Mit ‘Linnea Quigley’ getaggte Beiträge

12.000 Jahre in der Vergangenheit werden die Geschwister Tra (Barbara Bain) und Gar (Robert Gribbin) von der eigenen Mutter für einen begangenen Frevel zu ewigem Leben verflucht: In einem Jahr sollen sie jeweils zehn Jahre altern, ihre Jugend können sie kurzfristig zurückerlangen, wenn sie das Blut und Fleisch eines Menschen zu sich nehmen, und erst in 12.000 Jahren sollen sie eine Möglichkeit erhalten, den Fluch aufzulösen. Dazu müssen sie eine Jungfrau opfern, die zu einem Teil von ihnen selbst, zum anderen von den „Normalsterblichen“ abstammt. Und so schickt sich der Bruder also zum geeigneten Zeitpunkt an, eine Frau zu finden, die ihm ein Kind schenkt, dessen Tötung ihn und seine Schwester von dem Fluch des ewigen Lebens befreien soll …

DON’T GO NEAR THE PARK ist, vielleicht ahnt man das schon, ein merkwürdiger Film: In Großbritannien jahrelang als Video Nasty verboten, wurde er in Deutschland unter dem nur wenig verheißungsvollen, ja geradezu konservativen Titel DER FLUCH DES EWIGEN LEBENS  veröffentlicht, was auch eher nach einem Propagandafilm für Atheisten klingt als nach einem Horrorfilm. Damit enden die Merkwürdigkeiten aber noch nicht: Die narrative Klammer, mit ihrer schlappe 12.000 Jahre zurückreichenden Rückblende, erscheint arg ambitioniert für einen Low-Budget-Schocker, und so ist Foldes Film dann auch ziemlich vollgestopft mit einer Handlung, aus der andere Filmemacher mindestens zwei Filme gemacht hätten, die aber wahrscheinlich nicht halb so interessant wie DON’T GO NEAR THE PARK geworden wären.

Die erste halbe Stunde widmet sich den erfolgreichen Versuchen Gars, eine Frau (Linnea Quigley in ihrem Filmdebüt) für sein Kind zu finden, und erinnert mit seiner Atmosphäre familiären Terrors und trügerischem Kindersegen an konservative Thriller um böse Papas, zusammenbrechende Mamas und gemeine Wechselbälger. Foldes gelingen hier tatsächlich einige ziemlich beunruhigende Szenen, bis das Drehbuch den nächsten großen Handlungsschritt erforderlich macht. Als Gars Tochter Bondie (Tamara Taylor) nämlich 16 wird und der Zeitpunkt ihrer Opferung naht, reißt sie von zu Hause aus, sitzt beim Trampen allerdings einer Gruppe jugendlicher Vergewaltiger auf, die ihr in einer ziemlich unangenehmen Sequenz an die Wäsche gehen und flüchtet sich, nachdem sie sich der Schmierlappen mithilfe eines vom Papa geschenkten magischen Amuletts entledigt hat, geradewegs in die Hände von Tra, die unter dem Namen Patty als altes Mütterchen im titelgebenden Park wohnt und ausgerissene Kinder bei sich aufnimmt, darunter den kleinen Nick und den hübschen Cowboy. Der Fokus verschiebt sich nun zugunsten Bondies und des kleinen Nick, der dank des sehr unvermittelt auftauchenden Autors Taft (Aldo Ray) erfährt, dass mit Patty irgendwas nicht stimmt, ja dass sie vermutlich schon mehrere hundert Jahre alt ist. Der Plot verdickt sich, bis es schließlich zum Ritual kommt, bei dem Bondie geopfert und der Fluch Tras und Gars aufgelöst werden soll. Natürlich kommt alles anders und so können die drei ausgerissenen Kinder zu guter Letzt als elternlose Familie in den Sonnenuntergang marschieren. Die letzte Einstellung zeigt jedoch, dass Bondie von ihrem Papa vielleicht den Appetit auf Menschenfleisch geerbt haben könnte.

DON’T GO NEAR THE PARK eignet sich gut dazu, das zu verdeutlichen, was ich neulich in meinem Text über Rodriguez‘ MACHETE geschrieben habe. Legt man ein klassisches Verständnis von technischer und erzählerischer Wohlgeformtheit zugrunde, dann ist Foldes Film eine ziemliche Katastrophe. Der Plot ist konfus und ausufernd, es fehlt ihm ein emotionales Zentrum, zudem reicht das Budget nicht aus, um den Rückblick auf ein Land weit, weit vor unserer Zeit glaubhaft auszugestalten: Mit ihrem Lendenschurz, der Kriegsbemalung und dem sauberen Haarschnitt sehen Tra und Gar weniger aus wie „echte“ Urzeitmenschen, sondern eher wie Manager im Selbstfindungsseminar. Weitere tpische Schwierigkeiten – der „Star“, für den eigentlich kein Platz im Drehbuch war (Aldo Ray), die abgebrochenen Subplots (von der Mutter des kleinen Ausreißers Nick hört man nie wieder etwas), die Lücken in der Handlung (was genau finden die Kinder an der gruseligen Patty?) – lassen sich als logische Konsequenzen einer hektischen Produktion unter widrigen Bedingungen werten. Aber diese „Fehler“ machen DON’T GO NEAR THE PARK erst zu dem, was er ist: ein Film, der sich geradezu renitent dagegen sperrt, einsortiert zu werden, Sinn zu ergeben – aber auch dagegen, seine Zuschauer mit hundertfach gesehen Standardszenarios zu nerven. Klasse!

Die drei Studenten Jimmie (Hal Havins), Keith (John Stuart Wildman) und Calvin (Andras Jones) werden dabei erwischt, wie sie beim Initiationsritus der Tri-Delta-Sorortity die nackten Bewerberinnen (u. a. B-Film-Babe Brinke Stevens) bespannen und mit diesen zu einer Mutprobe verdonnert: Aus dem nächtlichen Bowlingcenter sollen sie eine Trophäe entwenden. Dumm, dass der ausgewählte Pokal einen Kobold beheimatet, der nach seiner Freisetzung mit der Erfüllung diverser Wünsche lockt, die dann aber allesamt nach hinten losgehen. Gemeinsam mit der Einbrecherin Spider (Linnea Quigley) versucht Calvin, dem bösen Treiben ein Ende zu setzen …

Man darf vermuten, dass SORORITY BABES IN THE SLIMEBALL BOWL-O-RAMA nur entstand, weil Charles Band den Titel gekauft hatte und noch einen Film dazu brauchte. David DeCoteau kurbelte das Ding auf seine ihm eigene Art runter, ohne sich viel darum zu scheren, ob das Endprodukt den Verheißungen des Titels gerecht würde. Warum auch? Es würden sich genug Trash-Aficionados finden, die ihren Obolus dafür entrichteten. Klar, es gibt die versprochenen „Sorority Babes“ und eine Bowlingbahn, aber lustloser als hier könnte man die beiden Bestandteile kaum verbinden. Die Exposition ist dabei noch recht, ähem,  „viel versprechend“: Die Tri-Delta-Sorority besteht anscheinend nur aus drei Mädels und ihr Initiationsritus beinhaltet ein kräftiges Spanking und das anschließende Besprühen mit Schlagsahne (?), sodass man sich wundern muss, warum die Mädels sich über die männlichen Spanner überhaupt aufregen. Und die idiotische Mutprobe, zu der sich dann alle ohne jeden Widerspruch bereit erklären, obwohl sie doch einfach nach Hause gehen könnten – sie sind immerhin in der Überzahl! – ist ebenfalls aus dem Stoff, aus dem beknackte Trashfilme gestrickt sind. Leider versumpft DeCoteaus Film danach beträchtlich: OK, der Kobold, der einen Eddie-Murphy-mäßigen Jive talkt, ist irgendwie ganz putzig und dass sich eine der Sorority-Anwärterinnen auf Wunsch von einem der Spanner in eine Nymphomanin verwandelt, möchte man dem Film auch noch positiv anrechnen, aber das alles ist so fürchterlich träge inszeniert, dass die nur 80 Minuten Spielzeit ganz schön lang werden. Der eh schon plätschernde Fluss des Films wird zudem immer wieder durch ausufernde Dialogpassagen aufgehalten, die von den unterirdischen Schauspielern ohne jeden dramatischen Ausdruck absolviert werden, und wenn es dann mal ans Eingemachte geht, fehlte offensichtlich das Geld für Effekte und es wird just dann weggeschnitten, wenn es eigentlich interessant werden sollte. Nach Betrachtung von SORORITY BABES IN THE SLIMEBALL BOWL-O-RAMA stellt sich wieder mal die Frage, ob das jetzt nicht Exploitationkino par excellence ist – eben weil es mit dem Titel an die niederen Instinkte der Zuschauerschar appelliert, ohne diese dann wirklich bedienen zu können – oder aber die zynische Schattenseite einer Filmtradition, die im Bestfall Kino jenseits ausgelatschter Pfade hervorbrachte. Es spricht einiegs für die These, dass DeCoteaus Film mehr mit ätzenden Abschreibungsproduktionen der Hollywoodstudios zu tun hat, als er das einzugestehen bereit wäre. Naja, immerhin habe ich ihn jetzt endlich mal gesehen.