Mit ‘Lisa Wilcox’ getaggte Beiträge

Wie ich zuvor schon geschrieben hatte, avancierte Freddy Krueger im Laufe der Achtzigerjahre zu einem echten Popkultur-Phänomen, das längst nicht mehr auf die Sphäre des Kinos und das Horrorgenre beschränkt war. Die dem fünften Teil vorangegangenen Filme hatten stetig höhere Gewinne eingefahren, jede Installation den Erfolg des Vorgängers noch übertroffen. Eine Entwicklung, die nicht ewig weitergehen konnte und mit Hopkins Film, der hinter den Erwartungen zurückblieb, dann auch beendet war. Wahrscheinlich hatte die schiere Omnipräsenz des Killers mit dem Ringelpulli auch zur Übersättigung des Publikums geführt: So ähnlich wie der Charakter der Greta (Erika Anderson), die im Film von Freddy so mit Essen vollgestopft wird, dass sie schließlich daran erstickt, war der fünfte Teil genau jene Portion zuviel, führte zu Übelkeit und Verdauungsproblemen und war der Anfang vom Ende für das Erfolgsfranchise.

Es half sicherlich nicht, dass THE DREAM CHILD bei aller visuellen Opulenz, mit der Hopkins den Film inszenierte, hoffnungslos zerfahren wirkt. Das Bemühen, eine echte Geschichte zu erzählen, statt eine weitere Nummernrevue im Stile des vierten Teils aufzubieten, ist zu spüren, doch die Story um das im Körper Alice‘ (Lisa Wilcox) heranwachsende Kind, das von Freddy (Robert Englund) attackiert wird, ist so konfus, um- und unverständlich, dass jeder Versuch, ihr zu folgen, zum Scheitern verurteilt ist. Die kreativen Morde, die zuvor im Zentrum jedes NIGHTMARE-Films standen, sind enttäuschend einfallslos und blutarm, der Body Count so niedrig wie nie zuvor. Auch Freddy selbst wirkt, als hätte ein Nickerchen dringend nötig: Das Make-up lässt ihn hier nicht wie ein Verbrennungsopfer, sondern eher wie eine hässliche alte Vettel aussehen und ähnlich zahnlos sind diesmal auch seine Sprüche. Dass der fünfte Teil nicht als vollkommener Reinfall angesehen werden muss, liegt, wie gesagt, vor allem an der visuellen Gestaltung des Films: Wo die Vorgänger bei aller Kreativität manchmal auch etwas ungeschliffen und gummig wirkten, bleiben hier keinerlei Wünsche offen, zieht Hopkins alle Register, und zeichnet die Traumwelten, in denen sich Alice und Freddy zum Kampf gegenübertreten, als surreal-gothische Escher-Appropriationen, in denen man sich gern länger aufhielte. Wie für Harlin vor ihm begann für den gebürtigen Jamaikaner mit A NIGHTMARE ON ELM STREET 5: THE DREAM CHILD eine vielversprechende Hollywoodkarriere. Im Anschluss drehte er den tollen PREDATOR 2, danach JUDGEMENT NIGHT, BLOWN AWAY und den Abenteuer-Horrorfilm THE GHOST AND THE DARKNESS (den ich dringend mal wieder sehen müsste), bevor der Flop mit LOST IN SPACE ihn ein wenig ausbremste. Heute arbeitet er überwiegend fürs Fernsehen und ist wie Freddy Krueger weitestgehend in Vergessenheit geraten.

A NIGHTMARE ON ELM STREET 4: THE DREAM MASTER war – soweit ich mich recht erinnere – so mit 13, 14 mein erster NIGHTMARE-Film und auch wenn die deutsche Verleihfassung leicht geschnitten war, war ich beeindruckt von den zahlreichen kreativen Make-up- und Spezialeffekten. Als Junge in diesem Alter musste man danach einfach zum Fan werden. Vor allem die Verwandlung der Sportlerin Debbie (Brooke Theiss) in eine Kakerlake hatte es mir angetan, aber eigentlich war es der schiere Überfluss an einprägsamen, bizarren und erschreckenden Bildern – der Junge im Wasserbett; die ausgesaugte Hülle der Asthmatikerin Sheila; die Pizza mit Menschenkopf-Belag; die Seelen in Freddys Brust –, der mich für den Film sofort einnahm. Jahre später war die einstige Faszination der Erkenntnis gewichen, dass das dritte Sequel eigentlich kaum mehr ist als eine bunte Nummernrevue, die mit ihrem Effektreichtum den dramaturgischen Mangel nur notdürftig zu kaschieren weiß. Heute muss ich auch dieses Urteil wieder revidieren bzw. relativieren: Zwar ist es richtig, dass die halbherzig eingeführte Idee des „Dream Masters“, einer Kraft, die es dem Träumenden ermöglicht, das Wesen seines Traums selbst zu bestimmen, kaum über eine Alibifunktion hinauskommt, aber die Nummernhaftigkeit des Films ist tatsächlich dazu geeignet, das Drama der Jugendlichen von Springwood deutlicher herauszuarbeiten als jeder Drehbucheinfall.

In Chuck Russells direktem Vorgänger kitzelte die Freddy-erfahrene Psychologin Nancy Thompson aus jedem der bedrohten Teenager eine besondere Traumfähigkeit heraus, eine Steigerung ihrer wahren Persona, mit der sie dem Dämon begegnen konnten. Die Traumwelt entpuppte sich als der einzige Raum, in dem die von ihren Eltern gegängelte und missverstandene Jugend sich noch entfalten konnte und den sie gegen die Infiltration durch das Böse verteidigen musste. Dieser Aspekt wird im vierten Teil konsequent ausgebaut: Jeder der jugendlichen Protagonisten wird über eine bestimmte Eigenschaft oder ein Hobby charakterisiert. Es gibt die hochintelligente Asthmatikerin, die Sportbegeisterte mit Käferphobie und den karatekämpfenden Scherzkeks. Doch ihre Hobbys sind hier eben auch nicht mehr dazu geeignet, ihnen Autonomie zu verschaffen oder sie gegen Krueger zu wappnen. Im Gegenteil wird jeder von ihnen durch sie klassifiziert, in eine Schublade gesteckt und mit einem am Ende tödlichen Etikett versehen: Es ist ihre Persönlichkeit, die so zu ihrer Achillesferse wird, die Krueger angreift. Die rigide Struktur von A NIGHTMARE ON ELM STREET 4: THE DREAM MASTER, der kaum noch Spontaneität kennt, sondern sklavisch seinem Programm ergeben ist, das er abspult wie eine fehlerlos arbeitende Maschine, verstärkt diesen Aspekt noch. Für die Jugendlichen in Springwood gibt es nur noch eines: den ihnen zugewiesenen Platz einzunehmen, ihre Funktion im Gefüge zu erfüllen und zu sterben.

Der vierte NIGHTMARE-Teil ist mithin ein idealtypischer Renny-Harlin-Film. Sein Werk zeichnet sich sehr oft durch eine Art maschineller Perfektion aus, die man negativ auch als „Seelenlosigkeit“ bezeichnen könnte, die m. E. aber eher als eine Art poststrukturalistischer Selbstreferenzialität durchgeht. Was A NIGHTMARE ON ELM STREET 4: THE DREAM MASTER auf inhaltlicher Ebene vermissen lässt, das erzählt er auf jener seiner formalen Struktur. Insofern hat sich der Kreis für mich wieder geschlossen: Ich halte seinen Beitrag zusammen mit Sholders zweitem Teil für den interessantesten der Reihe und seine vermeintliche Oberflächlichkeit für eine perfide Tarnkappe.