Mit ‘Louis Gossett jr.’ getaggte Beiträge

Nachdem er mit seiner Arbeit als Editor maßgeblich zum Erfolg von Norman Jewisons THE THOMAS CROWN AFFAIR und IN THE HEAT OF THE NIGHT beigetragen hatte, bekam Hal Ashby von seinem Mentor die Gelegenheit zum Regiedebüt: THE LANDLORD ist eine Komödie um Rassenbeziehungen (und nebenbei um Generationen- und Klassenkonflikte) im New York der späten Sechzigerjahre und erinnert in seiner Grundkonstellation ein wenig an Mike Nichols THE GRADUATE. Ashbys großartiger Output in den Siebzigerjahren wird im Gegensatz zu diesem aber leider nicht annähernd genug besungen: THE LANDLORD ist der nahezu vergessene Startschuss einer großen Karriere und unbedingt sehenswert.

Elgar Enders (Beau Bridges) ist 29, lebt aber immer noch im vornehmen Long-Island-Haus seiner wohlhabenden, konservativen Eltern (Lee Grant und Walter Brooke). Um endlich rauszukommen, gegen die Wertvorstellungen seiner Erzeuger zu rebellieren und sich seine ersten chops als Investor zu verdienen, kauft er ein heruntergekommenes Mietshaus in einem der schwarzen Viertel von Brooklyn. Doch seine Pläne, die Mieter rauszuschmeißen und das Haus für seine eigenen Zwecke herauszuputzen, scheitern kläglich: Er ist einfach zu nett und lässt sich von den Bewohnern, vor allem der patenten Marge (Pearl Bailey) und der attraktiven Fanny (Diana Sands) um den Finger wickeln. Seine Familie ist entsetzt vom Flirt des Sohnes mit den Afroamerikanern, der in einer Beziehung zur Tänzerin Lanie (Marki Bey) und einer Affäre mit der verheirateten Fanny kulminiert …

Die Mode hat sich verändert, das Viertel in dem Ashby seinen Film damals drehte, ist heute längst gentrifiziert, doch im Kern ist THE LANDLORD heute immer noch aktuell: Zwischen Vorurteilen und white guilt hin und hergerissen, begibt sich Elgar auf „Entdeckungstour“, entwickelt sich bereitwillig zu einer Art Hausmeister und Helfer für die Bewohner seines Hauses und macht es sich zur Aufgabe, für die Verständigung zwischen den weitestgehend scharf getrennten Rassen einzutreten. Am Ende hat er mehr Schaden angerichtet als Gutes getan und er kehrt dem Haus den Rücken zu, um sein eigenes Leben zu leben: gemeinsam mit der „halbweißen“ Lanie und dem Kind, das er mit Fanny hinter dem Rücken ihres aggressiven Gatten Copee (Louis Gossett jr.) gezeugt hat. Vielleicht wird die nächste Generation klüger sein.

Ashbys Film behandelt das schwierige Thema mit großer Sensibilität, bewegt sich leichtfüßig über ein mit Fettnäpfchen reich bestelltes Terrain. THE LANDLORD ist ebenso bitter wie komisch – vor allem, wenn er sich Elgars Familie zuwendet, einer grotesken Karikatur repblikanisch-neureichen WASP-Entitlements -, verfügt über geschliffen scharfe Dialoge und kommt ganz ohne die ach so lustigen Schwarzenklischees aus, die schon so manches ehrenwerte Projekt zu diesem problematischen Thema gnadenlos sabotiert haben. Ashby macht auch nicht den Fehler seines Protagonisten, nämlich sich zu sehr auf die Seite der „anderen“ zu schlagen: Seine Perspektive ist klar, aber er wahrt die Distanz, die die Grundvoraussetzung für ein Mindestmaß an Objektivität darstellt. Lediglich die Momente, in denen Elgar die vierte Wand durchbricht und sich direkt ans Publikum wendet, wirken etwas aufgesetzt. Sie verorten THE LANDLORD ganz klar in seiner Zeit und bringen den Film nicht wirlich weiter. Aber Ashby setzt sie so sparsam ein, dass sie nicht wirklich negativ zu Buche schlagen.

Auch der Blick auf die Stabsliste lohnt sich: Das auf einem Roman von Kristin Hunter basierende Drehbuch stammt von Bill Gunn. Der Afroamerikaner absolvierte im selben Jahr sein Regiedebüt mit STOP!, das aber in den Giftschränken von Warner landete, weil die statt des erwarteten Blaxploiters ein ernstes Drama bekommen hatten. Später drehte er noch den Horrorfilm GANJA & HESS, dem ebenfalls böse mitgespielt wurde, bevor er voreinigen Jahren rekonstruiert wurde. Er verstarb wie Ashby zu früh, Ende der Achtzigerjahre, mit noch nicht einmal 60 Jahren. Ansonsten dominieren hier die Frauen: Allen voran natürlich die großartige Lee Grant als nervöse, neurotische, aber nicht gänzlich unsympathische Mutter, die in einer wunderbaren Szene von der resoluten Marge mit billigem Schaumwein betrunken gemacht wird. Apropos Marge: Ihr verleiht Sängerin Pearl Bailey unbeschreibliche Präsenz – sie war nach THE LANDLORD nur noch selten auf der Leinwand zu sehen. Diana Sands ist perfekt als exotisches, aber immer authentisch wirkendes Objekt der Begierde Fanny, zerrissen zwischen der Sympathie für den naiven Elgar und der Liebe zum seelisch zerrütteten Copee. Sands verstarb nur drei Jahre später mit 39 Jahren. Marki Bey hat nicht die interessanteste Rolle des Films abbekommen, aber ihr zurückgenommenes Spiel hilft, dass ein absurder Side Gag wie der Kostümball-Auftritt von Elgars Schwager in Blackface erst so richtig schmerzhaft wird. Beau Bridges erfüllt die Aufgabe, liebenswerte Projektionsfigur zu sein mit Bravour, spannender ist aber was Louis Gosset jr. mit seiner Nebenrolle macht: gerade auch vor dem Hintergrund seines späteren Rollenprofils. Große Freude hatte ich auch mit dem mir bis dahin unbekannten Walter Brooke: Man sieht förmlich, wie er die sprichwörtliche Angst vorm schwarzen Mann hinter seinen Wutausbrüchen zu verbergen sucht. Zu guter letzt sei noch erwähnt, dass THE LANDLORD auch visuell herausragend ist, gerade für New-York-Freunde. Keine Überraschung, wenn man weiß, dass mit Cinematographer Gordon Willis der Mann hinter der Kamera stand, der wenige Jahre später dazu beitrug KLUTE, THE GODFATHER oder MANHATTAN zu unvergesslichen Meisterwerken zu machen.

Schade, dass es für einen solchen Film nur zur On-Demand-DVD aus Übersee reicht.

Mit THE CHOIRBOYS greife ich den vor einigen Jahren fallen gelassenen Faden meiner Robert-Aldrich-Werkschau wieder auf. Damals konnte ich dieses Films nicht habhaft werden und auf den nachfolgenden THE FRISCO KID hatte ich nicht so richtig Lust. Nun habe ich THE CHOIRBOYS endlich aufgetrieben und kann das Projekt zu seinem würdigen Ende bringen.

THE CHOIRBOYS gilt als einer der „misslungenen“ Filme in Aldrichs Filmografie: Bei seinem Kinoeinsatz wurde er von der Kritik zerrissen, das Publikum wollte ihr auch nicht widersprechen und zu alem Überfluss zog Joseph Wambaugh, Autor der autobiografisch angehauchten Romanvorlage und selbst Ex-Cop (auf sein Konto ging u. a. auch die Vorlage zu Fleischers THE NEW CENTURIONS) nach der Sichtung erbost seinen Namen zurück. Bis heute ist der Film nicht digital verfügbar, ein Schicksal, das noch nicht einmal Aldrichs anderen großen filmischen Stinkefinger, den ebenfalls viel gehassten THE LEGEND OF LYLAH CLARE ereilte. Und wie das mit solchen wüsten, missverstandenen, unter den Teppich gekehrten Filmen so ist: Ich mag ihn, wenngleich ich verstehe, warum ein Publikum, das Aldrich mit Hits wie THE DIRTY DOZEN assoziierte, mit ihm nicht warm wurde. THE CHOIRBOYS ist messy, außer Rand und Band wie seine Protagonisten, vulgär, handlungsarm und tonal all over the place. Ein Film kurz vor dem Nervenzusammenbruch.

Die „Chorknaben“, wie auch der deutsche Titel lautete, sind eine Gruppe von Streifenpolizisten in L. A.und mehr als mit der Verbrechensbekämpfung sind sie mit verständnis- und empathielosen Vorgesetzten und sich selbst beschäftigt. Sie benehmen sich beim täglichen Briefing wie Schulkinder, lassen sich nach Feierabend volllaufen, huren rum – und pflegen hinter der gut gelaunten Fassade manch schwere Neurose, die sich in der zweiten Hälfte des Films dann Bahn bricht und THE CHOIRBOYS heftig kippen lässt. Einen Vorgeschmack auf das blut- und tränenreiche Finale gibt es bereits zu Beginn, der die beiden Cops Sam Lyles (Don Stroud) und Harold Bloomguard (James Woods) in Vietnam zeigt, wo sie nur mit viel Glück dem Vietcong entkommen, weil sie sich in einem Tunnel verschanzen. Doch wie das so ist mit Traumata: Sie werden im Alltag hinter einer Fassade der Routine und des übertriebenen Selbstvertrauens mit wachsender Anstrengung verborgen, bis der Druck irgendwann zu groß wird und es heftig knallt. Man spürt, dass hinter den exzessiven Partys und dem infantilen Gehabe der Chorknaben die pure Verzweiflung steckt, eine sich als Lebensfreude tarnende Lebensmüdigkeit. Francis Tanaguchi (Clyde Kusatsu) verkleidet sich als Vampir, Dean Proust (Randy Quaid) besäuft sich bis zur Besinnungslosigkeit, Roscoe Rules (Tim McIntire) gefällt sich als rassistisches, sexistisches Arschloch, Saubermann Baxter Slate (Perry King) lässt sich von einer Domina misshandeln und Whalen (Charles Durning) hält den Job nur deshalb aus, weil er in ein paar Monaten in Ruhestand gehen wird.

Aldrich verbindet den resignierten Realismus des Siebzigerjahre-Copfilms mit dem Over-the-Top-Klamauk der KEYSTONE COPS (oder der später folgenden POLICE ACADEMY-Reihe) und sorgt mit diesem Schachzug für größte Desorientierung: Die groben Späße wirken verzweifelt, psychotisch, mit den aus dem Fernsehen entlehnten, immer wiederkehrenden Establishing Shots zeichnet er eine Welt, in der sich nichts mehr bewegt, höchstens abwärts. Die Welt von THE CHOIRBOYS ist aus den Fugen geraten, Cops benehmen sich wie Amokläufer, Verbrecher braucht es da gar nicht mehr. Der Zen-Buddhist, an dem all das abprallt, ist ausgerechnet der wie ein Penner aussehende Scuzzi (Burt Young), Chef des Sittendezernats, der stinkende, abgekaute Zigarren in seinen mit Hochprozentigem aufgebrezelten Kaffee tunkt und dem schwulen 18-jährigen Stricher mit der Empathie begegnet, die keiner mehr so recht für den anderen aufbringen kann, weil er zu sehr mit sich beschäftigt ist. Am Ende kommt es infolge des Selbstmords des gedemütigten Baxter zur Katastrophe, der Erschießung eines Unschuldigen durch den eine Panikattacke erleidenden Lyles. Der überfällige Selbsterkenntnisprozess setzt ein, doch der Obrigkeit in Form des Polizeichefs Riggs (Robert Webber) geht es nur darum, die Wahrheit zu vertuschen, auch wenn seine Leute dafür geopfert werden müssen. Es ist eine Scheißwelt, aber es gibt Hoffnung. So abgefuckt war Aldrich dann doch nicht, den Film ohne ein echtes, befreiendes Lachen zu beenden.

THE CHOIRBOYS ist kein Vergnügen. Er ist kompliziert, schmutzig und überdreht, episodisch und orientierungslos. Vieles läuft ins Leere und die erste Hälfte, einer Aneinanderreihung furchtbar alberner, dabei aber auffallend humorloser Szenen, stellt die Geduld auf eine harte Probe. Wie beim genannten THE LEGEND OF LYLAH CLARE merkt man ihm an, dass Aldrich kein Interesse daran hatte, auf sein Publikum zuzugehen. Es scheint, als hätte er die Kontrolle ganz bewusst aufgegeben, die Chorknaben das Ruder übernehmen lassen. Die Dramaturgie des Films erinnert dann auch eher an einen führerlosen Bus, der einen Abhang hinunterrast, nachdem er die Leitplanke durchbrochen hat, während seine besoffenen Passagiere den ultimativen Kick feiern, in augenrollender Todesverachtung. Der Aufprall kommt ja sowieso.

Das JAWS-Franchise, das Spielberg nur acht Jahre zuvor mit seinem Masterpiece JAWS aus der Taufe gehoben hatte, konkurrierte 1983 plötzlich mit fragwürdigen Titeln wie FRIDAY THE 13TH PART III oder AMITYVILLE 3-D um die Krone des 3D-Films des Jahres – und fuhr eine saftige Niederlage ein: Deutlicher lässt sich der innerhalb von nur zwei Sequels erlittene Niveau- und Prestigeverlust kaum illustrieren. Vielleicht war der ursprüngliche Plan, eine Selbstparodie unter dem kongenialen Titel JAWS 3 PEOPLE 0, für die Joe Dante als Regisseur vorgesehen war, doch die bessere Alternative gewesen: Zahnloser als die erste und letzte Regiearbeit des vorigen Second-Unit-Regisseurs Joe Alves hätte auch die nicht sein können. JAWS 3-D ist, man muss das so deutlich sagen, eine Vollkatastrophe, aber ohne den bizarren Charme, der eine solche im Idealfall auszeichnet.

Die Prämisse, die einen rachsüchtigen Weißen Hai im visionären Wasservergnügungspark Sea World wüten lässt, wo Michael Brody (Dennis Quaid) in verantwortlicher Position arbeitet, sollte eigentlich ausreichend Anlass für effektträchtige shark mayhem und weggebissene Touris bieten, stattdessen produziert der Film ausschließlich jede Menge biederer Langeweile auf technisch unterdurchschnittlichem Niveau. Die miserablen, zudem einfallslosen und redundanten visuellen Effekte, die JAWS 3-D streckenweise wie einen Kinderfilm aussehen lassen, und der inexistente Body Count – wenn ich mich recht entsinne, sterben ganze zwei Menschen – lassen das vollmundige Versprechen einer „dritten Dimension des Terrors“ als zynischen Marketingschwindel erscheinen: Keine Spur von der atemlosen Spannung, die Spielberg einst evozierte, oder dem immerhin kurzweiligen Achterbahnthrill von Szwarcs Sequel. Stattdessen muss sich der Zuschauer mit den Beziehungs- und Karriereproblemen von Michael und Delphintrainerin Kathryn (Bess Armstrong) sowie dem Balzverhalten von Brüderchen Sean (John Putch) und Wasserskiläuferin Kelly Ann (Lea Thompson) herumschlagen und bekommt reichlich Promomaterial des real existierenden Park zu sehen, inklusive putziger Delphin-Kunststückchen, das den Film in die Nähe eines debilen Disney-Famiienvehikels rückt.

Etwas Stimmung kommt lediglich auf, wenn Louis Gossett jr. als profitgeiler Parkchef Bouchard oder Simon MacCorkindale als britischer Abenteurer FitzRoyce auftreten oder der hüftsteife Hai via steinzeitlicher Rückprojektionstechnik durch die naiven Unterwassersettings schwimmt, aber weil man sich dafür durch bergeweise ödes Füllmaterial kämpfen muss und die Belohnung im Vergleich zu „richtigen“ Filmen äußerst mager ausfällt, lohnt sich die Mühe kaum. Das beste an JAWS 3-D, den ich im Laufe der drei über die letzten 25 Jahre verteilten Sichtungen tatsächlich jedesmal noch ein Stückchen mieser fand, ist der kurze Blick auf eine übel zugerichtete Leiche, der ein Glibberfisch aus dem Mund glitscht. Ansonsten kann ich den Film wirklich nur solchen Menschen empfehlen, die ein Faible für schlecht ausgeleuchtete Unterwasserszenen und blutarmen Horror haben und sich außerdem fragen, wie wohl eine Folge von „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ mit Haibezug aussehen könnte. Wenn ich es mir recht überlege, würde JAWS 3-D aber selbst die wahrscheinlich noch enttäuschen. Einen Schurken vom Kaliber eines Jo Gerner sucht man in Alves‘ Film nämlich leider vergebens.

https://i0.wp.com/adamantiumbullet.com/wp-content/uploads/2011/06/firewalker_poster_01.jpgDie Abenteurer und Schatzsucher Max Donigan (Chuck Norris) und Leo Porter (Louis Gossett jr.) werden von der attraktiven Patricia Goodwin (Melody Anderson) beauftragt, mit ihr gemeinsam einen geheimen Schatz zu bergen. Doch auf der Suche werden sie von El Coyote (Sonny Landham), einem unfreundlichen Indianer, der selbst großes Interesse an dem Schatz hat, und diversen südamerikanischen Milizen immer wieder in Bedrängnis gebracht …

FIREWALKER, Traum meiner Jugend. Naja, irgendwie war mir wohl damals schon insgeheim klar, dass dieser Abenteuerfilm der Cannon  – mit dem diese nach den beiden QUATERMAINFilmen zum zweiten Mal jenes Terrain beackerten, das Spielberg mit seinem INDIANA JONES so erfolgreich bestellt hatte – nicht wirklich „gut“ ist. Er dürfte wohl einer jener Filme sein, die ich zwar etliche Male mit großen Enthusiasmus angefangen, dann aber doch immer wieder vorzeitig abgebrochen habe. Warum das so ist, wird schnell klar: Der Film lässt ab der Mitte merklich nach. Die erste halbe Stunde ist nicht weniger als fulminant – zumindest in der deutschen Synchronfassung: In bester Rainer-Brandt-Manier wird hier gekalauert, dass sich die Balken biegen, und den Protagonisten immer wieder ein dummer Spruch in den eigentlich geschlossenen Mund gelegt. Zitierwürdige Zeilen finden sich zu Hauf und mehrfach haben meine Gattin und ich uns den Lachanfall nicht verkneifen können: Da wird sich darüber beschwert, dass der Sand zu sandig sei, und die Hautfarbe Leos („Von Beruf Neger“) immer wieder auf eine Art und Weise ins Zentrum des Humors gerückt, die heute gar nicht mehr denkbar wäre. Ein spanischer Gehilfe verabschiedet sich mit „Au weia con dios“, der altehrwürdige Indianer (Will Sampson) überreicht als Talisman „Gepresste Krümelkacke aus dem Medizinmann-Discount“ und beim Kartenspiel quittiert Leo den Siegesausruf – „66!“ – der quirligen Patricia mit einem genervten Stöhnen und der unsterblichen Zeile „Wir spielen doch Mau-Mau!“. Humorig dürfte FIREWALKER auch in der Originalfassung gewesen sein, aber erst die deutsche Synchronisation erhebt ihn zum Gaga-Schauspiel. Und sie wertet ihn mit ihren Charakterisierungen massiv auf: Die Chemie zwischen Norris und Gossett jr. (brillant vertont von Manfred Lehmann) stimmt, ihre gegenseitigen Neckereien und Streitigkeiten tragen viel zur Dynamik in diesem Anfangsdrittel des Films bei – mehr als etwaige Actionszenen. Norris ist als gutmütiger, aber etwas tumber Kumpeltyp geradezu kongenial besetzt bzw. synchronisiert: Von seiner stoischen Ruhe, der schon an Autismus grenzenden Ausdrucks- und Emotionslosigkeit, die seine sonstigen Darbietungen auszeichnet, ist hier nichts zu spüren. Er kommt eher als schnauzbärtige Variante der latent treudoofen Haudegen rüber, auf die sonst etwa Kurt Russell abonniert war und lässt einen fast bedauern, dass er sich nicht häufiger in komödiantischen Rollen versucht hat.

Aber auch besagter Niedergang des Films ist nicht zuletzt auf ihn zurückzuführen. Irgendwann tritt die Freundschaft von Max und Leo in den Hintergrund und macht der aufkeimenden Liebe zwischen Max und Patricia Platz. Das Sprüchefeuerwerk versiegt und stattdessen wird Plotabwicklung betrieben. Hier treten dann die Defizite des Films deutlich zu Tage: Die Geschichte um den Schatz ist haarsträubend unterentwickelt und auch nicht wirklich interessant, die Production Values sind zwar recht ordentlich, können aber selbstredend zu keiner Sekunde mit dem Vorbild oder auch größeren Rip-offs wie ROMANCING THE STONE mithalten und die Liebesgeschichte kommt direkt aus dem „Grundkurs Drebuchschreiben“. Nur noch einmal kommt wirklich Stimmung auf: Als Max seinem alten Kumpel Corky (John Rhys-Davies) wiederbegegnet, einem Weggefährten, der sich nun im Stile eines gut gelaunten Colonel Kurtz zum General einer Horde von Rebellen aufgeschwungen hat, wird der Film für einige Minuten plötzlich sehr ernst und geradezu nachdenklich. Die Schattenseiten des Abenteuerdaseins werden beleuchtet und suggeriert, dass die Suche nach Schätzen und Artefakten möglicherweise nur eine Flucht ist. Das geht natürlich einher mit dem Liebes-Subplot und Max‘ Überlegungen, endlich sesshaft zu werden, wirkt aber ungleich stärker. In nur wenigen Minuten lässt Rhys-Davies diesen Charakter entstehen, der in dieser kurzen Zeit echter, vollständiger und lebendiger wirkt als alle anderen Figuren des Films. Sein Blick, wenn Max ihn wieder verlässt, enthält ganze Welten an Gefühlen und Erinnerungen. Die Turbulenzen um den Schatz, die danach noch folgen, erreichen nicht annähernd die Durchschlagskraft dieser Sequenz. Der Film rast zwar mit großer Aufregung seinem Ende entgegen, doch wirkt das Tamtam wie ein laues Plätschern. Da merkt man dann wieder, was gut gescriptete Charaktere und die Spontaneität der Dialoge ausmachen.