Mit ‘Mako’ getaggte Beiträge

Es gibt nicht allzu viele wirklich stichhaltige Argumente, aber irgendwie mag ich THE PERFECT WEAPON, mochte ihn auch schon damals, obwohl die 18er-Freigabe Dinge versprach, die der Film dann nicht einhalten konnte oder wollte. Ich kann mir nicht helfen, aber ich habe einfach ein Faible für diese unterambitionierten Videofilme, die aus unerfindlichen Gründen auf der großen Leinwand landen, in einem akuten (und sympathischen) Anfall von mangelndem Urteilsvermögen der sonst alle Register der Markt- und Zielgruppenforschung ziehenden und sich damit vor knallenden Flops absichernden Studios. Möglicherweise glaubte man bei Paramount tatsächlich, mit Speakman einen neuen Seagal an der Angel zu haben: Anders lässt sich die Tatsache, dass sie diesem in Martial-Arts-Kreisen zwar respektierten, aber dennoch eher persönlichkeitsarmen Langweiler mit einem Multi-Film-Deal ausstatteten (der dann aber nach dem nur mäßigen Abschneiden von THE PERFECT WEAPON schnell platzte wie eine Seifenblase). Nicht falsch verstehen: Speakman macht seine Sache schon ganz ordentlich, schauspielerisch wahrscheinlich sogar besser als so mancher Kollege, aber er bringt nur wenig jener unverwechselbaren Eigenschaften mit, die ein Actionheld nun einmal braucht. Auch der Film, den man um ihn herum gebaut hat, ist auffallend unauffällig: eine Heimkehrer-und-Rache-Geschichte, wie man sie in diesem Genre schon tausend Mal gesehen hat, meist sogar mit spektakuläreren Fights, halsbrecherischeren Stunts, fieseren Brutalitäten, hassenswerteren Schurken und überlebensgrößeren Helden. Was THE PERFECT WEAPON seinen billigen Brüdern im Geiste voraus hat, ist sein überaus gediegener Studio-Look: Die Paramount-Backlots wurden voll ausgenutzt und verleihen dem Film eine leicht künstliche, mitunter märchenhafte, mithin eben echte Hollywood-Anmutung, die nur wenig später ausschließlich den wirklich großen Blockbustern vorbehalten war.

Regisseur Mark DiSalles claim to fame ist der deutlich bekanntere und beliebtere KICKBOXER, der nicht nur Jean Claude van Damme in der Hauptrolle, sondern mit dem fiesen Tong Po (Michael Qissi) auch einen wirklich legendären Schurken des Prügelfilms aufbietet (vor kurzem gab es ein Remake). Da kann THE PERFECT WEAPON nicht mithalten, auch wenn er sich anstrengt und neben Professor Toru Tanaka auch noch Cary Hiroyuki-Tagawa als Bösewicht aufbietet. Wahrscheinlich wird man ihn aber vor allem wegen der Verwendung von Snap!’s Megahit „The Power“ in Erinnerung behalten, der gleich zu Beginn eine Solo-Kenpo-Darbietung von Schwarzgurt Speakman untermalt. Sekunden später wird sein Held Jeff Sanders am Telefon mit einem Überfall auf seinen väterlichen Freund Kim (Mako) konfrontiert, dem er dann kurz entschlossen zu Hilfe eilt. Anstatt weiter auf die Tube zu drücken, bremst DiSalle das Tempo unerklärlicherweise und baut eine ellenlange, mehrteilige Rückblende ein, die uns erklärt, wie Jeff einst von Kim in die Kenpo-Schule von Meister Lo (Seth Sakai) gebracht wurde, wie er anschließend die Kampfkunst lernte und dann denn Sündenfall erlebte, als er einen fiesen Schulbully krankenhausreif schlug. Hier liegt dann auch der Quell für einen in der Gegenwart des Films immer noch schwelenden Konflikt mit Jeffs strengem Armypapa und seinem jüngerem Bruder, dem er damals zur Hilfe eilte. Zurück in der Heimat gilt es also nicht nur, die fiesen koreanischen Gangster zu vertreiben, die Kim erst belästigen, dann töten, sondern auch mit sich und seiner Familie ins Reine zu kommen. Kennt man schon? Ja, stimmt, macht aber nix.

Diese Zeit, die Jahrgänge ’91/’92 markierten für das Actionkino einen Übergang. Es war die letzte Phase, in der die Studios uns darbende Actionfans mit diesen (mittel)groß produzierten Kloppern verwöhnten, wie wir sie in den Achtzigern lieben gelernt hatten. Wenig später verlagerte sich dieser ganze Bereich dann auf den Videomarkt, während sich der Actionfim zum familientauglichen Eventfilm mit immer weiter aufgeblasenen Budgets entwickelte (witzigerweise basiert Jan De Bonts SPEED – einer der größten Action-Kassenschlager der mittleren Neunziger – auf einem Script, das ursprünglich für Speakman gedacht war). OUT FOR JUSTICE, MARKED FOR DEATH, SHOWDOWN IN LITTLE TOKYO, PASSENGER 57, STONE COLD, A.W.O.L., MCBAIN, DOUBLE IMPACT: Hier war die Welt noch in Ordnung. THE PERFECT WEAPON kann mit diesen Titeln nicht ganz mithalten, aber er ist dennoch aus demselben Holz geschnitzt. Ein Relikt der Achtziger, das sich in die Neunziger verirrt hatte. Ich liebe einfach diese Brüche in der Filmgeschichte, diese Umbruchsmomente zwischen den großen Phasen, in deren Schwerelosigkeit plötzlich Dinge entstehen, die sich später kaum mehr einorden lassen. Jeff Speakman ist in dieser Geschichte so etwas wie ein tragischer Held: Wäre THE PERFECT WEAPON nur ein paar Jahre früher entstanden, hätte er vielleicht tatsächlich eine lukrative Karriere als Actionheld erleben dürfen, so hatte die Paramount aber nach nur einem Film keine Verwendung mehr für ihn und er verabschiedete sich nach dem noch mit einem limitierten Release bedachten STREET KNIGHT schnell in den DTV-und Pay-TV-Bereich, ohne dort jedoch den Kultstatus zu erreichen, den sich dort so mancher Martial Artist erarbeitete. Hier im Blog kann man immerhin noch etwas über DEADLY OUTBREAK lesen.

 

THE SAND PEBBLES ist nicht nur hinsichtlich seiner schwierigen Produktionsgeschichte ein einziges Faszinosum, ihm kommt auch im Schaffen Steve McQueens eine in bedeutsame Rolle zu, sowohl direkt wie indirekt. Die Verfilmung eines preisgekrönten Romans von Richard McKenna war ein Wunschprojekt von Regisseur Robert Wise, gestaltete sich aber schon in der Pre-Production als überaus kompliziert. Die 20th Century Fox legte dem Filmemacher deshalb nahe, die Wartezeit mit einem „kleineren“ Film zu überbrücken: Aus dem vermeintlichen Lückenbüßer, dem Snack für Zwischendurch wurde mit THE SOUND OF MUSIC ironischerweise einer der erfolgreichsten Filme der Sechzigerjahre. Für das aufwändige, in den Wirren des chinesischen Bürgerkriegs der 1920er-Jahren angesiedelte Historiendrama wurde ein voll funktionsfähiges Kanonenboot gebaut (das damals teuerste Prop aller Zeiten), die Dreharbeiten fanden in Hongkong und Taiwan statt und waren von jenen Pannen geprägt, die bei Produktionen auf dem Wasser nicht unüblich sind: Es gab Stürme, Überschwemmungen und außerdem Hotelbrände. Aus einer angepeilten Drehzeit von neun Wochen wurden sieben Monate, die Kosten explodierten und am Ende verschlang THE SAND PEBBLES über 12 Millionen Dollar, 3 Millionen mehr als ursprünglich veranschlagt. Steve McQueen, der mit einer nicht richtig auskurierten Zahnentzündung selbst für eine kostspielige mehrwöchige Drehpause verantwortlich war, war nach Beendigung des Films so erschöpft, dass er danach ein volles Jahr pausierte.

Die kraftraubende Erfahrung war für ihn zudem mit einer weiteren Enttäuschung verbunden: Ursprünglich sollte der passionierte Motorsportler im Anschluss an THE SAND PEBBLES endlich seinen großen Rennfahrerfilm drehen, „The Day of the Champion“, unter der Regie von John Sturges. Der anvisierte Drehbeginn musste aufgrund der Probleme von Wise‘ Film jedoch immer weiter nach hinten verschoben werden und als es endlich soweit war, hatte die MGM mit Frankenheimers GRAND PRIX bereits ein Konkurrenzprojekt auf die Beine gestellt. Aus Angst vor Umsatzeinbußen, wurde McQueens Wunschprojekt schließlich gecancelt. Es half nicht, dass mit James Garner ausgerechnet ein guter Freund von ihm – die beiden hatten sich bei den Dreharbeiten zu THE GREAT ESCAPE kennen gelernt – die Hauptrolle in GRAND PRIX übernahm: Der schwierige Star empfand das als Affront. Seine Enttäuschung war später möglicherweise auch die Ursache für die Probleme mit LE MANS, dessen Produktion wohl nicht zuletzt auch deshalb so ausartete, weil McQueen nun erst recht den definitiven Autorennfahrer-Film auf die Beine stellen wollte. Doch THE SAND PEBBLES war trotz aller Missgeschicke und Störwellen, die er in die Zukunft aussandte, keineswegs ein Fiasko: Wise war mit dem Endergebnis so zufrieden, dass er die Crew zu jährlichen Zusammenkünften um sich versammelte, und McQueen erhielt für seine beachtliche Leistung als Maschinist Jake Holman gar die einzige Oscar-Nominierung seiner Karriere. (Marshall Terrill, Verfasser der lesenswerten McQueen-Biografie „Steve McQueen: Portrait of an American Rebel“, vermutet zusammen mit einigen von McQueens Weggefährten, dass man ihn bei der Vergabe des Oscars vor allem deshalb überging, weil er sich mit seiner unbequemen, manchmal störrischen oder gar verantwortungslosen Art und Weise nicht gerade viele Freunde in Hollywood gemacht hatte.)

Aber auch ohne solche Trivia-Bleiwüsten wie die obige ist THE SAND PEBBLES ein hoch interessanter Film, der vor allem Freunden des Monumentalkinos munden sollte. Fotografie (Kamera: Joseph MacDonald) und Ausstattung sind prachtvoll, farbenfroh und detailfreudig, Jerry Goldsmiths Score breit und dräuend, die Spielzeit von 3 Stunden angemessen ausufernd (Testfassungen des Films waren ursprünglich noch länger). Aber ähnlich wie LAWRENCE OF ARABIA hat auch Wise‘ Film seine Tücken: THE SAND PEBBLES handelt von amerikanischer Interventionspolitik und von Rassismus, trifft dabei eindeutige, auch heute noch gültige Aussagen, lässt sich aber dennoch nur schwerlich als wohlfeiles Message-Kino abheften. Zu bitter ist die Herablassung, mit der die Chinesen hier behandelt werden, zu selbstverständlich gehen den Figuren die bösen Verunglimpfungen über die Lippen, zu voyeuristisch die Perspektive, in die man als Zuschauer gedrängt wird. THE SAND PEBBLES bietet keinen affirmativen Eskapismus, ermöglicht kein Schwelgen im visuellen Prunk: Vielmehr ist er aschfahl und bleich, und im Laufe seiner Spielzeit wird die Stimmung, die er vermittelt, immer drückender, bis er schließlich auf einer denkbar pessimistischen Note endet. Zunächst scheint er noch die Aussicht auf Hoffnung eines Miteinanders der Menschen zu vertreten: Der etwas mürrische Holman ist zunächst entsetzt darüber, dass sämtliche körperliche Arbeit an Bord des Kanonenbootes San Pablo – von der Besatzung liebevoll „Sand Pebble“ genannt, das winzige Sandkorn in den Irrläufen der chinesischen Geschichte – von chinesischen Kulis verrichtet wird, da sie doch kaum über die nötige Qualifikation verfügen. Doch er lernt, die Notwendigkeit dieses Zugeständnisses an die heimische Bevölkerung zu verstehen, und freundet sich sogar mit dem für die Wartung des Motors auserkorenen Po-han (Mako) an, den er geduldig unterrichtet. Holmans Freund Frenchy Burgoyne (Richard Attenborough) verliebt sich indessen in einem Bordell in die schöne Halbchinesin Maily (Emanuelle Arsan), die wegen ihrer Herkunft zwischen allen Stühlen sitzt, und tut alles dafür, sie aus ihrer misslichen Lage zu befreien. Die Utopie, in der Chinesen und Amerikaner friedlich koexistieren, die Anwesenheit letzterer als „Wachhunde“ nicht mehr nötig ist, verkörpert am deutlichsten Shirley Eckert (Candice Bergen), die sich für die Arbeit in der Mission „China Light“ verpflichtet hat und eine zarte Romanze mit Holman beginnt.

Doch alle diese Annäherungsversuche scheitern aufs Drastischste. Wie sollen auch kulturelle Barrieren überwunden werden, wenn schon die amerikanische Besatzung der San Pablo im Konflikt zerbricht? Als Holman eines Mordes bezichtigt, das Schiff monatelang belagert und seine Auslieferung verlangt wird, gehen auch seine vermeintlichen Kameraden auf die Barrikaden, fordern seine Aufgabe, um sich selbst aus ihrer misslichen Situation zu befreien. Die Belagerung ist der Kulminationspunkt des Films, bezeichnenderweise ein vollständiger Stillstand: Es geht weder vor noch zurück, ein Nachgeben ist ebenso wenig möglich wie die Konfrontation, zu der sich Captain Collins (Richard Crenna) jedoch schließlich entscheidet und damit das blutige Finale einleitet. In einer letzten verzweifelten Mission begibt sich die San Pablo zur Mission, um Jameson (Larry Gates) und Shirley vor den heranstürmednen chinesischen Armeen zu retten. Doch die Missionare wollen gar keine Rettung: Sie hätten keine Nationalität mehr, die Zeit für Flaggen sei vorbei, sie hätten nichts zu befürchten. Die Menschen können koexistieren, wenn sie ihre Differenzen, das, was sie trennt, endlich über Bord schmeißen. Eine schöne Idee, aber ein Irrglaube, den mehrere Menschen mit ihrem Leben bezahlen werden. Robert Wise erteilt mit THE SAND PEBBLES eine überaus schmerzliche Lektion, die heute leider noch genauso wahr ist wie vor 50 Jahren.