Mit ‘Lindsay Crouse’ getaggte Beiträge

Der alternde Reggie Dunlop (Paul Newman) verdingt sich als Spielertrainer des unterklassigen Eishockeyteams der Charlestown Chiefs, das in einer deprimierenden Industriestadt vor nahezu leeren Rängen spielt. Die Mannschaft kassiert Niederlage um Niederlage, bis infolge einer unfairen Aktion ein glücklicher Sieg erzielt werden kann. Dunlop ändert daraufhin die Strategie, setzt konsequent auf Gewalt, fährt damit Sieg um Sieg ein und begeistert mithilfe der psychotischen Hanson Brothers zudem die sensationslüsternen Massen. Nebenbei streut er das Gerücht, ein Investor ineressiere sich dafür, das Team zu kaufen, das nach Ende der Saison aufgelöst werden soll. Nur einer bleibt ob der neuen Marschroute skeptisch: der talentierte Jungstar Ned Braden (Michael Ontkean) …

Ich führe jetzt – mit Ausnahme einer kleinen Pause – seit fast sieben Jahren ein Filmtagebuch, aber SLAP SHOT, der in meiner Kindheit und Jugend einer meiner absoluten Lieblingsfilme war, habe ich in diesem Zeitraum noch kein einziges Mal gesehen. Ein Missstand, dem dringend Abhilfe geschaffen werden musste. Berühmt ist SLAP SHOT natürlich vor allem für seine zahlreichen Schlägereien, die vulgäre Sprache und die schlagkräftigen Hanson Brothers, idiot savants wie sie im Buche stehen, auch das sich dahinter eine zwar mit den Mitteln der Komödie geführte, aber dennoch relativ kompromisslose Kritik an Sensationslust und sportlich sublimierter Gewaltgeilheit verbirgt, ist weitestgehend Allgemeingut. Hills Film demonstriert sehr schön, dass hehre Grundsätze von Fair Play nur allzu gern über Bord geworfen werden, wenn sie dem Erfolg im Wege stehen. Diese Kritik zielt längst nicht nur auf Sport und Entertainment ab, denn diese sind auch nur Ausdruck einer kapitalistischen Philosophie. Das Stahlwerk, dem Charlestown überhaupt seine Existenz verdankt, muss schließen, Tausende arbeitslos werden, die Kleinstadt ausbluten; die Chiefs werden trotz der profitablen Entwicklung aufgegeben werden, weil eine Steuerabschreibung dem Eigentümer mehr bringt als ein Verkauf; und Reggie Dunlop wird weiter in einer Branche arbeiten, aus der er besser so schnell wie möglich verschwinden sollte, solange er noch etwas anderes beginnen kann. Er ist längst nicht mehr die treibende Kraft, sondern nur noch ein Fähnlein im Winde, nicht mehr in der Lage, eine Entscheidung zu treffen und danach zu handeln.

Dass SLAP SHOT überaus geschickt in der dramaturgischen Umsetzung dieser Kitik ist – der Film drängt sich mit seiner Botschaft nie unangenehm auf, verliert nie seinen spielerischen Ton –, ist aber nicht der Grund, weshalb ich den Film so schätze: Vielmehr bewundere ich an ihm, wie es ihm gelingt einen Sinn für den Ort, die Zeit und seine Figuren zu entwickeln. Für Freunde des Siebzigerjahre-Kinos bietet SLAP SHOT selbverständlich jede Menge Zeitkolorit, aber das ist nicht, was ich meine. Charlestown wird mit seinen Nöten während der 120 Minuten zum Leben erweckt, das Team der Chiefs entwickelt durch das Zusammenspiel seiner Mitglieder eine echte Identität und das fröhliche, aber eigentlich tieftraurige Finale weist über die Grenzen des Films weit hinaus, wirft die Frage auf, was aus Reggie, seiner Frau Francine (Jennifer Warren), Ned Braden, seiner Lily (Lindsay Crouse) und Charlestown wohl werden wird. Ich liebe diesen Film und entdecke immer noch etwas Neues, obwohl ich ihn nun schon seit 25 Jahren kenne.

Der New Yorker Autor Whitley Strieber (Christopher Walken) und seine Familie werden in ihrem Ferienhäuschen erst von einem gleißenden Licht behelligt und dann von mysteriösen „Besuchern“, die Whitley entführen und diversen Untersuchungen unterziehen, an die er sich danach aber nur noch dunkel erinnern kann. Als sich die Besuche weiderholen und seine daraus folgenden Angstzustände auch für seine Familie zur Bedrohung werden, beginnt er eine Therapie. Aber auch die kann seine Befürchtungen nicht zerstreuen …

Dies ist der Film, in dem Christopher Walken von merkwürdigen Wesen einer Rektaluntersuchung unterzogen wird. Auch jenseits solcher „Reize“ ist COMMUNION aber überaus sehenswert und das erstaunlicherweise keinesfalls unter Trash-Gesichtspunkten. Um den Film des geschätzten Exploitation-Auteurs Mora richtig würdigen zu können, müssen jedoch erst ein paar Worte zur literarischen Vorlage und deren Autor gesagt werden. COMMUNION basiert auf dem gleichnamigen Roman des Beststeller-Autors Whitley Strieber (unter anderem schrieb er auch die Vorlagen zu WOLFEN und THE HUNGER), einem Erlebnisbericht, in dem Strieber seine eigenen Erfahrungen mit den „Besuchern“ – die vielleicht Außerirdische sind, vielleicht aber auch nicht – verarbeitet. Gegen Vorwürfe, die ihm dies als persönliche Wahnvorstellung auslegten, argumentierte Strieber, dass er nicht insinuieren wolle, die „Besucher“ seien Außerirdische; es sei zwar möglich, dass es sich bei ihnen um solche handele, aber darum ginge es ihm nicht. Auch Mora betont, ihn haben eher die psychologischen Implikationen des Stoffes interessiert als sensationalistische Erwägungen über die Existenz extraterrestrischen Lebens und so ist COMMUNION dann auch ein deutlich differenzierter Film, als man nach meinem eröffnenden Satz annehmen könnte. Mora lässt offen, ob sich die Entführung tatsächlich ereignet hat oder ob sie doch nur der überspannten Fantasie des Autors entsprungen ist. Zwar gibt es Zeugen, die das gleißende Licht ebenfalls gesehen und eine rätselhafte „Präsenz“ gespürt haben, doch die Inszenierung bleibt letzten Endes uneindeutig, legt die Konfrontation als Traum an. Und so widmet sich Mora auch eher den Selbstzweifeln Striebers und den sich aus seiner Angst ergebenden familiären Problemen, denen vor allem das versierte Spiel von Walken und Crouse jene Glaubwürdigkeit verleiht, die für den Film dringend notwendig ist und ihn über reine Exploitation weit hinausheben. Beide Schauspieler ergänzen sich ideal: Crouse ist brilliant als verständnisvolle, fürsorgliche, aber auch energische Ehefrau, die mit Schrecken mitansehen muss, wie ihr Gatte anscheinend den Verstand verliert und dann alles dafür tut, um ihre Familie zu retten. Und Walken legt Strieber wie es für ihn typisch ist als leicht exzentrischen, emotional überspannten Künstler an, dessen Narzissmus seine Visionen begünstigt. Dennoch ist Strieber ein aufgeklärter Mensch, in dessen Weltbild es nicht vorgesehen ist, von fremdartigen Wesen entführt und untersucht zu werden. Dieser Konflikt zwischen dem, was ist, und dem, was nicht sein kann, ist es, der den Film bewegt, und die Quelle der sich entspinnenden familiären Konflikte bildet. Kurz vor Schluss landet Strieber, angeregt von seiner Therapeutin (pikanterweise spezialisiert auf Vergewaltigungsfälle), in einer Selbsthilfegruppe von Menschen, die seine Erfahrungen teilen: Aber es verschafft ihm keinen Trost, keine Beruhigung, zu hören, dass er nicht allein ist. In einem Raum mit überzeugten Entführungsopfern zu sitzen, verstärkt eher seine der Ratio geschuldeten Zweifel. Strieber muss sich seinen Ängsten persönlich und direkt stellen. Diese finale Konfrontation bildet in einem durchgehend seriösen Film die absurde Pointe: Im feinen Zwirn und Hut besucht Strieber das „Raumschiff“ der „Außerirdischen“, beginnt sich mit ihnen zu unterhalten und gar zu tanzen. Und als er danach nach Hause zurückkehrt, haben sich seine Ängste gelöst.

COMMUNION ist – das ist hoffentlich klar geworden – ein faszinierender, ungewöhnlicher kleiner Film, weil er sein oft spekulativ behandeltes Thema ganz unspekulativ behandelt und ernst nimmt. Eigentlich ist seine konkrete Ausschmückung absolut zweitrangig für die Fragen, die er stellt: Was bedeutet es für einen aufgeklärten Menschen, wenn er mit etwas konfrontiert wird, dass seiner Vernunft widerspricht? Eine Frage, der man sich stellen muss. Und so sehr man die Berichte über UFOs und Außerirdische auch als Spinnerei abtun möchte: Extraterrestrisches Leben könnte existieren. Und was würden wir tun, wenn wir es uns plötzlich leibhaftig gegenüberstünde? COMMUNION behandelt eine existenzielles menschliches Dilemma.