Mit ‘Luis Llosa’ getaggte Beiträge

Ray Quick (Sylvester Stallone) arbeitete einst als Sprengstoff-Experte zusammen mit seinem sadistischen Vorgesetzten Ned Trent (James Woods). Die Partnerschaft endete mit einem Verbrechen, dem Ausschluss aus der CIA und dem Ende der Partnerschaft. Gegenwart: Quick verdingt sich als privater Sprengmeister und wird in dieser Tätigkeit von der attraktiven Adrian Hastings (Sharon Stone) engagiert, die einst dem brutalen Mord an ihren Eltern durch den fiesen Tomas Leon (Eric Roberts) und seinen Vasallen beiwohnen musste. Sie sinnt auf Rache. Und während nun Quick seine Arbeit beginnt und seiner Auftraggeberin verfällt, ahnt er nicht, dass sein ehemaliger Partner im Hintergrund die Fäden zieht …

Ich erwähnte es schon in meinem ASSASSINS-Eintrag: Die 90er-Jahre waren kein gutes Jahrzehnt für Stallone, dessen Stern im Schatten des Erfolges seines einstigen Konkurrenten Schwarzenegger arg gesunken war und der im Zuge seiner verzweifelten Versuche, sein Image zu ändern, zur Zielscheibe des Spottes wurde. THE SPECIALIST, nach dem (gelungenen) DIE HARD-Rip-off CLIFFHANGER und der Sci-Fi-Komödie DEMOLITION MAN entstanden, markierte den Versuch, ihn im nach BASIC INSTINCT gerade angesagten Erotikthriller zu etablieren. Dieser Versuch ging ziemlich in die Hose: Die freizügigen Sexszenen zwischen den Stars wirken eher wie ölige Ringkämpfe und Stallones künstlich aufgepumpter Körper sieht im Liebesspiel mit der Stone geradezu grotesk aus. Hier kämpfen leblose Statuen darum, lebendig zu werden – ohne Erfolg. Überhaupt müht sich der Peruaner Llosa redlich, seinem Film sinnliche Schwüle zu verleihen: In der Sonne von Miami sind alle Akteure stets von einem feinen Schweißfilm überzogen, jeden Moment erwartet man, dass Sonny Crockett und Ricardo Tubbs um die Ecke biegen, der Score von John Barry schwoft elegant daher und wie schon in SNIPER beweist Llosa großes Geschick in der Bildkomposition: THE SPECIALIST sieht, das muss gesagt werden, spitze aus. Inmitten des bei all dieser Hitze seltsam kalt lassenden Geschehens reflektiert Stallone das Altwerden seiner Filmpersona, hat genug von sinnlosem Morden und sehnt sich nach der unnahbaren Adrian. Leider werden diese vorhandenen Reflexionsansätze jedoch immer wieder im Keim erstickt, weil THE SPECIALIST krampfhaft versucht, großes Starkino zu sein, in seiner Vordergründigkeit und Schmierigkeit aber letztlich doch nur wie ein aufgeblasener B-Film wirkt. Eric Roberts is at his greasiest, James Woods hat eine der eindimensionalsten Schurkenfiguren ever abbekommen und chargiert sich im Halbschlaf durch den Film, in dem sich auch Veteran Rod Steiger mit seinem bei Al Pacinos Tony Montana ausgeliehenden Latino-Slang nicht gerade mit Ruhm bekleckert. Sharon Stone prostituiert sich in nuttigen Fummeln und der Kameramann dürfte sich mehrfach in ihren Beinen verheddert haben, sofern er nicht gerade damit befasst war, ihre Nippel auszuleuchten. Dazwischen gibt es einige Explosionen, bedeutungsschweres Geturtel zwischen Quick und Hastings am Telefon und viel zu wenig Gewalt, um die Stallone-Fans bei Laune zu halten. Eine mittlere Katastrophe also? Eine Gurke epischen Ausmaßes? Auch, aber nicht nur. Denn hinter der Kombination von Elementen, die niemals miteinander hätten kombiniert werden dürfen, tritt ein Film hervor, der auf denkbar merkwürdige Art und Weise einzigartig ist. In all der Oberflächlichkeit und dem Spiel leerer Zeichen, in all seinem eitlen Glanz und Glimmer zeichnet sich manchmal ein Spiegelbild ab, dem jedoch gar keine materielle Repräsentation gegenübersteht. Da bricht zwischen den auf Hochglanz gebürsteten, aber dennoch vollkommen leeren Bildern das Dilemma ihres Protagonisten und seines Hauptdarstellers durch, eines Mannes, der in der Welt des hohlen Eventkinos einfach nicht zu Hause war.

sniper (luis llosa, usa/peru 1993)

Veröffentlicht: September 29, 2008 in Film
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Der erfahrene Scharfschütze Beckett (Tom Berenger), der den Dschungel Mittelamerikas kennt wie seine Westentasche, bekommt für einen Tötungsauftrag einen neuen Partner an seine Seite gestellt. Der junge Miller (Billy Zane) hat zwar strammen Schrittes die Karriereleiter des Militärs erklommen, jedoch kann er keinerlei praktische Erfahrung und noch keinen „Kill“ vorweisen. Für Beckett wird er zusehends zur Belastung: Denn jeder Fehlschuss kann das eigene Ende oder das Scheitern der Mission bedeuten …

SNIPER, in einer Zeit erschienen als das Actionkino im Stil der Achtzigerjahre schon durch das Eventkino abgelöst worden war, ist eigentlich erst heute wieder richtig zu würdigen, wo die Trends von damals – allen voran das Heroic-Bloodshed-Kino aus Hongkong – Schnee von gestern sind und man festgestellt hat, dass auch ein John Woo nur mit Wasser kocht. Heute treten die Qualitäten von Llosas Film unso stärker hervor: Die Kameraarbeit, die den Urwald zum dritten Protagonisten des Films macht und auf brillante Art und Weise die eingeschränkte Perspektive der Scharfschützen imitiert, kann man kaum genug loben. Es ist auch diese fast malerische Bildgestaltung, die mich zu der Aussage versteigen lässt, dass SNIPER ein beinahe impressionistischer Actionfilm geworden ist. Natürlich geht es im Actionfilm immer auch um innere Zustände und Kämpfe, aber so deutlich wie hier wurde das nur selten herausgestellt. Das beginnt schon bei den Subjektiven, dem Blick durch das Zielfernrohr: Mindestens genauso wichtig wie sein Ziel im Auge zu behalten, ist es nämlich, die Peripherie zu ignorieren. Ein guter Scharfschütze kann nur sein, wer nicht zu viele Fragen stellt, in der Lage ist, Kontext auszublenden. Darin besteht auch der Konflikt zwischen Beckett und Miller: Während ersterer über die perfekte Ausübung seines Jobs zum eiskalten Mörder geworden ist, für den ein normales Leben nur noch als Traum existiert, gefährdet Miller sein eigenes und das Leben seiner Mitstreiter, weil er nicht in der Lage ist, gesellschaftliche Normen abzuwerfen. Es sind sein Gewissen und sein Festhalten an einer Moral, die ihn im Dschungel von Panama zur Gefahr für seinen Kollegen werden lassen. Doch wie soll er sich verhalten? Die Fesseln der Zivilisation abstreifen und damit auch die Zugehörigkeit zur menschlichen Gesellschaft verlieren oder an der Moral festhalten und somit paradoxerweise erst recht zu Mörder werden? SNIPER kann natürlich keine Antwort auf diese Frage geben. Als Actionfilm muss er die Introspektion zugunsten der Aktion überwinden und somit wird Llosas Film dann spätestens zum Showdown wieder von der Realität eingeholt. Als Scheitern würde ich das dennoch nicht bezeichnen: SNIPER bietet komprimiert auf knapp 100 Minuten eine Menge Stoff zum Nachdenken und darüberhinaus prächtig inszenierte Actionszenen und Spannungsmomente. Für mich eine der Wiederentdeckungen des Jahres.