Mit ‘Lieselotte Pulver’ getaggte Beiträge

Sirks vorletzter Spielfilm ist einer der bittersten, desillusioniertesten Kriegsfilme, die ich kenne – und zudem eine deutliche Abrechnung des Regisseurs mit seiner Heimat, der er aufgrund der drohenden Gefahr 1937 den Rücken kehrte und in die USA emigrierte. Sirk bzw Sierck hatte 1934 die jüdische Schauspielerin Hilde Jary geehelicht. Seine Ex-Frau Lydia Brinken Sierck hingegen trat der NSDAP bei und verbat dem Gatten, den gemeinsamen Sohn Klaus Detlef zu sehen. Sirk traf seinen Sohn, der eine Karriere als Kinderdarsteller bei der UFA einschlug, nie wieder: Er starb kurz vor Kriegsende an der Ostfront im Alter von nur 18 Jahren.

Sirks erster Film in den USA war – angesichts seiner Herkunft wahrscheinlich wenig überraschend – HITLER’S MADMAN, ein lupenreiner Propagandafilm, der die „Operation Anthropoid“, den Mordanschlag auf SS-Obergruppenführer Reinhard Heydrich (gespielt von John Carradine), sowie den anschließenden Vergeltungsschlag der Nazis gegen das kleine tschechische Dörfchen Lidice zum Thema hat. Seiner Zielsetzung entsprechend zeichnet der Film Heydrich als grausame Bestie, die Partisanen aus Lidice als glutäugige Idealisten, und die Zerstörung des Dörfchens, bei der auch auf Frauen und Kinder keinerlei Rücksicht genommen wurde, als Akt amoklaufender Unmenschlichkeit. A TIME TO LOVE AND A TIME TO DIE zeichnet ein deutlich differenzierteres Bild sowohl der Kriegsgräuel als auch der Ereignisse in Deutschland, was seiner Wirkung aber keinen Abbruch tut. Sirk lässt an den Verbrechen und der Dekadenz der Nazis keinen Zweifel, aber er begeht nicht den Fehler, sie mit der Gesamtheit der deutschen Bevölkerung gleichzusetzen. Es geht ihm hier also nicht um Revanchismus oder Schuldzuweisungen, wobei seine Haltung in jeder Sekunde erkennbar bleibt. Die Erkenntnis, die man aus seinem Film mitnehmen kann, ist größer, universeller: Es kann keine Gewinner geben im Krieg, der ein einziges Verbrechen gegen die Menschlichkeit ist – und gegen Gott, so man denn an ihn glaubt – und meist auf dem Rücken derer ausgetragen wird, die mit irgendwelchen machtpolitischen Ambitionen nicht das Geringste zu tun haben.

A TIME TO LOVE AND A TIME TO DIE beginnt im Jahr 1944 an der Ostfront: Die deutsche Armee bestreitet ein aussichtsloses Rückzugsgefecht, nur die verblendetsten Hardliner glauben noch an einen triumphalen „Endsieg“, die meisten wollen nur noch nach Hause. Der junge Soldat Ernst Graeber (John Gavin) hat Glück: Er darf für drei Wochen in die Heimat, doch dort angekommen, findet er nur noch Trümmer vor. Das Haus seiner Eltern wurde zerbombt, von seinen Angehörigen fehlt jede Spur. Auf der Suche nach Hinweisen über ihren Aufenthalt trifft er Elisabeth (Lieselotte Pulver), die Tochter seines alten Hausarztes, der eines Tages abtransportiert wurde. Ernst und Elisabeth verlieben sich, beschließen zu heiraten und versuchen, die verbleibenden Tage seines Urlaubs möglichst gut zu füllen. Dann erhält er den Marschbefehl …

Einen jungen deutschen Wehrmachtssoldaten zum Sympathieträger eines Kriegsfilmes zu machen, war 1958 sicherlich noch ein Wagnis, zudem in einer amerikanischen Großproduktion. Es ist schon sehr auffällig, dass Sirk in A TIME TO LOVE AND A TIME TO DIE eine ausschließlich deutsche Perspektive einnimmt; will sagen: Es gibt ein paar russische Figuren im Film, aber keinerlei US-Amerikaner oder sonstige Angehörige der Alliierten. Der Zuschauer marschiert zunächst mit den Soldaten durch den sibirischen Schneematsch, mischt sich dann unter die ausgebombte Zivilbevölkerung, die sich mit der Situation arrangieren muss – und gleichzeitig aufpassen, dass sie niemandem einen Grund bieten, sie bei der Obrigkeit anzuschwärzen -, bevor er für das niederschmetternde Finale an die Front zurück muss. Filme wie PLATOON, FULL METAL JACKET, SAVING PRIVATE RYAN oder HACKSAW RIDGE haben die Grenzen des Zeigbaren kontinuierlich Richtung Splatter verschoben und erwartungsgemäß hat Sirk mit dieser Zeigefreude nichts zu tun. Aber trotzdem schlägt er mitunter einen Ton an, dessen Schonungslosigkeit überrascht. Gleich zu Beginn stolpern die deutschen Landser über die Hand eines Toten, die aus der Schneedecke herausragt. Einer der Soldaten freut sich, ist die Sichtbarkeit dieser Hand doch ein untrügliches Zeichen dafür, dass der Schnee schmilzt und der Frühling kommt. Als der Tote ausgegraben und als Deutscher identifiziert wurde, äußert sich ein anderer erschrocken darüber, dass der Tote weine: Nein, das seien nur die gefrorenen Augen, die jetzt langsam wieder auftauen … A TIME TO LOVE AND A TIME TO DIE hat keinen elaborierten Plot, aber er steckt voller solcher makabrer, erschreckender, gut beobachteter Details, die den Film lebendig machen und einem einen Schauer über den Rücken jagen. David Thayer hat einen Sahnepart als Nazioberst abbekommen, der in seiner Villa allen Luxus genießt, während draußen die Menschen verhungern: Mit einem schadenfrohen Grinsen berichtet er davon, wie er den alten Lehrer, der ihn einst hatte durchfallen lassen, ins KZ geschickt habe, nur für ein paar Monate, um ihm „einen Schrecken einzujagen“. Und wenn Klaus Kinski in einer anderen Nazirolle den Protagonisten Graeber um eine Unterschrift bittet, verwandelt Sirk das in einen Suspense-Moment von fast Hitchcock’scher Intensität.

Zum großen Erfolg tragen auch die Settings bei: Gedreht wurde überwiegend in Berlin und die Trümmerlandschaften, in denen sich ein Großteil des Films abspielt, verleihen dem Ganzen eine surreale oder eher parabelhafte Qualität (die kafkaesk-beckett’sche Suche nach den Eltern unterstreicht diesen Aspekt). Im Hintergrund sowohl der Szenen in Russland wie auch jener in Deutschland sieht man einen gleichgültigen, blassblauen Himmel, als spiele sich das alles vor einem riesigen Bluescreen ab. Auch wenn Sirk seinen Film in Deutschland ansiedelt: Er könnte nahezu überall spielen. Das Spiel der Akteure hingegen ist so konkret und so wenig abstrakt wie möglich: Mit John Gavin und Lieselotte Pulver wählte man zwei unbeschriebene Blätter aus, die die nötige Unbekümmertheit und Natürlichkeit mitbringen. Der deutsche Zuschauer freut sich über ein Wiedersehen mit vielen bekannten Gesichtern des Nachkriegskinos: Dieter Borsche, Barbara Rütting, Charles Regnier, Alice Treff, Kurt Meisel, Ralf Wolter sowie der Autor Remarque und andere treten in kleinen und großen Nebenrollen auf und erfüllen auch noch den unbedeutendsten Part mit Leben.

Ich halte A TIME TO LOVE AND A TIME TO DIE auf Anhieb nicht nur für einen der stärksten Szenen Sirks und einen der besten Antikriegsfilme überhaupt, sondern gerade für Deutsche eigentlich für Pflichtprogramm. Natürlich habe ich bereits viel über das Leben im und nach dem Zweiten Weltkrieg gehört und gelesen, aber Sirks Film gibt dennoch einen sehr guten bildlichen Eindruck, wie das gewesen sein könnte, und hilft dabei, das Unbegreifliche zu verstehen. Der ganze Wahnsinn kommt in einer Szene kurz vor Schluss zum Ausdruck: Die Männer werden an die Front abkommandiert, stehen zitternd an den Fenstern des Zuges, auf dem Bahnsteig verabschieden sich Frauen und Kinder von ihnen, wissend, dass sie ihre Väter, Ehemänner und Söhne vielleicht nie wiedersehen werden. Es entbrennt ein kleiner Streit zwischen einem Mann und seiner Frau: Er will, dass sie mit dem frierenden Sohn nach Hause gehe, sie antwortet nur barsch: „Nein, er kann warten.“ Es ist eine Situation, die niemand erleben müssen sollte.

Im Spessart gehen die Räuber um und Bürger, die den Wald durchreisen müssen, schlottern vor Angst. Die Kutsche des Barons Sperling (Günter Lüders), der mit seiner zukünftige Gattin, der Comtessa Franziska von Sandau (Lieselotte Pulver), unterwegs ist, gerät in einer Falle der Weggelager, was die Reisegesellschaft zur Einkehr in ein einsames Wirtshaus zwingt, wo sie schon von den Räubern erwartet werden: Die wollen die Comtessa entführen und ein saftiges Lösegeld von ihrem Vater, Graf Sandau (Herbert Hübner), erpressen. Der ebenfall im Wirtshaus wohnende Jüngling Felix (Helmut Lohner) springt ein, verkleidet sich als Comtessa und ermöglicht Franziska so die Flucht. Weil ihr Vater ihr die Auszahlung des Lösegelds aber verweigert, kehrt die burschikose junge Frau in Männerkleidung zurück und dient sich dem Räuberhautmann (Carlos Thompson) als Bandenmitglied an …

Kurt Hoffmanns Verfilmung eines Stoffes von Wilhelm Hauff ist ein Klassiker des deutschen Unterhaltungsfilms, der zwar alle Charakteristika zeigt, die man ihm auch ohne erweiterte Kenntnisse zuschreiben würde, aber auch gute 60 Jahre nach seiner Entstehung immer noch ein zauberhaftes Stück Kino – vorausgesetzt, man hat in seinem Herzen einen Platz für solch gänzlich unsubversiven, massentauglichen Eskapismus reserviert. Der farbenfrohen Umsetzung Hoffmanns, dem spritzigen Spiel der Darsteller, den tollen Settings und dem herrlich knarzigen Sujet konnte ich mich gestern nur schwer entziehen; auch wenn es für meinen Geschmack noch mehr Räuber und weniger romantisch-keimfreies Liebesgesäusel zwischen Franziska und dem braven Räuberhauptmann hätte geben dürfen. DAS WIRTSHAUS IM SPESSART läuft nach seinem stimmungsvoll-räuberpistoligen Anfang im dunklen, Tann und dem kellerartigen Wirtshaus, in dem dicken Runken Brot, Wurst und Wein in Zinnkrügen kredenzt werden, auf den Klassiker des deutschen Lustspiels hinaus: die Verwechslung von Männern und Frauen. Die Glaubwürdigkeit des Ganzen sollte man besser nicht zu streng hinterfragen: Wie ein zartes Geschöpf wie Lieselotte Pulver da von einem guten Dutzend schmutzdurchwirkter Räuber für einen Mann gehalten werden kann, bleibt ein Rätsel, das dem Vergnügen allerdings keinen Abbruch tut. Mehr, als sich bloß auf die Tatsache zu verlassen, dass Männer in Frauen- und Frauen in Männerkleidung der Gipfel der Witzischkeit sind, etabliert das Drehbuch nämlich einen immensen Drive durch gelungenen Sprach- und Wortwitz, erfindet zudem gerade aufseiten der vermeintlich Guten herrlich blasierte Karikaturen des Großbürgertums. Den Vogel schießt beinahe erwartungsgemäß Hubert von Meyerinck als Polizeimajor ab, der jeden seiner gebellten Befehle mit einem „zackzack!“ zu schließen pflegt, aber die anderen Figuren müssen nicht weit zurückstehen. Sehr schön etwa, wie dem Grafen Sandau passend zum tragischen Verlust seines schönen Geldes „Schwarzwurzeln mit trüber Soße“ angeboten werden.

Aber auch die eher aktionsbetonten Elemente stimmen: Vom Treiben im Räuberlager hätte ich, wie gesagt, gern mehr gesehen. DAS WIRTSHAUS IM SPESSART haut in der Zeichnung der Halunken in eine ganz ähnliche Kerbe wie „Robin Hood“, lässt sie gegenüber den geldgeilen Fatzkes aus der Oberschicht als ehrliche Träumer erscheinen, die vom Glück eben nicht begünstigt wurden. Das kulminiert in der Figur des Räuberhauptmanns, der nur durch einen dummen Zufall an seinen Posten kam und eigentlich selbst aus gutem Hause stammt, was dann auch die letzten Hindernisse auf dem Weg in Franziskas Herz beiseite räumt. Tja und wenn das alles noch nicht reicht, dann darf man sich über die Besetzung freuen, die neben den schon Genannten auch noch Hans Clarin, Ralf Wolter, Rudolf Vogel und Wolfgang Neuss auffährt. Perfekt für den Sonntagnachmittag.

2419935mfoyj7d5_bl9egtiiemllvdxv7vdsixbumyixfr3zf2vaikmm1rpusoylw3ydi7b1yendyg5vqbrvk4q8gDer nächtliche Spontanfilm namens MONIKA UND DIE SECHZEHNJÄHRIGEN rauschte nach einem überaus glücksseligen Kongresstag ziemlich an mir vorbei. Die einzige Regiearbeit des Kameramannes Charly Steiberger, der u. a. für die Optik von Luggi Simmel-Zyklus verantwortlich war, ist ein reichlich seltsamer Hybrid aus tendenzbravem Coming-of-Age-Film und fiesem Schmuddelkram samt ekliger Tiersnuffeinlagen, in dem Lieselotte Pulver und Klausjürgen Wussow wie Gestrandete wirken, aber in völliger Slebstverleugnung gute Miene zum bösen Spiel machen.

Während der Ferien verbleibt eine vierköpfige Clique frecher Früchtchen um die schöne Monika (Marie Zürer) im Internat, um dort an einem Experiment weiterzuarbeiten, das irgendwas mit der Sezierung von Fröschen zu tun hat. Die freundliche Schulleiterin Annelie (Lieselotte Pulver) unterstützt die Mädels nach Kräften, beflügelt aber auch deren sexuelle Fantasie, vor allem als der junge Johannes (Oliver Collignon) zu Besuch kommt. Sie sind felsenfest davon überzeugt, dass es sich bei dem attraktiven Burschen um den jugendlichen Liebhaber der Direktorin handelt, bevor er sich dann zu aller Glück als ihr Sohn entpuppt, den sie nach der Scheidung in ein Internat in Übersee geschickt hat. Annelies Bruder, der Priester Victor (Klausjürgen Wussow) ist auch mit von der Partie und hocherfreut, dass sein Neffe den Gang ins Kloster erwägt …

Wie angesichts des Regisseurs zu erwarten war, sieht MONIKA UND DIE SECHZEHNJÄHRIGEN fantastisch aus, wenn man mal davon absieht, dass die DVD-Veröffentlichung (der Film wurde gebeamt) über ziemlich verblichene Farben verfügt. Das Spektakel ist dann auch recht munter und flott, unterscheidet sich, wie schon erwähnt, von anderen Softsexfilmen aus jener Zeit durch einen gediegeneren Ansatz, der die Spitzen aber umso bizarrer hervorragen lässt. Der Gipfel ist gewiss die Szene, in der die gelangweilten Mädchen üblen Schabernack mit den zu Experimentierzwecken zur Verfügung gestellten Fröschen treiben. Verstörend anzuschauen, aber wenigstens eine Ablenkung von der Spekulation darüber, wie es Lieselotte Pulver und Klausjürgen Wussow in diesen Film verschlagen hat. Das Ende habe ich, glaube ich, verschlafen. Ich muss den Film noch einmal schauen, um etwas Belastbares über ihn sagen zu können. Ich bin einfach nicht richtig reingekommen.

Der erfolgreiche Zeitungsverleger Henry Clausen (O. W. Fischer) ist seit drei Jahren mit der jungen Liane (Lieselotte Pulver) verheiratet, da meint sie erste Abnutzungserscheinungen seiner Liebe zu ihr zu erkennen. Auf dem Höhepunkt ihrer Frustration versetzt er sie, weil es ihm nicht gelingt, sie von einer spontanen Geschäftsreise nach Moskau zu informieren. In ihrem Zorn kommt ihr der attraktive amerikanische Yogalehrer Victor H. Armstrong (Lex Barker) gerade recht. Die beiden stürzen sich in eine Affäre, von der Henry jedoch bald Wind bekommt. Kurz nachdem sich die beiden Ehepartner auf eine Scheidung geeinigt haben, lernt der Verleger die höchst attraktive Claudia (Ann Smyrner) kennen, die ihre amouröse Lebensgeschichte in ein Buch gegossen hat und nun offensichtlich nicht nur einen Verleger sucht. Als Liane erfährt, dass ihr Gatte eine Neue hat, ist ihre Eifersucht geweckt und der stattliche Victor erscheint nur noch halb so reizvoll …

Axel von Ambessers bemüht sich redlich und durchaus mit einigem Erfolg, seine schwungvolle Ehekomödie vom Esprit und Witz etwa von Billy Wilders Komödien beatmen zu lassen. Die Auftaktsequenz, die die ersten drei Ehejahre durch den Wandel des ehelichen Hochzeitstag-Rituals und einen pointierten Voice-over-Kommentar (gesprochen vom Regisseur selbst) illustriert, ist hierfür das deutlichste Beispiel. O. W. Fischer und Lieselotte Pulver, beide aus sehr unterschiedlichen Schauspiellagern kommend, ergänzen und kontrastieren sich hervorragend, und schneiden im Vergleich mit den großen Paaren der amerikanischen Screwball-Komödie ebenfalls überraschend gut ab. Die Nebendarstellerinnen Edith Hancke als Clausens indignierte Sekretärin und Ruth Stephan als kommunistische Hausdienerin Cilly verleihen dem spärlich besetzten, nahezu kammerspielartigen Film das nötige Leben und eine gewisse Detailfreude. Lex Barker muss kaum mehr tun als körperliche Anwesenheit zeigen und gut aussehen, aber auch er setzt kleine Glanzlichter, als es darum geht, sein Schönlingsimage aufs Korn zu nehmen. Am Ende steht er gegenüber O. W. Fischer gar als sexueller Versager dar.

Was FRÜHSTÜCK IM DOPPELBETT fehlt, zumindest im Vergleich mit den großen Vorbildern aus Hollywood, ist zum einen das gewisse subversive Element: Der von Atze Brauners CCC produzierte Film strickt das damals noch gängige Bild der jungen, mittellosen Gattin, die – kaum dass sie den begüterten Ehemann gefunden hat – zu Hause in Müßiggang versinkt, nichts anderes im Kopf hat, als einzukaufen, und viel Zeit, sich unnötige Gedanken zu machen. Der Mann hingegen ist für die teuren Liebesbekundungen vom Juwelier zuständig, und natürlich dafür, das üppige Gehalt nach Hause zu bringen, um die Flausen der Gattin bereitwillig zu finanzieren. Sofern das stimmt, wird ihm auch die emotionale – und körperliche – Abwesenheit gern verziehen. Die Frau ist schließlich dazu da, ihren Ehemann bei seiner Karriere bestmöglich zu unterstützen. Ambesser hinterfragt diese Rollenzuschreibungen nicht im Geringsten, wenn er auch deutlich die Probleme aufzeigt, die mit ihnen einhergehen. Seine Haltung ihnen gegenüber ist eher die des amüsierten, selbst nicht in diese Spielchen involvierten Zuschauers: Ihm scheinen solche Marotten gerade recht zu sein, tragen sie doch erheblich zu seiner Unterhaltung bei. Auch das ist durchaus etwas, das man von Wilder kennt, nur dass der dem menschlichen Treiben deutlich weniger wohlwollend gegenüberstand, immer wieder seine Enttäuschung oder gar Verzweiflung über die Mangelhaftigkeit der „Krone der Schöpfung“ zum Ausdruck brachte. Was FRÜHSTÜCK IM DOPPELBETT aber am meisten fehlt, ist die dramaturgische Zuspitzung, der Wille zur äußersten Pointierung. Die Affäre, die Liane hinter dem Rücken von Henry beginnt, fliegt auf, bevor es wirklich ernst geworden ist, und Henrys Liaison mit der verführerischen Claudia wirkt unterentwickelt, ein reines Plotvehikel. Der Film kommt im Schlussakt ins Trudeln und der ganz große Konflikt bleibt aus. Nie glaubt man als Zuschauer, dass hier wirklich eine Trennung im Raum stehen könnte. Vielleicht ist das aber auch die größte Erkenntnis, die man aus FRÜHSTÜCK IM DOPPELBETT mitnehmen kann: dass dieser ganze Beziehungsheckmeck kaum mehr ist als ein Spiel und eine funktionierende Beziehung auch die dümmsten Anwandlungen ihrer beiden Hälften übersteht, wenn sich die Gemüter erst einmal beruhigt haben. Vielleicht etwas einfach gedacht, aber durchaus sympathisch, wie der ganze Film.