Mit ‘Manfred Lehmann’ getaggte Beiträge

Give me simplicity or give me death. Die beiden Vietnam-Veteranen Mark Adams (Manfred Lehmann) und James Walcott (John Steiner) machen sich auf den Weg durch die US of A, um ihren alten Kameraden Roger Carson (Christopher Connelly) zu besuchen, dessen Tochter heute ihre Hochzeit feiert. Auf der Party in der schicken Villa mit lauter reichen Leuten fallen die drei lautstark alte Kriegsgeschichten austauschenden Kumpels jedoch negativ auf und verlassen so das Grundstück. Dieser erzwungene Ausflug endet bei Fabrizio de Angelis aber nicht etwa im exzessiven Besäufnis mit dem anschließenden Versprechen, sich wiederzusehen, sondern mit einem spontanen Ausflug nach Vietnam, wo man hofft, die vom Staat längst vergessenen Kriegsgefangenen befreien zu können.

DIE RÜCKKEHR DER WILDGÄNSE zählt wie GEHEIMCODE WILDGÄNSE, DER COMMANDER und KOMMANDO LEOPARD zu den Kriegs- und Söldnerfilmen, die Erwin C. Dietrich Anfang bis Mitte der Achtzigerjahre gemeinsam mit Kameramann Peter Baumgartner produzierte. Statt des versierten Antonio Margheriti nahm hier jedoch der deutlich weniger begabte Fabrizio de Angelis (unter dem Pseudonym „Larry Ludman“) auf dem Regiestuhl Platz. Verstand es Margheriti, die eifrig runtergekurbelten Söldnerschinken tatächlich nach großem Kino aussehen zu lassen und den allgegenwärtigen Zynismus und Militarismus durch die Etablierung eines an alte Abenteuerfilme erinnernden Romantizismus abzumildern, so wirft einem de Angelis einen ungehobelten Klotz vor die Füße, der weniger lächelnd genossen als ertragen werden will. Der oben skizzierte Simplizismus, der das Schema diverser Road Movies – das Treffen alter Freunde wird zum Ausgangspunkt einer Reise – auf den in den mittleren Achtzigern so populären Holt-die-Gefangenen-raus-Actionklopper überträgt, zeugt einerseits davon, mit welch heißer Nadel das Drehbuch gestrickt wurde, zeigt andererseits aber auch recht eindrucksvoll, wie kaputt seine vermeintlichen Helden eigentlich sind. Irgendwie suggeriert der Film mit seiner Von-Höcksken-auf-Stöcksken-Struktur, das ganze Abenteuer spielte sich lediglich im derangierten Hirn der Protagonisten ab: Die Flucht von der Hochzeitsfeier führt sie erst in eine miese Pinte, in der sie die Schmähungen eines WW2-Veteranen über sich ergehen lassen müssen, für den der Vietnamkrieg eine einzige Schande war, und schließlich zu ihrem alten Kommandanten Major Morris (Enzo G. Castellari), der sie ohne lange Vorrede für eine Befreiungsmission einspannen will, die er insgeheim geplant hat. Die anfängliche Abneigung weicht binnen weniger Szenen dem Entschluss mit ihrem Kumpel Richard Wagner (!) (Oliver Tobias) nach Vietnam rüberzumachen und die Kameraden zu befreien, um die sich der Staat nicht mehr kümmert. Den Entschluss, aus dem Alltag in Kriegshandlungen zu springen, treffen die Recken, ohne auch nur einmal innezuhalten. Mit Realismus hat das nichts zu tun, aber als Porträt traumatisierter, vom normalen Leben vollkommen entfremdeter Veteranen, trifft diese Erzählstrategie den Nagel vermutlich auf den Kopf. Dass Roger und Konsorten, für die das Himmelfahrtskommando das Äquivalent zum Kegelausflug ist, grotesk unsympathisch sind – Asiaten werden von ihnen großzügig als „Gelbärsche“ tituliert, macht den ganzen Film zu einer Tortur.

Der Wahnsinn nimmt seinen Lauf und DIE RÜCKKEHR DER WILDGÄNSE profitiert ganz eindeutig davon, dass de Angelis den Begriff „Subtilität“ offensichtlich erst im Fremdwörterbuch nachschlagen müsste. Mark Adams fällt der verführerischen Vietnamesin im Bauerndörfchen zum Opfer, als sie ihn erst in ihre Hütte lockt, ihm zu seinem Entsetzen jedoch ihren vom Napalm mit Brandwunden übersäten Oberkörper zeigt und ihn dann rücksichtslos hinrichtet. Und die Befreiungsmission endet schließlich, als sich die drei verbliebenen Freunde einer unbezwingbaren Übermacht gegenübersehen und vom per Helikopter einschwebenden Colonel Mortimer (Gordon Mitchell) dazu überredet werden, den Gefangenen Mike (Ethan Wayne) im Austausch für ihre eigene Unversehrtheit in den Händen des Feindes zurückzulassen. Ein Angebot, das anzunehmen ihnen keine Wahl bleibt, denn niemand soll erfahren, dass es noch Kriegsgefangene in Vietnam gibt. Alles ist ein abgekartetes Spiel der einstmals verfeindeten Länder. Bedröppelt fliegen die Kumpels wieder nach Hause, und Roger freut sich schon darauf, sich im Luxusbunker der Ehefrau seinen vorsintflutlichen Videospielen widmen zu können. Schrifteinblendungen klären uns dann aber darüber auf, dass James und Roger wenig später auf mysteriöse Weise ums Leben gekommen sind. Und auch Richard hat es nicht besser getroffen: Die letzte Einstellung des Films zeigt ihn als menschliches Gemüse aus leeren Augen ins Nichts starrend auf dem kalten Flur eines Sanatoriums. Gegen solch schonungslosen Pessimismus nehmen sich die zur selben Zeit aus Hollywood kommenden reaktionären Rettungsfantasien fast wie Märchen aus.

Der kambodschanische General Dong macht Drogengeschäfte mit dem CIA, will aber plötzlich mehr Geld. Daraufhin wird der Ex-Agent und Waffenhändler Mazzarini (Lee van Cleef) eingeschaltet: Er schlägt dem Geheimdienst vor, eine Söldnertruppe mit einer Waffen-lieferung zu Dong zu schicken, es ihm dann aber hinterrücks heimzuzahlen. Die Truppe wird angeführt von Colby (Lewis Collins), dem besten Mann für solche Einsätze. Unterstützt wird er unter anderem von seinem alten Weggefährten Mason (Manfred Lehmann). Was Colby jedoch nicht weiß: Der echte Mason ist ein verhin-derter Säufer und stattdessen verbirgt sich hinter seinem Namen (und dessen Gesicht) nun der Agent Hickock …

Der dritte und letzte Beitrag aus Margheritis deutsch-italienisch coproduzierter Söldnerfilm-Reihe – GEHEIMCODE: WILDGÄNSE und KOMMANDO LEOPARD sind die beiden anderen Titel – wirkt heute wie von einem anderen Planeten. Man kann sich kaum noch vorstellen, dass Filme dieser Art tatsächlich einmal Mainstream waren, der ganz normal beworben und in den Lichtspielhäusern gezeigt wurde und dort sogar erfolgreich war. Als DER COMMANDER 1988 erschien, da neigte sich jene schöne, bessere Zeit bereits dem Ende zu, dennoch war hier noch mal alles beim Alten: Gab sich eine illustre Riege internationaler, europäischer und deutscher Schauspieler die Ehre, wurden auf dem Niveau eines Groschenheftes der Kameradschaft und dem heldenhaften Draufgängertum des Söldners gehuldigt, die undurchsichtigen Machenschaften der vor dem Zusammenbruch des Eisernen Vorhangs noch deutlich aktiveren Geheimdienste – und nicht ohne Begeisterung für die zu Tage tretende Skrupellosigkeit – durchleuchtet, jede Menge gesoffen und geraucht. Und auch wenn hier sehr unverhohlen für schnöden Mammon, statt  (verlogenerweise) fürs humanistische Ideal gemeuchelt und gemordet wird, ist das Söldnerleben ein einziger Spaß: Wer wollte sich auch ernsthaft beschweren über einen Job, bei dem er im zeitlos-modischen Tarnfleck – nach Belieben mit stylischen Accessoires aufgeppeppt – mit Gleichgesinnten durch den Urwald krauchen und Schufte wegpusten darf und dafür auch noch fürstlich von Despoten, korrupten Geheimdienstchefs oder Waffenhändlern bezahlt wird? Die kompetente Synchronisation veredelt das testosterongeschwängerte Treiben mit zackigem Kraftsprech irgendwo zwischen naiver Fünfzigerjahre-Räuberpistole und Eighties-Zynismus, Peter Baumgartner und die Krautpopper von Eloy liefern dazu die passende Sounduntermalung, bei der als asiatisch apostrophierte Klänge durch den Synthie gejagt werden, dass es nur so raucht.

DER COMMANDER ist ein bisschen weniger rasant als die Vorgänger, wirkt schon ein bisschen müde und war anno ’88 auch nicht mehr ganz auf der Höhe des Zeitgeistes. Trotzdem kann ich das Gebotene kaum anders als hemmungslos geil finden. Es sind eher Details wie die oben angedeuteten, die mich für ihn einnehmen – der Zeit- und Lokalkolorit, der Tonfall des Films –, mehr als sein Gesamtentwurf. Das Hin und Her der Geheimdienste habe ich nicht wirklich verstanden, aber es bietet den wunderbaren Rahmen für das Ränkespiel von Pleasence und De-Niro-Synchronsprecher Christian Brückner, vor der tristen Kulisse des geteilten Berlins. Neben Brückner sind auch Stallone- und Schwarzenegger-Sprecher Thomas Danneberg – der hier mal wieder von Rainer Brandt vertont wird, weil er seine eigene Stimme Lewis Collins zur Verfügung stellt – sowie Manfred Lehmann – Bruce Willis‘ Stammsprecher – anwesend: Letzterer hat wie auch schon in KOMMANDO LEOPARD eine besonders kernige Rolle abbekommen, darf erst den vergammelten Säufer im Trenchcoat und dann den Agenten geben, der sich einer Operation unterzieht, um schließlich mit Lehmanns „Kartoffelnase“ ausgestattet zu werden. Er hat dann am Ende eine melodramatische Szene, weil die brave thailändische Soldatin Lin, in die er sich verliebt hat, vor seinen Augen erschossen wird. (Das Drehbuch stammt von einer weiteren Synchron-Ikone: Arne Elsholtz.) John Steiner spielt den verräterischen Geschäftemacher Duclaud und einen ständig dreckig lachenden „Kongo Otto“ gibt es auch. Collins gibt mal wieder den disziplinierten, mit allen Abwassern gewaschenen Vollprofi, der sich entgegen des Titels „Major“ nennen lässt. Das Geballer ist trotz aller Brutalität – die identitätslosen Asiaten können einfach so umgenietet werden – herrlich infantil, knüpft ideologisch voll an den kolonialistischen Söldnerfilm der Sechziger- und Siebzigerjahre an und ist damit einfach nur anachronistisch. Man kann dem Film unmöglich böse sein und die Synchro unterstreicht den naiven Charme mit doofen Sprüchen, schlecht betonten Ti-Äitschs und Actionheldennamen wie „Mason“ und „Colby“, der natürlich immer als „Kollbi“ ausgesprochen wird. Eigentlich müsste DER COMMANDER eine Freigabe ab sechs Jahren haben, um seine Zielgruppe zu erreichen.

Vor allem machen mir solche Wiedersehen eines klar: Ich vermisse die Zeit, in der solche Genreklopper in Europa produziert wurden; durchaus mit dem Blick nach Hollywood, aber dennoch mit der Gewissheit und dem Selbstvertrauen, das auch selbst ganz gut hinzubekommen. Damals grüßten statt langweiliger Fotos von gephotoshoppten Designerfressen noch gemalte Porträts von Persönlichkeiten wie Spencer, Hill, Belmondo, Delon oder eben Collins von den Litfasssäulen der Stadt, warben um die Gunst der Zuschauer, die diese Filme nicht als Kuriositäten, sondern als ganz selbstverständliche und gleichwertige Konkurrenz zum US-Stoff wahrnahmen, der noch längst nicht dieses Monopol hatte. So froh ich darüber bin, dass es Nischenabieter gibt, die Filme wie DER COMMANDER heute verfügbar halten, eine Szene, die solche Perlen ausgräbt, würdigt und weiterempfiehlt: Ich kann sie eigentlich nur noch mit einem weinenden Auge sehen.