Mit ‘Manny Coto’ getaggte Beiträge

Mehrere Jahrzehnte nachdem sein über dem Verlust der Gattin zum Serienmörder gewordener Vater – seines Zeichens praktizierender Arzt – von den aufgebrachten Einwohnern seines Heimatortes gelyncht wurde, gelingt dem nicht minder gestörten Sohnemann Evan Rendell (Larry Drake), der das Werk seines geliebten Papas fortsetzen möchte, die Flucht aus der Irrenanstalt. Er begibt sich schnurstarck an dessen alte Wirkungsstätte und beginnt, unwilligen „Patienten“ die letzte Therapie zu verpassen. Auf seiner Liste steht auch das junge Mädchen Jennifer (Holly Marie Combs), das an einem Herzfehler leidet …

Schon komisch, zu was für Filmen man eine nostalgisch-sentimentale Verbindung aufbauen kann: DR. GIGGLES, den ich jetzt zum ersten Mal seit rund 15 Jahren gesehen habe, fand ich eigentlich immer schon allenfalls „gut“; ganz nette Unterhaltung, die aber weit davon entfernt war, zu meinen Favoriten selbst nur des Slasherfilms zu zählen. Trotzdem verbinde ich ihn mehr als andere wichtigere und bessere Filme mit einer Zeit, in der die Grundlage auch für dieses Blog gelegt wurde. Es war 1994, als ich mit meinen Freunden Erol und Simon zum ersten Mal die berühmte Videothek auf der Maaskade im holländischen Grenzstädtchen Venlo aufsuchte, die mit einer riesigen, gut sortierten Horrorabteilung und geradezu idealen Leihbedingungen (zwei Leihtage zum einfachen Preis!) nicht zuletzt um die Gunst deutscher Kunden buhlte. Rund zwei Jahre lang unternahmen wir regelmäßig Touren dorthin, liehen uns manchmal bis zu 20 Filme pro Wochenende aus, die dann in zermürbenden Videomarathons förmlich „weggeguckt“ wurden und bekamen dabei endlich all das zu Gesicht, was uns dank BPS bis dahin entweder ganz vorenthalten oder aber nur zensiert verabreicht worden war. Ob Italo-Zombie- und -Kannibalensplatter, US-Horror oder asiatisches Kino: In besagter Videothek gab es fast alles – ein Videoparadies, nicht weniger. Aber wie alle schönen Dinge musste auch das irgendwann zu Ende gehen und so ist besagte Videothek – Internet sei Dank – schon seit ein paar Jahren geschlossen, das Gebäude steht leer und gammelt vor sich hin. Schnüff.

Um zum eigentlichen Thema zurückzukommen: DR. GIGGLES war 1994 noch recht aktuell und weil er in Deutschland nur gekürzt erschienen war, landete auch er bei einer dieser Touren in unserem Körbchen. Und irgendwie ist er ein geradezu idealtypischer Vertreter des Horrorkinos jener Tage: Weit weg von auch nur annähernd originellen (oder auch nur aufgeblasenen) inhaltlichen oder formalen Konzepten, aber immerhin ansehnlich produziert begnügte sich DR. GIGGLES damit, die damals eigentlich schon völlig ausgelatschte Freddy-Krueger-Masche für ein jugendliches Publikum noch breiter zu treten. Larry Drake darf als ständig manisch kichernder Psychopath Dr. Giggles (er wird im Film nie so genannt) keinen einzigen normalen Satz sagen, sondern sich ausschließlich in medizinischen Puns artikulieren, die mal ganz lustig, meist aber eben nur gezwungen sind und seine Opfer sind überwiegend Teenies, die zwar nur das eine im Kopf, davon aber keine Ahnung haben. Der Soundtrack ist entsprechend juvenil ausgerichtet und wer meint, dass der kommerzielle Musikmarkt nach Nirvanas „Nevermind“ von 1991 sich abrupt gravierend geändert habe (wie einen das musik- und pophistorische Essays ja gern glauben machen wollen), der wird angesichts der Ansammlung glam- und haarsprayrockiger Songs sein blaues Wunder erleben. Zwei Jahre tief in den Neunzigern sind die Achtzigerjahre in Manny Cotos Film immer noch sehr gegenwärtig und man wundert sich kaum, dass der populäre Horrorfilm erst ein paar Jahre später mit SCREAM seine Wiedergeburt feiern durfte; wohl aber darüber, dass jener auch als Neuanfang des längst vergangenen Slasherfilms beschrieben wurde und damit also eines Subgenres, dass – zieht man eben DR. GIGGLES heran – nur wenige Jahre vorher doch noch sehr lebendig war.  

Wenn sich das jetzt wie ein Verriss liest, so muss ich mich korrigieren: Ich hatte gestern nicht wenig Spaß beim Wiedersehen mit dem kichernden Doktor. DR. GIGGLES ist wie erwähnt sehr ansprechend gemacht – die 3D-animierte Creditsequenz etwa ist auch heute noch ganz ansehnlich, was beileibe keine Selbstverständlichkeit ist -, überwiegend gut besetzt und gespielt, schlägt nach der klischeehaften ersten halben Stunde zum Glück bald einen etwas weniger ausgetretenen Weg ein und müht sich zudem redlich, das doch sehr generische Geschehen originell und unterhaltsam zu gestalten. Häufige Wechsel der Szenerie sorgen für Abwechslung, die Morde sind hübsch exzentrisch und das Finale angemessen makaber. Fast könnte man den Fehler begehen und sich zurück in die frühen bis mittleren Neunzigerjahre wünschen. Aber wahrscheinlich sind die verklärten Erinnerungen dann doch besser als the real deal.