Mit ‘Maria Ford’ getaggte Beiträge

Katt Shea drehte STRIPPED TO KILL 2 back to back mit dem Vampirfilm DANCE OF THE DAMNED in denselben Settings und mit derselben Hauptdarstellerin: ein charakteristischer Coup für den Unternehmergeist von Produzent Roger Corman, der genau wusste, wie man wirtschaftlich produziert und die Rendite maximiert. Der Vorgänger STRIPPED TO KILL dürfte schon über seinen Titel eine sichere Bank gewesen sein, sodass ein Sequel obligatorisch war. Neben Regisseurin Katt Shea war auch wieder ihr Ehemann Andy Ruben als Drehbuchautor an Bord, dem aber leider nicht gelang, dem ersten Teil noch einmal einen draufzusetzen. Das Stripteaselokal-Setting ist hier im Unterschied zu diesem relativ austauschbarer Schauplatz für eine Mordgeschichte, die mit ihrem ausgebrannten Cop und der mysteriösen Femme fatale deutlich vom Film Noir inspiriert ist.

Shady (Maria Ford) ist der Neuzugang im Stripclub Paragon, der sein männliches Publikum mit beinahe avantgardistischen Darbietungen lockt, und leidet unter schlimmen Albträumen, in denen sie von einem maskierten Mörder mit Rasierklinge im Mund geküsst wird. Nicht nur, dass sie stets mit blutiger Lippe aufwacht, die Morde, von denen sie träumt, haben sich in der Zwischenzeit in echt ereignet – an ihren Kolleginnen. Nicht verwunderlich, dass die Ärmste selbst glaubt, die Schuldige zu sein. Der ermittelnde Cop Decker (Eb Lottimer) hingegen ist von ihrer Unschuld überzeugt und verliebt sich in die zerbrechliche Schönheit.

Die Story dürfte bei Vielsehern das ein oder andere Déjà-vu auslösen und entfaltet sich dann auch ohne große Überraschungen so, wie man es vorausgesehen hat. Kein Vergleich zum tollen Vorgänger, der zwar auch nicht das Rad neu erfand, aber doch aus frischer Perspektive auf das gut abgehangene Serienmörderszenario blickte. Auch die Besetzung ist eine Nummer schwächer und läuft jeglichem emanzipatorischen Potenzial entgegen: Maria Fords Shady ist das hilflose Kätzchen, blickt von Anfang an verstört in die Kamera wie ein Rehlein ins Scheinwerferlicht und nervt damit bereits nach kurzer Zeit. Eb Lottimer spielt tapfer dagegen an, kann aber auch nicht wirklich etwas retten. Selbst die Zickereien der Stripperinnen muten flacher an als im ersten Teil. So schleppt sich STRIPPED TO KILL 2 über die Runden bis zu seinem austauschbaren Finale. Reine Zeitverschwendung also?

Nicht ganz, denn dank Kamera-As Phedon Papamichael gerät Sheas Neo-Noir immerhin zum visuellen Augenschmaus: Das beginnt bei den schon erwähnten Tanzszenen im expressiven Bühnenbild und setzt sich in der betont artifiziellen Ausleuchtung in grellen Neonfarben fort. Ich weiß nicht, ob sich Katt Shea von italienischen Giallos inspirieren ließ, aber die Parallelen sind eigentlich zu gravierend, um hier lediglich Zufall zu vermuten. Mehr als einmal musste ich explizit an Michele Soavis AQUARIUS denken, der eine ganz ähnliche Atmosphäre evoziert, sich genauso „künstlich“ anfühlt. Auch in STRIPPED TO KILL 2 gewinnt man den Eindruck, als agierten seine Charaktere auf einer Bühne vor Publikum, ohne es jedoch zu wissen. Ihr ganzes Leben ist ein Stück, in dem sie eine Rolle einnehmen und jeder Schritt, den sie tun – aus vermeintlich eigenen Stücken – ist vorherbestimmt. So federt Shea die Schwächen ihres Drehbuchs wieder ab und kann am Ende einen Film vorweisen, der immerhin eine interessante formale Fingerübung ist.

A priori richtige Aussagen: Regisseure, deren Nachnamen klingen wie der Titel eines drittklassigen GREMLINS-Rip-offs, sollten keine Martial-Arts-Filme machen. Wahrscheinlich wusste Richard W. Munchkin das sogar selbst, denn mit RING OF FIRE tut er sein Menschenmöglichstes, der ungeliebten Schublade zu entkommen. Bei einer Laufzeit von 97 Minuten widmet er sich vielleicht in kargen 10 der handfesten körperlichen Auseinandersetzung die für sein Genre eigentlich konstituierend ist.

Viel mehr interessiert ihn die Rassengrenzen transzendierende Liebe zwischen dem charmanten chinesischen Arzt Johnny Woo (Don „The Dragon“ Wilson) und der Bimbo-Blondine Julie (Maria Ford). Letztere ist eigentlich mit dem öligen Vokuhila-Proleten Chuck (Vince Murdocco) verlobt, doch es kriselt, weil der nur seine illegalen Arena-Fights im Sinn hat, die er mit seinen Kumpels  Brad (Dale Jacoby) – einer gelungenen Kreuzung aus Tim Wiese und Vanilla Ice – und Bud (Gary Daniels) bestreitet. Bei diesen Fights nimmt auch Johnnys Cousin Terry (Steven Vincent Leigh) teil und der gerät bald in einen erbitterten Streit mit den Konkurrenten, der sich zu einem Krieg zwischen Weißen und Asiaten ausweitet. Wobei „Krieg“ hier bedeutet, dass es einmal eine ca. dreiminütige Massenkeilerei gibt, die von dem immer zu spät auftauchenden Polizisten Lopez (Michael DeLano) aufgelöst wird. Dieser „Krieg“ führt schließlich zu einem Zweikampf zwischen Terry und Brad, den Julie unbedingt verhindern will, weil sie Gewalt verabscheut. Johnny hat eine Superidee: Er schlägt Terry vor, Brad das Angebot zu unterbreiten, den Kampf nach thailändischer Art mit Glassplitter-gespickten Handschuhen zu bestreiten. Das lehnt Brad bestimmt ab und Terry verliert sein Gesicht nicht! Doch er hat die Rechnung ohne Brad gemacht. Lebensmüde wie er ist, willigt er nämlich ein (Terrys Blick ist Gold wert) und bringt Terry im Kampf um. Es kommt zum Showdown zwischen Johnny und Brad.

So könnte eine Inhaltsangabe des Films lauten, die dann jedoch die Realität verkennen oder zumindest reichlich schönfärben würde. Meist wohnt der Zuschauer nämlich dem ritualisierten Dating Game von Julie und Johnny bei. Sie trifft ihn zum ersten Mal im Chinarestaurant seiner Tante, wo er sie mit einer poetischen Glückskeks-Botschaft überrascht. Dann begegnen sie sich bei einem Maskenball wieder, und er bittet sie als mysteriöses Phantom zum Tanz. Der Maskenball ist übrigens höchst seltsam, denn zur Kleidervorschrift scheint nicht nur die Kostümierung, sondern auch ein Schuhverbot zu gehören. Alle tanzen barfuß, wahrscheinlich, weil die Veranstaltung in einer Turnhalle stattfindet. Johnny ist nach diesem Erlebnis genauso hin und weg wie Julie. Er sucht sie bei ihrer Arbeit in einer Boutique auf, wo sie gerade ein Kleid anprobiert, doch seine Liebeserklärung hält er vor der falschen Umkleidekabine: Peinlich berührt eilt er von dannen, als eine über beide Ohren strahlende Oma ihm einen Kuss auf die Backe drückt. Doch Julie hat alles gehört und weiß: Johnny ist der Richtige. Fortan treffen sie sich zum vergnüglichen Bummeln und er überzeugt sie mit weiteren Glückskeks-Weisheiten von der spirituellen Überlegenheit des Chinesen gegenüber dem weißen Kickbox-Proleten US-amerikanischer Provenienz. Eine ausgedehnte Folklore-Einlage gibt dann sogar Aufschluss über die Bräuche des Neujahrsfestes und die Tante Johnnys klärt die beiden darüber auf, dass sie nach dem chinesischen Horoskop super zusammenpassen. Dem Glück scheint also kaum etwas im Wege zu stehen. Außer seiner Hautfarbe, denn wir schreiben ja erst das Jahr 1991. Als Brad und Chuck Johnny und Terry beim Maskenball begegnen, fragen sie, ob das hier Pearl Harbor sei, und als Julie ihrer Oma ein Foto von ihrer großen Liebe zeigt, sagt die, das könne sie ihrem in Vietnam gefallenen Vater nicht antun. „Gelbe Sippenhaft“ heißt das Phänomen wahrscheinlich. All diese Vorurteile begünstigen die in jedem Film nötige Komplikation im dritten Akt, als Julie plötzlich reichlich unmotiviert kalte Füße bekommt und Johnny gegenüber behauptet, ihm alles nur vorgespielt zu haben. Während des Finalfights bekennt sie sich dann jedoch zu ihrer großen Liebe und springt just in dem Moment in den Ring, als der feige Brad mit einem Samuraischwert zuschlagen will. Wie weiland Winnetou fängt sie den ihrem Liebhaber zugedachten Hieb ab, doch es wird natürlich alles gut werden. Fin.

RING OF FIRE ist der pure Wahnsinn wie man meinem Text hoffentlich entnehmen kann. Er bietet nicht nur einen Einblick in die schlimmsten Geschmacksentgleisungen, die sich die Mode zu Beginn der Neunzigerjahre erlaubte, sondern auch hölzernes Schauspiel, bizarre Bildkompositionen, billige Settings und allerlei unerklärliche Details. Einmal stellt die Tante etwa Johnny und Terry eine Frau vor, die ihr nun beim Wäscheaufhängen helfen werde. Man sieht sie dann in der folgenden Szene gemeinsam am Wäscheständer stehen und danach verschwindet die freundliche Haushaltshilfe wieder. Warum? Musste da vielleicht wirklich gerade Wäsche aufgehangen werden am Set und man dachte sich, das kann man auch einfach mit einbauen? Man weiß es nicht. Das größte, weiterhin andauernde Rätsel ist für mich aber die Karriere von Don „The Dragon“ Wilson. Ich warte noch auf den ersten Film mit ihm, den ich gut finde und nicht einfach nur schrecklich farblos und unansprechend. Gut, warum er Actiondarsteller wurde, erklärt ein Blick in seine Biografie. Als mehrfacher Kickbox-Champion war er natürlich prädestiniert für eine Karriere in DTV-Filmen, aber ich frage mich trotzdem: Gibt es da draußen wirklich Leute, die ihn gut finden? Die, wenn sie ein DVD-Cover in der Hand halten, auf dem sein Name prangt, sagen: „Geil, der neue Wilson!“ Und wenn ja: Was müssen das für traurige Zeitgenossen sein? Aber ich will nicht gemein sein. In RING OF FIRE ist Wilson durchaus ganz adäquat besetzt, wahrscheinlich, weil er als romantischer Lover einer unterbelichteten Blondine glaubwürdiger ist als als schweigsamer Actionheld. RING OF FIRE geht in die Geschichte ein als der erste Kickbox-Film von PM Entertainment. Es sollten einige weitere folgen, aber in diesem Subgenre waren Pepin und Merhi ganz offensichtlich nicht zu Hause. Wer nur die Perlen aus ihrem Oeuvre herauspicken möchte, sollte sich eher an ihre Cop- und Gangsterfilme halten. Wobei einem dann natürlich Kuriositäten wie diese hier entgehen, in der Gary Daniels (in seinem erst driten Film) von einem besoffenen Chinesen angepisst wird.