Mit ‘LInda Evans’ getaggte Beiträge

Die letzten Jahre von McQueens Filmkarriere verliefen gemessen an dem Status, den er innehatte, enttäuschend und problematisch. Nach dem Verweigerungsfilm und Megaflop AN ENEMY OF THE PEOPLE war der Star willens, „seinem“ Publikum wieder einen „echten McQueen“ zu geben, doch er war immer noch an First Artists gebunden, mit denen eine Zusammenarbeit schwierig war. Gemeinsam einigte man sich dennoch auf einen Film über den Westernhelden Tom Horn, ein Wunschprojekt McQueens. Horn war unter anderem ein Pinkerton-Detektiv und Fährtenleser gewesen, doch in die Geschichtsbücher ging er als der Mann ein, der wesentlich daran beteiligt war, den gefürchteten Apachen-Häuptling Geronimo zur Aufgabe zu bewegen. Später in seinem Leben arbeitete er für die Viehzüchter in Wyoming, die ihn zur Verteidigung ihrer Kühe gegen Viehdiebe einsetzten. Als er seiner Aufgabe etwas zu fleißig nachkam, schob man ihm den Mord an einem 14-jährigen Jungen in die Schuhe und verurteilte ihn zum Tode durch den Strang. Weil keiner der anwesenden Staatsbeamten als Scharfrichter antreten wollte, wurde eine mechanische Vorrichtung entwickelt, mit der Horn sich quasi selbst aufhängen konnte.

Die ersten Drehbuchentwürfe für TOM HORN entwickelten die Lebensgeschichte des Titelhelden als bildgewaltiges Epos  mit mehrstündiger Laufzeit. Doch es zeichnete sich recht schnell ab, dass First Artists für ein solches nicht das nötige Budget bereitstellen würde. McQueen, der Aussagen von Kollegen und Freunden zufolge ahnte, dass ihm nicht mehr viel Zeit blieb, hatte keine Lust, sich für das Projekt zu zerreißen und akzeptierte zähneknirschend jede Budget- und Drehbuchkürzung, die man an ihn herantrug. Auch die Suche nach einem geeigneten Regisseur gestaltete sich kompliziert: McQueens Favorit Don Siegel lehnte nach einigen Gesprächen ab, weil er nicht verstand, was McQueen eigentlich für ein Film vorschwebte. Auch Elliott Silverstein (A MAN CALLED HORSE) kam nicht auf einen gemeinsamen Nenner mit McQueen. James William Guercio (ELECTRA GLIDE IN BLUE) war ein weiterer Kandidat, wurde jedoch nach wenigen Drehtagen von McQueen gefeuert: Guercio hatte nur eine Regiearbeit vorzuweisen und damit von vornherein einen schweren Stand, aber er war wohl auch überfordert damit, einen Superstar zu handlen. Schließlich übernahm mit William Wiard ein Mann die Regie, der bis dahin lediglich für das Fernsehen gearbeitet hatte: McQueen stellte so sicher, dass er die Kontrolle über den Film behielt, der vom ambitionierten Historienepos mittlerweile zum kleinen, übersichtlichen 95-Minüter geschrumpft war, Das Box-Office-Ergebnis war einigermaßen verheerend: Niemand wollte zu jener Zeit einen Western sehen, schon gar keinen nachdenklichen, deprimierenden über einen Helden, der am Ende feige gehängt wird und noch nicht einmal bereit ist, sich entscheidend dagegen zu wehren.

Heute lässt sich hingegen sagen, dass die Enttäuschung von einst ein starker, weil ungewöhnlicher Film ist, der den melancholischen Spätwestern der Sechziger noch einen draufsetzt. McQueen brilliert als aus der Zeit gefallener Held, der seinen Zeitgenossen mehr als nur ein bisschen Angst macht. Er verkörpert eine Ära, die endgültig vorbei ist, die man als verklärtes Bild zwar gern hochhält, mit der man aber im „echten Leben“ nichts mehr zu tun haben möchte. Von den vergangenen Heldentaten von Tom Horn erzählt man sich, doch der Mensch, der sie vollbracht hat, ist vor allem eine Bedrohung. Und Horn ist nicht der Mann, der sich auf dem Feld der Politik zu bewegen wüsste: Er ist, was er ist, und wenn man meint, ihn dafür hängen zu müssen, dann soll man das tun. TOM HORN erzählt wie eigentlich alle Spätwestern nicht nur von den Geburtswehen der USA, sondern auch von denen der Moderne: Weil diese Geburt immer mit Blutverlust einhergeht, nie sauber ist, sich die nachfolgende Generation erst von ihr „reinwaschen“ muss, müssen auch die Geburtshelfer dran glauben. Tom Horn ist ein Bauernopfer: Er hat große Entwicklungen angeschoben, aber er selbst ist nur ein kleines Licht, das lang genug gebrannt hat. Von einem Film wie THE WILD BUNCH  unterscheidet sich TOM HORN durch den Mangel an trügerischer Romantik: Peckinpah gönnt seinen Helden – die wie Tom Horn auch von der Zeit überholt werden – einen Ausstieg nach Maß und nach den eigenen Regeln, er erlaubt ihnen, die Bedingungen ihres Untergangs selbst zu wählen und einige ihrer Feinde mit in die Hölle zu nehmen. Live by the sword, die by the sword. Diese poetische Gerechtigkeit ist Tom Horn nicht vergönnt: Er steht am Ende seinen feigen Henkern gegenüber, die noch nicht einmal bereit sind, sich selbst die Hände schmutzig zu machen.

TOM HORN ist ein schmerzhaft trauriger Film, von einer Nüchternheit, die niederdrückt. Kameramann Alonzo fängt die endlose Weite der Landschaft in Bildern ein, die klar machen, dass sie nur eine Illusion ist. Längst sind überall Grenzzäune errichtet, die Männern wie Tom Horn ein freies Leben unmöglich machen. Ein kleiner, aber verdammt großer Film.

Ein Einbrecher wird von dem wohlhabenden, fiesen Anwalt Walter Deaney (John Saxon) auf frischer Tat ertappt und mit sadistischer Freude erschossen. Eine deponierte Scusswaffe soll die Polizei von einer Notwehrsituation überzeugen, aber der an den Tatort beorderte, noch hlab besoffene Cop Mitchell riecht den Braten. Sein Chef indessen will nicht, dass er sich am mächtigen Deaney vergreift und überträgt ihm stattdessen einen Observationsjob: Es wird nämlich vermutet, dass der Geschäftsmann Cummings (Martin Balsam) in Drogengeschäfte verwickelt ist. Mitchell nimmt den neuen Job an, denkt aber gar nicht daran, Deaney seinem Schicksal zu überlassen …

MITCHELL erlangte einen gemessen an seinem wahren Wesen reichlich überdimensionierten Ruf – er steht derzeit auf Platz 85 der „Bottom 100“ auf Imdb –, als er in der Reihe „Mystery Science Theater 3000“ gefeaturet wurde (in der ein laufender Film von zwei oder drei Kommentatoren verhohnepipelt wird). Wer sich auch nur ein wenig mit dem weltweiten Exploitationkino beschäftigt hat, weiß, dass es Tausende von Filmen gibt, gegen die MITCHELL wie ein ernsthafter Oscar-Anwärter aussieht. Gewiss ist McLaglens Film alles andere als eine Sternstunde der Kinogeschichte, erinnert eher an einen misslungenen Pilotfilm für eine Krimiserie, die dann nach enttäuschendem Zuschauerzuspruch abgesetzt wurde, aber er ist technisch routiniert gemacht und mit Baker, Balsam, Saxon und Evans adäquat besetzt. Was dem Film fehlt, ist neben einer etwas stringenter erzählten Story vor allem der „hook“. Bakers Mitchell ist einer der abgerissenen Cops, die im Gefolge von Siegels DIRTY HARRY reüssierten, aber er ist weder ein politischer Hardliner noch steht er mit einem Fuß in der Illegalität: Er ist ein Säufer und Gammler, ein schlechter Cop, aber dabei felsenfest von sich überzeugt, ein Arschloch, aber gleichzeitig eine Witzfigur. Am Ende ist er erfolgreich, aber er muss dafür einen wahren Amoklauf starten, in dessen Verlauf er alle, die mit dem Gesetz in Konflikt gekommen sind, auf ausgesprochen rabiat-entschlossene Art und Weise umbringt (der deutsche Untertitel EIN BULLE DREHT DURCH spricht Bände). Das ist dann auch der Höhepunkt des Films, der zuvor ähnlich unmotivert umhergetaumelt ist wie sein Hauptdarsteller.

Joe Don Baker ist in der Titelrolle sowohl die Hauptattraktion wie auch -problem, denn der Schauspieler schafft es mit seinem erratischen Spiel nicht, einem den Protagonisten wirklich nahezubringen. Vielleicht ist das aber auch nur höchst konsequent, denn für MItchell kann es keine Absolution geben. Für den No-bullshit-Cop, der es sagt wie es ist, ist er zu desinteressiert an allem, was über seinen kleinen Horizont hinausgeht, um seine Marotten als Subversion zu begreifen, findet er sich selbst zu geil, um ihn zu bemitleiden, ist er einfach viel zu jämmerlich. Und so spielt Baker ihn auch: Als selbstverliebten Hohlkopf ohne jeden moralischen Kompass, der grinsend durch die Welt stolpert und sich darauf verlässt, nirgendwo so doll anzustoßen, dass er sich bleibenden Schaden zuzieht. Manchmal sieht man ihm an, dass er sich gründlich verpokert hat und plötzlich Todesängste aussteht – etwa als ihm einer von Cummings‘ Männern mit der plötzlich gezückten Knarre das selbstgefällige Grinsen aus dem Gesicht zaubert – oder dass es mit der selbst behaupteten Abgezocktheit nicht weit her ist: Mitchell kann jedenfalls noch nicht einmal ein Wortgefecht mit einem 12-Jährigen Dreikäsehoch für sich entscheiden, ohne die Souveränität zu verlieren. Das macht MITCHELL interessant, auch wenn es für die große Begeisterung dann doch nicht reicht. Dazu wwerden die vorhandene Ansätze einfach nicht genug ausgearbeitet, alles bleibt Stückwerk. Man merkt dem Film einfach an, dass er ohne großen kreativen Plan, ohne echte Idee runtergekurbelt wurde. Das ist ein bisschen schade, weil man das Potenzial sieht, aber auch irgendwie endearing – so wie der folkpoppige Titelsong, der fragt: „My, my, my, my Mitchell/What would your mama say?“. Wer ein Faible für solche Seventies-Exploiter hat, legt auf diesen Vier-Punkte-Film so wie ich schon aus alter Verbundenheit mithin noch zwei bis drei Pünktchen drauf. Allein für den Amoklauf zum Finale …