Mit ‘Luke Wilson’ getaggte Beiträge

IDIOCRACY ist eine ganz klassische Dystopie im Gewand einer Komödie: Er zeichnet eine Zukunft, die als eine überzeichnete Version unserer Gegenwart verstanden werden muss und zielt damit auf einen Bewusstwerdungsprozess ab: „Guck mal, das ist bei uns ja auch schon so!“ oder ähnliche Reaktionen sind das anvisierte Ziel und nicht etwa eine Überraschung. Dass Mike Judges Film in dem knappen Jahrzehnt seit Erscheinen aber noch einmal deutlich näher an unsere Wirklichkeit herangerückt ist als er das damals schon war, darf einen durchaus erschrecken.

Der als idealer Durchschnittsbürger eingeführte Joe Bauers (Luke Wilson) wird aufgrund eben dieser Eigenschaft (und seiner damit einhergehenden Entbehrlichkeit) für ein Experiment verwendet, das gnadenlos schiefgeht: Er soll für ein Jahr eingefroren werden, wacht aber aufgrund einer Panne erst 500 Jahre später auf. Die USA sind vollkommen am Ende: Riesige Müllberge türmen sich auf, die Menschen artikulieren sich nur noch in rudimentären Stammelsätzen und glotzen den ganzen Tag hirnerweichende Fernsehshows. Aus Trinkspendern sprudelt „Brawndo“, eine grüne Limonade, deren Hersteller Wasser erfolgreich vom Markt verdrängt hat – was wiederum eine große Dürre nach sich gezogen hat, Supermärkte haben die Größe von Städten, durch die die Menschen wie die Zombies wanken. Der Präsident ist ein ehemaliger Catcher, der mit markigen Sprüchen auftritt und in der Gegend rumballert, und der gar nicht bemerkenswerte Bauers wird allein aufgrund der Tatsache, dass er in ganzen Sätzen spricht, als Genie angesehen, das die Welt retten soll.

Es ist natürlich die Vereidigung Trumps als Präsident der Vereinigten Staaten, die dazu geführt hat, dass vieles, was 2006 noch wie eine absurde Überspitzung bestehender Tendenzen anmuten musste, heute von den Nachrichten längst eingeholt worden ist. Ein ehemaliger Catcher als Präsident, der in Stars-and-Stripes-Montur und markigen Sprüchen vor einer grölenden Schar dumpfer Nationalisten aufmarschiert, sich mit großkalibrigen Waffen als Rächer der Enterbten inszeniert, aber leider nicht weiß, dass man Getreide mit Wasser zu versorgen hat, damit es wächst: Das ist eigentlich nur noch ein gradueller Unterschied zum großmäuligen Pleitetycoon Trump, der mit seinen größenwahnsinningen Vulgarismen Waffennarren und Rassisten in ihren Allmachtsfantasien bestätigt, Frauen an die Pussy greift, den Klimawandel verleugnet, dem Kohlebergbau gegen jede ökologische, aber eben auch ökonomische Vernunft zur Renaissance verhelfen will, sich mit Ja-Sagern und anderen Verblendeten umgibt und eigene wirtschaftliche Interessen auf geradezu perverse Art und Weise mit politischen vermischt.

Die Gags auf Kosten des sogenannten Präkariatsfernsehens, zunehmender Verblödung und der Vermengung von Kultur und Markt sind da fast schon ein bisschen billig.  IDIOCRACY ist eben auch ein „Gebrauchsfilm“ für die lustige Runde, bei der man das ein oder andere alkoholische Kaltgetränk zu sich nimmt und die besten Sprüche ins eigene Humorrepertoire aufnimmt. Er fügt sich gut ein in die komödiantische Tradition, die in den letzten 15 Jahren von Leuten wie Judd Apatow, Seth McFarlane, Adam McKay und Konsorten etabliert worden und von den Abgründen der Popkultur gleichermaßen fasziniert wie abgestoßen ist. Meinen Lieblingsgag gibt es gleich zu Beginn, wenn der Initiator des Einfrierexperiments bei seinem Diavortrag berichtet, dass die weibliche Testperson ein Prostituierte aus dem Stall des Pimps „Upgrayedd“ ist – „the double d stands for a double dose of pimpin'“ – und er in Folge ein bisschen zu viel Begeisterung für die afroamerikanische Zuhälterkultur zeigt. Dieser „Upgrayedd“ tritt als handelnde Person niemals in Erscheinung, nur auf den Fotos des Vortrags, aber Rap-Enthusiasten werden ihn unschwer als Scarface identifizieren, ehemaliges Mitglied der skandalösen Geto Boys und Urgestein des Gangsta-Raps texanischen Ursprungs. Man mag es als Inkonsequenz bewerten, dass IDIOCRACY bei aller Kritik auch ein nicht geringes Maß an Sympathie für die Idioten dieser Welt aufbringt. Ich finde ja, dass ihn das eher auszeichnet als diskreditiert.