Mit ‘Leslie Nielsen’ getaggte Beiträge

De la neige sur les tulipes (A)Der ehemalige Drogenbeamte Quinlan (Robert Mitchum) wird von Chung Wei (Keye Luke), Mitglied des Hongkonger Drogenkartells, beauftragt, ihm bei seinem Ausstieg zu helfen. Quinlan soll als Mittelsmann zwischen Wei und der Polizei fungieren, ihr mittels Tipps zu Verhaftungen und Beschlagnahmungen verhelfen. Als mehrere Polizisten bei einer Razzia in eine Falle laufen, wird Quinlan klar, dass es einen oder mehrere Verräter in den eigenen Reihen gibt. Und er selbst schwebt somit auch in Lebensgefahr …

Ob man diesen Film mag, hängt entscheidend davon ab, ob man Siebzigerjahre-Exploitation irgendwo im Niemandsland zwischen Hollywood-Glamour und Bahnhofskino-Ranz angesiedelt sowie den damit einhergehenden Style zu schätzen weiß. Eine Vorliebe für Hollywood-Recken kurz nach Überschreitung ihres Verfallsdatums kann gewiss auch nicht schaden. Robert Mitchum steht ganz im Zentrum von THE AMSTERDAM KILL, bestreitet nahezu jede Szene und sieht den ganzen Film über aus, als sei er morgens am Tresen eben jener Pinte aufgewacht, in die er sich nach Drehschluss des Vortages begeben hatte. Er „trübt“ sich von links nach rechts und umgekehrt durch die Szenenbilder, ab und zu rennt er auch mal und am überzeugendsten ist er, wenn er das Etikett seiner Flasche J&B liest. Nein, nein, er ist schon toll hier und ohne ihn wäre THE AMSTERDAM KILL weniger als die Hälfte wert. Der Plot ist Jacke wie Hose und ich habe irgendwann ganz aufgehört, ihm zu folgen. Es ging auch so, denn es ist eigentlich immer irgendwas los, und die Fotografie – an zugegebenermaßen nicht wenig telegenen Orten wie Hongkong und Amsterdam – ist schon die halbe Miete.

Regisseur Robert Clouse, der mit ENTER THE DRAGON nicht nur einen veritablen Hit landete, sondern dabei gleich Popkultur-Geschichte schrieb, hat eine sehr durchwachsene Filmografie vorzuweisen. Nachdem er Bruce Lee zu Superstar-Status verholfen hatte, war er zunächst auf weitere Eastern-inspirierte Stoffe festgelegt, wenngleich er sicherlich nicht der größte Action-Regisseur vor dem Herrn war. Sein BLACK BELT JONES markiert die damals wahrscheinlich  unvermeidbare Verbindung von Martial Arts und Blaxploitation, GOLDEN NEEDLES klingt nach der IMDb-Inhaltsangabe wie eine Mischung aus Turnier- und Abenteuerfilm und THE ULTIMATE WARRIOR ist ein früher Beitrag zum Endzeit-Genre (den ich immer noch nicht gesehen habe). Nach dem darauffolgenden THE AMSTERDAM KILL drehte er den guten Tierhorrorfilm THE PACK sowie den aus Bruce-Lee-Archivmaterial zusammengeklöppelten GAME OF DEATH. Er war verantwortlich für den ersten gescheiterten Versuch, Jackie Chan in den USA populär zu machen (BATTLE CREEK BRAWL), verfilmte mit NIGHT EYES einen der damaligen Ratten-Bestseller von James Herbert und drehte mit GYMKATA den wohl absurdesten Kung-Fu-Film aller Zeiten, bevor er zum Abschluss seiner Karriere mit Cynthia Rothrock und Bolo Yeung die Kickbox-Abteilung der Videotheken belieferte. Sein Werk, soweit ich es kenne, ist sehr hit & miss. Mir scheint es, als sei Clouse mehr als andere Filmemacher davon abhängig gewesen, was die Crew um ihn herum auf die Beine stellte. THE AMSTERDAM KILL ist nicht gerade von nervenzerfetzender Spannung geprägt, aber er sieht gut aus und ist relativ schwungvoll, mit ein paar Momenten der Inspiration inmitten des Genre-Allerleis. Bradford Dillman und Leslie Nielsen haben diese typischen Rollen, bei denen offenkundig wird, dass sie aus Budgetgründen wahrscheinlich nur für ein paar Tage zur Verfügung standen. Sie haben kaum etwas zu tun und sitzen fast ausschließlich am Schreibtisch. Man weiß eigentlich von Anfang an, dass sie etwas im Schilde führen, weil es sonst keinen Grund gäbe, ihre Rollen derart prominent zu besetzen, sodass sich die Überraschung am Ende doch sehr im Rahmen hält. Ich mochte den Film trotz aller offenkundigen Schwächen, aber das liegt sicherlich daran, dass ich solchem Käse generell sehr aufgeschlossen gegenüberstehe. Und der Showdown auf einer holländischen Tulpenplantage, bei dem Mitchum ein Gewächshaus mit einer Planierraupe plattmacht, ist zugegebenermaßen sehr hübsch. Wer genau hinschaut, erkennt dort auch den späteren Jackie-Chan-Weggefährten Yuen Biao in einer Minirolle als henchman.

Zwei Aussagen zu FORBIDDEN PLANET: A) Der Film ist ein gottverdammtes Meisterwerk und als solches Inspirationsquelle für Dutzende von Filmklassikern von SOLARIS bis ALIEN gewesen. Die Geschichte des Science-Fiction-Films wäre ohne ihn nicht dieselbe. B) Er ist formelhaftes Genrekino von einem Regisseur, der zuvor vor allem mit kitschigen Lassie-Filmen in Erscheinung getreten war. Beide Sätze sind wahr: An FORBIDDEN PLANET zeigt sich, was innerhalb des B-Films Genrefilms möglich ist, wenn alles an seinen Platz fällt. Eine originelle Grundidee, ein fantastisches Produktionsdesign und ein Filmemacher, der der Fantasie der Zuschauer nicht in die Quere kommt, reichen aus, um aus einem kleinen, vermeintlich generischen Science-Fiction-Film Kino für die Ewigkeit zu machen.

Ich würde sogar so weit gehen, zu behaupten, dass es gerade dieser Zusammenprall des Generischen und des Einzigartigen ist, der FORBIDDEN PLANET erst zu dem macht, was er ist. Der Film scheint kein Bewusstsein von seiner eigenen Größe zu haben, steigert sich gegen jede Wahrscheinlichkeit zu einem neue Maßstäbe setzenden Werk. Wilcox steht mit seiner unbedarften, steifen Regie der Besatzung des Raumschiffs zur Seite, stolpert quasi mit ihnen über die Relikte einer Zivilisation, die sie mit ihren beschränkten menschlichen Mitteln nicht einmal ansatzweise verstehen können. Ihr Schaudern im Angesicht des Unbegreiflichen spiegelt sich in der ganzen Komposition des Films wider, im Nebeneinander dieser typischen Fünfzigerjahre-Steifheit und dem großartigen Dekor des Films, das ständig über seinen eigenen Rahmen hinausweist, etwas andeutet, was nicht greifbar ist. In FORBIDDEN PLANET gelingt auf diese Art und Weise etwas, woran schon weitaus größere Filmemacher gescheitert sind: die Darstellung einer Welt, die jenseits menschlicher Intepretationsmuster liegt. Der Film wirkt auf eine Art und Weise fremd und befremdlich, die sich dem begrifflichen Zugriff entzieht.

Eine Szene bzw. Sequenz finde ich hinsichtlich dieser Sichtweise besonders toll und wichtig. Es ist jene, in der der auf dem Planeten Altair-4 gestrandete Wissenschaftler Dr. Edward Morbius (Walter Pidgeon) dem Kommandanten des Raumschiffes (Leslie Nielsen), das ihn retten soll, und dem Schiffsarzt einen Einblick in die Überreste der Zivilisation jener seit Millionen von Jahren ausgestorbenen Ureinwohner des Planeten gewährt. Zunächst führt er ihnen eine Maschine vor, die nach dem Anlegen dreier Sonden die Gehirnströme der jeweiligen Person anzeigt: Morbius, laut eigenem Bekunden mit einem IQ von 183 ausgestattet, rangiert auf der von Außerirdischen geschaffenen Skala im unteren Drittel, die beiden Astronauten noch deutlich unter ihm. Auch die folgende Besichtigung eines gigantischen, in seiner Größe kaum noch erfassbaren Kraftwerks dient vor allem dazu, die menschlichen Protagonisten zu Zwergen zu machen. (Die mithilfe von Matte Paintings realisierten Szenen lassen erahnen, wo sich George Lucas zur Architektur des Todessterns inspirieren ließ.) Es ist nicht nur ziemlich erstaunlich, dass der Film seine eigenen Protagonisten als Geisteszwerge denunziert: In einem Genre, das sich nicht selten durch seinen Imperialismus und ein radikal anthropozentrisches Weltbild auszeichnete, mahnt er zur Demut vor dem, was „da draußen“ liegt, warnt vor der unermesslichen Zerstörungswut des Menschen, die als Einziges keinen Vergleich mit einer sonst in allen Belangen überlegenen Spezies zu scheuen braucht. Die hoffnungslose intellektuelle Minderbemitteltheit seiner Helden, die in vielen Science-Fiction-Filmen jener Zeit in erster Linie die ihrer Macher spiegelte und darüber hinaus eben nicht reflektiert wurde, wird hier zum wichtigen erzählerischen Bestandteil des Films. Wenn der tölpelhafte Schiffskoch (mit Schürze und Käppi auch optisch als Einfaltspinsel gekennzeichnet) die unfassbaren Fähigkeiten von Morbius‘ Roboter Robby dazu ausnutzt, sich einen Riesenvorrat an Schnaps zuzulegen, ist das mehr als nur Comic Relief: Es zeigt, dass die Menschheit für bestimmte Erkenntnisse und Errungenschaften noch nicht reif genug ist. Auf dem verbotenen Planeten stoßen sie an ihre Grenzen – ironischerweise gerade deshalb, weil sie mit Mitteln ausgestattet werden, die es ihnen ermöglichen, diese Grenzen zu überschreiten.

Das alle macht FORBIDDEN PLANET zu einem großen Film. Aber da ist noch etwas, etwas, das ich nicht anders als mit dem reichlich schwammigen Begriff „Atmosphäre“ beschreiben kann. Dieses Gefühl, dass sich in der Magengrube festsetzt, wenn man zum ersten Mal diese desolate Planetenoberfläche unter dem grünen Himmel sieht. Dass einen beschleicht, wenn man beginnt, zu erahnen, dass auf diesem Planeten etwas verborgen ist, das sich mit dem menschlichen Verstand nicht begreifen lässt. Ich weiß nicht, wie man dieses Gefühl benennen kann. Es ist wahrscheinlich älter als die Sprache.

EDIT: Bei Facebook führte der Einstieg zu diesem Text zu einer kleinen Diskussion über meine Behauptung, FORBIDDEN PLANET sei ein „B-Film“. Das ist schlicht falsch, selbst dann, wenn man den Begriff großzügig auslegt. Ich habe ihn hier etwas schwammig als Synonym für „Genrefilm“ gewählt, weil ich eine sprachliche Wiederholung vermeiden wollte. Und enstprechend korrigiert.

prom night (paul lynch, kanada 1980)

Veröffentlicht: November 3, 2012 in Film
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Beim Spielen kommt die kleine Robin Hammond zu Tode. Wendy, Kelly, Nick und Jude, die an dem Unfall nicht unbeteiligt waren, schwören Schweigen zu bewahren. Der Tod wird einem Sexualstraftäter zugeschrieben, der Fall scheint erledigt. Sechs Jahre später bereiten sich die vier Verschwörer auf den Abschlussball vor. Nick (Casey Stevens) ist mittlerweile mit Kim (Jamie Lee Curtis), der Schwester der Verstorbenen zusammen. Da meldet sich ein anonymer Anrufer zu Wort und droht den Tod Robins zu rächen …

PROM NIGHT ist einer der frühen Beiträge zum mit HALLOWEEN und FRIDAY THE 13TH aus der Taufe gehobenen Slasher-Subgenre und selbst ein kleinerer Klassiker. Sein Plotentwurf ist zu einer Art Blaupause geworden, er brachte es auf zahlreiche Sequels – von denen allerdings keines dem Slasherfilm zugerechnet werden kann – und wurde vor vier Jahren neu aufgelegt, zu einer Zeit, als kein Horrorfilm jener Tage vor den gierigen Fingern einfallsloser Produzenten sicher war. Die Popularität von PROM NIGHT ist heute nur noch schwer nachzuvollziehen und scheint mir mehr als alles andere ein US-Phänomen zu sein. Wer selbst in den Konkurrenzkampf an amerikanischen Highschools und die großen Dramen rund um die Frage, wer mit wem zum Abschlussball geht, involviert war, sieht Lynchs Film möglicherweise mit anderen Augen. Ich fand PROM NIGHT schon vor 15 Jahren in erster Linie stinklangweilig und daran hat sich bei dieser Zweitsichtung leider nichts geändert. Eine geschlagene Stunde muss man auf den Auftritt des Killers warten, der sein Handwerk dann doch eher routiniert verrichtet. Nichts, was die lange Wartezeit rechtfertigen würde. Höhepunkt des Films – der immerhin recht schön fotografiert ist, so viel sei zu seiner Ehrenrettung gesagt – ist eine lange Tanzszene der beiden Hauptdarsteller, die ganz im Zeichen des damals noch brandheißen Disco-Trends steht. Auch Schuldirektor Leslie Nielsen darf mitschwofen. Die Anwesenheit des späteren PM-Entertainment-Actionstars Jeff Wincott, der hier mit blonder Pilzfrisur ein typisches notgeiles Teenie-Arschloch gibt,  entlockte mir noch ein amüsiertes Schmunzeln, das war es auch schon. Die Sichtung war also ein klassischer Fall von Arbeit.

Ein Papa (Tom Atkins) entreißt seinem jungen ein Comicheft der Reihe „Creepshow“ und schmeißt es in die Mülltonne. Der Wind blättert durch das Heft und seine Geschichten. 1. „Father’s Day“: Ein missgünstiger Ehemann und Vater kommt Jahre nach seiner Ermordung aus seinem Grab, um sich endlich seinen Vatertagskuchen von seinen Hinterbliebenen abzuholen. 2. „The Lonesome Death of Jordy Verrill“: Der geistig zurückgebliebene Farmer Jordy (Stephen King) lässt über seine Träume vom großen Geld alle Vorsicht fahren und fasst einen Meteor an, der auf seinem Grundstück gelandet ist. Bald bemerkt er an seinem Körper und im Haus überall grüne Sporen, die unaufhaltsam wuchern. 3. „Something to tide you over“: Der gehörnte Ehemann Richard (Leslie Nielsen) hat sich für eine Frau (Gaylen Ross) und ihren Geliebten (Ted Danson) etwas ausgedacht. Nahe der Flutlinie gräbt er sie im Sand ein und schaut sich ihren Todeskampf mittels Kamera bequem zu Hause an. Doch abends hört er Geräusche … 4. „The Crate“: Der Professor Dexter Stanley (Fritz Weaver) entdeckt in einer alten Kiste im Universitätsgebäude eine uralte, gefräßige Kreatur, die sogleich den Hausmeister und einen Studenten vertilgt. Er erzählt seinem alten Freund und Kollegen Henry Northrup (Hal Holbrook) davon und der hat sogleich eine Idee, wie er seine ätzende Gattin Billie (Adrienne Barbeau) loswerden kann. 5. „They’re creeping up on you“: Der misanthropische Geschäftsmann Upson Pratt (E. G. Marshall) hat panische Angst vor Bakterien und Ungeziefer und lebt deshalb in einem klinisch reinen Hight-Tech-Apartement, von wo aus er seine Untergebenen über das Telefon gängelt und kontrolliert. Doch derzeit hat er alle Hönde voll zu tun, der Kakerlakenplage Herr zu werden …

Mann, habe ich den schon lange nicht mehr gesehen! Und: Mann, war das gut, den mal wieder zu gucken! Langer Rede, kurzer Sinn: CREEPSHOW, eine aus der Feder von Stephen King stammende und von George A. Romero inszenierte Hommage an die EC-Comics, die auch die Grundlage für die britischen Verfilmungen TALES FROM THE CRYPT und VAULT OF HORROR sowie die erfolgreiche Fernsehserie TALES FROM THE CRYPT bildeten, ist vor allem ein Trumph des Designs. Unter Zuhilfenahme von wundervollen Trickfilmsequenzen, eines trick- und einfallsreichen Schnitts, der erfolgreich die Panelstruktur des Comics nachahmt (ein traumhaft schönes Comicalbum zum Film wurde ebenfalls aufgelegt), der garstig-übersteuerten Effektarbeit Tom Savinis, einer traumhaft expressiven Kameraarbeit und Lichtsetzung und der superb aufgelegten Besetzung gelingt das Kunstwerk, den Geist der Comics ohne Verlust in ein anderes Medium zu übertragen. CREEPSHOW ist bunt, ohne dabei plastikhaft, plakativ, ohne platt zu sein, bösartig, ohne je zynisch zu werden, geschmacklos, aber niemals stillos und vor allem witzig, ohne dabei den Horror zu vernachlässigen. An dieser Mischung versucht sich seit knapp zwei Jahrzehnten ein ganzes Genre, ohne auch nur annähernd die Klasse dieses Films zu erreichen (gemeint ist natürlich das fürchterliche Fun-Splatter-Kino). Große Exegesen sind dann auch gar nicht nötig, die Qualität dieses Films sticht wortwörtlich ins Auge. Nur soviel: Die alttestamentarische Moral, die diese Geschichten zu vertreten scheinen, ist ja gar nicht so klar, wie es auf den ersten Blick scheint. Der Tod geht dann wohl doch nicht nur streng nach dem Regelwerk vor, sondern hat durchaus einen Sinn für dramaturgische Kniffe. Warum etwa der Rachemord des betrogenen Richard Vickers eher geahndet gehört als das ja kaum weniger heimtückische Vergehen des baven Henry Northrup, darüber könnte man sicher lange Diskussionen führen.