Mit ‘Lee Byung-hun’ getaggte Beiträge

Fuqua bleibt unvorhersehbar: Nach dem doch arg biederen SOUTHPAW folgt mit dem Remake von Sturges ewigem Westernklassiker von 1960 (der, gähn, natürlich auch schon ein Remake war, wir wissen es) wieder ein Film, der es mit den Höhepunkten seiner Filmografie – SHOOTER, BROOKLYN’S FINEST und THE EQUALIZER – aufnehmen kann. Er modernisiert die alter Heldengeschichte, interpretiert ihre Protagonisten als Kriegsversehrte, die USA als einen Ort, der sich schon viel zu lang über Gewalt definiert und liefert mit dem Showdown ein adrenalinpumpendes, physisches Actionfeuerwerk, wie man es im Kino dieser Größenordnung nicht mehr allzu oft geboten bekommt.

Das Örtchen Rose Creek, eine Siedlung, in der sich brave weiße Christen niedergelassen haben, wird von dem skrupellosen Kapitalisten Bartholomew Bogue (Peter Sarsgaard), der in der Nähe eine lukrative Mine betreibt, in Angst und Schrecken versetzt. Er will die Siedler vertreiben und schreckt dabei auch vor Gewalt nicht zurück. Emma Cullen (Haley Bennett), die in einem Scharmützel ihren Mann verloren hat, sucht den Gesetzeshüter Chisolm (Denzel Washington) auf, um Bogue Einhalt zu gebieten. Der Revolverheld stellt darauf ein schlagkräftiges Team zusammen. Dazu gehören der Ganove Faraday (Chris Pratt), der mexikanische Strauchdieb Vasquez (Manuel Garcia-Rulfo), der Südstaaten-Scharfschütze Goodnight Robicheaux (Ethan Hawke) und sein Partner Billy Rocks (Lee Byung-hun), den legendären Jack Horne (Vincent D’Onofrio) und den Indianer Red Harvest (Martin Sensmeier) …

Der Unterschied zum Original ist deutlich: Ja, die zu verteidigenden Siedler sind keine Mexikaner mehr, sondern treue Amerikaner, aber der Feind kommt nun ebenfalls aus dem Inneren des Landes. Bogue ist Vertreter eines brutal vorpreschenden Kapitalismus und bei seinem blutigen Vorgehen gegen die die widerspenstigen Siedler muss er nicht auf die Hilfe von Kriminellen zählen, sondern kann sich auf die Bereitschaft diverser offizieller „Sicherheitskräfte“ verlassen. In Chisolms spontan zusammengestellter Armee kommen hingegen Parteien zusammen, die noch vor nicht allzu langer Zeit verfeindet waren: Nord- und Südstaatler, ein Mexikaner, dessen Großvater den Amerikanern beim Angriff aufs Alamo eine empfindliche Niederlage bei- und dabei möglicherweise Faradays Großvater umgebracht hatte, der Indianerkiller Horne und ein Indianer sowie ein von allen als Exot kritisch beäugter Chinese. Anders als in Sturges‘ Film – und klassischen Heldenerzählungen generell – sind Chisolm und seine Männer damit aber eben nicht nur Außenseiter, die am Ende des Films in den Sonnenuntergang davonreiten müssen, sondern ein wesentlicher Bestandteil amerikanischer Geschichte, die immer wieder in Scharmützel mündet. Gewalt ist in Fuquas Film gleichermaßen Triebmotor für den „Prozess der Zivilisation“ wie sie immer wieder droht, alles um Jahrhunderte zurückzuwerfen – von den emotionalen Wunden, die sie schlägt, ganz zu schweigen. Fuqua ist wahrscheinlich eher einem konservativen politischen Spektrum zuzuordnen, aber er zeigt eben ziemlich deutlich, dass der Traum vom sauberen, gewaltlosen Fortschritt ein Irrglaube ist.

Ganz toll fand ich, wie er das finale Duell zwischen Chisolm und Bogue auflöst, wie er die Konventionen umdreht und Chisolm vom Machtrausch fortgetragen wird, was ihn beinahe das Leben kostet. Sein Blick spiegelt die ganze Ambivalenz des Films. Letztlich ist es Willkür, ob einen die Geschichte ins Recht setzt oder auf die Seite der Schurken.

Teil 5 des Terminator-Franchises hat wie die vorangegangenen beiden Teile vor allem damit zu kämpfen, dass James Cameron seinerzeit mit THE TERMINATOR und T2: JUDGEMENT DAY zwei (sehr unterschiedliche) Filme schuf, die sofort zu Klassikern avancierten und ihre jeweilige Dekade beinahe idealtypisch verkörperten: Düstere, technikskeptische No-Future-Apokalypse für die Eighties, lautes, schnelles, großes, ironiedurchsetztes und zynisches Popcorn-Spektakel für die Nineties. Vor allem letzterer war damals ein Game Changer ersten Ranges, der Film, der einen Paradigmenwechsel und eine neue Epoche computergenerierter Effekte einläutete. Selbst, wenn man von den nachfolgenden drei Teilen der Reihe enttäuscht ist oder war, so muss man doch einräumen, dass es nahezu unmöglich scheint, heute noch etwas von vergleichbarer revolutionärer Bedeutung zu schaffen. Die Effekte von Alan Taylors TERMINATOR GENISYS sind teilweise beeindruckend, das Sounddesign ähnlich wie im Vorgänger TERMINATOR SALVATION eine Klasse für sich, trotzdem sind das nur kleine Details, deren Stellenwert nicht vergleichbar ist mit den Morphing-Effekten um den T-1000 vor beinahe 25 Jahren. Das fällt beim neuesten Eintrag umso stärker auf, als er den direkten Vergleich nicht scheut, sondern ihn aktiv sucht: TERMINATOR GENISYS erzählt die Geschichte von THE TERMINATOR zunächst noch einmal aus der Perspektive des Zeitreisenden Kyle Reese (Jai Courtney), streift dabei ikonische Szenen wie die Konfrontation des Terminators mit den Punks vor dem Planetarium, nimmt dann aber eine Abzweigung. Sarah Connor (Emilia Clarke) und der Terminator (Arnold Schwarzenegger) sind in ihrem Kampf gegen Skynet mittlerweile selbst zu versierten Zeitnavigatoren geworden, sodass es gleich mehrere alternativ laufende Zeitstränge gibt, die sich ständig überkreuzen und etwa dazu führen, dass der Terminator gegen sein altes Selbst kämpfen muss. Am Ende scheint die Zukunft mit der Zerstörung Skynets und ihres neuesten Produkts Genisys gerettet, aber mit Kenntnis der Reihe weiß man, dass es in einer Welt, in der man jederzeit in die Vergangenheit reisen kann, um die Dinge retroaktiv zu ändern, keinerlei bleibenden Gewissheiten mehr gibt. Man könnte sagen, dass die TERMINATOR-Reihe in ihrer ständigen Wiederbelebung und Neuninterpretation des Alten, dem leeren Versprechen einer nun endgültigen „Auflösung“ und der gleichzeitigen inhärenten Unmöglichkeit einer solchen das ultimative Hollywood-Produkt geworden ist. Genisys ist Skynet ist Hollywood.

So wie der Technologiekonzern sich in TERMINATOR GENISYS längst nicht mehr mit der Konstruktion waffenstarrender Kampfroboter zufrieden gibt sondern mittels des titelgebenden Programms via Internet alle relevanten Bereiche des menschlichen Lebens zu kontrollieren sucht, ist Film ja längst nur noch ein Bestandteil des Markenstrebens der Studios. Solange die Marke Gewinn abwirft, wird es also neue Filme geben und dank des den Kern der TERMINATOR-Urerzählung bildenden Zeitparadoxons ist das nächste Update (der Begriff macht hier noch mehr Sinn als anderswo) gewissermaßen schon eingebaut. Kyle Reese kann am Ende nach gelungener Weltrettung im pathetischen Brustton der Überzeugung sagen „The future is not set“, auf das Potenzial geschichtsumwälzender Handlungen anspielen, aber die Ironie entgeht ihm dabei. Denn wenn die Zukunft nicht feststeht, ist ja auch der nun errungene Sieg nur vorübergehend. Was hindert die Maschinenmenschen eines alternativen Zeitstrangs daran, die nun „echte“ Zukunft durch Eingreifen in ihre Vergangenheit wieder rückgängig zu machen? Wir werden es im nächsten Teil sehen.

Die verständliche Kritik an TERMINATOR GENISYS stieß sich genau daran: Dass auch dieser neueste Teil wie so viele andere Sequels und Reboots der vergangenen Jahre die altbekannte Geschichte nicht fortsetzte, sondern lediglich noch einmal von vorn erzählte, er lediglich als ständige Spiegelung der Vorgänger funktioniere und nicht als eigenständiges Werk. Das ist nicht verkehrt, verkennt aber die Tatsache, dass genau dieser Charakter schon in THE TERMINATOR angelegt war. Vordergründig malte Camerons Film eine apokalyptische Endzeitvision um Maschinen, die die Weltherrschaft an sich gerissen und die Menschen versklavt hatten, aber im Kern ging es immer um die Frage danach, inwieweit wir wirklich unseres eigenen Glückes Schmied sind – und um eine Liebes- und Familiengeschichte. Der Scope der Serie, die sich über mehrere Jahrzehnte und verschiedene nebeneinander laufende Zeitstränge erstreckt, nichts weniger als die Zukunft der Menschheit und der Erde verhandelt, mag gewaltig erscheinen: Tatsächlich ist sie von beinahe kammerspielartiger Intimität, kreist beständig um einen Kern von vier Personen, die mit jedem Teil eine neue Fassette ihrer Beziehung zueinander ergründen. Es war natürlich die eindrucksvolle Gestalt Schwarzeneggers, die den Betrachter von THE TERMINATOR zuerst in ihren Bann schlug, wie er da als perfekte Verkörperung einer emotionslosen, aber unaufhaltsamen Maschine durch den Film walzte, aber als ich ihn mir zuletzt angeschaut habe, stellte ich fest, dass das Herz des Filmes in jener kurzen Sequenz schlägt, in der sich Sarah und Reese erst einander annhähern, sich dann schließlich in Erfüllung ihres Schicksals auf einem Bett niederlassen, um das Kind zu zeugen, das später einmal die letzte Hoffnung der Menschen werden wird.

In TERMINATOR GENISYS wird diese durch die Zeit reichende, ihre Achsen krümmende Liebe wieder thematisiert, der Film mit der Komplettierung des Paares durch den von Sarah mittlerweile liebevoll „Pops“ genannten Terminators und des ebenfalls in die Vergangenheit reisenden John Connors (Jason Clarke) endgültig zum Familienfilm – der aber nicht ohne das obligatorische schwarze Schaf auskommt. Die Aufgabe, mit der zukünftige Sequels sich verstärkt zu beschäftigen haben werden, ist eine Justierung der Zeitstränge, die eine Vereinigung aller Familienmitglieder erlaubt. Erst wenn das gelungen ist, ist die Welt – möglicherweise? – tatsächlich gerettet.

Der Terrororganisation Cobra war es zum Ende des Vorgängers gelungen, den Präsidenten der USA unbemerkt durch einen ihrer Männer auszutauschen. Der nächste Schritt ihres Planes zur Erlangung der Weltherrschaft besteht nun darin, die Spezialeinheit G.I. Joe auszulöschen. Doch der Plan geht nur bedingt auf, denn 5 Mitglieder überleben. Für Roadblock (Dwayne Johnson), Flint (D.J. Cotrona), Jaye (Adrianne Palicki), Snake Eyes (Ray Park) und Jinx (Elodie Yung) geht es nun darum, den Verräter in den eigenen Reihen ausfindig zu machen, um Cobra zu stoppen. Die sind nämlich im Besitz einer neuen Superwaffe, deren zerstörerische Energie jede Atombombe in den Schatten stellt. Und sie sind bereit, sie einzusetzen. Bei ihrem Kampf gegen das Böse bekommen die Joes unerwartete Hilfe von ihrem Gegner Storm Shadow (Lee Byung-hun), der herausgefunden hat, dass er von den Mächten Cobras benutzt wurde, und ihrem einstigen Gründer, General Joe Colton (Bruce Willis) …

G.I. JOE: RISE OF THE COBRA markierte vor drei, vier Jahren einen Höhepunkt im Bereich des auf Popkultur basierten Trivialkinos der letzten 15 Jahre. Regisseur Stephen Sommers, dessen Filme meist den ungesunden Geruch von Plastik, Farbstoffen und umweltbelastendem Verpackungsmüll verströmen (mit Ausnahme des grandiosen DEEP RISING natürlich), war genau der Richtige, der Actionfiguren-, Zeichentrick- und Comicserie zum Sprung auf die Leinwand zu verhelfen. Er stopfte seinen Film randvoll mit bombastischen, kinetischen Set Pieces und gewaltigen Bildern, die sich unweigerlich im Gedächtnis festbrennen. Der dem Franchise inhärenten Absurdität trug er mit einer nur rudimentär entwickelten Plotline, einem Sammelsurium starker Figuren und einer entfesselten Cinematografie Rechnung.  In Jon M. Chus oft verschobenem Sequel weicht der unschuldig-naive Spaß nun dem Bemühen um Ernsthaftigkeit. Mit der Auslöschung der Eliteeinheit und dem verräterischen falschen Präsidenten im Weißen Haus gründet der Film auf einer düsteren Prämisse, die die Stimmung des Films deutlich prägt. Die Geschichte wird über mehrere parallel laufende Stränge erzählt und erhält so einen epischeren Anstrich, zudem deutliche Schlagseite Richtung des Spionage- und Agentenfilms mit seinen Schauplatz- und Frontwechseln. Es gibt viel mehr Handlung als noch im Vorgänger und das geht etwas zulasten der Oberflächenreize, die hier meines Erachtens nach im Vordergrund stehen sollten. Zu guter letzt geraten die Actioneinlagen etwas „realistischer“: Over-the-Top-Sequenzen wie die Verfolgungsjagd mit den Highspeed-Anzügen aus Sommers‘ Vorgänger sucht man eher vergebens, vergleichsweise „normale“ Schießereien und Gefechte machen den Löwenanteil der Actionszenen aus. Das spektakuläre Centerpiece des Sequels, ein ausdauernder Ninjafight im Hochgebirge, steht eher in der Tradition des Hongkongkinos der Neunzigerjahre, der Science-Fiction-Anteil beschränkt sich weitestgehend auf die Superwaffe von Cobra und kleinere Details. Dieser tonale Wandel beraubt G.I. JOE: RETALIATION leider auch des naiven Camp-Charmes, der den vorangegangenen Teil so unwiderstehlich machte, ihn zu einer nahezu perfekten Umsetzung einer Spielzeugreihe, die sich ganz der martialischen Fantasie heranwachsender Jungs verschrieben hatte. Das Streben nach Respektabilität, das man Chus Film anmerkt, wirkt dagegen vergleichsweise fehlgeleitet, weil es die Wurzeln der Herkunft des Quellmaterials verleugnet. Ein Fehler, den Hollywood bei der Umsetzung solcher Franchises immer wieder macht: Anstatt eben jene Leute mit farbenfrohem Nonsense restlos zu beglücken, die schon damals mit den Figuren im Sandkasten spielten, die Zeichentrickfilme verschlangen oder einst das Computerspiel auf dem C64 spielten, versucht man auch „normale“ Actionfans ins Boot zu holen, denen der erste Teil zu abgehoben war. Der Kompromiss gelingt hier zugegebenermaßen besser als bei anderen Filmen, die Hollywood in dem Bemühen, es allen Recht zu machen, zu Tode optimierte, wohl auch, weil es nahezu unmöglich ist, eine mit diesem Figureninventar ausgestattete Reihe komplett auf den Boden der Tatsachen zu holen. Mir hat G.I. JOE: RETALIATION jedenfalls trotz der genannten Schwächen noch gut gefallen und Spaß bereitet. Er ist schön bunt, bietet herrlich überzogene Schurken- und Heldenfiguren, jede Menge Krawumm und Krawall, „The Rock“ Dwayne Johnson in einer grandiosen Comic-Rolle, die erwähnte Ninja-Sequenz, die allein das Ansehen des Films lohnt, RZA als blinden Kung-Fu-Meister, mit Snake Eyes (Ray Park) eine der schönsten „stummen“ Figuren der Popcorn-Filmgeschichte, viele, viele große Bilder (die bildgewaltige Zerstörung Londons sei hier auch deshalb erwähnt, weil der Film sie fast beiläufig einstreut) und einige weitere Ideen, die mir unweigerlich ein breites Grinsen ins Gesicht zauberten. Dass Roadblock am Ende von General Joe Colton als Geschenk die Handfeuerwaffe Pattons überreicht bekommt und sie in Ehrfurcht entgegennimmt, kann man nur einem solchen Film verzeihen. Allein dafür bin ich froh, dass es ihn gibt. Und hoffe inständig, dass weitere G.I. JOE-Filme folgen werden.

Filme aus Südkorea sind vor ca. zehn Jahren der heißeste Scheiß gewesen. Völlig unerwartet überwältigte uns das kleine Land mit Filmen wie SHIRI oder J.S.A. und ist heute neben Japan und Hongkong als wahrscheinlich drittstärkste Kraft in Südostasien etabliert. Leider jedoch musste man irgendwann feststellen, dass das südkoreanische Kino auch nur mit Wasser kocht und sich dem US-Kino doch ziemlich angenähert hat: Große, fett aussehende Produktionen, die das Publikum mit abgeschmackten, aber aufdringlichen Ideen ködern sollen, überwiegen. Kim Jee-woon ist ein perfektes Beispiel jener Filmemacher, die ihr großes technisches Vermögen immer wieder unter Beweis stellen, sich aber nun schon seit Jahren damit begnügen, im Grunde genommen aufgeblasene B-Filme zu machen. Für die Nerds scheint das zu reichen, wenn man sich die Bewertungen in diversen Foren oder auf Datenbanken durchliest. Ich finde, dass I SAW THE DEVIL kaum verbergen kann, dass die perfekt gestylte Oberfläche vor allem dazu da ist, zu verbergen, dass sich kaum etwas dahinter verbirgt. Wirklich schlecht fand ich ihn nicht, aber irgendwie fällt mir dazu trotzdem vor allem ein Begriff ein: Angeberkino. Meinen (vorletzten) Text zu den Fantasy Filmfest Nights 2010 gibt es auf F.LM – Texte zum Film zu lesen und zwar hier.