Mit ‘Liam Neeson’ getaggte Beiträge

krull-1983-originalDie späten Siebziger- und frühen Achtzigerjahre sahen eine ganze Flut mehr oder weniger märchenhafter, effektlastiger und gnadenlos eskapistischer Fantasy- und Science-Fiction-Filme von aufwändigen Blockbuster-Kandidaten aus den USA bis zu ultrabilligen Rip-offs aus Europa. Diese Welle auf eine Initialzündung zurückzuführen, ist aber gar nicht so einfach, wie man gut an KRULL ablesen kann, der zahlreiche Quellen erkennen lässt. STAR WARS dürfte der Ursprung sein, in dessen Gefolge dann Filme wie BATTLESTAR GALACTICA, FLASH GORDON, CONAN THE BARBARIAN, DRAGONSLAYER, RED SONJA, THE DARK CRYSTAL und THE NEVERENDING STORY überhaupt erst möglich wurden, sich die sogenannte Space Opera, der Fantasy- und der Barbarenfilm als eigenständige Genres bzw. Subgenres herauskristallisierten. KRULL, das monierten die Kritiker damals schon, bediente sich bei ihnen allen, kam aber in äußerst edlem Gewand daher. Was dann auch das Problem ist, das ich mit diesem Film hatte.

Die mittelalterlich anmutende Märchenwelt Krull wird aus buchstäblich heitrem Himmel von außerirdischen Invasoren namens „Slayers“ angegriffen. Um den Eindringlingen, deren Stützpunkt eine riesige schwarze Festung ist, die sich in regelmäßigen Abständen an immer neuen Standorten materialisiert, Einhalt zu gebieten, schließen sich die verfeindeten Königreiche Krulls zusammen. Die Heirat des Königssohnes Colwyn (Ken Marshall) und der Prinzessin Lyssa (Lysette Athony) soll ihre neue Allianz festigen. Doch just zum Zeitpunkt der Hochzeit schlagen die Slayers zu und entführen Lyssa. Colwyn macht sich auf den Weg, sie zu befreien und muss dabei – wie es in diesem Genre so üblich ist – viele Gefahren überstehen und Kameradschaften schließen.
KRULL ist inhaltlich genauso derivativ, wie es sich in dieser kurzen Inhaltsangabe liest. In einer flotten Abfolge kurzer Episoden trifft Colwyn auf Gegner, die es zu besiegen oder auf die eigene Seite zu ziehen gilt, auf Hindernisse, die überwunden werden, Kämpfe, die gewonnen werden wollen. Jede dieser Episoden ist dabei an ein anderes, meist mit großem Aufwand der Kulissenbauer gefertigtes Setting oder eindrucksvolle Landschaftsaufnahmen geknüpft. Colwyn trifft in einem Wald auf den tolpatschigen Zauberer Ergo (David Battley), der sich ständig selbst verzaubert, und einen Zyklopen (Bernard Bresslaw). In einer Schlucht gerät er mit seinen Kameraden in den Hinterhalt von Räubern (darunter Liam Neeson und Robbie Coltrane), die er jedoch auf seine Seite ziehen kann. In einem tückischen Sumpf wird ein Seher aufgesucht, und um den Standort der Festung zu erfahren, muss die „Widow of the Web“ (Francesca Annis) aufgesucht werden, die im Inneren eines Berges in einem Spinnennetz residiert. Was KRULL von vergleichbaren Filmen unterscheidet, sind die überaus gediegene und geschmackssichere Inszenierung, für die kein Geringerer als Peter Yates, als Regisseur von BULLITT immerhin ein wichtiger Erneuerer des Polizei- und Actionfilms, verantwortlich zeichnete. Auch heute noch halten die meisten Spezialeffekte stand, während manch anderer Film dieser Zeit bei heutiger Betrachtung gegenüber damals einige Federn lassen muss.

Aber wie oben schon vorausgeschickt, ist diese Gediegenheit auch das Manko von KRULL, der für den Camp Appeal, den solche Filme brauchen, einfach zu sauber, professionell und glatt daherkommt, für ein „ernstzunehmendes“ Werk, das die Konventionen des Genres transzendiert – wie das etwa Rob Reiners THE PRINCESS BRIDE tut – wiederum konzeptionell zu dünn, zu wenig an echten Innovationen interessiert, zu überzeugt davon, dass seine Geschichte allein das Interesse des Betrachters wachhält. Doch dafür fehlt es KRULL einfach an Spezifizität. Man hat das alles irgendwo anders schon einmal gesehen (zumindest heute) und die Charaktere, die den Film tragen sollten, bleiben blass und uninteressant. Bei einer Spielzeit von zwei Stunden nützen dann auch das hohe Tempo und die opulente visuelle Gestaltung nichts, es hält die Langeweile Einzug.

Aber ich bin mir sicher, dass das alles anders wäre, hätte ich KRULL vor 25, 30 Jahren gesehen. Da hätte er mich sehr wahrscheinlich umgehauen, ich hätte ihn mir dutzende Male angeschaut und würde bei heutiger Betrachtung einem wohlig-warmen Nostalgieschub unterliegen. Insofern hege ich keinen Groll gegen den Film, der schon irgendwie sympathisch ist, für mich aber einfach zu spät kommt.

 

 

 

Warum jetzt BATMAN BEGINS? Nun, das seinerzeit mit Spannung erwartete „Reboot“ der mit Schumachers BATMAN & ROBIN übel auf Grund gelaufenen Batman-Reihe hatte mir damals, bei Erscheinen auf DVD ausgesprochen gut gefallen, auch wenn nicht wirklich viel davon hängengeblieben ist. Die Euphorie, die THE DARK KNIGHT ein paar Jahre später auslöste, konnte ich dann nur noch sehr bedingt teilen, und je länger ich über den Film nachdachte, umso weniger mochte ich ihn. Damals schrieb ich: „Wenn ich etwas mit Sicherheit weiß, dann dass THE DARK KNIGHT mehr als andere Filme die Möglichkeit offenbart, mit weiteren Sichtungen zu wachsen, sich zu entfalten. Für den Moment muss ich aber eingestehen, dass ich nicht weiß, was all die Menschen, die diesen Film schon jetzt zum Film des Jahres oder gar zum besten Film aller Zeiten küren, in ihm gesehen haben, das mir so komplett entgangen ist.“ Und im Grunde genommen ist es jene Ratlosigkeit, die mich jetzt dazu bewogen hat, mir die ganze, mittlerweile abgeschlossene, Trilogie noch einmal anzusehen; das und die Tatsache, dass ich von Banes Gebrumme in THE DARK KNIGHT RISES nur die Hälfte verstanden habe.

BATMAN BEGINS also. Man merkt dem Film an, dass Nolan noch nicht in der Form in Hollywood „angekommen“ war, wie das dann schon bei dem sehr selbstsicheren THE DARK KNIGHT (dem THE PRESTIGE vorausging) der Fall sein sollte. Bedenkt man dessen bahnbrechende Wirkung, die Radikalität, mit der bis dahin typische Elemente der Superhelden-Comicverfilmung über Bord geworfen wurden, den unverkennbar eigenen, monolithischen Stil Nolans, der den Film zu etwas Bösem, Urgewaltigen machte, mutet BATMAN BEGINS geradezu traditionalistisch an. Das liegt natürlich zum einen daran, dass Nolan und sein Drehbuchautor Goyer gezwungen waren, die „Origin Story“ des Rächers im Fledermauskostüm zu erzählen, BATMAN BEGINS strukturell fast zwangsläufig auf ausgetretenen Pfaden wandelt. Wie bei allen „ersten“ Superheldenfilmen gibt es auch hier merkbare Schwierigkeiten, von der (dem Zuschauer in der Regel bereits bekannten) Vergangenheit zur Gegenwart umzuschalten: Bis Bruce Wayne (Christian Bale) zum ersten Mal in sein Dress schlüpft, vergeht eine gute Stunde und zu diesem Zeitpunkt liegen schon so viele lose Plotfäden herum, dass die klimaktische Auseinandersetzung mit dem schurkischen Ra’s al Ghul (Liam Neeson), der gleichzeitig so etwas wie Waynes Mentor ist, wie ein Nachgedanke wirkt. Die starke Schurkenpersönlichkeit, die sowohl THE DARK KNIGHT wie auch THE DARK KNIGHT RISES aufzubieten haben, vermisst man hier.  Cillian Murphys Dr. Crane/Scarecrow kann diese Lücke nicht schließen. Die Figur scheint zu eindimensional und uninteressant und kommt über den Status einer Nebenfigur nie hinaus. Dann ist da die Beziehung zwischen Bruce Wayne und seiner Jugendfreundin Rachel Dawes (Katie Holmes): Sie ist durchaus wichtig für den Film, weil sie sozusagen die Folie bietet, an der sich das moralische Dilemma und der selbstauferlegte Außenseiterstatus Waynes abzeichnen, aber die Gefühle zwischen ihnen bleiben stets Plotkischee. Vieles an BATMAN BEGINS wirkt irgendwie unfertig, hingeworfen. Man wird beim Zuschauen den Verdacht nicht los, dass dies der Film ist, den Nolan und Goyer machen mussten, um zum eigentlich Interessanten vorzudringen. Er ist ein bisschen wie die Vorsuppe, die vor dem saftigen Braten serviert wird, auf den man sich schon seit Tagen freut: Man isst sie gern, sie schmeckt, aber es ist eben nur die Vorsuppe.

Verwundern muss aber, dass auch der mythologisch-philosophische Kern des Films und seiner Hauptfigur nicht richtig herausgearbeitet wird. Waynes Entscheidung, zum Rächer Gothams zu werden, hat ihren Ursprung in jener Nacht, in der er als Kind der Ermordung seiner Eltern durch einen kleinen Straßendieb beiwohnte. 20 Jahre später erscheint der mittlerweile erwachsene Wayne bei der Gerichtsverhandlung, bei der über eine vorzeitige Freilassung des Mörders entschieden werden soll, fest entschlossen, dessen Exekution vorzunehmen, sollte das Gericht ihn begnadigen, um so die ihn seit der Kindheit plagenden Dämonen zu besänftigen. Doch die Erschießung des Killers übernimmt jemand anderes für ihn, und Waynes „Lebensaufgabe“, sein Ventil ist dahin. Als er sich Rachel, die das Begnadigungsverfahren als Staatsanwältin mit begleitet hat, offenbart, ihr von seinen Plänen berichtet, hält sie ihm eine Standpauke: Er wisse nicht, was Leid sei, andere Menschen seien in Gotham tagtäglich mit dem Tod konfrontiert und hätten kein Millionenerbe, das Ihnen dabei helfe. Das Recht gehöre nicht in seine Hände, Rache sei etwas anderes als Gerechtigkeit. Wayne nimmt sich die Worte zu Herzen und beschließt nun, jene Schattenseiten des Lebens selbst kennenzulernen: Er lässt Gotham von einer Minute auf die nächste hinter sich, heuert auf einem Schiff an und wird am anderen Ende der Welt als Strauchdieb in ein Gefängnis gesteckt. Sein Weg führt ihn in die Hände von Ducard (Liam Neeson), der ihm eine Art Therapie anbietet: Er bildet ihn zum Mitglied der „League of Shadows“ aus, einer Art paramilitärischer Ninja-Sekte, die es sich zum Ziel gemacht hat, das Verbrechen auf der Welt mit radikalen Mitteln zu bekämpfen: Zur Erreichung dieses Ziels schreckt sie auch vor Mord nicht zurück. Doch als Wayne in seiner finalen Prüfung den Auftrag bekommt, einen Verbrecher hinzurichten, weigert er sich. Jeder Verbrecher habe das Recht auf eine Gerichtsverhandlung, ist plötzlich sein Credo, das ihn mit seinem Lehrer und der „League of Shadows“ entzweit – und so letztlich die folgenden Ereignisse des Films vorbestimmt. Dieser Wandel vom die alttestamentarische Philosophie „Auge um Auge, Zahn um Zahn“ vertretenden Selbstjustizler hin zum die Rechtstaatlichkeit predigenden Schutzmann wird durch die den Film einfach nicht plausibel erläutert und wirkt wie ein Zugeständnis an den Mainstream, eine Entschärfung. Er bleibt genauso schemenhaft, wie Waynes Rückkehr nach sieben Jahren des Exils – als man ihn für Tod hielt – erstaunlich problemlos verläuft. Mitten im Himalaya empfängt ihn sein treuer Butler Alfred (Michael Caine) mit einem Privatjet auf einem einsamen Rollfeld, als seien Heimat und altes Leben stets nur einen Mobiltelefon-Anruf entfernt gewesen. Zu Hause angekommen, spaziert Wayne in das Firmengebäude, das seinen Namen trägt, verlangt einen Job und beginnt sich sofort aus dem Arsenal des aufs Abstellgleis geschobenen Erfinders Fox (Morgan Freeman) zu bedienen, der keinerlei Bedenken oder gar Misstrauen zeigt. Für einen Film, der sich bemüht, die Geschichte des bekannten Rächers „realistisch“ zu erzählen, sind das arg viele Abkürzungen, finde ich.

Aber BATMAN BEGINS ist, wie erwähnt, noch längst nicht so weit in diesen Bemühungen, wie THE DARK KNIGHT es dann sein sollte. Man sieht überall noch den Einfluss Tim Burtons, dessen BATMAN sich visuell dem Stil des Gothic Horror und dem deutschen Expressionismus annäherte. Das Braun von Nolans Film wirkt gegenüber dem bleichen, stählernen Blau und Grau der Fortsetzungen wie ein romantischer Anachronismus, Scarecrow hätte mit geringfügigen Variationen auch gut in Schumachers BATMAN FOREVER gepasst und der Showdown in der Monorail-Bahn ist reiner Kintopp, der sich mit der Nolan’schen Bleischwere, die sich auch dieses Films bemächtigt, nur bedingt verträgt. Das kann man aber gegenüber dem, was da kommen würde, auch als Stärke bewerten: Menschlichkeit und Wärme sind hier noch nicht vollständig dem nackten Zynismus und Defätismus gewichen, der die Fortsetzungen zu einem solch schwer zu schluckenden Brot macht, der Spaß – der in grauer Vorzeit einmal die maßgebliche Triebfeder hinter den Superheldencomics war – ist diesem Film noch nicht ganz entzogen. Auch Wayne und mit ihm Bale zeigen noch eine gewisse Unschuld, sind eben noch nicht zu jener „Idee“ geronnen, deren einziger Zweck es ist, Angst in den Herzen aller Übeltäter zu säen. BATMAN BEGINS ist noch nicht der makellos geschliffene, spiegelglatte und tiefschwarze Brocken, den Nolan den Zuschauern als nächstes vor die Füße werfen sollte, auf dass sie sich darin spiegeln oder an ihm abprallen. Das hier ist die Vorstufe, ein großer, organisch anmutender Lehmklumpen, in dessen Oberfläche sich noch die Fingerabdrücke eines menschlichen Handwerkers abzeichnen, der Risse und Unregelmäßigkeiten offenbart, der nachgibt, wenn man ihn berührt und dazu einlädt, ihn von allen Seiten zu begutachten, ihn zu drehen und zu wenden. Er ist höchst unperfekt und vielleicht auch nicht besonders schön. Aber er ist eben menschlich. Auch wenn diese Menschlichkeit bereits ein Rückzugsgefecht kämpft.

TAKEN, ein von Luc Besson produzierter und von Pierre Morel inszenierter Rache-Actioner, überraschte vor rund vier Jahren mit furztrockener, brutaler und grimmiger Geradlinigkeit, etablierte außerdem den bislang eher weniger greifbaren Liam Neeson als adäquate Besetzung für nüchterne, alternde Profis. Zusammen mit Filmen wie BANLIEUE 13 und dessen Fortsetzung oder den TRANSPORTER-Filmen bildete er die potente Speerspitze des neuen, visuell aufregenden französischen Actionkinos, das seinem US-Pendant in Sachen Kreativität und kinetischer Inszenierung mehr als eine Nasenspitze voraus war. Die Zuschauer dankten es Besson und Morel, indem sie TAKEN zum Überraschungserfolg machten, der dringend einer Fortsetzung bedurfte. Dieser hat sich Olivier Megaton angenommen, der mich mit TRANSPORTER 3 zu Begeisterungsstürmen hinriss, mit COLOMBIANA den fast zwangsläufig schwächeren, aber immer noch kompetenten Nachfolger vorlegte. Leider reicht TAKEN 2 weder an den Vorgänger noch an TRANSPORTER 3 oder COLOMBIANA heran. Er ist kein schlechter Film, aber dennoch eine Enttäuschung.

Nach den Ereignissen von TAKEN schwört die albanische Mafia Rache für den Mord an ihren Söhnen und Brüdern durch den amerikanischen Agenten Mills (Liam Neeson). Während eines gemeinsamen Aufenthalts in Istanbul werden Mills und seine Ex-Frau (Famke Janssen) überfallen und verschleppt, nur die gemeinsame Tochter (Maggie Grace) kann entkommen. Vom Papa via Funk geleitet, macht sie sich daran, ihn aus der Gefangenschaft zu befreien. Weil die Mama zurückbleiben muss,ist es danach an Mills in gewohnter Manier mit den Schurken aufzuräumen und die Frau zu retten …

Direkt an den Vorgänger anzuknüpfen, ist meist eine gute Sequel-Entscheidung. Hier jedoch wirft sie das Problem auf, dass die Glaubwürdigkeit noch mehr strapaziert wird als im Vorgänger: Nicht nur, dass Mills erneut den Kampf gegen eine vermeintliche Übermacht an Ganoven aufnehmen muss (den er natürlich zum zweiten Mal gewinnt), auch seine Familie wird nach den traumatischen Erlebnissen des ersten Teils schon wieder in eine lebensbedrohliche Situation geworfen, für die sie eigentlich nicht gewappnet ist. Mutter und Tochter haben sich erstaunlich schnell von den Erlebnissen erholt, post-traumatischer Stress ist ihnen ein Fremdwort. Und auch nach dieser zweiten Konfrontation mit finsteren Mordbuben finden sie schnell in den amerikanischen Familienalltag voller Friede, Freude und Pancake zurück. Dieser dem Sequel inhärenten Fragwürdigkeit begegnet Megaton durch komödiantische Überspitzung. Den ruppigen Ton des Vorgängers ersetzt er durch eine verspielte Lockerheit, die in krassem Kontrast zur Thematik und zu den erneut wenig zimperlichen Gewaltausbrüchen des Films steht. Wenn die Zusammenarbeit zwischen Papa und Tochter dazu führt, dass er sie endlich als erwachsenen, selbstständigen Menschen akzeptiert, und sie nach der rasanten Jagd durch die Gassen Istanbuls nach mehreren Anläufen am Ende die Führerscheinprüfung besteht, fühlt man sich fast wie der Zuschauer eines Disney-Familienfilms. Schon TAKEN war ideologisch hartes Brot, kam damit aber durch, weil Morel zum einen keinen Hehl daraus machte, Protagonist Mills zum anderen eben von Berufs wegen nicht dazu gemacht war, kritische Fragen zu stellen oder ein progressives Weltbild zu pflegen. Er vertrat als Profi in Staatsdiensten eben ein streng manichäistisches Weltbild, in dem ihm, dem US-Amerikaner, in einer Welt voller Schurken die Rolle des Retters zukam. Diesen „gottgegebenen“ Status zu hinterfragen, war nicht seine Aufgabe. Zwar war der Anlass für seinen Einsatz ein persönlicher, die Entführung seiner Tochter durch albanische Menschenhändler, seine Entschlossenheit dadurch noch um ein Vielfaches potenziert, doch erst sein berufliches Wissen versetzte ihn in die Lage, sein Ziel zu verfolgen.

Von dieser inneren Spannung einerseits des Films an sich, andererseits des Protagonisten ist im Sequel nicht viel übrig. Und so hat Megaton sichtliche Probleme, die Hatz durch Istanbul mit Leben zu füllen. Auch die Anhäufung klischeehafter Human-Interest-Subplots kann die Distanz zum Zuschauer nicht überbrücken. Mills bändelt mit der Ex-Frau an, die Pech mit ihren neuen Kerlen hat. Mills mischt sich in das Leben seiner Tochter ein, weil er nicht akzeptieren kann, dass sie nun erwachsen ist und ein eigenes Leben hat. Mills fühlt ihrem Freund auf den Zahn, von dem er das Schlimmste befürchtet. Mills lernt, dass er sich auf seine Tochter voll und  ganz verlassen kann. Mills‘ Tochter lernt Autofahren, Verantwortung zu übernehmen und eine Wumme zu betätigen. Am Ende sind sie alle wieder vereint und der Papa akzeptiert den Lover der Tochter. Das will keiner sehen, der TAKEN 2 in der Hoffnung einwirft, mehr jener straighten Action-Vollbedienung von Teil 1 zu bekommen. Für eben diese Action bleibt bei so viel Zwischenmenschlichkeit nämlich viel zu wenig Platz. Die Albaner kommen rüber wie hilflose Amateure, Mills wie ein Papa im Urlaubsstress. Fast gelangweilt wickelt Megaton den Showdown ab, in dem Mills dann endlich wieder allein Jagd machen darf. Zu spät. Mein Interesse war zu diesem Zeitpunkt bereits erschöpft.

Okay. Ich spare mir ausnahmsweise mal die Inhaltsangabe. Erstens weil ich gerade keine Lust habe, zweitens weil sie übermäßig kompliziert werden würde (THE A-TEAM hat einen ziemlich breit angelegten Plot, der mehrere Jahre abdeckt) und drittens weil diese Handlung letztlich natürlich trotzdem völlig irrelevant ist. Niemand schaut sich THE A-TEAM an, weil er großes Drama, ausgereifte Charaktere und geschickt konstruierte Twists und Turns erwartet.

Ich fange von hinten an: Ich bin mir unsicher, wie ich den Film finden soll. Und das ist eigentlich schon mehr, als ich erwartet habe: nämlich dass ich mich nach dem Film entweder gut, aber anspruchslos unterhalten fühlte oder aber eher indifferent sein würde. Ich hatte eigentlich gedacht, THE A-TEAM wird einer dieser typischen aktuellen Hollywood-Eventfilme, bei denen so lange gebrieft, geresearcht, gebrainstormt, revidiert, und gestreamlined wird, bis am Ende ein völliges Entertainment-Neutrum steht. Ein Film, den man zehn Minuten nach den Credits schon wieder völlig vergessen hat, der einen solange es dauert aber mit bunten Bildchen und regelmäßigen Attraktionen bei Laune hält. Stattdessen muss ich Carnahan zugute halten, dass er offensichtlich mehr im Sinn hatte: Streckenweise ist THE A-TEAM richtig ernst und ambitioniert inszeniert. Während des ersten richtigen Einsatzes des A-Teams gibt es eine schöne Parallelmontage, bei der vom Missionsbriefing immer wieder zur Ausführung geschnitten wird, und auch im Look ist der Film längst nicht so cartoony, wie ich es vermutet hatte, sondern orientiert sich eher an dem Maßstab, den die BourneFilme gesetzt haben. Natürlich hält der Film das nicht durch und da beginnen dann die Probleme. THE A-TEAM kann sich nicht wirklich entscheiden, was er sein will.

Denn die ernsten, realistischen Ansätze werden von abstrusen Over-the-Top-Actionsequenzen konterkariert, die wie aus einem anderen Film wirken. Es sind die zwei Show-Stopper des Films, die ihn zerreißen: der freie Fall des A-Teams in einem Panzer (!), den die Helden mittels des Rückstoßes der Kanone zum Fliegen bringen (!!), und das Finale in einem Hafen, bei dem sich aus einem umstürzenden Schiff eine gewaltige Ladung Container über das Dock und die flüchtenden Protagonisten ergießt. Ist die Action vorher auch spektakulär und sicherlich alles andere als realistisch, so wird sie in diesen beiden Szenen völlig albern. Und die CGI-Überfrachtung beißt sich auch mit dem sonstigen Look des Films. Aber das ist nicht alles, was mich irritiert hat.

Man kann sicherlich nicht behaupten, die Fernsehserie habe sich durch ausgefeilte Charaktere hervorgetan, aber der Film weiß ihnen bei einer stattlichen Länge von zwei Stunden kaum etwas hinzuzufügen. Im Gegenteil: Die Mitglieder des A-Teams wirken trotz jeder Menge Background noch flacher. Liam Neeson ist keine schlechte Wahl für Hannibal, aber die spitzbübische Ferkelsfreude George Peppards vermisst man bei ihm. Seine Catchphrase „I love it when a plan comes together“ ist bei ihm nur ein loses Lippenbekenntnis. Quinton Jackson hat es als B.A. wahrscheinlich am schwersten, weil er es mit einer ikonischen Figur aufnehmen muss. War die Rolle einst ein unverhohlenes Showcase für Mr. T, würde Jackson noch nicht einmal bei einem Mr.-T-Lookalike-Contest auf den vorderen Rängen landen. Und dass die Figur zum Ausgleich tragisch aufgeladen wird, ist kein Ersatz dafür. Einzig Sharlto Copley überzeugt: Äußerte sich der Wahnsinn Murdocks in der Serie eher in harmlosen Marotten, schaltet er für den psychotischen Piloten in den Overdrive. Leider bekommt er zu wenig Screentime, wohl auch, weil er in dieser Form am wenigsten in das Konzept einer versuchten Authentifizierung passt. Der Abtörner des Films war für mich aber eindeutig Bradley Cooper als Face. Dirk Benedict legte ihn damals als weltgewandten Ladies‘ Man nach dem Vorbild eines Roger Moore an, war sowas wie das menschliche Zentrum der Serie und der Charakter, der am ehesten zur Identifikation taugte. Diese Aufgabe hat auch Cooper (ihm wird das Love Interest Jessica Biel angedichtet, die als FBI-Agentin Sosa hinter dem A-Team her ist, bis sie schließlich auf ihre Seite wechselt), aber statt dandyhaftem Charme wirft er nur eine stalkereske Date-Rape-Attitüde in die Waagschale, die von seinem diabolischen Grinsen und der wolfähnlichen Physiognomie noch unterstrichen wird. Er verleiht seinem Face solch manische Züge, dass zeitweise ist nicht ganz klar ist, ob er die Eigenschaften des an den Rand gedrängten Murdock gleich noch mitübernehmen soll. Ich fand ihn eklig und unsympathisch.

Hier und da wurde der campige Charme des Films gelobt. Klar, eine A-Team-Verfilmung ist per se schon Trash, aber da gibt es eben auch noch ein anderes Gesicht, das in Teilen der ersten Stunde zum Vorschein kommt. Demgegenüber steht dann das hirnrissige Deutschland-Bild (ja, der Film spielt zu einem nicht unerheblichen Teil in Deutschland): Nach der Flucht aus Mannheim in einem Flugzeug werden die Helden kurze Zeit später abgeschossen und landen im Wolgastsee, der in Mecklenburg-Vorpommern liegt. Und Frankfurt (hier gibt es die beste Actionszene) wird mit einem Luftbild eingeführt, auf dem man verdutzt den Kölner Dom zur Kenntnis nimmt. Nicht, dass mich das wirklich stören würde, aber es passt einfach nicht zu den epischen Ambitionen Carnahans. Und zumindest das Benedict-Cameo war in dieser Form überflüssig.

Ich habe jetzt übermäßig viel über den Film geschrieben und bin noch kein Stück klüger. Vielleicht liegen meine Schwierigkeiten auch darin begründet, dass ich den Film in drei Sitzungen gesehen und deshalb keinen wirklich kohärenten Eindruck von ihm habe. Teile haben mir sehr gut gefallen, andere überhaupt nicht. Immerhin wurden durchaus einige Risiken eingegangen, nicht einfach nach Schema F runtergekurbelt. Nur ist die Rechnung eben nicht aufgegangen. Ich wüsste allerdings auch nicht, wie eine Adaption dieser Serie idealerweise auszusehen hätte. Man sollte nicht vergessen, dass die Erinnerung an die Vorlage besser ist, als ihre einzelnen Folgen, die nun auch nicht gerade der Gipfel subversiven Entertainments waren. Vielleicht zeigt Carnahans Film auch einfach nur, dass man manche Dinge ruhen lassen sollte.