Mit ‘Linda Hamilton’ getaggte Beiträge

Es ist mir nicht möglich, unserem alten Himmelhunde-Text, der nunmehr auch schön fünf Jahre alt ist, noch Wesentliches hinzuzufügen. Ich beschränke mich deshalb auf ein paar persönliche Eindrücke.

Zunächst mal: Beeindruckend, wie Camerons Film einer ähnlich gut geölten, unaufhaltsamen Maschine gleicht, wie sie auch der titelgebende Terminator in der Darstellung Schwarzeneggers ist. Das ganze erste Drittel, in dem die drei Protagonisten strategisch in Stellung gebracht werden, ist ein Musterbeispiel ökonomischer Inszenierung. Keine Szene, kein Bild ist hier überflüssig. Wie es Cameron unter fast vollständigem Verzicht auf erklärende Dialoge gelingt, die Mission des Terminators sowie die drohende Gefahr für Sarah Connor für den Zuschauer greif- und nachvollziehbar zu machen, ist schlicht meisterlich. Weil er zwischen den beiden Konfliktparteien hin- und herschneidet, ist der Zuschauer dem Geschehen immer einen Schritt voraus. Bis zum ersten Aufeinandertreffen von Sarah, Kyle und dem Terminator steigert sich die Spannung stetig und mit eisiger Präzision. Das passt zu einem Film, der sich der dramaturgisch eigentlich undankbaren Aufgabe stellt, seine eigene inhaltliche Ausgangslage zu ermöglichen, indem er genau das erfüllt, was von Anfang an Status quo ist. „Du redest über Dinge, die ich noch nicht getan habe, in der Vergangenheit!“, sagt Sarah einmal zu Reese und bringt das Dilemma der Heldin damit auf den Punkt. Zeichnet sich der Held im klassischen Verständnis dadurch aus, dass er sich den Gegebenheiten widersetzt, sie umkehrt, selbst Geschichte, Schicksal schreibt, muss Sarah Connor lernen, das zu werden, was schon vorgezeichnet ist. Es gibt keine Freiheit für sie. Und doch vollzieht sich das Unabdingbare in THE TERMINATOR stets spontan.

Camerons Film ist supereinflussreich gewesen, seine Nachbeben spürt man noch heute im apokalyptischen Film, er prägte Schwarzeneggers Karriere wahrscheinlich wie kein anderer und erfand mit „Tech Noir“ gleich noch den Begriff, mit dem man die Verbindung von düsterer Noir-Metaphorik und High-Tech-Science-Fiction bezeichnet. Was für mich aber mehr als seine Maschinenästhetik den Geist des Films ausmacht, ist die Liebesszene zwischen Sarah und Kyle. Sie ist der Knotenpunkt, in dem die Zeitachsen zusammenlaufen, in dem der Film vom reinen Actioner zur tragisch-existenziellen Bestandsaufnahme wird. Und wenn sich der Zirkel am Schluss mit der Entstehung jenes Fotos, aufgrund dessen Kyle Reese sich in Sarah verliebt, schließt, ist das pure Magie. Ja, eigentlich ist THE TERMINATOR der Film über eine die Gesetze von Zeit und Raum aufhebende und überschreitende Liebe; eine Liebe, die ihre eigene Verwirklichung gegen jede naturwissenschaftliche Wahrscheinlichkeit erzwingt und im Vollzug die Grundlage für ihre eigene Existenz erneut schafft. In dem Moment, in dem Sarah und Kyle sich in der Gegenwart vereinigen und ihren Sohn zeugen, gewährleisten sie, dass sie sich „wiedertreffen“ (weil John Kyle ja aus der Zukunft in die Vergangenheit – Sarahs Gegenwart – schickt). In einer Zeitschleife erleben sie jene kurzen friedlichen Stunden der Intimität, in denen sie allein sind und der Terminator noch weit weg, in denen sie ihr Schicksal annehmen und die ihnen zugedachte Aufgabe erfüllen, bis in alle Ewigkeit.

Weil Burt (Peter Horton) in Nebraska seinen erste Stelle als Arzt antreten soll, fährt er mit seiner Freundin Vicky (Linda Hamilton) in den ländlichen Staat mitten im konservativen Bible Belt. Als sie einen Jungen überfahren und entdecken, dass dem Toten kurz vorher die Kehle aufgeschnitten wurde, machen sie sich auf die Suche nach Hilfe. Das ist schwieriger als gesagt: Der nächste Ort, Gatlin, ist völlig ausgestorben. Was Burt und Vicky nicht ahnen: Gatlin befindet sich in der Hand religiös fanatischer Kinder, deren Gottheit ihnen vor drei Jahren befohlen hat, alle Erwachsenen umzubringen …

Das war meine Erstbegegnung mit dieser King-Verfilmung, die ich bisher aufgrund der durchweg schlechten Rezensionen, die ich von ihr kenne, stets gemieden habe (möglicherweise habe ich eines der Sequels, ich glaube Teil 3 oder 4, gesehen). Und siehe da: CHILDREN OF THE CORN ist keinesfalls so schlecht, wie man so oft lesen muss. Die Verrisse kann ich mir eigentlich sogar nur so erklären, dass Kierschs Film zwischen all den gr0ßbudgetierten Studioproduktionen, die sich des Bestsellerautors in den Achtzigerjahren annahmen, einfach zu sehr den B-Movie-Traditionen verpflichtet war, um wirklich ernst genommen zu werden. Sein Film fühlt sich – nicht untypisch für die Verfilmung einer Kurzgeschichte – eher klein an, erzählt seine Geschichte nur wenig ambitioniert als Abfolge mal mehr, mal weniger spannender Set Pieces, zitiert in seinem Score die Musik berühmterer Werke (etwa THE OMEN und diverser Carpenter-Kompositionen) und mündet schließlich in einen actiongeladenen Showdown, dessen visuellen Effekte wahrscheinlich schon damals als enttäuschend empfunden wurden. Kiersch offenbart kein allzu großes Gespür für das eigentlich Beunruhigende der Geschichte, läuft so aber auch niemals Gefahr, aufgebaute Erwartungen zu enttäuschen, wie das so viele andere getan haben, die sich an King versuchten. Er liefert aber einen durchweg spannenden, unterhaltsamen kleinen Schocker ab, bei dem in kleinen Momenten angedeutet wird, was in CHILDREN OF THE CORN auf dem Spiel steht : jene Szenen, in denen Burt und Vicky, gelangweilt von der Einöde Nebraskas, das Autoradio anstellen und sofort auf die Hasspredigten fundamentaler Christen stoßen, die dann Widerhall in den Worten Isaacs (John Franklin), des Anführers der Kinder, finden. Die metaphysische Präsenz von „He who walks behind the rows“ – dem Gott aus dem Maisfeld, den die Kinder anbeten – schwächt den religionskritischen Tenor der Geschichte leider etwas ab: Es spricht viel dafür, dass die allesamt nach biblischen Figuren benannten Kinder vor allem durch das intolerante, verblendete religiöse Geschwätz der Eltern zu den kleinen Teufeln geworden sind, als die sie sich dann entpuppen (keine Ahnung wie King die beiden Elemente miteinander verbindet). Kein Wunder, dass sie die liberalen Protagonisten als Gefahr und Todfeinde betrachten müssen – und Burt ihnen mit der Pose des modernen Aufklärers gegenübertritt:“Any religion without compassion and love is false. It’s a lie!“ (Ein typisches Element des King’schen Schaffens: Man denke nur an den vor ein paar Jahren gelaufenen THE MIST.)

Mir hat CHILDREN OF THE CORN also sehr gut gefallen und die Abstriche, die man machen muss, fielen für mich nicht sonderlich ins Gewicht. Fakt ist aber, dass man aus der Geschichte sicherlich noch mehr hätte machen können. Dass Kiersch sie nicht in den Sand gesetzt hat, ist aber eine Leistung die man honorieren muss, vor allem wenn man bedenkt, was andere, bessere Filmemacher mit deutlich mehr Möglichkeiten aus Kings Vorlagen gemacht haben. Kiersch fängt die schier endlose Ödnis Nebraskas in tollen Bildern ein, die nachvollziehbar machen, warum das fundamentale Christentum hier Fuß fassen konnte, und gruppiert seine fanatischen Kinder um die brillant besetzten Isaac – Darsteller John Franklin war schon über 20, sieht aber viel jünger aus und es ist diese alterslose Weisheit, die seine Figur so eindrucksvoll macht – und seinen henchman Malachai (Courtney Gains): Was potenziell lächerlich hätte werden können, ist so einer jener Aspekte, die dem Film zu seinem Erfolg verhelfen. Fein.