Mit ‘Louis Leterrier’ getaggte Beiträge

Lasst uns ehrlich sein: Der 1981er CLASH OF THE TITANS ist nicht das filmische Großereignis für das viele, die mit ihm aufwuchsen, ihn halten. Sein Regisseur Desmond Davis war ein britischer Routinier, der in den Jahren zuvor ausschließlich fürs Fernsehen gearbeitet hatte. Viele Elemente des Films, ich denke nur an die ultracheesigen Szenen auf dem Olymp, mit einer hölzernen Ursula Andress als Göttin Hera, sind überhaupt nicht gut gealtert, der Film ist überlang und ohne echtes Flair inszeniert. Aber er hat eben die Effekte von Ray Harryhausen, die 1981 zwar auch längst nicht mehr State of the Art waren, aber dafür eben Persönlichkeit und Charakter im Überfluss hatten. Es war egal, was um sie herum passierte, weil sie das Eintrittsgeld allein Wert waren. Harryhausens Schöpfungen waren pure Kinomagie, der auch Dutzende von Making-ofs den Zauber nicht nehmen konnten. Es war eine einfache Illusion, die seine Kreaturen in Bewegung versetzte, aber irgendwie gelang es Harryhausen stets, ihnen echtes Leben einzuimpfen, den Trick der Stop-Motion-Animation zu transzendieren, die Schwächen und Beschränkungen der Technik zu einer Stärke zu machen.

Dass es eine Frage der Zeit war, bis sich jemand des Stoffes annahm, um ihn mit moderner Computer-Effekttechnologie einem neuen Publikum anzubieten, war klar. Die antiken griechischen Mythen beinhalten endlos viel Stoff für gewaltige, aufregende Epen voller mutiger Helden, schicksalhafter Schlachten und legendärer Monstren und einen Markt für fantasylastige, historische Abenteuerfilme gibt es fast immer. Aber das Resultat ist dann schon ernüchternd, vor allem wenn man bedenkt, dass der originale CLASH OF THE TITANS eben mitnichten ein perfekter Film war. Louis Leterriers Version kann nicht nur nicht mit Harryhausens Effektmagie mithalten (was zu erwarten war), der Film versagt auf nahezu allen Ebenen. Vor allem aber lässt er etwas vermissen, dass man dem Original bei allen Argumenten, die man gegen es ins Feld führen kann, nicht streitig machen kann: Persönlichkeit. Leterriers CLASH OF THE TITANS ist hingegen charakter- und Identitätslos, ein Film ohne echte Vision und ohne Stil, ein reines Marketing- und Abschreibungsprodukt, das wahrscheinlich niemanden, der in seine Entstehung involviert war, wirklich begeisterte oder dazu brachte, alles in die Waagschale zu werfen.

Die Liste fragwürdiger „künstlerischer“ Entscheidungen begann mit der Konversion des herkömmlich gedrehten Films zu 3D, die zulasten der Bildqualität ging und unter anderem dazu führte, dass Regisseur Louis Leterrier sich später von CLASH OF THE TITANS distanzierte. Aber auch ohne diese Schwäche wirken viele der CGIs lieblos und hingeschludert, am schlimmsten sicherlich bei den Szenen um die Medusa, die aussieht, als habe man sie aus einem Computerspiel in den Film gebeamt. Der Kampf gegen einige Riesenskorpione, die Szenen mit Pegasus und das Finale um den riesigen Kraken kommen besser weg, aber auch letzterer wirkt gegenüber Harryhausens wesentlich bescheidenerer Version einfach leb- und gesichtslos. Sam Worthington ist als Perseus blass und ohne Eigenschaften, ein Held, mit dem man als Zuschauer nichts verbindet. Um ihn herum stolpern gnadenlos überqualifizierte Darsteller wie Liam Neeson, Ralph Fiennes, Mads Mikkelsen, Gemma Arterton, Jason Flemyng oder Nicholas Hoult in nichtssagenden Rollen herum, verzweifelt bemüht, nicht sofort wieder in Vergessenheit zu geraten. Eine innere Dramaturgie gibt es nicht, der Film präsentiert sich als lose Aneinanderreihung von unter ihren Möglichkeiten bleibenden Set Pieces und ausgerechnet die mieseste Idee des Originals wurde als einzige nahezu eins zu eins übernommen, nämlich die kitschigen Versammlungsrunden der Götter auf dem Olymp. Das alles wird in ein jeden Anflug von Fantasie und Vorstellungskraft im Keim erstickendes Farbspektrum zwischen Braun und Grau gehüllt. Es ist einfach nicht zum Aushalten. Das Einzige, das ich diesem Film zugute halten möchte, ist seine griffige Länge von 100 Minuten. Wenigstens waren die Macher nicht so vermessen, das alles auch noch auf 150 Minuten aufzublähen, wie man das heute nahezu garantiert machen würde. Das macht CLASH OF THE TITANS nicht besser, aber noch halbwegs erträglich. Trotzdem ist das Versagen bemerkenswert: Aus diesem Stoff mit diesen Mitteln so wenig zu machen, muss man auch erst einmal hinbekommen.

Transporter 2Frank Martin (Jason Statham) ist professioneller Fahrer. Normalerweise ist es seine Aufgabe, heiße Ware zu befördern oder Fluchtwagen zu fahren, derzeit hat er einen vergleichsweise gemütlichen Auftrag: Er ist Chauffeur für den kleinen Jack (Hunter Clary), den Sohn des Staatsbeamten Jefferson Billings (Matthew Modine). Als Jack entführt wird, ist es für Frank selbstverständlich, sich auf die Suche nach ihm zu machen. Doch hinter der Entführung verbirgt sich mehr als eine Lösegelderpressung …

Von den vielen Vertretern des „neuen“ Actionkinos, war TRANSPORTER einer der besten. Das lag zum einen daran, dass mit Corey Yuen ein Hongkongverteran für die Inszenierung zuständig war und mit Jason Statham ein exzellenter Hauptdarsteller für diese Rollen zur Verfügung stand, der zu Yuens Stil passte wie die Faust aufs Auge. TRANSPORTER wandelte ungemein sicher auf dem schmalen Grad zwischen der von mir oft kritisierten zur billigen Ausrede verkommenen Selbstironie des postmodernen und der Direkt- und Unvermitteltheit des klassischen Actionkions.

TRANSPORTER 2 von Leterrier (2nd Unit Director des ersten Teils) gelingt diese Gradwanderung naturgemäß weniger gut: Sein Film rauscht in atemberaubender Geschwindigekt an einem vorbei und bläst einen viel heiße Luft ins Gesicht. Dennoch ist das Sequel immer noch ausgesprochen unterhaltsam, weil es a) gar keinen Hehl daraus macht, wenig mehr in Schilde zu führen, als seine Zuschauer auf eine Achterbahnfahrt zu schicken, b) diese Achterbahnfahrt dann auch wirklich sehr rasant und kurzweilig ist und c) Jason Statham nach wie vor wie ein Fels inmitten der ganzen Hektik thront. Teil 3 muss ich dringend nachholen.

incredible-hulk-poster-bigNachdem Ang Lee mit seiner grandiosen Hulk-Adaption vor fünf Jahren zielsicher an der anvisierten Zielgruppe vorbei inszenierte, platziert sich die zweite von Marvel selbst produzierte Verfilmung einer ihrer Comicserien nach IRON MAN relativ clever zwischen den Polen initialer Origin-Story und Sequel. Die Vorgeschichte von Bruce Banner wird als bekannt vorausgesetzt und in der kurzen Credit-Sequenz nur kurz umrissen, der folgende Film geht sogleich in medias res und interpretiert Ang Lees Vorarbeit im Sinne der Ultimate-Avengers-Serie, die den bereits entstandenen und noch geplanten Verfilmungen zugrunde liegt, um. Leterriers Film hat somit gegenüber den meisten Comicadaptionen den Vorteil größerer Kohärenz und Kompaktheit, wirkt weniger wie eine leidige Vorarbeit für kommende Sequels, sondern kann trotz der Verweise auf den größeren Rahmen – die Zusammensetzung der Avengers, die Reaktivierung des Supersoldaten Captain America – gut für sich allein bestehen. Keine kleine Leistung, an der Leterrier – keinesfalls der bloß willige Vollstreckungsgehilfe – wohl entscheidenden Anteil hatte. Seine TRANSPORTER-Filme und der furiose UNLEASHED funktionierten ganz ähnlich, erzeugten mit ihrem inhaltlichen Reduktionismus weniger den Eindruck von postmoderner Leblosigkeit, sondern im Gegenteil die Illusion epischer Breite. In diesem Spannungsfeld steht auch THE INCREDIBLE HULK. Zwar gibt es hier nicht die philosophischen Reflexionen und formalästhetischen Experimente, mit denen Ang Lee begeisterte, sondern einen auf den ersten Blick recht generischen Vertreter des Haudrauf-Effektkinos, aber man spürt in jeder Szene, dass da noch mehr schlummert unter der Haut des grünen Giganten. Leterrier macht das sehr clever: Er wusste wohl, dass er dem intellektuellen Niveau des Vorgängers nichts würde entgegensetzen können, also lässt er seinen Film von dessen Licht bestrahlen. Der Reiz von IRON MAN wie auch von THE INCREDIBLE HULK besteht wohl in erster Linie dennoch darin, endlich die seit Jahrzehnten ersehnten adäquaten Adaptionen der zum amerikanischen Kulturgut zählenden Comicvorlagen zu liefern. Das ist hier ausgezeichnet gelungen, aber eben ohne den bisherigen, in diesem Versuch weniger erfolgreichen Anläufen die Existenzberechtigung abzusprechen. Neben der Lee-Verfilmung grüßen in Leterriers Film sowohl die selige TV-Serie als auch die erste gezeichnete Inkarnation des Hulk, die mit ihrem modernen Äquivalent des Ultimate-Universums auch nicht mehr allzu viel zu tun hat.  Man darf gespannt sein, was da in den kommenden Jahren noch auf uns zukommt. Marvel lässt jedenfalls keinen Zweifel daran, es ernst zu meinen.