Mit ‘Manga’ getaggte Beiträge

blood_the_last_vampire_live_actionWenn man sich anschaut, welche Länder an dieser Produktion teilgenommen haben, fällt einem unweigerlich das Sprichwort mit den Köchen und dem Brei ein. Chris Nahon, der einst den spaßigen KISS OF THE DRAGON gedreht und danach den recht ambitionierten L’EMPIRE DES LOUPS nachgelegt hatte, hat sich mit dieser lausigen Anime-Realverfilmung jedenfalls keinen Gefallen getan. Der Plot ist verquast und verlabert (was beim Festivalscreening durch die nicht untertitelten japanischen Passagen noch unterstrichen wurde), die Effekte schwanken zwischen gut und katastrophal und überhaupt wage ich zu bezweifeln, dass BLOOD: THE LAST VAMPIRE in der vorliegenden irgendjemandem zu gefallen in der Lage ist, der noch seine Sinne beisammen hat. Zu Beginn sah das zugegebenermaßen noch eine Weile so aus, als könnte am Ende ein zwar dummer, aber doch unterhaltsamer und rasanter Actionfilm stehen, aber von dieser Hoffnung musste ich mich schnell verabschieden. Ich kann mir kaum vorstellen, dass Nahon oder die Produzenten besonders stolz auf diesen Haufen zusammengeklebten Schnittmülls sind. ABer wahrscheinlich muss man ihn für die Nerds nur in einem schicken Steelbook verpacken, um die Kosten wieder einzuholen. Was für eine Welt.

deathnotethelastnameTeil 1 endete, wenn schon nicht mit einem „echten“ Ende, so doch zumindest mit einer viel versprechenden Prämisse für Teil 2: Light Yagami hatte seine Intelligenz und die Möglichkeiten, die ihm das Notizbuch „Death Note“ bot, so geschickt eingesetzt, dass L. nichts anderes übrig blieb, seine zumindest temporäre Niederlage anzuerkennen – trotz der Überzeugung, in Yagami den gesuchten Massenmörder vor sich zu haben. Um den battle of intellects der beiden auf die Spitze zu treiben, bietet Yagami L. nun seine Hilfe bei der Suche nach dem Mörder an – und der nimmt an, wissend, dass Yagami wiederum alles tun wird, die eigenen Spuren zu verwischen …

Diese Prämisse und das Misslingen, sie adäquat umzusetzen, demonstrieren recht eindrücklich, was ich beim ersten Teil schon zu bekritteln hatte: Was in DEATH NOTE clever erscheint, ist letztlich nur halb so schlau. Weil das „Death Note“ und das es umgebende Regelwerk beliebig ausbaubar sind, seine Regeln unter anderem den Eingriff in die Chronologie ermöglichen, war es für die Macher relativ leicht, den Zuschauer in die Irre zu führen. Ganze Handlungsstränge konnten nachträglich als aus der Vergangenheit heraus motiviert erklärt werden; ein Taschenspielertrick letztlich, aber er ließ immerhin eine recht spannende strukturalistische Sichtweise zu. Dass die Drehbuchautoren nun aber da, wo wirkliche Cleverness gefragt wäre, versagen und nicht mehr als die Standardlösungen derSequeldramaturgie, namentlich „Wiederholung“, „Übertreibung“ und „Verdopplung“ aufzubieten wissen, belegt meine These. Die formidable Prämisse, deren virtuelle Potenz allein den Vorgänger aufzuwerten in der Lage war, löst sich im Sequel binnen Minuten in Luft auf. Weil der Zweikampf zwischen L. und Light kein solcher sein kann, solange Light inaktiv bleibt – und warum sollte er aktiv werden, wenn er sich doch beobachtet weiß -, hätte es hier einer gehörigen Portion Kreativität und Erfindungsreichtum oder aber zumindest einer glaubwürdigen psychlogischen Ausarbeitung der Hauptfiguren bedurft. Weil beides nicht vorhanden war, wird nun wie aus dem Nichts ein zweites Notizbuch und ein zweiter Vigilant eingeführt. Kanekos Film kreist über zwei Stunden lang um nichts anderes als sich selbst und nervt mit seinen ellenlang ausgewalzten Dialogszenen, die nur dazu da zu sein scheinen, um die Auflösung möglichst lange herauszuzögern und somit künstlich aufzuwerten. Letzten Endes geht der Schuss nach hinten los, denn die Auflösung ist eine maßlose Enttäuschung: DEATH NOTE hatte noch nicht einmal ein richtiges Ende, doch selbst dieses schlug den Antiklimax von Teil 2 um Längen. Schade, denn nach dem ordentlichen ersten Teil hatte ich hier etwas mehr erwartet.

death note (shusuke kaneko, japan 2006)

Veröffentlicht: April 6, 2009 in Film
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death-note-movie-poster1Dem Jurastudenten Light Yagami (Tatsuya Fujiwara) fällt ein rätselhaftes Notizbuch vor die Füße: Dieses Notizbuch, „Death Note“ genannt, verleiht seinem Besitzer die Kraft des Todes selbst: Wessen Namen der Besitzer auch immer in das Buch schreibt, der stirbt innerhalb von 40 Sekunden an einem Herzschlag. Yagami, vom Gesetz enttäuscht, sieht seine Chance, für Gerechtigkeit zu sorgen. Die folgende Welle von plötzlichen Toden von Schwerverbrechern ruft schließlich die Polizei auf den Plan, die dem Täter mithilfe des jugendlichen Meisterdetektivs L. (Kenichi Matsuyama) auf die Spur kommt. Doch wie bringt er seine Opfer um? 

DEATH NOTE basiert auf einem in Japan hoch erfolgreichen Manga, der mittlerweile auf nahezu allen Entertainment-Sektoren verwertet wurde. Bei Kanekos Film handelt es sich also um ein Produkt japanischer Popkultur, mit Blick auf schnelle Gewinne produziert, weil der Zielgruppe das Geld schnellstmöglich aus der Tasche gezogen werden soll, bevor sie das Interesse verloren hat. Allzu ernst sollte man DEATH NOTE nicht nehmen, das ist die Grundvoraussetzung, um Gefallen an ihm zu finden. Filmisch sauber, aber auch sehr bieder umgesetzt vom GAMERA-Regisseur Kaneko, gibt es hier alle Versatzstücke des Vigilantenkinos, das immerhin um eine nette Idee erweitert wird: Die Tatsache, dass Yagami an seinen Exekutionen gar nicht mehr körperlich teilnehmen muss, erleichtert ihm das Töten immens, lässt ihn schnell jegliches Maß verlieren. Ein netter Einfall, der die Frage nach der „Autorschaft“ von Morden ganz explizit stellt. Mehr als an dieser Frage oder gar einer psychosozialen Studie seines Protagonisten ist Kaneko aber an der fantastisch-mysteriösen Welt der „Death Note“ und dem Duell mit dem genialen Zuckerjunkie L. interessiert. Schade, offenbart doch die Tatsache, dass ein gewissenloser Mörder wie Yagami in Japan zur Identifikationsfigur der Teenager avancieren kann, allemal ausreichend Potenzial für eine finstere Gesellschaftsstudie. Diese bleibt zugunsten des nackten Entertainments leider ungenutzt. Zum Glück hat DEATH NOTE den Charakter des L. aufzubieten, der als absoluter Gewinn für die Mainstream-Filmwelt bezeichnet werden darf – weshalb er im vergangenen Jahr auch ein Spin-off namens L. CHANGE THE WORLD spendiert bekommen hat, über das ich hier schon geschrieben habe. Der Mythos um das Notizbuch, dem der Film seine Twists und Turns in erster Linie zu verdanken hat, ist dann aber der Knackpunkt des Films: So viele Möglichkeiten es bereithält – dass der Besitzer Tode mittels eines entsprechenden Eintrags minutiös vorausplanen kann, verleiht ihm nahezu gottähnliche Kraft -, so sehr muss es einem Zuschauer, der sich nicht blindlings gefangen nehmen lässt, als strukturalistischer Krückstock erscheinen, der es den Drehbuchautoren ermöglicht, sich aus jedem Plothole und jedem Logikloch herauszuschreiben. Die Finaltwists, so sauber sie auch arrangiert sind, sind letztlich nur halb so raffiniert, wie sie zunächst erscheinen: In einer Welt, deren Gesetze man nach Belieben umschreiben kann, ist die Überwindung der Schwerkraft ein Leichtes. Dennoch: Gegenüber vergleichbarer Ware, ob sie nun aus den USA, Europa oder Asien kommt, schneidet DEATH NOTE ordentlich ab, weil er sich selbst ernst nimmt und sich nicht ausschließlich auf Vordergründiges verlässt, weil er sein handy-, klingelton- und konsolengeschädigtes Publikum fordert, anstatt ihm nur die Brocken vor die Füße zu werfen. Hätte man das Drehbuch hier und da etwas gerafft, DEATH NOTE hätte gar richtig gutes Genrekino sein können. So reicht es nur zur Mittelklasse, aber das ist ja schon mehr als man von anderen Filmen – inklusive des Sequels – sagen kann. Dazu später mehr.

The Rebel (Vietnam 2006)
Regie: Truc „Charlie“ Nguyen

Nach Thailand erhebt nun auch Vietnam Anspruch auf den verwaisten Martial-Arts-Thron. THE REBEL kommt im Gewand eines ernsten Historienfilms – es geht um die den vietnamesischen Widerstand gegen die französische Kolonialmacht -, der leider trotz schöner Cinematografie immer etwas zu bieder bleibt, um wirklich zu fesseln. Anders verhält es sich da mit den kurzen, aber mitreißenden Fights: Hauptdarsteller Johnny Nguyen zeigt, dass er es mit den Größen des Genres durchaus aufnehmen kann, und die Kamera tut alles, um diese Tatsache einzufangen. Statt mit wüsten Schnitten und ebensolcher Bildführung sind die Actionszenen in THE REBEL sehr naturalistisch eingefangen. So lässt sich jeder Tritt, jede Parade, jeder Konter nachvollziehen; die Dynamik bringen die Schauspieler ins Spiel. Gegenüber einem ONG-BAK, der Thailand vor einigen Jahren quasi über Nacht zum neuen Martial-Arts-Mekka machte, bleibt THE REBEL leider immer im „Rahmen“ – man vermisst das Besondere, den Exzess. Und das Wiedersehen mit 21 JUMP STREET-Star Dustin Nguyen reicht da leider nicht aus. Trotzdem: Ansehnlich.

L Change the World (Japan 2008 )
Regie: Hideo Nakata

Das Spin-Off der erfolgreichen DEATH NOTE-Filme macht es den Zuschauern, die mit jenen nicht vertraut sind, zum Glück nur zu Beginn schwer. Dann emanzipiert sich L CHANGE THE WORLD von seinen Vorgängern und erzählt seine Geschichte um Ls Kampf gegen Terroristen, die die Erde mit einem tödlichen Virus erpressen wollen. Nach einem Auftakt mit Knalleffekt – ein thailändisches Dorf wird mit einer Atombombe ausgelöscht – tritt Regisseur Nakata jeodch beherzt auf die Bremse. L CHANGE THE WORLD ist aufreizend langsam, sein Verzicht auf eye candy und Spezialeffekte ist frappierend. So ist es an Kenichi Matsuyama als Hauptfigur L, das Zuschauerinteresse zu binden. Das gelingt, weil L als eine der schrulligsten Figuren der jüngeren Filmgeschichte bezeichnet werden muss: Das lebensmüde Computer-As, das ohne Unterlass Zucker in sich hineinstopft und unter einer extrem ungesunden Körperhaltung leidet, stellt eine amüsante Überhöhung des jugendlichen Computernerds dar. Wesenszüge, die sonst Gegenstand des Spotts sind, werden hier mystifiziert, förmlich zu Superkräften stilisiert, der Nerd heroisiert. Diese Strategie zieht sich durch den ganzen Film: Das Fantastische und Absurde wird zum Normalen. Das Problem: L CHANGE THE WORLD konzentriert sich so sehr auf seinen Protagonisten, dass man als Zuschauer den Film drumherum vermisst. Die tödliche Bedrohung wird nie wirklich greifbar, der Thrill bleibt somit aus, das Finale ist schlicht und ergreifend antiklimaktisch. Mir hat L CHANGE THE WORLD gefallen, auch wenn es mir nicht gelingt, das stichhaltig zu begründen. Eigenartig.

Kaerlighed pa film (Dänemark 2007)
Regie: Ole Bornedal

Der Fotograf Jonas (Anders W. Berthelsen) ist seit 15 Jahren glücklich mit Mette (Charlotte Fich) verheiratet, beide haben zwei Kinder. Als er aber Zeuge eines Autounfalls wird, in den die junge Julia (Rebecka Hemse) verwickelt ist, verändert er sich. Er besucht die Komapatientin und schlüpft schließlich eher unabsichtlich in die Rolle von deren Freund Sebastian, von dem Julia ihren Eltern so viel erzählt hat. Es entwickelt sich tatsächlich eine Liebesbeziehung zwischen den beiden: Jonas verlässt seine Frau, will ein neues Leben mit Julia beginnen. Doch dann taucht Sebastian wieder auf und macht sehr deutlich, dass man Beziehungen nicht wechseln kann wie einen Anzug …

KAERLIGHED PA FILM ist eigentlich zwei Filme: Er beginnt als filmisches Essay über verschiedene Liebes- und Partnerschaftskonzepte und endet als finsterer Thriller. Jonas ist der Prototyp des Mannes in der Midlife-Crisis: Er sieht sein Leben im Alltag verschwinden und vermisst die Aufregung, die Julia in sein Leben zu bringen scheint. Seine Liebe zu ihr ist Projektion: Weil er nichts über sie weiß und sie im Gegenzug sein Geheimnis nicht kennt, wird die Beziehung zu Julia zu einem Spiel mit dem Feuer und damit zum Inbegriff der Unsicherheit, die er in seiner Beziehung so sehr vermisst. Zumindest redet er sich das ein: Eine Szene zu Beginn zeigt sehr deutlich, dass Jonas und Mette sich lieben – nur ist dieses Gefühl eben bereits „gesetzt“. Julia auf der anderen Seite, ein junges Mädchen aus reichem Elternhaus, die vor ihrem Unfall von einem neunmonatigen Asienaufenthalt zurückgekehrt ist, ist das komplette Gegenteil von Jonas. Ihre Beziehung zu Sebastian ist von Spontaneität und Rauschhaftigkeit geprägt: Sie scheint sich in Jonas auch deshalb zu verlieben, weil er das komplette Gegenteil von Sebastian verkörpert und Sicherheit verspricht. Doch die Liebe zwischen Julia und Jonas muss scheitern, weil sie eben auf einem Missverständnis und einer Lüge gründet: Jonas muss erkennen, dass man nicht von einer Beziehung in die nächste springen kann. Ihm kommt dann auch die Vergangenheit in Form des gewissenlosen Sebastian (Nikolaj Lie Kaas) in die Quere, der die Ungewissheit, die so verführerisch schien, zur bitteren Gewissheit macht. Bornedal ist ein erzählerisch, formal und inhaltlich großartiger Film gelungen, der sein Drama allein in den Gesichtern der Schauspieler entfaltet. KAERLIGHED PA FILM geht den bitteren Erkenntnissen nicht aus dem Weg, ist wie das Leben eine mal schmerzvolle, mal wunderschöne Erfahrung – und nicht immer sind die beiden Seiten voneinander zu trennen.

L’auberge Rouge (Frankreich 2007)
Regie: Gèrard Krawczyk

In einem kleinen Gasthaus am Fuß der Alpen hütet Famile Martin (u. a. Christian „Asterix“ Clavier) ein finsteres Geheimnis: Um in der Einöde zu überleben, müssen dann und wann die einkehrenden Gäste gemeuchelt werden. Weil eine neue Handelsstraße das Gasthaus in Kürze isolieren wird, muss ein großer Coup her: Und der naht in Form einer Kutsche reicher Schnösel …

L’AUBERGE ROUGE basiert auf einer Erzählung Balzacs, die bereits bereits in den Fünfzigerjahren mit Fernandel in der Hauptrolle verfilmt wurde. Auch die Neuverfilmung steht trotz des aufpolierten Looks ganz in der Tradition von turbulenten Komödien wie man sie aus Frankreich kennt, man denke etwa an die Filme mit Louis de Funes. So bietet L’AUBERGE ROUGE heitere neunzigminütige Unterhaltung, die angenehm altmodisch daherkommt, ohne altbacken zu sein. Letzten Endes bleibt Krawczyks Film aber immer einen Tick zu brav, um wirklich nachhaltig zu begeistern.

The Rage (USA 2007)
Regie: Robert Kurtzman

Ein ausgesprochen ruppiger DTV-Horrorschinken vom KNB-Effektspezialisten, der trotz vieler, vieler Mängel letztlich das leistet, was so viele Funsplatter-Filme vergeblich versuchen. Es matscht und splattert ohne Unterlass, die Effekte sind zum Großteil handgemacht, der Humor drängt sich nie so weit in den Vordergrund, dass er den Horror neutralisieren würde. Am Schluss, wenn die letzten Überlebenden im Keller des Mad Scientists (Andrew Divoff) herumstolpern und auf zahlreiche blutgierige Mutanten stoßen, fühlt man sich in der Bizarrerie des Settings gar an Rob Zombies ungleich besseren HOUSE OF 1000 CORPSES erinnert. Ein Auge zudrücken muss man bei den mäßigen Darstellern und einigen CGI-Effekten: Man hat aber auch schon weitaus schlechtere gesehen. Natürlich ist THE RAGE objektiv betrachtet der letzte Rotz, der die Nerven dann und wann gehörig überstrapaziert. Aber er will ja auch nicht als Filmkunstwerk in die Geschichte eingehen, sondern als saftiger Schocker. Und das gelingt ihm meines Erachtens nach besser als all den nervtötenden Splatterkomödien und selbsternannten Partyfilmen, die man nun seit 15 Jahren in schöner Regelmäßigkeit über sich ergehen lassen muss.