal in eine längst hinter sich gelassen geglaubte Gefahr (und in Kontakt mit einem von Bava vergessenen Sujet) bringt, rettet DEMONI 2 weniger, als es dessen Scheitern noch deutlicher hervorhebt. Nicht das Medium hat die Kontrolle gewonnen: Bava hat sie verloren.

Die Studentin Cheryl (Natasha Hovey) besucht mit ihrer Freundin die Sneak Preview eines Horrorfilms. Dummerweise stellt sich heraus, dass im Kino finstere Mächte sinnlos walten und das Geschehen auf der Leinwand in blutige Realität verwandeln. Und so müssen sich Cheryl und mit ihr die anderen Zuschauer gegen blutgierige Dämonen zur Wehr setzen …

demoni[1]Mitte der Achtziger war vom einstigen Glanz des italienischen Kinos nicht mehr viel übrig. Um die letzten Zuschauer noch in die italienischen Produktionen zu locken, orientierten diese sich immer stärker am Marktführer aus Übersee. Ein gewisser Plagiarismus war schon immer ein wichtiges Standbein des italienischen Films – vor allem des populären – gewesen, doch nie zuvor hatte man so sehr versucht, die eigene Herkunft zu verstecken wie in den Achtzigerjahren. Erst waren es die englisch klingenden Pseudonyme selbst namhafter Regisseure, dann folgten auch die Schauspieler diesem Trend, wenn sie nicht gleich durch mäßig talentierte, aber dafür gut aussehende Quereinsteiger ersetzt wurden und schließlich bemühte man sich, jede sichtbare Beziehung zum Ursprungsland zu verschleiern. DEMONI von Mario Bavas Sohn Lamberto ist ein eklatantes Beispiel für diese Entwicklung, die das italienische Kino retten sollte, seinen Untergang aber vielleicht sogar beschleunigte: Wer brauchte schon den Abklatsch, wenn er das Original haben konnte? Bavas Film spielt im damaligen West-Berlin, auf dem Soundtrack übertönen internationale Metal- und Hardrockbands wie Mötley Crüe, Accept, Saxon und die Pretty Maids oder Pop-Acts wie Go West!, Billy Idol und Rick Springfield die Synthie-Klänge Claudio Simonettis, der dem italienischen Exploitationkino in den Siebzigern noch gemeinsam mit seinen Mitstreitern von Goblin einen markanten Sound verpasst hatte, und die Geschichte vermeidet jede eindeutige kulturelle oder regionale Verortung, indem sie das grenzüberschreitende, völkerverbindende Erlebnis des Kinobesuchs und Filmsehens zum Ausgangspunkt nimmt. DEMONI ist auf einen Schauplatz – ein Kino – und einen Zeitraum von wenigen Stunden – die Zeit rund um einen Kinobesuch – eingedampft, bezieht seinen Reiz in erster Linie aus seiner Film-im-Film-Struktur und in zweiter aus den körperdeformierenden Splatterorgien, die DEMONI als einen der frühen Vertreter des Funsplatter-Genres erkennen lassen.

Der selbstreflexive Charakter wird von Bava zunächst recht überzeugend aufgebaut: Die Auftaktsequenz, die den Zuschauer unterstützt von Simonettis Score und unter Zuhilfenahme aller filmischen Mittel stetig wachsendem Druck aussetzt, um das Gefühl von Bedrohung zu evozieren, löst das lang aufgebaute Versprechen am Ende schließlich doch nicht ein: Die vermeintliche Gefahr entpuppt sich als Verteiler von Kinofreikarten und somit zunächst als harmlos. (Sehr schön, wie schnell die aufgebaute Anspannung nicht nur vom Zuschauer, sondern auch von der Hauptdarstellerin abfällt, die dem Mann, der sie zuvor noch in Todesangst versetzt hatte, sogleich hinterherrennt, um ihm noch eine zweite Karte abzunehmen: Film löst Ängste aus und auf.) Im Kinofoyer angekommen stellt Bava seine Protagonisten vor – das Kino als soziale Begegnungsstätte – und bereitet schließlich die anstehende Krise vor, bevor er sich dem Kinosaal und somit dem Film-im-Film widmet. Hier wird einige Zeit darauf verwendet, die Reaktionen des Publikums einzufangen und zu zeigen, wie sehr diese vom Horrorfilm auf der Leinwand affiziert werden: Menschen rücken enger zusammen, gestehen sich ihre Angst ein oder spielen diese betont herunter. Es mag von manchem als inszenatorischer Mangel angesehen werden, dass der Film auf der Leinwand keineswegs gruselig, sondern viel eher ziemlich albern wirkt, tatsächlich ist das jedoch ein in mehrfacher Hinsicht cleverer Schachzug: Bava betont zunächst die jedem Filmerlebnis wesentliche Verbindung von Zuschauer(raum) und Film(raum). Qualität oder Glaubwürdigkeit sind rein subjektive Kategorien und somit sekundär. Sie sind nicht zuletzt von der Perspektive abhängig: Für Bavas Protagonisten ist der Film effektiv. Gleichzeitig etabliert Bava so die Differenz zwischen seinem Film und dem Film-im-Film: Obwohl beide ja „Film“ und aus demselben Material sind, besteht ein Unterschied zwischen ihnen bezüglich ihres Authentizitätsgrads. Wir können den Film somit vom Film-im-Film unterscheiden. Und natürlich handelt es sich um ein Täuschungsmanöver: Denn während sich über die Unbeholfenheit des Films-im-Film gut lachen lässt, ist DEMONI dann doch von anderem Kaliber – in Deutschland hagelte es immerhin eine Beschlagnahmung.

Zurück zur Handlung: Das Geschehen auf der Leinwand überträgt sich schließlich auf den Zuschauerraum; nicht nur implizit – wie eben in jedem „gelungenen“ Film -, sondern explizit: Eine der Zuschauerrinnen hat sich wie ihr Spiegelbild im Film mit der „Dämonenpest“ infiziert und unterliegt einer Mutation auf der Kinotoilette, wo ihr wenig später auch die beste Freundin zum Opfer fällt. Diese gelangt nun, von der mutierten Freundin und der ihr zugefügten wuchernden Verletzung in Panik versetzt, hinter die Leinwand, die sie just in dem Moment durchbricht, als der Mörder im Film-im-Film ein Zeltdach durchschneidet, um das sich darunter verbergende Mädchen zu ermorden (es ist ein interpretatorisches Klischee, aber die Öffnung in der Leinwand hat trotzdem die Form einer Vagina). Mit diesem Aufgenblick verlagert sich das dämonische Treiben endgültig von der Leinwand in den Kinosaal, der nun zur tödlichen Falle zu werden droht.

Was DEMONI von anderen Vertretern des selbstreflexiven Horrorfilms unterscheidet, ist dass der Film selbst Teil des Spuks ist. Während in SCREAM die grundsätzliche Möglichkeit besteht, Handlungsweisen und Regeln für die filmgewordene Realität aus Filmen zu entnehmen (was den Protagonisten nur deshalb nicht gelingt, weil sie zu dumm sind), lassen sich dem Film-im-Film von DEMONI keine Lehren entnehmen, weil er selbst das Werk des Bösen ist. Somit hoffen die Kinobesucher sich der Dämonen zu entledigen, indem sie den Film anhalten. Schade, denn eigentlich wäre es sehr interessant gewesen, den Protagonisten dabei zuzuschauen, wie sie versuchen, den Film zu Ende zu sehen, um herauszufinden, wie sie die Dämonenbrut besiegen können, und sich dabei genau dieser Brut erwehren müssen. Mit dem Anhalten des Films beendet Bava jedoch auch seinen selbstreflexiven Diskurs und lässt DEMONI in ein ermüdendes Funsplatter-Finale münden, das – wie die Auftaktsequenz – nie einlöst, was der Aufbau versprochen hat. DEMONI ist, darüber sollen meine langen Ausführungen nicht hinwegtäuschen, ein in vieler Hinsicht ungeschickter Film: Bestes Beispel dafür ist die über mehrere vollends nutzlose Szenen gestreckte Einführung einiger Nebencharaktere, deren Rolle diese Ausführlichkeit niemals rechtfertigt. Vor 15 Jahren, als ich DEMONI mit Begeisterung erlegen war und mich über jeden einzelnen blutigen Effekt noch diebisch freuen konnte, habe ich über solche Passagen gern hinweggesehen, heute zerren sie doch arg an den Nerven. Nein, DEMONI ist kein guter Film. Aber das völlige Verschwinden des italienischen Genrekinos lässt mich selbst anlässlich dieses schon alle Zeichen des bevorstehenden Niedergangs tragenden Films doch noch die ein oder andere Träne verdrücken.