Mit ‘Laurence Fishburne’ getaggte Beiträge

batmanvsupermanMarvel vs. DC: Das ist heute vielleicht noch mehr eine Glaubensfrage als damals, als es nur die Heftchen mit den bunten Bildern zu kaufen gab. DC hatte die Nase lange Zeit vorn, mit Batman und Superman zwei Charaktere vorzuweisen, die bereits in den amerikanischen Mythenschatz eingegangen waren. Marvels aufgekaufter Captain America war dagegen von Anfang an nur ein Westentaschen-Superman, Spiderman zwar immens populär, aber eben doch nur eine Variation der DC’schen Pionierarbeit. Nur mit den Filmen da will es bei DC nicht so recht klappen, zumindest, wenn man den Nerds und Geeks glaubt, die sich schon längst für das MCU, das „Marvel Cinematic Universe“, entschieden haben, das seit 2008 mit durchschnittlich ein bis drei Filmen pro Jahre fleißig weitergestrickt wird und das jetzt schon bis ins Jahr 2038 vorausgeplant ist. Dabei standen die Sterne für DC eigentlich immer günstig: Der erste Superman-Zyklus und die Burton-Batmans sorgten zu einer Zeit für Aufsehen, als Marvelhelden noch in superbilligen TV-Produktionen herumhampeln mussten bzw. verzweifelt den Sprung auf die Leinwand versuchten. Eine Wende kündigte sich erst um die Jahrtausendwende an, als X-MEN und vor allem SPIDERMAN die Marvel-Offensive einläuteten. Selbst als Marvel mit IRON MAN den echten Startschuss für ihr MCU gaben, hatte DC noch die Nolan-Batmans vorzuweisen, von denen der zweite, THE DARK KNIGHT zu ungeahnter Euphorie führte. Mit THE DARK KNIGHT RISES wurden dann die kritischen Stimmen zu einer Zeit laut, als Marvel in den nächsten Gang schaltete: Während man sich hier über gutgelauntes Popcornkino mit bunten Bildchen freute, wurde da die umfassende Düsternis und „grittiness“ beklagt. Alles aus war dann, als Snyder seinen Superman in MAN OF STEEL ganz Metropolis in Schutt und Asche legen ließ. Ein Affront, der die Weichen für den Backlash stellte, der mit dem Release von BATMAN V SUPERMAN: DAWN OF JUSTICE über DC hereinbrach. Man konnte offensichtlich nichts richtig machen.

Dabei machen DC zum Auftakt sogar den Kotau vor den Fanboys: Hatte MAN OF STEEL noch die Möglichkeit gelassen, dass bei Supermans Kampf gegen den bösen General Zod nur leere Wolkenkratzer zerstört worden waren (Outlaw Vern hat einen wie ich finde sehr klugen Text zum angeblichen Skandal des Films geschrieben), bestätigt BVS die Interpretation der Zuschauer und lässt Superman (Henry Cavill) infolgedessen eine Art Sündenfall erleben. Die Menschen wenden sich von ihm ab, weil sie erkennen, dass er eine Bedrohung für sie darstellen könnte, Politiker überlegen, wie sie fortan mit ihm umgehen sollen. Und im unweit von Metropolis gelegenen Gotham City hat es einer schon immer gewusst: Bruce Wayne aka Batman (Ben Affleck), für den Superman auch nur ein weiterer Verbrecher ist, dem es das Handwerk zu legen gilt. Gleichzeitig macht sich Superschurke Lex Luthor (Jesse Eisenberg) daran, die Macht zu übernehmen. Der Hass Batmans auf Superman ist seine wichtigste Waffe – und natürlich der Riesenmutant Doomsday, den er aus einer Kreuzung des toten General Zod und seiner eigenen DNA erschafft …

Die Kritik, mit der Snyders Film vom Start weg überzogen wurde, war harsch – und lässt sich kein Stück mit meiner Sichtungserfahrung in Übereinstimmung bringen. Was daran liegen mag, dass ich den gut 30 Minuten längeren Extended Cut gesehen habe: den Vorwurf, der Film sei unzusammenhängend und konfus, den man überall hörte, kann ich BVS beim besten Willen nicht machen, im Gegenteil. Gerade wenn man, wie ich, an Marvelfilmen wie AVENGERS: AGE OF ULTRON beklagt, dass sie wie Collagen aus unfertigen und übereilten Storyfragmenten anmuten, sich mehr darauf konzentrieren, die nächsten drei Filme anzustoßen, als ihre eigene Geschichte zu erzählen, muss einem BVS wie eine Wohltat vorkommen. Der Konflikt zwischen Batman und Superman, der den ethischen Konflikt zwischen übergeordneter, universeller und individueller Moral widerspiegelt, bildet das klare dramaturgische Zentrum, um das sich die eher sparsamen Subplots herumgruppieren. Snyder baut seine Geschichte sehr geduldig auf, anstatt bloß kurze Episödchen aneinanderzureihen und irgendwann den Überblick zu verlieren. Lediglich das beim MCU abgeschaute Anteasern der nun wohl in den Startlöchern stehenden Wonder-Woman- und Justice-League-Filme lenkt etwas ab und steht unverbunden mit dem Rest herum, stört aber auch nicht übermäßig. Was man wohl lieben oder hassen kann, sind das Pathos und die Ernsthaftigkeit, mit der das Ganze umgesetzt wird. Auch ich habe schon mal behauptet, die Marvelfilme böten zu wenig Fun: So gesehen müsste ich BVS eigentlich hassen. Der Unterschied liegt wohl darin, dass Batman und Superman als Figuren einfach um ein Vielfaches interessanter und allgemeingültiger sind als Iron Man, Thor, Captain America oder Ant-Man (Hulk lasse ich mal außen vor, aber mit dem weiß Marvel ja offensichtlich auch nichts mehr anzufangen) und es demzufolge überhaupt als lohnenswertes Unterfangen ist, einen „ernsten“ Film um sie zu stricken.

Das scheint aber nicht mehr besonders gefragt zu sein: Spaßig soll es sein, möglichst wenig nachhaltig, gut wegzukonsumieren. Da kann einem BVS schon mal den Abend verderben mit seiner brüterischen, dunklen, deprimierenden Ader. Auch wenn Snyder den Bogen im ausufernden Finale mal wieder überspannt, kann ich mit seiner Interpretation der Comics mehr anfangen als mit diesen komplett leeren Marvel-Spektakeln, in denen sich ein Dutzend bunt kostümierter Figuren um einen Stein balgen, dessen Bedeutung erst im übernächsten Film geklärt werden wird. Ich fühle mich von BVS einfach als erwachsener Filmzuschauer ernst genommen, während ich mich bei Marvel auf die Rolle des Konsumenten reduziert fühle. Ich glaube, dahinter verbergen sich grundsätzlich andere Ansprüche an oder Konzepte von Unterhaltung. Als ein Makel von BVS wurde angeführt, wie der Streit zwischen Superman und Batman schließlich aufgelöst wird: Batman verschont den geschlagen am Boden liegenden Helden, als er erfährt, dass dessen Mutter auch auf den Namen Martha hört. M. E. wird hier von den Kritikern etwas Grundsätzliches nicht verstanden, nämlich dass Kunst (und vor allem Superheldencomics for chrissakes!) mit Verdichtungen arbeitet. Das sind keine echten, voll durchpsychologisierten Individuen, denen wir da zusehen. Es geht auch nicht wirklich um die zufällig Namensgleichheit, sondern darum, dass Batman erkennt, dass das zu vernichtende Alien wie er EINE MUTTER HAT, mithin „Mensch“ ist. Es ist vielleicht nicht die eleganteste Auflösung für den Konflikt, aber es ist weit von jener Lächerlichkeit entfernt, die mancher darin ausgemacht zu haben glaubt. Aber gut, bei Marvel kommt so etwas natürlich nicht vor, weil die Messlatte da von Anfang an sehr viel tiefer liegt. Wenn man die Sichtweise erfolgreich etabliert hat, dass sowieso alles nur ein buntes Späßchen ist, das man nicht zu ernst nehmen sollte, können auch solche Ausrutscher nicht passieren.

Das Problem von DC ist mithin Folgendes: Snyder (und vor ihm Nolan) haben etwas riskiert, haben Filme gemacht, an denen man sich reiben und die man auch richtig kacke finden kann. Marvel macht Filme, die allen gefallen sollen und sind damit bisher recht erfolgreich (was man anerkennen muss). Aber für die Filmkultur finde ich es trotzdem traurig, dass harmloser Bullshit wie die AVENGERS-Filme oder ein GUARDIANS OF THE GALAXY abgefeiert werden wie die Neuerfindung von geschnittenem Brot, während man sich über MAN OF STEEL oder BVS das Maul zerreißt, weil die Filme es wagen, einen eigenen Stil und eigene Ideen zu etablieren, vielleicht sogar mal von der Vorlage abzuweichen. Aber gut, so richtig wundern muss einen das in unserer Zeit ja nicht mehr.

 

 

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ride-along-movie-poster-kevin-hart-ice-cubeGestern war ich müde und wollte deshalb was Egales, aber Amüsantes gucken. Diese Komödie, derzeit für Nüsse auf Amazon Prime zu begutachten (und nach einigen Anlaufschwierigkeiten sogar im O-Ton), schien mir die richtige Wahl. Ich finde Kevin Hart, der aufgrund seiner geringen Körpergröße auf den etwas ängstlichen, weibischen Afroamerikaner mit losem Mundwerk festgelegt ist, bei Stand-up- und Filmauftritten wie in GET HARD sehr lustig und in Kombination mit badass Ice Cube schien das für den ein oder anderen Lacher gut zu sein. Leider ein Trugschluss: Das Drehbuch ist einfallslos, Ice Cube agiert auf Autopilot und Tim Story (die beiden FANTASTIC FOUR-Filme) inszeniert wieder einmal, als wolle er niemanden zu sehr aufregen.

Die Prämisse erinnert etwas an TRAINING DAY in dumm (was schon was heißt): Ben Barber (Kevin Hart), ein zukünftiger Polizeischüler, ist mit Angela (Tika Sumpter) liiert, der Schwester von No-Nonsense-Cop James (Ice Cube). Der hält Ben für einen Waschlappen und nichts von dessen Heiratswünschen. Um ihn loszuwerden, nimmt er ihn für einen Tag mit auf Streife, sicher, dass der danach das Weite sucht. Als Ben nach einigen demütigenden Erlebnissen aber herausfindet, dass James die Fälle eigens für ihn getürkt hat, ist sein Ehrgeiz geweckt …

Aus dieser Prämisse hätte man wenn auch kein Komödienhighlight, so doch ganz gewiss einen kurzweiligen Spaß mit dem ein oder anderen guten Gag machen können. Leider ist nicht einmal das gelungen. Es fehlen die echten Pointen, die perfekt getimeten Dialoge und überhaupt Spezifika in den Figurenzeichnungen: Ice Cube ist ein tough guy, Kevin Hart ein gutmütiger Angsthase, dabei bleibt es, daraus macht der Film gar nichts. Dass RIDE ALONG handlungstechnisch nicht über schematisches Malen-nach-Zahlen hinauskommt (dank Storys Inszenierung besonders steif), hatte ich nicht wirklich anders erwartet. Was mich aber ganz schön ernüchtert hat, ist die enorme Biederkeit, mit der das alles präsentiert wird. Auf ein paar saftige Flüche des einstigen N.W.A.-Frontmanns wartet man vergeblich, stattdessen mimt er den Beschützer für die eigene Schwester, die sich noch nicht einmal einen Ehemann selbst aussuchen darf. Aber wahrscheinlich ist RIDE ALONG genau mit dieser Publikumsansprache zum Hit avanciert, dessen Sequel in Kürze ins Kino kommt. Ich werde dann wohl passen.

Marcos schrieb in seinem gestrigen Kommentar zu Teil 2, dass sich die Reihe mit Russells zweitem Sequel in die Nähe von Spielbergs ILM begeben, mithin zum effektgetriebenen, kinderfreundlichen Familienkino entwickelt habe. Ob man das überhaupt als Kritikpunkt wertet, ist wohl eine Frage des persönlichen Geschmacks, richtig ist aber, dass der Film eher wenig mit Splatter und Horror zu tun hat, dem die ersten beiden Teile ohne Frage zuzurechnen waren, dafür aber umso mehr mit dem wish fulfillment des Fantasyfilms oder auch des heutigen Superheldenkinos. A NIGHTMARE ON ELM STREET 3: DREAM WARRIORS ist der Auftakt zur in den folgenden Sequels auf die Spitze getriebenen Verpoppung des ursprünglich sehr unheimlichen Traumdämons Krueger, der nicht nur immer mehr Raum erhält, sondern im Folgenden immer stärker ins Zentrum elaborierter Effektszenen gerückt wird. So sehr Russell das Franchise aber auch in Richtung des sicheren scare flicks für Teenies steuert, so sehr knüpft er inhaltlich an die Themen von Wes Cravens erstem Teil an, greift dessen Ideen auf und denkt sie konsequent zu Ende.

Springwoods Teenager sind außer Rand und Band, weigern sich panisch, schlafen zu gehen und reagieren aggressiv auf das Unverständnis der Eltern, die wiederum schlicht pubertäre Flausen hinter dem Verhalten ihrer Blagen vermuten. Einige besonders harte Fälle, darunter Kristen (Patricia Arquette), befinden sich unter der Obhut von Psychologe Neil Gordon (Craig Wasson) in einer Nervenklinik, wo man sie davon überzeugen will, dass von ihren Träumen keine echte Gefahr für sie ausgeht. Die Kids fühlen sich nicht nur unverstanden, sie müssen die „Hilfe“ der Erwachsenen, die darin besteht, ihnen Tranquilizer und Schlafmittel einzuflößen, sie dem Killer mithin auf dem Silbertablett zu servieren, geradezu fürchten. Zum Glück kommt irgendwann Nancy Thompson (Heather Langenkamp) daher, die weiß, was es mit dem entstellten Mann in den Träumen der Kinder auf sich hat. Sie entlockt jedem Kind eine besondere „Traumfähigkeit“ und bringt sie mithilfe einer besonderen Gabe Kristens zusammen, um gegen Krueger anzutreten.

Mit dem Anstaltssetting, der bisweilen aggressiv ausartenden Konfrontation der Kinder und des Pflegepersonals, den Gesprächstherapien, in denen die Ärzte mit verständnisvollem Ton, aber doch stets von oben herab ihr Urteil fällen, eher zu den Jugendlichen reden als mit ihnen und ihnen vor allem nicht zuhören, expliziert A NIGHTMARE ON ELM STREET 3: DREAM WARRIORS das Thema elterlicher Vernachlässigung und sogar Gefährdung, das in Cravens Film eher beiläufig mitlief. Russell bietet eine ganze Handvoll zur Identifikation einladender Charaktere auf, die das Heft unter Anleitung von Nancy selbst in die Hand nehmen müssen, weil von den Ärzten keine echte Hilfe zu erwarten ist. Die depressiven, verängstigten, wütenden und zum Teil schwer traumatisierten Kids erfahren von ihr die Wertschätzung und Anteilnahme, die sie benötigen, um das in ihnen schlummernde Potenzial zu schöpfen. Ihr Kampf gegen Freddy hat daher auch etwas von Selbstbefreiung, Selbstbestätigung und Selbstverwirklichung und die drohende Gefahr für Leib und Leben tritt für sie alle hinter dem Gefühl zurück, nicht mehr untätig und hilflos in ihrer Angst verharren zu müssen. So gesehen ist es nur folgerichtig, dass DREAM WARRIORS die Beschränkungen des Horrorfilms hinter sich lässt, bunter, fantasievoller und auch ein wenig kitschig daherkommt. Die Einsicht, die diesem Kitsch zugrundeliegt, ist jedoch ziemlich ernüchternd: In der Realität gibt es für diese Kids keinen Ort mehr, der noch nicht von den Vorurteilen der Erwachsenen besetzt wäre, und in ihrem einzig verbliebenen Rückzugsraum stellt ihnen nun auch noch ein rachsüchtiger Dämon nach. Es ist nicht leicht ein Teen zu sein.

In der Zeichnung Freddy Kruegers offenbart Russells Film zwar erste Ansätze für seinen Aufstieg zum One-Liner spuckenden Popstar – „Welcome to Prime Time, bitch!“ –, aber verglichen mit den Exzessen von Harlins nächster Installation wird er noch relativ dezent eingesetzt. Sein niederträchtigster Moment ist das Ködern der ehemalig drogenabhängigen Taryn (Jennifer Rubin) mit verlockenden Spritzen: Hier offenbart der bunte Achterbahnthrill seine abgründige Seite und in Taryns Blick, in dem sich die Enttäuschung über die eigene Schwäche und das Wissen um ihre unausweichliche Kapitulation spiegeln, ermöglichen eine emotionale Anteilnahme, die in den folgenden Teilen ausbleibt. Wenn ich an DREAM WARRIORS etwas bemängeln müsste, dann sicherlich, dass der Höhepunkt des Films, der Albtraum mit Freddy als Marionettenspieler, recht früh „verheizt“ wird und dann nichts ähnlich Einfallsreiches und Bildgewaltiges mehr kommt. Andersrum könnte man aber auch darauf hinweisen, dass Russells Film trotz aller vorhandenen Ansätze eben noch keine grelle Nummernrevue ist, sondern ein liebevoll erzählter Film mit einem sauber entwickelten Spannungsbogen. Ein Klassiker, so oder so.

Als ein Signal des vor Jahren bei einer Expedition an den Rand des Sonnensystems verschwundenen Raumschiffs „Event Horizon“ empfangen wird, wird ein Rettungsteam unter der Leitung von Captain Miller (Laurence Fishburne) losgeschickt, um es zu bergen. Zum Team stößt auch Dr. William Weir (Sam Neill), der die „Event Horizon“ entwickelt und demzufolge großes Interesse daran hat, das Raumschiff, das in der Lage ist, das Raum-Zeit-Kontinuum zu durchstoßen, zur Erde zurückzubringen. Doch bald wird klar, dass an Bord der „Event Horizon“ etwas Furchtbares geschehen sein muss: Die Crew ist verschollen und nach Betreten wird einer nach dem anderen aus Millers Rettungsteam von seltsamen Visionen heimgesucht, die sich bald als tödlich entpuppen …

EVENT HORIZON habe ich nun zum ersten Mal seit seinem Erscheinen wiedergesehen – und leider hat sich meine Meinung zu ihm nicht wesentlich verändert. Zwar hat er mir diesmal nicht wie damals den letzten Nerv geraubt – 15 Jahre, in denen man sich an die Auswüchse der intensified continuity gewöhnen konnte, lassen seine Schnittgewitter und seine grollende Tonspur heute schon fast als ruhig erscheinen –, aber dafür habe ich mich ganz schön gelangweilt, was nun auch nicht gerade besser ist. Die Geschichte, in der Andrei Tarkowskis Philosophy-Fiction SOLARIS mit Ridley Scotts Sci-Fi-Horror ALIEN verbunden wird, ist aufgrund der Bekanntheit der Vorlagen vorhersehbar, wird von Anderson aber mit einem solch heiligen Ernst erzählt, dass jede Leichtigkeit einer bleiernen und absolut lähmenden Schwere weichen muss. EVENT HORIZON kommt nie wirklich in die Gänge, schleppt sich zäh und leblos dahin. Um für die leider ausgebliebene Suspense aufzukommen, hagelt es dann am Ende einige splatterige Tode und weitere Genrefilmklischees (warum hat eigentlich jedes Raumschiff praktische Selbstzerstörungsmechanismen?), Sam Neill darf gar als nagelloser Pinhead-Doppelgänger durch die Gänge der „Event Horizon“ schleichen und das ultimativ Böse verkörpern: Enttäuschend für einen Film, dessen Frage danach, was hinter den Rändern unseres Sonnensystems wartet, deutlich unheimlichere und originellere Antworten ermöglicht hätte.

Lustigerweise ist EVENT HORIZON wohl der Film Andersons, der allgemein am besten beleumundet ist, während sein restliches Werk gern als Beweis dafür herangezogen wird, dass er lediglich ein dem Style over Substance verpflichteter Hack ist. Das ist logisch: Wenn man sich vor allem für das klassische Erzählkino erwärmen kann, dann müssen einem Popkunstwerke wie RESIDENT EVIL: AFTERLIFE, DEATH RACE oder THE THREE MUSKETEERS als oberflächlicher Quatsch erscheinen. Ich finde alle diese genannten Filme um ein Vielfaches interessanter, eleganter und vor allem schöner und gehaltvoller als den dramaturgisch eher traditionell erzählten EVENT HORIZON, der für mich nur ein aufgeblähter Langweiler ist, plump und behäbig inszeniert und ohne die fast schwerelose Grazie von Andersons späteren Filmen. Was man ihm zugutehalten muss, sind seine ausgezeichneten Set Designs, die nach richtig viel Geld aussehen – und definitiv einen besseren Film verdient gehabt hätten.

Sprichwörtlich aus heiterem Himmel fallen sieben Soldaten und Mörder und landen in einem unwirtlichen Urwald, der sich bald schon als außerirdisches Sportjagdgebiet der gemeinen Predators erweist. Die lassen regelmäßig die Härtesten der Harten aus dem ganzen Universum bei sich einfliegen, um ihre eigenen Fähigkeiten zu schärfen. Royce (Adrien Brody) und seine Leidensgenossen müssen nicht nur um ihr Leben kämpfen, sondern auch noch einen Fluchtweg zur Erde finden …

Hmmm, so ganz verstehe ich nicht, warum PREDATORS so durchwachsene Reaktionen eingefahren hat. Klar, die schiere Power des 1987er Originals mit einem Arnold Schwarzenegger kurz vorm totalen Superstardom erreicht dieses Sequel nicht, aber mit dem zweiten Teil von Stephen Hopkins kann es Antals Film durchaus aufnehmen. Zwar lässt PREDATORS einen erkennbaren eigenen visuellen Stil vermissen, reiht sich vielmehr in die Grau-in-Grau-Tristesse des modernen Genrefilms ein, doch hat er dafür einige schöne Ideen und vor allem einige Härten aufzubieten, die den Fan bei Laune halten: Die Ausgangsidee (die etwas an CUBE oder auch dessen erfolgreicheren Epigonen SAW erinnert) passt gut in die auch von den ALIENS VS. PREDATOR-Filmen (von denen zumindest der erste sträflich unterbewertet ist, wie ich finde) ausgebaute Predator-Mythologie, Laurence Fishburne bringt mit seinem wahnsinnig gewordenen Survivor etwas Gravitas in den ansonsten vor allem auf Rasanz und Thrill ausgelegten Film und gegen Ende stellt das Drehbuch dann auch die richtigen Fragen: Inwiefern unterscheiden sich all die bis an die Zähne bewaffneten Soldaten, Söldner und Killer eigentlich von den außerirdischen Mordmaschinen? Und sind die Gekidnappten auf dem Planet der Predatoren nicht viel eher zu Hause als auf der Erde?

Was dem Film aber eindeutig fehlt, ist Ambition: Alle Beteiligten waren wohl damit zufrieden, einfach nur einen Genrefilm zu machen. Das ist ihnen, wie gesagt, durchaus gelungen, aber wenn man sich anschaut, wie die recht beachtliche Darstellerriege für eindimensionale Klischeefiguren mit maximal anderthalb Charakatereigenschaften und unsäglich hohle Dialogzeilen verheizt wird, trauert man schon etwas den verschenkten Möglichkeiten hinterher. Ein Walton Goggins etwa, der in THE SHIELD einen der fassettenreichsten Charaktere der Fernsehgeschichte verkörperte, hätte für seine erste große Filmrolle etwas Besseres verdient als seinen selten eindimensionalen White-Trash-Idioten. Adrien Brody hingegen, von Fanboys in vorauseilendem Gehorsam als Fehlbesetzung verspottet, macht sich als muskelbepackter, Oneliner ausspuckender Held wider Willen hingegen sehr ordentlich und braucht sich um sein zukünftiges Einkommen keine Sorgen zu machen. Wenn die chronisch unloyale Arthaus-Klientel ihn vergessen hat, kann er in knalligen DTV-Produktionen den Wesley Snipes machen. Ich freue mich darauf ebenso wie auf den nächsten Predatoren-Film.