Mit ‘Lili Reinhart’ getaggte Beiträge

Schon nach wenigen  Minuten wusste ich, dass es undankbar und schwierig werden würde, über HUSTLERS zu schreiben. Der Film, der auf einem prämierten Zeitschriftenartikel basiert, wurde von der Kritik weitestgehend positiv aufgenommen und als positives Beispiel für female empowerment herangezogen. Jennifer Lopez, um die es in den letzten Jahren still geworden war, übernahm den saftigen Part der erfahrenen Profistripperin, die ein paar jüngere Mädchen unter ihre Fittiche nimmt, um mit ihnen reiche Männer auszunehmen. Es ist genau die Art von Rolle, bei der die Oscar-Nominierung quasi integriert ist. Es geht natürlich um die Macht der Männer und des Geldes, was über weite Strecken dasselbe ist, und die Wirtschaftskrise spielt auch eine wichtige Rolle. Produziert wurde der Film von Adam McKay und Will Ferrell, die sich ja so einen Ruf als „Linke“ in Hollywood aufgebaut haben. Wenn man in den Chor der lobenden Stimmen nicht uneingeschränkt einstimmen möchte, ist die Gegenrede bereits vorprogrammiert: Kann man HUSTLERS als Mann überhaupt ehrlich kritisieren? Ja, ich denke schon. Denn so sehr ich die Agenda des Films respektiere: HUSTLERS ist einfach flach. Seine Macher begreifen nicht, dass sie Teil des abgekarteten Spiels sind.

Destiny (Constance Wu) ist eine junge Stripperin, die in ihrem Club Tag für Tag abgezockt wird. Das ändert sich, als sie sich mit der erfahrenen Ramona (Jennifer Lopez) anfreundet, die sie unter ihre Fittiche nimmt und ihr nicht nur die spektakulären Moves beibringt, sondern ihr auch zeigt, wie sie den geilen Wall-Street-Typen das Geld aus der Tasche zieht. Unter Leitung der Veteranin findet Destiny, Freunde und Anerkennung – und verdient außerdem richtig viel Geld. Bis die Wirtschaftskrise zuschlägt und neue Maßnahmen erforderlich macht. Gemeinsam entwickeln die Mädels eine todsichere und nicht ganz legale Masche, ihren Kunden das Geld aus der Tasche zu ziehen. Es könnte ewig so weitergehen, doch dann wird Ramona gierig …

HUSTLERS erzählt die Geschichte von objektifizierten Frauen, deren Lebensgrundlage die Kohle ist, die männliche Karrieristen ihnen nach Feierabend in großzügiger Geste hinwerfen. Profis wie Ramona sind in der Lage, das Spiel zu ihren Gunsten zu beeinflussen, aber die Machtverhältnisse sind dennoch klar verteilt. Das wissen auch die Stripperinnen: Doch wenn das Spiel eh manipuliert ist, warum nicht selbst falsch spielen? Regisseurin Scafaria macht den Triumph der Frauen fühlbar, der Zuschauer freut sich mit ihnen, wenn sie auf der New Yorker Fifth Avenue in einen Shopping Spree geraten (wo sie sich ausschließlich potthässlich-dekadentes Zeug kaufen), auch wenn sie damit Existenzen zerstören. Und ich glaube durchaus, dass es den Produzenten nicht darum ging, die Freuden der Affluenz zu feiern, sondern gerade diese Jagd nach dem Mammon zu kritisieren, bei der alle, ausnahmslos alle Charaktere mitmachen. Aber HUSTLERS trägt diese Kritik nur zum Teil, denn visuell ist der Film geradezu besessen von schimmernden, glänzenden Oberflächen, von Designerklamotten, teuren Autos, Juwelen und anderen Statussymbolen – er findet das hustling seiner Protagonistinnen ohne Frage ziemlich sexy. Klar, dass da mal ein eigentlich netter Mann unter die Räder kommt, ist bedauerlich, aber die meisten haben es doch verdient. Wie praktisch, dass wir nie etwas über sie erfahren.

Dramaturgisch erinnert HUSTLERS an Scorseses Mafiaepos GOOD FELLAS, der ebenso auf dem schmalen Grat zwischen Anklage und Verehrung wandelte: Gerahmt wird HUSTLERS von einer wie nachträglich aufgepfropften Rahmenhandlung, in der Destiny ihre Geschichte einer Zeitungsjournalistin (Julia Stiles) erzählt. HUSTLERS bedient sich also einer Rückblendenstruktur, die der Hauptfigur die Möglichkeit gibt, reife Reue zu zeigen, und den Autoren die Gelegenheit, sich auf Handlungsebene gegen etwaige Vorbehalte zu wehren. So wirft Destiny der Journalistin immer wieder vor, Vorurteile gegen Stripperinnen zu haben oder ihre Geschichte für den reinen Sensationswert auszuschlachten. Ich will Scafaria und den Produzenten nicht absprechen, gute Vorsätze gehabt zu haben: Er handelt ohne Frage davon, wie unsere Welt alle zu Jägern degradiert, sie auf Materialismus konditioniert und so ihr Unglück befördert. Aber HUSTLERS funktioniert halt aber auch dann ganz gut, wenn man einfach nur geile Weiber tanzen sehen oder ein überlanges Hip-Hop-Video mit Bitches, Pelzmänteln, Klunkern, teuren Autos, absurden High Heels und jede Menger Drogen sehen will. Das könnte man subversiv finden, aber für mich wäre das deutlich zu viel der Ehre.