Mit ‘Mariano Laurenti’ getaggte Beiträge

insegnante_va_in_collegio_edwige_fenech_mariano_laurenti_005_jpg_zfky[1]Weil Terroristen sein Leben bedrohen, tarnt sich der begüterte Unternehmer Riccardo Bolzoni (Renzo Montagnani) als einfacher Arbeiter und lässt sich von seinem Assistenten Peppino (Lino Banfi) mitsamt seiner Familie in den armen Süden Italiens, nach Apulien, bringen. In der dortigen Schule – besetzt mit dem üblichen inkompetenten Haufen verblödeter Lehrer und Alvaro Vitali als Schabernack treibendem Klassenclown – verguckt sich sein Sohn Carlo (Leo Colonna) in die neue Englischlehrerin Monica Sebastiani (Edwige Fenech) und beginnt seine nicht gerade von Erfolg gekrönte Charmeoffensive, derweil sein Vater ebenfalls Bekanntschaft mit der holden Schönen macht und Nachhilfeunterricht bei ihr nimmt. Es kommt zu den üblichen Verwechslungen und gar zum Partnertausch, da die sich von ihrem Gatten vernachlässigt fühlende Ileana Bolzoni (Paola Pieracci) zarte Bande zu Peppino knüpft …

Mit L’INSEGNANTE VA IN COLLEGIO setzte Mariano Laurenti den drei Jahre zuvor entstandenen Erfolgsfilm L’INSEGNANTE fort. Nach bewährtem Rezept fährt er in seiner Commedia sexy all’Italiana eprobte Kräfte wie den genannten Alvaro Vitali, Lino Banfi sowie Gianfranco D’Angelo auf, der wie schon in LA LICEALE NELLA CLASSE DEI RIPETENTI als Möchtegern-Hitler auftritt, was die deutsche Synchronfassung alerdings komplett unter den Tisch fallen lässt. Es gibt die grotesk unwitzigen Slapstick-Einlagen, die man von diesem Genre gewohnt ist, sowie diverse Frivolitäten, die dank Edwige Fenech natürlich auch die Stimmungshöhepunkte des Films ausmachen. Über hirnamputierte Späße, bei denen halbblinde Lehrer mit daumendicken Brillengläsern gefoppt, Priestern der Stuhl unter dem Arsch weggezogen oder Fußbälle mit Beton ausgegossen werden, ohne dass es zu den berechtigten Sanktionen käme, kann man sich mit dem Wissen hinwegtrösten, dass es bald wieder einen Blick auf den üppig wogenden Busen der Fenech geben wird. Den Modus operandi der Comedia sexy all’Italiana kann man durchaus als Zuckerbrot und Peitsche beschreiben und Laurenti ist ein guter Bestrafer. Potenziell interessante Aspekte wie der als Prämisse dienende Konflikt zwischen Arm und Reich und das explizit erwähnte Nord-Süd-Gefälle treten gegenüber den entfesselten Rammdösigkeiten weit in den Hintergrund und das Wenige, was davon noch übrig blieb, das merzte die deutsche Synchronisation erbarmungslos aus. Die deutsche Fassung ist eh ein Fall für sich: L’INSEGNANTE VA IN COLLEGIO wurde in Deutschland unter dem Titel FLOTTE TEENS UND DIE NEUE SCHULMIEZE als Sequel des italienischen EIS AM STIEL-Pendants LA LICEALE aka FLOTTE TEENS UND HEISSE JEANS vermarktet. Um das zu rechtfertigen und Gloria Guida, den weiblichen Star des Hits auf das Plakat bringen zu können, erweiterte man L’INSEGNANTE VA IN COLLEGIO kurzerhand um 20 Minuten aus ihrem Film PECCATI DI GIOVENTÙ (deutscher Titel: SONNE, SAND UND HEISSE SCHENKEL), die mit Laurentis Film rein gar nichts zu tun haben. Dankenswerterweise findet man auf der DVD auch die „Orginialfassung“, die ihrerseits zwar auf das zusätzliche irreführende Material verzichtet, den Betrachter dafür aber mit mehreren wie Ruinen im Film stehenden Dialoghinweisen auf „Loredana“ verwirrt, Gloria Guidas Charakter in LA LICEALE, auf den man dann wie weiland Estragon und Wladimir vergeblich wartet. Ein putziges Kuriosum, das zu dem entfesselten Gegurke irgendwie passt. Was Edwige Fenech, dieses Klasseweib, eigentlich über diesen Unfug dachte, in dem sie die berühmte Perle vor den Säuen ist?

In seinem „Idiotenzwinger“ – so auch der deutsche Titel des Films –, einer Heilanstalt, plagt sich Prof. Amedeo La Russa (Lino Banfi) mit den typischen Bekloppten herum: Ein Insasse hält sich für Mosche Dajan, ein anderer für Napoleon, ein dritter für Rommel. Es gibt einen genialischen Maler (Alvaro Vitali), der überall herumfliegende Insekten sieht, einen Tropenforscher, der ständig Fallen im Sanatoriumsgarten aushebt, und einen Militaristen, der stets im ungeeignetsten Moment in sein Horn stößt. Als wäre das noch nicht genug, verweigert seine lustlose Gattin (Susan Scott) dem armen La Russa zu Hause auch noch die sexuelle Entlastung. Als sich die neue Krankenschwester Grazia Mancini (Nadia Cassini) vorstellt, eine überaus attraktive junge Dame, gibt es bei ihm demzufolge hormonellen Wildwuchs. Aber Grazia ist gar keine echte Krankenschwester: Im Auftrag ihres halbseidenen Freundes soll sie einige wertvolle Gemälde ausfindig machen, die sich angeblich in der Klinik befinden. Doch wie das so ist, wachsen ihr die neuen Kollegen und vor allem der hübsche Prof. Santarelli (Paolo Giusti) ans Herz …

Mariano Laurenti bleibt auch bei diesem Film dem Subgenre der Comedia sexy all’italiana treu, wie man Titel, Plakatmotiv und Inhaltsangabe unschwer etnehmen kann. Der ganze Film ist wieder einmal ein Sammelsurium ebenso tumber wie überdrehter Späße, die oft, aber nicht immer in harmlose Schlüpfrigkeiten abdriften und den weiblichen Darstellerinnen Gelegenheit geben, ihre Reize zur Schau zu stellen, derweil sich die meisten Männer als notgeil, aber hilflos, dumm, aber liebenswert und vor allem als bemitleidenswert unattraktiv entpuppen. Der arme La Russa kann einem wirklich Leid tun: Nachdem er bei seiner desinteressierten Gattin einfach nicht zum Schuss kommt und ihm die neue Kollegin hoffnungslos den Kopf verdreht, jubelt er seiner Frau ein Aphrodisiakum unter, damit die endlich einmal Lust auf ihn hat. Doch auch davon profitiert nicht er, sondern immer nur der arglose Hausmeister, der durch dummen Zufall stets vor ihm an ihrer Tür klingelt, genau dann, wenn das Mittel bei ihr seine Wirkung zeigt. Das alles ist eigentlich nur leidlich komisch, aber so ganz kann ich mich dem enthemmten Blödsinn, den diese Filme in nicht ablassender Folge über einem ausgießen, nicht entziehen. Die Energie, die Laurenti bei der Kompilation seiner Kalauer entfacht, ist ebenso beachtlich wie die aufopferungsvolle Hingabe und der körperliche Einsatz, den Schauspieler wie Banfi oder Vitali an den Tag legen. Dennoch: Die Aneinanderreihung von Stumpfsinnigkeiten bei gleichzeitigem Verzicht auf eine echte Handlung löst über rund 80 Minuten mehr als nur leichte Ermüdungserscheinungen aus.

Der Schritt von der einstigen Erotikkomödien-Göttin Edwige Fenech hin zu Nadia Cassini markiert ebenfalls einen hin zum Niedergang des in den Siebzigerjahren so erfolgreichen Genres. Die Cassini ist mit ihrem makellosen Körper ohne Zweifel hübsch anzusehen, doch die Feinheit und sinnliche Fragilität der Fenech geht ihr ziemlich ab. Der Unterschied wird am deutlichsten in ihrer Tanzszene, bei der sie sich derart ins Zeug legt, dass es schon fast schmerzhaft wird und man sich eher an eine sportliche Darbietung erinnert fühlt. In ihrer ganzen Gestalt deutet sich schon das neue Schönheitsideal der Achtzigerjahre an: Frauen wurden größer, schlanker, aggressiver, härter, männlicher oder eher androgyner (man denke etwa an Brigitte Nielsen, die der Cassini vom Typ her ähnlich ist). Dennoch endete die Kinokarriere der Cassini im Jahr 1982, nur wenige Jahre nach diesem Film. Bis Mitte der Achtziger nahm sie danach drei Platten mit herrlich synthetischem Italo-Synthpop auf (auf Youtube eindrucksvoll nachzuhören), doch auch damit war 1985 Schluss. Das Schicksal meinte es offensichtlich nicht allzu gut mit ihr: Bei einer missglückten Schönheitsoperation erlitt sie Verbrennungen dritten Grades im Gesicht und verlor einen Teil ihres rechten Ohres. Von einer Alkoholsucht konnte sie sich zwar wieder befreien, doch im Showgeschäft trat sie danach nicht mehr groß in Erscheinung.

Der schüchterne Tonino (Alfredo Pea) ist unsterblich in seine neue Literaturlehrerin Carla Moretti (Dagmar Lassander) verliebt. Aber weil sie zwischen den ganzen idiotischen Lehrergestalten wie eine Göttin anmutet, zieht sie nicht nur seine Aufmerksamkeit auf sich. Auch der schmierige, selbstverliebte Direktor Prof. Finocchiaro (Michele Gammino) und Alfredos übergriffiger Freund Salvatore (Gabriele Di Giulio) rechnen sich Chancen aus. Wie Tonino sich in tiefsten Liebeskummer vergräbt, kann ihm auch die hübsche Tante Tecla (Femi Benussi) keinen dauerhaften Trost spenden, weshalb sie mit Toninos Vater Felice (Mario Carotenuto), einem Verleger erotischer  Fotoromane, einen Plan schmiedet: Sie lassen Carla und Tonino entführen und zusammen in einer abgelegenen Gartenlaube einsperren. Dort kommen sich die zwei tatsächlich näher …

Auf seinem dem italienischen Film gewidmeten Blog L’Amore in Città hat sich der Kenner Udo Rotenberg kürzlich – sehr zu meinem Glück – mit zwei Beiträgen zum Genre der Commedia sexy all’italiana geäußert. Vor allem sein Text zu L’INSEGNANTE war sehr hilfreich für meinen anhaltenden Exkurs in die Welt zotiger mediterraner Schlüpfrigkeiten. Der genannte Film bildet nämlich so etwas wie die Blaupause für CLASSE MISTA: Auch dort verliebt sich ein Schüler – passenderweise ebenfalls gespielt von Alfredo Pea – in seine Lehrerin (Edwige Fenech) und geht am Ende sogar eine Beziehung mit ihr ein. (Der andere Text von Udo beschäftigt sich mit LA DOTTORESSA DEL DISTRETTO MILITARE, der das Erfolgsrezept von L’INSEGNANTE aufwärmt und ins Militärumfeld verlagert.) Wie Udo zu erklären weiß, hat die erotische Fantasie, sich von älteren Frauen in die Kunst der Liebe einweisen zu lassen, einen durchaus realen Hintergrund in den sozialen Gegebenheiten des Italien der Siebzigerjahre: Da Mädchen als Jungfrauen in die Ehe gehen sollten, blieb den Jungen meist nichts anderes übrig, als ihre ersten Erfahrungen bei älteren Frauen oder in Bordellen zu machen. Dass ausgerechnet Papa Felice dabei hilft, seinen Sohn mit der Lehrerin zusammenzubringen, mutet vor diesem Hintergrund gleich deutlich weniger unverantwortlich und bizarr an, auch wenn die Mittel, die er dafür wählt, nicht gerade konform gehen mit modernen Überzeugungen von Recht, Moral und Anstand. Die schöne Carla nimmt es zum Glück relativ gelassen, dass sie verschleppt und eingesperrt wurde, nur damit sich ein blasses Jüngelchen die Hörner an ihr abstoßen kann. Der Begriff „Lehrkörper“ bekommt da eine ganz neue Dimension. Am Ende kann sie Tonino aber davon überzeugen, dass eine dauerhafte Beziehung zwischen den beiden nicht das richtige wäre, er sich lieber eine gleichaltrige Freundin suchen solle. Die Trauer über die Abreise der nach Rom abberufenen Carla währt dann auch nicht allzu lang, denn die nächste heißblütige Lehrerinnenschönheit steht schon als Ersatz bereit.

CLASSE MISTA erschien 1976, ein Jahr nach L’INSEGNANTE, wie dieser produziert von Luciano Martino, seines Zeichens Bruder von Regisseur Sergio Martino und damaliger Lebensgefährte von Edwige Fenech, und mit nahezu identisch besetzten Hauptrollen. Alfredo Pea gibt erneut den blässlichen, schüchternen Jungen, der sich in die ältere Frau verliebt, Spaßvogel und Backpfeifengesicht Alvaro Vitali seinen munteren Freund Angelino, Gianfranco D’Angelo ist in einer seiner zahlreichen Deppenrollen zu sehen, diesmal als Hausmeister Ciccio, der sich seinerseits um die Eroberung der dickleibigen Lehrerin Prof.  Gina Zucca (Fiammetta Baralla) bemüht, und Mario Carotenuto brilliert als spießiger, scheinheiliger Patriarch mit Herz. Seine Dialoge sind auch dank der großartigen Synchronisation von Arnold Marquis einer der Höhepunkte eines Films, der mit dem Begriff „Formelkino“ zwar treffend beschrieben ist, aber Freunden jener speziellen italienischen Albernheiten dennoch hinreichend Amüsement bietet. In Deutschland erschien CLASSE MISTA 1979 mit einigen Jahren Verspätung und wurde mit dem deutschen Titel DIE FRECHEN TEENS DREH’N EIN NEUES DING in die erfolgreiche FLOTTE TEENS-Reihe eingemeindet. Es gab schon schlimmere Verbrechen: Mariano Laurenti zeichnete 1978, also ein Jahr zuvor, für FLOTTE TEENS – JETZT OHNE JEANS, den zweiten Teil der Reihe, verantwortlich (in dem ebenfalls Alvaro Vitali und Gianfranco D’Angelo in typischen Rollen zu sehen waren), und soweit ich das beurteilen kann, wurde zumindest für die Außenaufnahmen dasselbe (in Bari gelegene) Schulgebäude verwendet. Letzten Endes unterscheiden sich diese Filme eh nur marginal, warten immer wieder mit derselben Kombination aus etwas verhaltener Romantik, einer Prise Sex – sowohl Femi Benussi als auch Dagmar Lassander ziehen blank –, etwas gegen das bürgerliche Establishment gerichteter Satire und derbem Humor auf. Mir machen diese Filme derzeit erstaunlich viel Laune: Gleichermaßen unschuldige wie überdrehte Albernheiten wie hier findet man im zeitgenössischen Kino kaum noch. In Verbindung mit den frivolen Einlagen erinnern sie frappierend an Herrenwitz-Heftchen oder amerikanische Cartoon-Magazine wie „Sex to Sexty“ (das verlinkte Buch sei hiermit empfohlen), deren unverhohlene Schlüpfrigkeit heute, in einer Zeit, die sich ihrer angeblichen Abgeklärtheit und Tabufreiheit rühmt, vollkommen fremdartig anmutet. Um eine Dialogzeile des Films zu zitieren: „Da treibt es einem den Fußschweiß ins Gesicht.“

Beim zweiten Anlauf, das Abitur zu machen, kommen Loredana (Gloria Guida) erneut romantische Irrungen in den Weg. Zwar ist sie immer noch irgendwie mit dem ekligen Billy (Rodolfo Bigotti) liiert, doch arbeitet der geckenhafte Professor Pinzarrone (Gianfranco D’Angelo) fieberhaft daran, sie mit seinem Sohn  Tonino (Sylvain Chamarande) zu verkuppeln – als verspätete Rache dafür, dass er selbst vor Jahrzehnten bei Loredanas Mutter abgeblitzt war. Nach einem Autounfall wird Tonino gezwungen, den sterbenden Schwan zu mimen, um so erst Schuldgefühle und Mitleid, dann schließlich wärmere Gefühle bei Loredana zu wecken. Billy ist natürlich gar nicht begeistert und sucht nach der richtigen Konterstrategie. Unterdessen wird die hoffnungslos überforderte Lehrerschar von den Schülern mit fiesen Streichen getriezt …

Die Fortsetzung – auf Deutsch FLOTTE TEENS – JETZT OHNE JEANS betitelt (und damit Erwartungen schürend, die nicht wirklich erfüllt werden) – teilt mit dem Vorgänger LA LICEALE nur noch oberflächliche Gemeinsamkeiten. Gloria Guidas Loredana ist hier vergleichsweise brav, nachdem sie zuvor noch als durchtriebene Lolita erwachsenen und heranwachsenden Männern gleich reihenweise den Kopf verdrehte. Sie behält dann auch bis kurz vor Schluss alle Klamotten an und bleibt – wohl auch, weil der Film offenkundig im Herbst gedreht wurde – meist überaus züchtig verhüllt. Überhaupt wird sie von der Handlung des Films über weite Strecken in die Passivität und somit an den Rand des Geschehens gedrängt. Gianfranco D’Angelo stiehlt ihr eindeutig die Schau als intriganter Popanz, der ständig mit Stiefeln und Reiterhose herumläuft und die Reitgerte schwingt. (In der deutschen Fassung wird erst sehr spät klar, was es mit seinem Outfit auf sich hat, als man nämlich einen Blick auf das Hitlerbild an seiner Wohnzimmerwand erhascht. Jeder Hinweis auf seine politische Ausrichtung wurde von der deutschen Synchronisation natürlich vorsorglich getilgt.) Mit dieser Akzentverlagerung verändert sich der ganze Film: Weg von der pubertierenden Softsexkomödie hin zur episodischen Comedia all’italiana mit ihren karikaturesk überzeichneten Spießerfiguren, zotigen Slapstickszenen und zielgenau auf die Region um die Gürtellinie gerichteten Witzen. Die deutsche Synchro steht der hemmungslosen Alberei in nichts nach und so hat mir LA LICEALE NELLA CLASSE DEI RIPETENTI deutlich mehr Spaß bereitet als der Vorgänger, der zwar mehr nackte Haut vorzuweisen hatte, aber sich zu sehr auf seine nur wenig aufregende Story konzentrierte.

Um einen Eindruck zu vermitteln, welche bizarren Kausalketten hier aufgespannt werden, nur um jemanden mit dem Kopf vor einen Schrank knallen oder nasse Füße bekommen zu lassen, ein besonders markantes Beispiel: Professor Pinzarrone besucht eines Abends seine Geliebte. Die ist gelangweilt von seinen Liebeskünsten und zwingt ihn dazu, mit einem Strumpf über dem Kopf in ihre Wohnung im ersten Stock einzusteigen, um sie dann als Dieb zu „vergewaltigen“. Bei seiner Fassadenkletterei beobachten ihn Billy und zwei Schulkameraden aus einer gegenüberliegenden Wohnung und zwar durch das Zielfernrohr eines Gewehrs (erstaunlicherweise wird im Folgenden niemandem in den Hintern geschossen, womit ich fest gerechnet hatte). Weil Pinzarrone sich beim ersten Anlauf blöd anstellt, schickt seine Geliebte ihn erneut auf die Straße. Dort wird er nun von den drei Schülern abgefangen, die ihren Lehrer sogleich in ein Gespräch über sein Idol Napoleon verwickeln und ihn von seinem eigentlichen Plan abhalten. Während er enthusiastisch referiert, klettert einer der Schüler nach dem anderen, ebenfalls mit Strumpfmaske verkleidet, in die Wohnung der wartenden Frau, um sie dort zu beschlafen. Die Gute ahnt nichts und ist nach der dritten „Vergewaltigung“ völlig k.o. Sehr zum Leidwesen von Pinzarrone, der nicht nur leer ausgeht, als er endlich wieder bei ihr ankommt, sondern auch noch als Einbrecher von der Polizei gestellt und in den Knast verfrachtet wird. Todmüde und übernächtigt – seine Zelle hatte kein Bett – tritt er am nächsten Morgen die Arbeit in der Schule an, wo er am Pult einschläft und sogleich zur Zielscheibe gemeiner Streiche wird. Die Situation kulminiert, als er sich auf die Toilette schleppt, die die Schüler zuvor vorsorglich verstopft haben, und am Urinal erneut einpennt, während das Wasser der Spülung läuft und läuft und läuft …

Aber es gibt noch weitaus mehr solch „elaborierter“ Späße: Eine schreckhafte Lehrerin fällt bei jedem lauten Geräusch vor Schreck aufs Kreuz und erzielt so schließlich den Hochsprung-Rekord beim Sportfest am Ende des Films. Der Direktor des Films ist schwerhörig und versteht daher alles falsch, was ihm gesagt wird. Immer wieder bekommen Leute die Reitgerte Pinzarrones ab. Das Auto des Musiklehrers Modesti (Alvaro Vitali) wird von den Schülern immer wieder auseinandergenommen und fällt am Ende – als es ausnahmsweise mal völlig intakt scheint – in seine Bestandteile zusammen, als er den Motor anlässt. Beim Sportfest tritt er darüber hinaus mit Perücke verkleidet in der Damen-Staffel an, weil Loredana überraschend ausfällt: Billy hat sich Toninos Strategie zu eigen gemacht und eine Verletzung beim Weitsprung vorgetäuscht. Nachdem er also rücklings in den Sand gefallen ist, markiert er den sterbenden Schwan, der schon fast das Licht am Ende des Tunnels sieht, ohne dass sich einer der Anwesenden darüber wundert. Unbedingt erwähnenswert ist auch Loredanas männlicher Vormund, Onkel Zenobio (Lino Banfi), der seine Glatze unter einem Toupet versteckt, um eine Frau aufzureißen. Sein amouröses Tête-à-Tête wird von Loredanas Freunden unterbunden, die eben noch eine Party gefeiert haben und sich nun hinter der Couch verstecken. In einem bemerkenswerten Tennismatch treten die beiden Turteltäubchen auch noch gegen den tauben Direktor und die schreckhafte Lehrerin an: Hilarity ensues so sicher wie das Amen in der Kirche.

Immer wenn man glaubt, das Niveau könne unmöglich unterboten werden, oder meint, wenigstens ein Standard des tumben Humors würde ausgelassen, wird man vom Gegenteil überzeugt und es kommt noch schlimmer. Aber ehrlich: Gerade das ist ja das Tolle an diesem Film, der heute wahlweise anmutet wie von einem anderen Planeten zu uns heruntergebeamt oder aber wie von einer Horde überdrehter Achtjähriger ohne jedes Talent zur Selbstbeschränkung erdacht. Die Albernheit des Films ist hochgradig ansteckend und mein Vergnügen verhielt sich direkt proportional zur Blödheit der Pointen. Es wird wirklich alles geboten, was man vor 25 bis 30 Jahren mit noch nicht voll entwickeltem Hirn für komisch hielt, und von den Darstellern in jener unnachahmlichen italienischen Art präsentiert. LA LICEALE NELLA CLASSE DEI RIPETENTI ist gewiss nicht für jedermann, aber mich hat die Sucht jetzt schon gepackt. Ich will mehr davon.