Mit ‘Lois Chiles’ getaggte Beiträge

moonraker-resized1Der kritische Konsens weist MOONRAKER innerhalb der Serie meist die Rolle eines Wende- bzw. Eskalationspunktes und einen unteren Ranglistenplatz zu. Er ist das logische Ende einer mit dem ersten Bondfilm DR. NO begonnenen und in der „Amtszeit“ von Roger Moore forcierten Entwicklung zum Science-Fiction-Effekt-Spektakel, die hier nur äußerst konsequent im Weltall endet (der während der Schlusscredits dann auch tatsächlich als Location angegeben wird): Wo hätte man Bond auch sonst noch hinschicken können? Er war ja bereits überall gewesen. Neben dem mit seinem Setting einhergehenden Bombast wird dem Film oft seine Albernheit vorgeworfen. Ja, er sprengt zeitweise den bislang vorgegebenen und eingehaltenen Rahmen, führt das Konzept an seine Grenzen, dehnt es bis zum Zerreißen. Aber weil mit Lewis Gilbert ein veritabler Stilist und alter Hase auf dem Regiestuhl saß, wirkt MOONRAKER dennoch wie aus einem Guss, zerfällt nie in seine Bestandteile und bewahrt seine Seele. Wenn man sich auf ihn einlassen mag, führt kein Weg daran vorbei, ihn zusammen mit Gilberts anderen Bonds und ON HER MAJESTY’S SECRET SERVICE als einen der schönsten der Reihe zu bezeichnen.

Inhaltlich ist er kaum mehr als eine Variation des Vorgängers THE SPY WHO LOVED ME. Der Industrielle Hugo Drax (Michael Lonsdale) will die Erdbevölkerung nicht mithilfe von Atomraketen, sondern von Giftgas ausrotten, und statt auf dem Meeresboden im Weltraum eine neue Rasse züchten. Ergriff Strombergs Liebe zum Meer noch vom Film Besitz, indem sie eine Art Schleier über ihn legte, ihn in einem nahtlosen Ineinandergreifen von Ebbe und Flut dahinwogen ließ, so verkörpert MOONRAKER vielmehr das aggressive Credo Drax‘ vom „Conquest of Space“ (seinen Landsitz in den USA hat er Stein für Stein aus Frankreich herüberschicken lassen): Jeder Winkel, jede Sekunde des Films ist vollgestopft mit atemberaubenden Settings, exotischen Schauplätzen, Gags, kleinen Geschichten, Zitaten, Gimmicks, Stunts, visuellen Einfällen und inszenatorischen Ideen, sodass nur wenig Luft zum Atmen bleibt. Trotzdem wirkt MOONRAKER dabei so entspannt und selbstbewusst, wie es nur ein Meister hinbekommt. Der Film ruht in seiner Megalomanie, sprudelt förmlich über vor entfesselter Fabulierfreude und lässt das dabei alles wie ein Kinderspiel erscheinen, das ja auch seiner eigenen instinktiven Logik folgt. Die eigentliche Plotlinie gerät darüber in den Hintergrund. Wichtiger wird neben dem bloßen „Wie“, dem Staunen darüber, dass da immer noch ein unglaubliches Bild, noch eine Pointe, noch ein Set Piece draufgesetzt wird, die an die Roadrunner-Cartoons erinnernde Auseinandersetzung zwischen Bond und dem Beißer (Richard Kiel), der hier sein Comeback feiern darf und zum heimlichen Star des Films avanciert. Die halsbrecherischen Unfälle, die er bei jedem Versuch, Bond zu erwischen, erleidet, werden zum hysterischen Running Gag, wofür er schließlich mit einer absolut rührenden Liebesgeschichte belohnt wird, die den der Serie inhärenten Zynismus wunderbar unterläuft. Wahrscheinlich ist es genau dieses Element, bei dem sich viele Bondfans verabschiedet haben, für mich ist es pure Kinomagie und der Beweis für den hintersinnigen Witz Gilberts: Ist es nicht seltsam, dass man bereit ist, alle Einfälle des absurden Plots mitzugehen, aber daran scheitert, dass der Beißer mit einer kleinen Blondine mit Nickelbrille verkuppelt wird? Wenn beide in den Trümmern einer ins All driftenden Raumstation auf ihre unerwartete Liebe anstoßen, ist das nackte, von jedem Vorbehalt, jedem Dünkel, jeder Scham entkleidete Poesie, eine Eroberung des Raums, in der Tat. Bond mag den größenwahnsinnigen Drax zuvor schon beseitigt haben, aber erst hier wird der Idee von der Zucht einer überlegenen Rasse wirklich der Zahn gezogen, der materielle Bombast zur Fußnote reduziert.

Die Albernheit von MOONRAKER – stets mit dem straight face des distinguierten britischen Gentlemans präsentiert – hat durchaus etwas Herausforderndes und manchmal wirkt sie wie ein Spiel, mit dem sich die Macher die Zeit vertrieben: Welche Absurdität erlaubt uns das Konzept, bevor der Zuschauer aussteigt? So wird Bond in einem venezianischen Glasmuseum von Drax‘ Killer, einem Japaner, in voller Kendo-Montur überrascht. Später fährt ein Auto in einem der wohl plumpesten Porduct-Placement-Coups der Filmgeschichte an gleich vier Werbeplakaten vorbei, bevor mit einem zotigen Gag dann auch noch gesondert auf das fünfte hingewiesen wird. Nach einem Schnitt reitet der zuvor noch im Anzug gekleidete Bond plötzlich im Poncho durch die südamerikanische Pampa, bloß, um den neuen Schauplatz entsprechend einzuführen. Und der Kampf mit einer Riesenschlange wird zum putzigen Gerangel mit einem Stofftier, das die Regie kaum kaschieren mag. Diese ausgestellte Schein-Naivität kommt dem Film immer wieder sehr zu Gute. Gilbert interessiert sich einfach nicht für vorgefertigte Muster, folgt lieber seiner eigenen Logik und kommt dabei zu erstaunlichen Ergebnissen. Die Jagd von Drax‘ Rottweilern auf die schöne Pilotin Corinne (Corinne Cléry), die mit weißer Bluse und wehendem Rock zu dramatischer Musik durch den Wald rennt, könnte fast einem Film von Borowczyk entstammen, bekommt durch ihre ungewohnte, im Ton aus dem Film herausfallende Inszenierung eine Bedeutung, die ihr innerhalb des Handlungsrahmen eigentlich nicht zusteht. Es ist eine meiner Lieblingsszenen des Films, vielleicht sogar der ganzen Reihe, vollkommen seltsam, beinahe lyrisch, dramatisch, fleischlich, furchteinflößend. Toll sind auch die schmachtenden Blicke der von Drax zur Züchtung im All auserkorenen Supermenschen, die sich schon auf dem Flug zu ihrem Bestimmungsort vor Wollust und Zeugungswillen kaum zurückhalten können. Und dann natürlich diese Weltraumschlacht, mit der man damals ein bisschen vom STAR WARS-Hype profitieren wollte, die aber trotz tutender Laserstrahlen von chaotischer Ruppigkeit ist.

Was sonst noch? Lois Chiles wird als Bondgirl Holly Goodhead wenig gepriesen, aber ihr Zusammenspiel mit Roger Moore bildet m. E. ebenfalls ein Highlight der Serie. Voller vielsagender Blicke und unterschwelliger Erotik entwickeln beide eine Chemie, die nicht wenig von alten Screwball Comedys inspiriert scheint. Wie sie sich da gegenseitig Honig ums Mäulchen schmieren, nur um ihre wahren Beweggründe zu verschleiern, macht großen Spaß und ist eine willkommene Abwechslung zu den Bond sonst bedingungslos zu Füßen liegenden Groupies. Michael Lonsdale ist nicht der auffallendste Schurke, aber sein teilnahmslos wirkendes Bulldoggengesicht ist toll. Und ich liebe es, wie seine Frisur im Finale aus den Fugen gerät. Die Pre-Title-Sequenz ist für mich die beste, fünf Minuten Thrill in Perfektion, und motivisch natürlich ein schöner Kontrast zum grenzenlosen Aufstieg des Hauptfilms. Und dann der unfassbare Titelsong von Shirley Bassey, ganz schwereloses Gleiten, voraussetzungsloses Sein, verführerisches Locken, beschwichtigendes Streicheln. Die ideale Einstimmung auf das, was da kommt. Ein Film für den fortgeschrittenen Genießer.

1. „Old Chief Wood’nhead“: Die Gemischtwarenhandlung des Ehepaars Spruce (George Kennedy & Dorothy Lamour) wird von dem rebellischen Indianer Sam Whitemoon und seinen weißen Proletenkumpels überfallen, das Ehepaar ermordet. Weil Spruce den Indianern immer wohlgesonnen war, begibt sich Chief Wood’nhead, eine vor dem Laden postierte Indianer-Holzstatue, auf Rachefeldzug, um den Mord zu sühnen. 2. „The Raft“: Vier Jugendliche fahren an einen einsamen Bergsee, um sich auf der in der Mitte treibenden Insel zu sonnen. Doch dort angekommen bemerken sie, dass sie von einer Art monströsem Ölteppich belagert werden, der Appetit auf Menschenfleisch hat. 3. „The Hitch-Hiker“: Die untreue Gattin Annie Lansing (Lois Chiles) überfährt auf der Heimfahrt von ihrem Liebhaber einen Anhalter und begeht Fahrerflucht. Doch der Tote erweist sich als äußerst hartnäckig …

Licht und Schatten liegen bei diesem Sequel, das die Klasse der Vorgängers nicht annähernd erreicht, dicht beieinander: Die Rahmenhandlung, ein Trickfilm um einen jungen Comicfan, der sich gegen eine Horde Bullies mit einer fleischfressenden Pflanze wehrt, die er über eine Anzeige in seinem geliebten Horrorcomic bestellt hat, wirkt wie ein müder Abklatsch und kann technisch nicht mit den Animationssequenzen des ersten Teils mithalten, wirkt irgendwie unpersönlich und uncharmant (ein bisschen wie die doofen Trickfilmserien der Achtzigerjahre). Und mit „Old Chief Wood’nhead“ beginnt der Episodenreigen dann gleich mit der schwächsten Geschichte. Unpointiert, vorhersehbar und ohne echten Höhepunkt wird eine Standard-Rachegschichte abgespult, deren einsame Höhepunkte – der immer verlässliche, immer liebenswerte George Kennedy und die lebende Holzstaue – ziemlich verschenkt sind. Das Niveau steigt mit den beiden folgenden Geschichten zwar erheblich, vor allem „The Raft“ ist ziemlich großartig, wenn man bedenkt, wie beknackt seine Prämisse eigentlich ist, doch den pulpigen, barocken Charme des Originals, das die Ästhetik der zugrunde liegenden Comics durch eine recht avancierte Bildgestaltung und Schnitttechnik und angemessen übersteuerte Performances eines Allstar-Casts einfing, vermisst man hier schmerzlich. Michael Gornick, dessen einziger Kinofilm dies blieb, inszeniert bestenfalls zweckmäßig, ohne nennenswerte Ideen oder das Gespür für saftige Bilder, nach denen der Stoff eigentlich verlangt. Was verwunderlich ist, denn als DoP von solchen nun nicht gerade blass zu nennenden Filmen wie MARTIN, DAWN OF THE DEAD oder DAY OF THE DEAD hätte man das eigentlich erwarten können. So verwundert es immerhin nicht, dass er nach diesem Abstecher  wieder ausschließlich fürs Fernsehen tätig war. Wenn CREEPSHOW 2 packt, dann geht das vor allem auf das Konto der Effektleute, die in „The Raft“ und „The Hitch-Hiker“ ganze Arbeit geleistet haben und erheblich dazu beitragen, dass diese Epsioden dann doch noch eine Schlagseite in Richtung schmerzhaften Körperhorrors bekommen.

Man sollte diese Kritik nicht überbewerten: CREEPSHOW 2 ist ein nettes Horrofilmchen für Zwischendurch, nicht wirklich schlecht, aber eben kein Stück nachhaltig. Was ja nun auch nicht so richtig verwunderlich ist, wenn man bedenkt, welcher Quelle hier Tribut gezollt werden soll. Wie viele dieser Episodenfilme können schon für sich beanspruchen, einen über das kurzweilige Amüsement hianus beschäftigt zu haben? Eben. Daran gemessen schneidet dann auch CREEPSHOW 2 nicht so schlecht ab. Bedenkt man aber, was George A. Romero im Vorgänger aus der Prämisse herausgeholt hatte, dann ist Gornicks Sequel schon ein bisschen ernüchternd.